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|Entstehungszeit
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|1856 - 1858
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==Geschichte==
==Geschichte==
Den Beschluss zum Bau eines Zollhauses fasste der [[Magistrat]] am 4. Februar 1856 unter Vorsitz von [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]]. Ziel war es, einen besseren Umschlag der Waren am florierenden [[Norder Hafen]] zu ermöglichen.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 80</ref> Die hier eingeführten Waren wurden vorab von den Zollbeamten des [[Zollhaus (Westermarsch I)|Zollhauses in Westermarsch I]] unter Siegel gelegt und im Hafenzollhaus abschließend verzollt.
Den Beschluss zum Bau eines Zollhauses fasste der [[Magistrat]] am 4. Februar 1856 unter Vorsitz von [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]]. Ziel war es, einen besseren Umschlag der Waren am (noch) florierenden [[Norder Hafen]] zu ermöglichen.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 80</ref> Die hier eingeführten Waren wurden vorab von den Zollbeamten des [[Zollhaus (Westermarsch I)|Zollhauses in Westermarsch I]] unter Siegel gelegt und im Hafenzollhaus abschließend verzollt. Für den Bau dieses prachtvollen, langgestreckten Backsteinbaus, dessen besonders detailreicher Formen und dem geschmückten Giebel einen ungefähren Eindruck von Nordens einstigem Wohlstand ermöglicht, waren zunächst umfangreiche Rammarbeiten notwendig.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 145</ref> Das Land hier war noch bis zum Bau des [[Neuer Süderdeich|Neuen Süderdeichs]] ein den Sturmfluten preisgegebenes Gebiet und stand bis zu dessen Eindeichung regelmäßig unter Wasser. Dementsprechend war der Untergrund weich und morastig, wie man es auch heute noch auf dem benachbarten [[Schmertmanns Land]] erkennen kann.
 
Für den Bau dieses prachtvollen, langgestreckten Backsteinbaus, dessen besonders detailreicher Formen und dem geschmückten Giebel einen ungefähren Eindruck von Nordens einstigem Wohlstand ermöglicht, waren zunächst umfangreiche Rammarbeiten notwendig.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 145</ref> Das Land hier war noch bis zum Bau des [[Neuer Süderdeich|Neuen Süderdeichs]] ein den Sturmfluten preisgegebenes Gebiet und stand bis zu dessen Eindeichung regelmäßig unter Wasser. Dementsprechend war der Untergrund weich und morastig, wie man es auch heute noch in [[Vierzig Diemat]] erkennen kann.


Den Zuschlag für die Herstellung und Lieferung der gut 357.500 erforderlichen Ziegelsteine erhielt ein Betrieb aus Oldersum (Landkreis Leer). Je 10.000 Steine wurden 8 Taler und 12 Gute Groschen gezahlt. Dem langgestreckte und von Nordost bis Südwest ausgerichtete Backsteinbau wurden 107 Fenster eingesetzt, die Mauern wurden mit 100 Ankern abgesichert. Das hierfür verwendete Holz wurde eigens aus Skandinavien importiert, um eine bestmögliche Qualität sicherzustellen.<ref name=":0" />
Den Zuschlag für die Herstellung und Lieferung der gut 357.500 erforderlichen Ziegelsteine erhielt ein Betrieb aus Oldersum (Landkreis Leer). Je 10.000 Steine wurden 8 Taler und 12 Gute Groschen gezahlt. Dem langgestreckte und von Nordost bis Südwest ausgerichtete Backsteinbau wurden 107 Fenster eingesetzt, die Mauern wurden mit 100 Ankern abgesichert. Das hierfür verwendete Holz wurde eigens aus Skandinavien importiert, um eine bestmögliche Qualität sicherzustellen.<ref name=":0" />
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Die gesamten Baukosten betrugen 36.797 Reichstaler, 22 Gute Groschen und 8 Pfennig, eine unvorstellbare Summe für damalige Zeiten, die jedoch den außerordentlichen Wohlstand der Stadt seinerzeit ebenso wie der Detailreichtum des Gebäudes zum Ausdruck bringt.<ref name=":0" /> Dabei war schon seinerzeit abzusehen, dass der Hafen infolge natürlicher Verschlickungen und durch die Verschmalerung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] durch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche Eindeichungen]] sich im Niedergang befand.
Die gesamten Baukosten betrugen 36.797 Reichstaler, 22 Gute Groschen und 8 Pfennig, eine unvorstellbare Summe für damalige Zeiten, die jedoch den außerordentlichen Wohlstand der Stadt seinerzeit ebenso wie der Detailreichtum des Gebäudes zum Ausdruck bringt.<ref name=":0" /> Dabei war schon seinerzeit abzusehen, dass der Hafen infolge natürlicher Verschlickungen und durch die Verschmalerung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] durch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche Eindeichungen]] sich im Niedergang befand.


Nach dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] im Jahr 1929 wurde Nordens Zugang zum Meer weitestgehend eingeschränkt und der [[Norddeicher Hafen]] gewann an Bedeutung. Infolgedessen verlor das Zollhaus im Norden Hafen seine Bedeutung, war aber noch bis mindestens 1962 Sitz des Norder [[Zollamt|Zollamtes]].<ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 1300585.jpg)</ref> 1972 erwarb der Landhandel [[Mennenga & Poppinga]] das Alte Zollhaus von der Stadt und richtete hier Lagerstätten ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 274</ref>
Die Räumlichkeiten wurden als [[Zollamt]] sowie gegen Zahlung einer Gebühr vor allem für Lagerzwecke genutzt.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 26</ref> Nach dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] im Jahr 1929 wurde Nordens Zugang zum Meer weitestgehend eingeschränkt und der [[Norddeicher Hafen]] gewann an Bedeutung. Infolgedessen verlor das Zollhaus im Norden Hafen seine Bedeutung, war aber noch bis mindestens 1962 Sitz des Norder [[Zollamt|Zollamtes]].<ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 1300585.jpg)</ref> 1972 erwarb der Landhandel [[Mennenga & Poppinga]] das Alte Zollhaus von der Stadt und richtete hier Lagerstätten ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 274</ref>


Zwischen 1998 und 2000 wurde das altehrwürdige Gebäude schließlich in Privatiniative restauriert. Seitdem befinden sich hier ein Restaurant sowie mehrere Büros und Wohnungen. Am Bau maßgeblich beteiligt war das Bauunternehmen Neumann aus Emden.<ref>[https://cdn.website-editor.net/0e9abd1eccac4175a22463b0a2b147f4/files/uploaded/Neumann_150Jahre.pdf 150 Jahre Gebrüder Neumann (Broschüre)]</ref>
Zwischen 1998 und 2000 wurde das altehrwürdige Gebäude schließlich in Privatiniative restauriert. Seitdem befinden sich hier ein Restaurant sowie mehrere Büros und Wohnungen. Am Bau maßgeblich beteiligt war das Bauunternehmen Neumann aus Emden.<ref>[https://cdn.website-editor.net/0e9abd1eccac4175a22463b0a2b147f4/files/uploaded/Neumann_150Jahre.pdf 150 Jahre Gebrüder Neumann (Broschüre)]</ref>