Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 19: Zeile 19:
|}
|}
Der '''Motorsportclub Norden''' (kurz: ''MC Norden'') ist ein am 3. Juni 1949 gegründeter Motorsportclub. Seit 1971 befindet sich das Heimstadion im ''Motodrom'' in Halbemond (Samtgemeinde Hage), bis dahin dienten Aschenbahnen auf dem [[Jahnplatz]] und dem ehemaligen Marine-Sportplatz im späteren [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] in [[Tidofeld]] als Rennstrecke.
Der '''Motorsportclub Norden''' (kurz: ''MC Norden'') ist ein am 3. Juni 1949 gegründeter Motorsportclub. Seit 1971 befindet sich das Heimstadion im ''Motodrom'' in Halbemond (Samtgemeinde Hage), bis dahin dienten Aschenbahnen auf dem [[Jahnplatz]] und dem ehemaligen Marine-Sportplatz im späteren [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] in [[Tidofeld]] als Rennstrecke.
__NOTOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
===Frühe Anfänge===
Die bescheidenen Anfänge des organisierten Motorsports sind bereits im Jahre 1928 zu suchen, als sich etwa 20 Norder Motorradfahrer zu einer Fahrgemeinschaft namens ''Lederjacken'' zusammenschloss. Zunächst unternahm man nur gemeinsame Ausfahrten, während der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 führte die Gruppe dann einige Male Vorführungen im Kunst- oder Geschicklichkeitsfahren auf dem [[Torfmarkt]] vor.<ref name=":1">Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 27</ref> In den Wirren des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] kam der Motorsport dann jedoch zum Erliegen.
Die bescheidenen Anfänge des organisierten Motorsports sind bereits im Jahre 1928 zu suchen, als sich etwa 20 Norder Motorradfahrer zu einer Fahrgemeinschaft namens ''Lederjacken'' zusammenschloss. Zunächst unternahm man nur gemeinsame Ausfahrten, während der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 führte die Gruppe dann einige Male Vorführungen im Kunst- oder Geschicklichkeitsfahren auf dem [[Torfmarkt]] vor.<ref name=":1">Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 27</ref> In den Wirren des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] kam der Motorsport dann jedoch zum Erliegen.


===Vereinsgründung===
Im April 1949 trafen sich dann einige Motorradfans in der Gaststätte ''[[Kleiner Bahnhof]]'', um über die Gründung eines Motorsportvereins zu beraten. Den Umständen der Nachkriegszeit entsprechend war die Sinnhaftigkeit auch in Anbetracht mangelnder Benzinvorräte fraglich, trotzdem beschloss man am 3. Juni 1949 im [[Hotel Henschen]] schließlich die Gründung des ''Motorsportclubs Norden'', kurz ''MC Norden''.<ref name=":1" /><ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Schon am 4. September des Jahres veranstaltete der Verein das erste Aschenbahnrennen auf dem [[Jahnplatz]].<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 48</ref> Auch Kunstvorführungen wurden durch der Öffentlichkeit präsentiert, rund 3.000 Besucher sahen dem rasanten und mutigen Treiben zu.<ref name=":1" />
Im April 1949 trafen sich dann einige Motorradfans in der Gaststätte ''[[Kleiner Bahnhof]]'', um über die Gründung eines Motorsportvereins zu beraten. Den Umständen der Nachkriegszeit entsprechend war die Sinnhaftigkeit auch in Anbetracht mangelnder Benzinvorräte fraglich, trotzdem beschloss man am 3. Juni 1949 im [[Hotel Henschen]] schließlich die Gründung des ''Motorsportclubs Norden'', kurz ''MC Norden''.<ref name=":1" /><ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Schon am 4. September des Jahres veranstaltete der Verein das erste Aschenbahnrennen auf dem [[Jahnplatz]].<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 48</ref> Auch Kunstvorführungen wurden durch der Öffentlichkeit präsentiert, rund 3.000 Besucher sahen dem rasanten und mutigen Treiben zu.<ref name=":1" />


Zeile 31: Zeile 33:
Auf Initiative des Vereins wurde 1953 erstmals eine Ostfrieslandmeisterschaft ausgerichtet, an der mehr als 100 Fahrer teilnahmen. 1955 nahm der MC Norden an der ''Norddeutschen Küstenfahrt'' in Bad Zwischenahn teil, die bis 1960 ausgerichtet wurde. Die Rennen begannen ab 1956 immer von Norden aus.<ref name=":2" />
Auf Initiative des Vereins wurde 1953 erstmals eine Ostfrieslandmeisterschaft ausgerichtet, an der mehr als 100 Fahrer teilnahmen. 1955 nahm der MC Norden an der ''Norddeutschen Küstenfahrt'' in Bad Zwischenahn teil, die bis 1960 ausgerichtet wurde. Die Rennen begannen ab 1956 immer von Norden aus.<ref name=":2" />


===Umzug nach Tidofeld===
Seit dem 10. Juni 1957 fanden die Rennen des Vereins auf dem Gelände des ehemaligen [[Vertriebenenlager Tidofeld]] statt, dort, wo sich heute die [[Jadestraße]] und die [[Allerstraße]] erstrecken. Der ehemalige Sportplatz wurde am 14. Januar des Jahres vom Verein erworben.<ref>50 Jahre Tidofeld. 1946 - 1996</ref> Zuvor kam es zu Streitigkeiten mit den anderen Sportvereinen, da die Motorsportler die Aschenbahn durch die Rennen beschädigten, doch zogen diese so viele Zuschauer an, dass die Stadt nicht gänzlich darauf verzichten wollte. So fand man die Alternative in Tidofeld.<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 14</ref> In kürzester Zeit wurde der alte Marine-Sportplatz wieder hergerichtet und das Rennen wurde ein voller Erfolg.<ref name=":1" /> Schon bald wurde die inzwischen verfallene Turnhalle des Areals zu einem Vereinsheim umgebaut und umfassend renoviert. Auch wurden hier Schlafräume für auswärtige Fahrer eingerichtet.<ref name=":1" />
Seit dem 10. Juni 1957 fanden die Rennen des Vereins auf dem Gelände des ehemaligen [[Vertriebenenlager Tidofeld]] statt, dort, wo sich heute die [[Jadestraße]] und die [[Allerstraße]] erstrecken. Der ehemalige Sportplatz wurde am 14. Januar des Jahres vom Verein erworben.<ref>50 Jahre Tidofeld. 1946 - 1996</ref> Zuvor kam es zu Streitigkeiten mit den anderen Sportvereinen, da die Motorsportler die Aschenbahn durch die Rennen beschädigten, doch zogen diese so viele Zuschauer an, dass die Stadt nicht gänzlich darauf verzichten wollte. So fand man die Alternative in Tidofeld.<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 14</ref> In kürzester Zeit wurde der alte Marine-Sportplatz wieder hergerichtet und das Rennen wurde ein voller Erfolg.<ref name=":1" /> Schon bald wurde die inzwischen verfallene Turnhalle des Areals zu einem Vereinsheim umgebaut und umfassend renoviert. Auch wurden hier Schlafräume für auswärtige Fahrer eingerichtet.<ref name=":1" />


Am 17. August 1961 wurde mit dem ''Trialfahren'' (Fahren durch schwieriges Gelände) eine neue Sportart ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr fanden die ersten Kreismeisterschaften im [[Landkreis Norden]] mit rund 30 Teilnehmern statt. Bald darauf beteiligte sich der Verein als Mitinitiator an den sogenannten ''Kriegsbeschädigtenfahrten'', bei denen Versehrte beider Weltkriege mit auf Fahrten genommen wurden, um ihnen ein wenig Ablenkung vom erfahrenen Leid zu bieten. Dafür nutzten die Vereinsmitglieder eigene PKW, mit denen sie zumeist Ausflugsziele im Oldenburger oder Osnabrücker Land bereisten. Insgesamt gab es mindestens 30 solcher Fahrten.<ref name=":2" />
Am 17. August 1961 wurde mit dem ''Trialfahren'' (Fahren durch schwieriges Gelände) eine neue Sportart ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr fanden die ersten Kreismeisterschaften im [[Landkreis Norden]] mit rund 30 Teilnehmern statt. Bald darauf beteiligte sich der Verein als Mitinitiator an den sogenannten ''Kriegsbeschädigtenfahrten'', bei denen Versehrte beider Weltkriege mit auf Fahrten genommen wurden, um ihnen ein wenig Ablenkung vom erfahrenen Leid zu bieten. Dafür nutzten die Vereinsmitglieder eigene PKW, mit denen sie zumeist Ausflugsziele im Oldenburger oder Osnabrücker Land bereisten. Insgesamt gab es mindestens 30 solcher Fahrten.<ref name=":2" />


Ende 1964 meldete die [[Stadt Norden]] ihre Bereitschaft an, das gesamte Vereinsgelände in [[Tidofeld]] aufzukaufen und zu einem vorbildlichen Sportplatz, ähnlich des [[Jahnplatz|Jahnplatzes]], herzurichten. Parallel dazu führte der Verein Gespräche mit der Gemeinde Hage über den Kauf eines Geländes nahe des alten Flugplatzes (nahe der Straße ''Hilgenbur''). Beide Vorhaben kamen jedoch aus unerfindlichen Gründen (zunächst) nicht zustande. 1968 erwarb die Stadt dann doch das Tidofelder Gelände für den Bau des [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerks]].<ref name=":1" /> Zur gleichen Zeit erwarb der Verein dann ein geeignetes Grundstück in der Gemeinde Halbemond zwischen [[Berumerfehnkanal]] und [[Nadörster Straße]]. 1970 bis 1971 erbaute man dort den ''Motodrom''. Am 25. Juli 1971 wurde das Stadion schließlich mit dem nunmehr 22. Aschenbahnrennen feierlich eingeweiht.<ref name=":1" />
Ende 1964 meldete die [[Stadt Norden]] ihre Bereitschaft an, das gesamte Vereinsgelände in [[Tidofeld]] aufzukaufen und zu einem vorbildlichen Sportplatz, ähnlich des [[Jahnplatz|Jahnplatzes]], herzurichten. Parallel dazu führte der Verein Gespräche mit der Gemeinde Hage über den Kauf eines Geländes nahe des alten Flugplatzes (nahe der Straße ''Hilgenbur''). Beide Vorhaben kamen jedoch aus unerfindlichen Gründen (zunächst) nicht zustande.


Im Oktober 1972 fand dort das erste große internationale Rennen mit einem Länderkampf zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion statt, am 4. September 1983 das Speedway-Weltmeisterschaftsfinale.<ref name=":1" /><ref name=":0" /> Dafür wurde das Stadion erheblich erweitert.<ref name=":0" /> Insbesondere im Hinblick auf den Kalten Krieg war das Turnier mit dem ''Klassenfeind'' ein bemerkenswerter Meilenstein sowohl für den Verein und die Region als auch die gesamte Bundesrepublik.
===Bau des Motodroms===
1968 erwarb die Stadt dann doch das Tidofelder Gelände für den Bau des [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerks]].<ref name=":1" /> Zur gleichen Zeit erwarb der Verein dann ein geeignetes Grundstück in der Gemeinde Halbemond zwischen [[Berumerfehnkanal]] und [[Nadörster Straße]]. 1970 bis 1971 erbaute man dort den ''Motodrom''. Am 25. Juli 1971 wurde das Stadion schließlich mit dem nunmehr 22. Aschenbahnrennen feierlich eingeweiht.<ref name=":1" /> Im Oktober 1972 fand dort das erste große internationale Rennen mit einem Länderkampf zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion statt, am 4. September 1983 das Speedway-Weltmeisterschaftsfinale.<ref name=":1" /><ref name=":0" /> Dafür wurde das Stadion erheblich erweitert.<ref name=":0" /> Insbesondere im Hinblick auf den Kalten Krieg war das Turnier mit dem ''Klassenfeind'' ein bemerkenswerter Meilenstein sowohl für den Verein und die Region als auch die gesamte Bundesrepublik.


1993 stellte der Verein seine Aktivitäten weitestgehend ein, was möglicherweise in einer im Juni 1992 gefloppten Veranstaltung lag. Eine Agentur und der kurzlebige Werbe- und Kulturring Norden veranstalten am und im Motodrom ein Open-Air-Festival, das zu einem finanziellen Fiasko wurde.<ref name=":0">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 100</ref> Bis heute finden nur noch sehr vereinzelt Wettkämpfe am Motodrom statt.
1993 stellte der Verein seine Aktivitäten weitestgehend ein, was möglicherweise in einer im Juni 1992 gefloppten Veranstaltung lag. Eine Agentur und der kurzlebige Werbe- und Kulturring Norden veranstalten am und im Motodrom ein Open-Air-Festival, das zu einem finanziellen Fiasko wurde.<ref name=":0">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 100</ref> Bis heute finden nur noch sehr vereinzelt Wettkämpfe am Motodrom statt.