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==Bevölkerungsentwicklung==
==Bevölkerungsentwicklung==
* siehe auch: [[Vertriebenenlager Tidofeld#Bevölkerungsentwicklung|Bevölkerungsentwicklung im Vertriebenenlager Tidofeld]]
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Annähernd 270 Jahre passierte nun nicht viel in dem kleinen, beschaulichen Ort. Dies änderte sich schlagartig mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und ihrer das ganze Reich umfassende Aufrüstungspolitik. 1938 errichtete die Wehrmacht ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] im Süden von Tidofeld, hier waren im Laufe der nächsten sieben Jahre verschiedene Einheiten der Marine stationiert. Größte Bedeutung erlangte das Areal im November 1944, als hier das Quartier des Kommandanten der Seeverteidigung Ostfriesland eingerichtet wurde. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstanden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit entgegen des letzten Befehls des ''Führers'' sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>
Annähernd 270 Jahre passierte nun nicht viel in dem kleinen, beschaulichen Ort. Dies änderte sich schlagartig mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und ihrer das ganze Reich umfassende Aufrüstungspolitik. 1938 errichtete die Wehrmacht ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] im Süden von Tidofeld, hier waren im Laufe der nächsten sieben Jahre verschiedene Einheiten der Marine stationiert. Größte Bedeutung erlangte das Areal im November 1944, als hier das Quartier des Kommandanten der Seeverteidigung Ostfriesland eingerichtet wurde. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstanden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit entgegen des letzten Befehls des ''Führers'' sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>


Nach dem Krieg wurde das Kasernengelände in ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] umfunktioniert. Es war mit seinen zahlreichen Baracken und Gebäude hierfür geradezu prädestiniert und gehörte schon bald mit insgesamt über 1.000 gleichzeitig dort wohnenden Menschen zu den größten Lager innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik. Die Solidarität im Lager führte war beachtlich und führte gar zum gemeinschaftlichen Bau einer [[Gnadenkirche Tidofeld|eigenen Kirche]], die heute eine Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung beinhaltet. Noch während der Zeit als Auffanglager für Vertriebene siedelte sich erstmals Industrie im Ort an. Im Februar 1947 eröffnete eine Blechwaren- bzw. Drahtzaunfabrik in dem großen, heute noch vorhandenen Unterkunftsgebäude.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Hier war auch die [[Lagerschule Tidofeld|Lagerschule]]<nowiki/>untergebracht. Das ständige Hämmern störte den Unterricht ungemein. 1962 zog in das Gebäude die [[Lingener Wäschefabrik]] (''Lincron'') ein, der Schulbetrieb wurde 1970 eingestellt. Seit 1975 wird die Wäscherei von der [[Behindertenhilfe Norden]] betrieben.
Nach dem Krieg wurde das Kasernengelände in ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] umfunktioniert. Es war mit seinen zahlreichen Baracken und Gebäude hierfür geradezu prädestiniert und gehörte schon bald mit insgesamt über 1.000 gleichzeitig dort wohnenden Menschen zu den größten Lager innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik. Die Verwaltung des Lagers wurde der [[Stadt Norden]] vom [[Landkreis Norden]] übertragen, da die kleine Gemeinde Lütetsburg mit ihrer ehrenamtlichen Verwaltung hierfür nicht in der Lage gewesen wäre. Die Stadtverwaltung äußerte diesbezüglich Bedenken, da eine Übernahme der Baracken auch dazu führen würde, dass der Stadt mehr Flüchtlinge und Vertriebene zugeteilt werden würden. Der Landkreis drohte der Stadt daraufhin latent, dass das Lager ansonsten der ausgebombten Stadt Emden zur Nutzung überlassen werden könnte, wodurch Norden wertvoller und dringend benötigter Wohnraum verloren gehen würde.
 
Die Solidarität im Lager führte war beachtlich und führte gar zum gemeinschaftlichen Bau einer [[Gnadenkirche Tidofeld|eigenen Kirche]], die heute eine Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung beinhaltet. Noch während der Zeit als Auffanglager für Vertriebene siedelte sich erstmals Industrie im Ort an. Im Februar 1947 eröffnete eine Blechwaren- bzw. Drahtzaunfabrik in dem großen, heute noch vorhandenen Unterkunftsgebäude.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Hier war auch die [[Lagerschule Tidofeld|Lagerschule]]<nowiki/>untergebracht. Das ständige Hämmern störte den Unterricht ungemein. 1962 zog in das Gebäude die [[Lingener Wäschefabrik]] (''Lincron'') ein, der Schulbetrieb wurde 1970 eingestellt. Seit 1975 wird die Wäscherei von der [[Behindertenhilfe Norden]] betrieben.


Von weiterer Bedeutung war die Ansiedlung der aus Schortens (Landkreis Friesland) stammenden [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerke]], die hier eine Zweigniederlassung errichten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref><ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 148</ref> Dieser war jedoch nur eine kurze Existenz beschienen, schon 1983 wurde der Betrieb wieder eingestellt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 291</ref> Heute befindet sich hier das sogenannte Telematikzentrum, das verschiedene Dienstleistungen und Bildungsmöglichkeiten anbietet.
Von weiterer Bedeutung war die Ansiedlung der aus Schortens (Landkreis Friesland) stammenden [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerke]], die hier eine Zweigniederlassung errichten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref><ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 148</ref> Dieser war jedoch nur eine kurze Existenz beschienen, schon 1983 wurde der Betrieb wieder eingestellt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 291</ref> Heute befindet sich hier das sogenannte Telematikzentrum, das verschiedene Dienstleistungen und Bildungsmöglichkeiten anbietet.


Da Tidofeld wegen des großen Bevölkerungswachstums seit der Nachkriegszeit von der [[Stadt Norden]] verwaltet wurde, wurde es 1952 in die Stadt eingemeindet. Die im Lager wohnenden Menschen verließen die Stadt überwiegend in den frühen 1950er Jahren auf der Suche nach Arbeitsplätzen, vor allem in das prosperierende Ruhrgebiet. Das landwirtschaftlich geprägte Norden hatte per se nicht genügend Arbeitsplätze und schon gar nicht für so viele Neubürger. Die wenigen Lagerbewohner, die nicht fortzogen, blieben teilweise ihrem Ort treu, teilweise siedelten sie in das für ihresgleichen errichtete [[Neustadt]] über. Die letzte Baracke wurde in Tidofeld wurde indes erst 1964 abgerissen und, wie später auch in der Innenstadt, entstanden im Umfeld vorwiegend große Mehrfamilienhäuser (Wohnblocks) sowie einige Einfamilienhäuser.
Da Tidofeld wegen des großen Bevölkerungswachstums seit der Nachkriegszeit von der [[Stadt Norden]] verwaltet wurde, wurde es zum 20. September 1952 in die Stadt eingemeindet. Die im Lager wohnenden Menschen verließen die Stadt überwiegend in den frühen 1950er Jahren auf der Suche nach Arbeitsplätzen, vor allem in das prosperierende Ruhrgebiet. Das landwirtschaftlich geprägte Norden hatte per se nicht genügend Arbeitsplätze und schon gar nicht für so viele Neubürger. Die wenigen Lagerbewohner, die nicht fortzogen, blieben teilweise ihrem Ort treu, teilweise siedelten sie in das für ihresgleichen errichtete [[Neustadt]] über. Die letzte Baracke wurde indes erst 1964 abgerissen und, wie später auch in der Innenstadt, entstanden im Umfeld vorwiegend große Mehrfamilienhäuser (Wohnblocks) sowie einige Einfamilienhäuser.
 
In den nächsten Jahren kam es kaum zu erwähnenswerten Ereignissen. Erst als 1995 ein großes Neubaugebiet nördlich der [[Heerstraße]] entstand, kam es zu größeren Veränderungen. Wegen der gestiegenen Bevölkerungszahl und nun deutlich dichteren Besiedlung wurde dem Ort im Jahre 1996 der Status eines eigenständigen Stadtteils zuerkannt. Im gleichen Jahr wurde eine Festschrift zum 50-jährigen Bestehen (''50 Jahre Tidofeld'') veröffentlicht. Das Jahr 1946 nimmt Bezug auf die Sitzung des sogenannten ''Tidofeld-Ausschusses'' vom 16. März 1946, der sich mit der Organisation des [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlagers Tidofeld]] befasste.


In den nächsten Jahren kam es kaum zu nennenswerten Ereignissen. Erst als 1995 ein großes Neubaugebiet nördlich der [[Heerstraße]] entstand, kam es zu nennenswerten Veränderungen. Wegen der großen Bevölkerungszahl und nun deutlich dichteren Besiedlung wurde dem Ort im Jahre 1996 der Status eines eigenständigen Stadtteils zuerkannt. Seitdem ist Tidofeld der jüngste Stadtteil von Norden und hat heute sowohl eine nicht unerhebliche Bedeutung als Wohn- und Gewerbegebiet.
Bis heute ist Tidofeld der jüngste Stadtteil von Norden und hat heute sowohl eine nicht unerhebliche Bedeutung als Wohn- und Gewerbegebiet.


==Bildung==
==Bildung==
Von 1946 bis 1970 fand der Schulunterricht in der [[Lagerschule Tidofeld]] statt. Nach ihrer Schließung wurden die Kinder in die [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|umliegenden Schulen]] umgeschult. Vor 1946 verfügte Tidofeld über keine eigene Schule, was vor allem an der äußerst geringen Einwohnerzahl vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] lag.
Von 1946 bis 1970 fand der Schulunterricht in der [[Lagerschule Tidofeld]] statt. Nach ihrer Schließung wurden die Kinder in die [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|umliegenden Schulen]] umgeschult. Vor 1946 verfügte Tidofeld über keine eigene Schule, was vor allem an der äußerst geringen Einwohnerzahl vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] lag. Die schulpflichtigen Kinder gingen in die ''Gelbe Schule'' von Lütetsburg. Dies galt auch für die Kinder aus [[Bargebur]], das erst 1972 von Lütetsburg nach Norden eingemeindet wurde.


==Erwähnenswerte Gebäude ==
==Erwähnenswerte Gebäude ==
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==Quellenverzeichnis==
==Quellenverzeichnis==
*50 Jahre Tidofeld. 1946 - 1996 (Festschrift)
*[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8852.1&object=tx%7C3170.8852.1 Beschreibung von Tidofeld] auf Norden.de, abgerufen am 29. März 2021
*[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8852.1&object=tx%7C3170.8852.1 Beschreibung von Tidofeld] auf Norden.de, abgerufen am 29. März 2021
*[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Luetetsburg.pdf Beschreibung von Lütetsburg] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
*[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Luetetsburg.pdf Beschreibung von Lütetsburg] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft