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===Frühzeit===
===Frühzeit===
Das Gebiet der heutigen Stadt Norden wurde nachweislich schon in der Mittelsteinzeit, viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, besiedelt - vor allem von den Friesen, aber auch Chauken und Sachsen waren hier sesshaft.<ref name=":10">Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 3</ref><ref name=":11" /> Während der Völkerwanderung seit dem 6. Jahrhundert wurden die Chauken mehr und mehr von den Friesen verdrängt.
Das Gebiet der heutigen Stadt Norden wurde nachweislich schon in der Mittelsteinzeit, viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, besiedelt - vor allem von den Friesen, aber auch Chauken und Sachsen waren hier sesshaft.<ref name=":10">Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 3</ref><ref name=":11" /> Während der Völkerwanderung seit dem 6. Jahrhundert wurden die Chauken mehr und mehr von den Friesen verdrängt. Die Menschen besiedelten zunächst die Gebiete auf der [[Norder Geestinsel]], die deutlich über den Meeresspiegel ragt und dadurch einen natürlichen Schutz vor Überflutungen bot. Die umliegenden [[Marsch|Marschgebiete]] wurden erst wesentlich später besiedelt bzw. [[Liste der Eindeichungen|eingedeicht]]. Es gibt jedoch Vermutungen, dass die fruchtbare Marsch vor dem 8. Jahrhundert, als der Meeresspiegel noch tiefer lag und damit kaum Überflutungen eintraten, schon vor der [[Geest]] aufgrund des wesentlich fruchtbareren Bodens besiedelt war.


1892 wurden die Kieshügel des [[Escher|Eschers]] für den Bau der [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] abgegraben, dabei stieß man auf Reste einer Siedlung aus dem 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus. Forscher deuten Teile der Fundstücke (Tongefäße und Scherben) als Reste einer Salzsiederei.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Auch beim Bau der [[Umgehungsstraße]] fanden Archäologen der Ostfriesischen Landschaft im [[Hooker]] (nahe des [[Goosbarg|Goosbargs]]) Reste einer Siedlung aus der Zeit zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert. Es handelte sich neben Gefäßen aus Keramik auch Hinweise auf einen Hochöfen, mit dem Eisen verhüttet wurde. Die Forscher deuteten dies als Hinweis auf ein reges handwerkliches Treiben, das sich nicht nur im Stadtkern, sondern auch im Norder Umland rege vollzog.
1892 wurden die Kieshügel des [[Escher|Eschers]] für den Bau der [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke nach Norddeich]] abgegraben, dabei stieß man auf Reste einer Siedlung aus dem 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus. Forscher deuteten Teile der Fundstücke (Tongefäße und Scherben) als Reste einer Salzsiederei.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Auch beim Bau der [[Umgehungsstraße]] fanden Archäologen der Ostfriesischen Landschaft im [[Hooker]] (nahe des [[Goosbarg|Goosbargs]]) Reste einer Siedlung aus der Zeit zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert. Es handelte sich neben Gefäßen aus Keramik auch Hinweise auf einen Hochöfen, mit dem Eisen verhüttet wurde. Die Forscher schließen daraus auf ein reges handwerkliches Treiben, das sich nicht nur im Stadtkern, sondern auch im Norder Umland rege vollzog.


Nachdem das Reich der Friesen, beherrscht vom legendären Friesenkönig [[Radbodstraße|Radbod]], durch Karl Martell im Jahre 734 zerschlagen wurde, geriet Friesland unter die Herrschaft der Franken, die von Karl dem Großen endgültig vollzogen wurde.<ref name=":11">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Neben einer christlichen Missionierung verfolgten die Franken in erster Linie politische Ziele zur Ausweitung ihres Machtbereichs. Der fränkische Missionar Luidger, nach dem die [[Ludgerikirche]] benannt wurde, sprach friesisch und konnte die Einheimischen von den Gedanken einer befürchteten Fremdherrschaft durch die Hintertür abbringen.<ref name=":10" /> Er hatte damit maßgeblichen Einfluss am Siegeszug des Christentums im bis dahin heidnischen Ostfriesland.
Nachdem das Reich der Friesen, beherrscht vom legendären Friesenkönig [[Radbodstraße|Radbod]], durch Karl Martell im Jahre 734 zerschlagen wurde, geriet Friesland unter die Herrschaft der Franken, die von Karl dem Großen endgültig vollzogen wurde.<ref name=":11">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Neben einer christlichen Missionierung verfolgten die Franken in erster Linie politische Ziele zur Ausweitung ihres Machtbereichs. Der fränkische Missionar Luidger, nach dem die [[Ludgerikirche]] benannt wurde, sprach friesisch und konnte die Einheimischen von den Gedanken einer befürchteten ''Fremdherrschaft durch die Hintertür'' abbringen.<ref name=":10" /> Er hatte damit maßgeblichen Einfluss am Siegeszug des Christentums im bis dahin heidnischen Ostfriesland.


Die Menschen besiedelten zunächst die Gebiete auf der [[Norder Geestinsel]], die deutlich über den Meeresspiegel ragt und dadurch einen natürlichen Schutz vor Überflutungen bot. Die umliegenden [[Marsch|Marschgebiete]] wurden erst wesentlich später besiedelt bzw. [[Liste der Eindeichungen|eingedeicht]]. Es gibt jedoch Vermutungen, dass die fruchtbare Marsch vor dem 8. Jahrhundert, als der Meeresspiegel noch tiefer lag und damit kaum Überflutungen eintraten, schon vor der [[Geest]] aufgrund des wesentlich fruchtbareren Bodens besiedelt war. So fanden Archäologen der Ostfriesischen Landschaft beim Bau der [[Umgehungsstraße]] am [[Goosbarg (Flurstück)|Goosbarg]] Reste einer Siedlung aus der Zeit zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert. Es handelte sich neben Gefäßen aus Keramik auch Hinweise auf einen Hochöfen, mit dem Eisen verhüttet wurde. Die Forscher deuteten dies als Hinweis auf ein reges handwerkliches Treiben, das sich nicht nur im Stadtkern, sondern auch im Norder Umland rege vollzog.
Am Rand der [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] bildeten sich einzelne Bauerschaften (Zusammenschlüsse mehrerer Höfe), die sich später zu einer Gemeinde, der ''[[Sandbauerschaft]]'' (Geestbauerschaft), zusammenschlossen. Im Zentrum ihrer Bauerschaften errichteten sie einen [[Marktplatz]], von dem aus sich das spätere Stadtgebiet entwickelte. Hier erbauten besonders vornehme Familien bzw. Geschlechter ihre Wohnhäuser und Burgen entstand. Fast alle [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlings- und Edelgeschlechter]] des [[Norderland|Norderlands]] haben ihre Wurzeln in Norden.<ref name=":10" /> Nach den Edelgeschlechtern folgten spätestens im 15. Jahrhundert die wohlhabenden Bauern aus der [[Ostermarsch|Oster-]] und [[Westermarsch]], die vor allem durch Viehhandel zu ansehnlichem Wohlstand kamen und neben ihren Höfen auch ein Stadthaus am Marktplatz unterhielten.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 16</ref> In der Folgezeit wuchsen die Bauerschaften des Norder Umlands um das Jahr 800 parallel zur Besiedlung um den Marktplatz weiter zusammen, sodass Norden allmählich einen stadtähnlichen Charakter entwickelte. Mit dem Verschwinden der ortsnahen [[Gemeinweide|Gemeinweiden]] im 12. Jahrhundert bildete sich das Stadtbild weiter aus.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 32</ref> Das Gründungsdatum der Stadt Norden ist somit in der Zeit zwischen 800 und 1200 zu suchen. Als Gründer Nordens werden der mittelfriesische Graf Reginbert und sein Sohn Gerbert vermutet. Eine Stiftungsurkunde für Norden konnte jedoch noch nicht ermittelt werden. Ebenso fehlen Urkunden über die Erteilung des Markt- und Zollrechts.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 34</ref>
 
Am Rand der Geestinsel bildeten sich einzelne Bauerschaften (Zusammenschlüsse mehrerer Höfe), die sich später zu einer Gemeinde, der sogenannten [[Sandbauerschaft]], zusammenschlossen. Im Zentrum ihrer Bauerschaften errichteten sie einen [[Marktplatz]], von dem aus sich das spätere Stadtgebiet entwickelte. Hier erbauten besonders vornehme Familien bzw. Geschlechter ihre Wohnhäuser und Burgen entstand. Fast alle [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlings- und Edelgeschlechter]] des [[Norderland|Norderlands]] haben ihre Wurzeln in Norden.<ref name=":10" /> Nach den Edelgeschlechtern folgten spätestens im 15. Jahrhundert die wohlhabenden Bauern aus der [[Ostermarsch|Oster-]] und [[Westermarsch]], die vor allem durch Viehhandel zu ansehnlichem Wohlstand kamen und neben ihren Höfen auch ein Stadthaus am Marktplatz unterhielten.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 16</ref> In der Folgezeit wuchsen die Bauerschaften des Norder Umlands um das Jahr 800 parallel zur Besiedlung um den Marktplatz weiter zusammen, sodass Norden allmählich einen stadtähnlichen Charakter entwickelte. Mit dem Verschwinden der ortsnahen [[Gemeinweide|Gemeinweiden]] im 12. Jahrhundert bildete sich das Stadtbild weiter aus.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 32</ref> Das Gründungsdatum der Stadt Norden ist somit in der Zeit zwischen 800 und 1200 zu suchen. Als Gründer Nordens werden der mittelfriesische Graf Reginbert und seinen Sohn Gerbert vermutet. Eine Stiftungsurkunde für Norden konnte jedoch noch nicht ermittelt werden. Ebenso fehlen Urkunden über die Erteilung des Markt- und Zollrechts.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 34</ref>


Der Ort war seinerzeit über eine hochwassersichere Verbindung auf der [[Geest]] mit Esens verbunden, das in [[Westgaste]] Endpunkt des ''Friesischen Heerwegs'' von Oldenburg war.<ref name=":15">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 33</ref> Auch war Norden letzter Abschnitt des Westfälischen (von Süden kommend) und des Bremischen Heerwegs (von Osten kommend).<ref name=":10" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 324</ref> Über den westfälischen Heerweg kamen nicht zuletzt auch viele arme westfälische Wanderarbeiter, die sich auf den Höfen der reichen Marschbauern eine Arbeit erhofften. Noch heute erinnert die [[Heerstraße]] mit ihrem Namen an den alten Heerweg gen Bremen. Hinzu kamen zahlreiche Wege an und auf Deichen, die als solche benutzt wurden. Viele Straßen in Norden verlaufen an oder auf alten Deichlinien, so etwa die [[Wurzeldeicher Straße]], die [[Landstraße]] oder der [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]].
Der Ort war seinerzeit über eine hochwassersichere Verbindung auf der [[Geest]] mit Esens verbunden, das in [[Westgaste]] Endpunkt des ''Friesischen Heerwegs'' von Oldenburg war.<ref name=":15">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 33</ref> Auch war Norden letzter Abschnitt des Westfälischen (von Süden kommend) und des Bremischen Heerwegs (von Osten kommend).<ref name=":10" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 324</ref> Über den westfälischen Heerweg kamen nicht zuletzt auch viele arme westfälische Wanderarbeiter, die sich auf den Höfen der reichen Marschbauern eine Arbeit erhofften. Noch heute erinnert die [[Heerstraße]] mit ihrem Namen an den alten Heerweg gen Bremen. Hinzu kamen zahlreiche Wege an und auf Deichen, die als solche benutzt wurden. Viele Straßen in Norden verlaufen an oder auf alten Deichlinien, so etwa die [[Wurzeldeicher Straße]], die [[Landstraße]] oder der [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]].
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===Mittelalter===
===Mittelalter===
Norden gehörte vermutlich zunächst politisch zum historischen Federgau, kirchlich wurde es anfangs dem Bistum Münster zugeordnet.<ref name=":10" /> Nach dem Einbruch der [[Leybucht]], die sich wahrscheinlich während einer schweren Sturmflut am 26. Dezember 838 bildete, verlor das Kirchspiel Norden ab dem 9. Jahrhundert nach und nach seine Verbindungen zum Federgau und wurde durch die geografische Trennung nun dem Bistum Bremen unterstellt.<ref name=":10" /><ref>[http://www.michaeltillheinze.de/f_k1989/f_k890223.htm#1 Fehntjer Kurier - Wer nicht will deichen, der muss weichen], abgerufen am 21. April 2021</ref> So entwickelte sich die Ansiedlung bis 1150 zu einem Vorort im Gau ''Nordendi'', der in etwa das Gebiet umfasste, das ab dem Hochmittelalter [[Norderland|Norder-]], Auricher- und Harlingerland genannt wurde. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die fränkische Grafschaftsverfassung von den Friesen weitgehend ausgehöhlt und der Großgau Nordendi brach auseinander. Norden wurde nun Hauptort des [[Norderland|Norderlandes]] und erhielt 1277 erstmals eine eigene Stadtverfassung.<ref name=":10" />
Norden gehörte vermutlich zunächst politisch zum historischen Federgau, kirchlich wurde es anfangs dem Bistum Münster zugeordnet.<ref name=":10" /> Nach dem Einbruch der [[Leybucht]], die sich wahrscheinlich während einer schweren Sturmflut am 26. Dezember 838 bildete, verlor das [[Kirchspiel Norden]] ab dem 9. Jahrhundert nach und nach seine Verbindungen zum Federgau und wurde durch die geografische Trennung nun dem Bistum Bremen unterstellt.<ref name=":10" /><ref>[http://www.michaeltillheinze.de/f_k1989/f_k890223.htm#1 Fehntjer Kurier - Wer nicht will deichen, der muss weichen], abgerufen am 21. April 2021</ref> So entwickelte sich die Ansiedlung bis 1150 zu einem Vorort im Gau ''Nordendi'', der in etwa das Gebiet umfasste, das ab dem Hochmittelalter [[Norderland|Norder-]], Auricher- und Harlingerland genannt wurde. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die fränkische Grafschaftsverfassung von den Friesen weitgehend ausgehöhlt und der Großgau Nordendi brach auseinander. Norden wurde nun Hauptort des [[Norderland|Norderlandes]] und erhielt 1277 erstmals eine eigene Stadtverfassung.<ref name=":10" />


Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden erstmals steinerne Kirchen in Norden, die [[Andreaskirche]] war die erste von ihnen. Möglicherweise stand ihr Neubau im Zusammenhang mit dem Besuch des Bremer Erzbischofs Hildebold von Wunstorf, der die Stadt im Jahre 1271 besucht, im [[Dominikanerkloster]] genächtigt und eine heilige Messe abgehalten haben soll.<ref name=":14" /> Trotz der erhöhten Lage der Kernstadt errichteten die Menschen eine künstliche [[Warft]], auf der sie diese Kirche bauten. Ihre Kirchtürme dienten über Jahrhunderte den Seefahrern bis hin zur Elbmündung als wichtiges Seezeichen, ehe sie 1531 von [[Balthasar von Esens]] gebrandschatzt wurde und in den Folgejahrzehnten verfiel. Mehrere Versuche, sie wieder aufzubauen, schlugen fehl. Noch 1217 sollen sich friesische Kreuzfahrer hier getroffen haben, um gemeinsam ihren Weg zum Kreuzzug in das Heilige Land (Fünfter Kreuzzug bzw. Kreuzzug von Damiette) zu beginnen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 179</ref> Aus dieser Legende heraus entstand der Name des späteren [[Gasthof Jerusalem|Gasthofs Jerusalem]].
Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden erstmals steinerne Kirchen in Norden, die [[Andreaskirche]] war die erste von ihnen. Möglicherweise stand ihr Neubau im Zusammenhang mit dem Besuch des Bremer Erzbischofs Hildebold von Wunstorf, der die Stadt im Jahre 1271 besuchte, im [[Dominikanerkloster]] nächtigte und eine heilige Messe abgehalten haben soll.<ref name=":14" /> Trotz der erhöhten Lage der Kernstadt errichteten die Menschen eine künstliche [[Warft]], auf der sie die Andreaskirche bauten. Ihre Kirchtürme dienten über Jahrhunderte den Seefahrern bis hin zur Elbmündung als wichtiges Seezeichen, ehe sie 1531 von [[Balthasar von Esens]] gebrandschatzt wurde und in den Folgejahrzehnten verfiel. Mehrere Versuche, sie wieder aufzubauen, schlugen fehl. Noch 1217 sollen sich friesische Kreuzfahrer hier getroffen haben, um gemeinsam ihren Weg zum Kreuzzug in das Heilige Land (Fünfter Kreuzzug bzw. Kreuzzug von Damiette) zu beginnen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 179</ref> Aus dieser Legende heraus entstand der Name des späteren [[Gasthof Jerusalem|Gasthofs Jerusalem]].


Während die Andreaskirche die Kirche der Stadt war, errichteten die Norder Umlandgemeinden in ihrer unmittelbaren Nähe die [[Ludgerikirche]]. Dieser Umstand ist einer der bedeutendsten Hinweise auf das Miteinander der Stadt mit den Umlandgemeinden. Neben den beiden Kirchen entstanden zudem zwei Klöster: Das [[Kloster Marienthal]] - gegründet vom Orden der Benediktiner - und das [[Kloster Norden]], das von den Dominikanern gegründet wurde. Beide Klöster waren über Jahrhunderte von zentraler Bedeutung für Norden und die Region. Sie waren nicht nur geistliche Zentren, sondern waren auch Orte von Verhandlungen und Vertragsunterzeichnungen, wie dem [[Norder Vertrag]] im Jahre 1255. In diesem Vertrag wurde Norden erstmals gesichert urkundlich erwähnt, was vielfach mit der Verleihung des Stadtrechts verwechselt wird. Aus diesem Irrtum heraus erklärt sich, dass Norden sich lange Zeit als ''älteste Stadt Ostfrieslands'' bezeichnet. Emden wurde allerdings 1224, also 31 Jahre früher, erstmals urkundlich erwähnt. Zur [[Stadtrechtsverleihung]] kam es indes erst 1277.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 5</ref> Der Ort hatte zu dieser Zeit jedoch bereits längst einen städtisch geprägten Charakter. Naheliegend ist also, dass Norden einfach ''aus sich selbst heraus'' zu seiner Stadt geworden und irgendwann irrigerweise als solche bezeichnet wurde, ehe es schließlich auch in einer Rolle der Emder Goldschmiedezunft vom 11. November 1491 offiziell als solche betitelt wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 10</ref>
Während die Andreaskirche die Kirche der Stadt war, errichteten die [[Norder Umlandgemeinden]] in ihrer unmittelbaren Nähe die [[Ludgerikirche]]. Dieser Umstand ist einer der bedeutendsten Hinweise auf das Miteinander der Stadt mit den Umlandgemeinden. Neben den beiden Kirchen entstanden zudem zwei Klöster: Das [[Kloster Marienthal]] - gegründet vom Orden der Benediktiner - und das [[Kloster Norden]], das von den Dominikanern gegründet wurde. Beide Klöster waren über Jahrhunderte von zentraler Bedeutung für Norden und die Region. Sie waren nicht nur geistliche Zentren, sondern waren auch Orte von Verhandlungen und Vertragsunterzeichnungen, wie dem [[Norder Vertrag]] im Jahre 1255. In diesem Vertrag wurde Norden erstmals gesichert urkundlich erwähnt, was vielfach mit der Verleihung des Stadtrechts verwechselt wird. Aus diesem Irrtum heraus erklärt sich, dass Norden sich lange Zeit als ''älteste Stadt Ostfrieslands'' bezeichnet. Emden wurde allerdings 1224, also 31 Jahre früher, erstmals urkundlich erwähnt. Zur [[Stadtrechtsverleihung]] kam es indes erst 1277.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 5</ref> Der Ort hatte zu dieser Zeit jedoch bereits längst einen städtisch geprägten Charakter. Naheliegend ist also, dass Norden einfach ''aus sich selbst heraus'' zu seiner Stadt geworden und irgendwann irrigerweise als solche bezeichnet wurde, ehe es schließlich auch in einer Rolle der Emder Goldschmiedezunft vom 11. November 1491 offiziell als solche betitelt wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 10</ref>


Im 14. Jahrhundert begannen große gesellschaftliche Umbrüche in Ostfriesland. Die ''Friesische Freiheit'', die den Friesen nach ihrem Sieg über die Normannen im 9. Jahrhundert der Legende nach von Karl dem Großen verliehen bekommen haben, begann zu verfallen. Die Friesische Freiheit sicherte den Friesen über Jahrhunderte eine weitgehende Autonomie zu, nach der sie nur den Kaiser über sich, ansonsten jedoch keinen anderen Landesherren erdulden mussten. Insbesondere im Zeitalter des Feudalismus ein ungeheures Privileg. Die meisten Menschen in Europa waren unfrei oder gar leibeigen und damit praktisch der Willkür ihrer Herren ausgeliefert. Die gesellschaftlichen Bedingungen änderten sich erst durch mehrere verheerende Sturmfluten, wie etwa die [[Erste Dionysiusflut]], im 14. Jahrhundert, das auch als ''Jahrhundert der Sturmfluten'' in die Geschichte einging. Sie führten dazu, dass das Land schwerste Schäden erlitt und die Überlebenden vor den Trümmern ihrer Existenz standen. Orte wie das einst überaus wohlhabende Dorf [[Westeel]] müssen aufgegeben und ausgedeicht werden. Auch die Gebiete des heutigen [[Süderneuland|Süderneulands]] wurden an die Fluten verloren. Die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung und reichte bis nach Lütetsburg, wie noch heute an den [[Kolk|Kolken]] im Umfeld der [[Umgehungsstraße]] erkennbar ist.
Im 14. Jahrhundert begannen große gesellschaftliche Umbrüche in Ostfriesland. Die ''Friesische Freiheit'', die den Friesen nach ihrem Sieg über die Normannen im 9. Jahrhundert der Legende nach von Karl dem Großen verliehen bekommen haben, begann zu verfallen. Die Friesische Freiheit sicherte den Friesen über Jahrhunderte eine weitgehende Autonomie zu, nach der sie nur den Kaiser über sich, ansonsten jedoch keinen anderen Landesherren erdulden mussten. Insbesondere im Zeitalter des Feudalismus ein ungeheures Privileg. Die meisten Menschen in Europa waren unfrei oder gar leibeigen und damit praktisch der Willkür ihrer Herren ausgeliefert. Die gesellschaftlichen Bedingungen änderten sich erst durch mehrere verheerende Sturmfluten, wie etwa die [[Erste Dionysiusflut]], im 14. Jahrhundert, das auch als ''Jahrhundert der Sturmfluten'' in die Geschichte einging. Sie führten dazu, dass das Land schwerste Schäden erlitt und die Überlebenden vor den Trümmern ihrer Existenz standen. Orte wie das einst überaus wohlhabende Dorf [[Westeel]] müssen aufgegeben und ausgedeicht werden. Auch die Gebiete des heutigen [[Süderneuland|Süderneulands]] wurden an die Fluten verloren. Die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung und reichte bis nach Lütetsburg, wie noch heute an den [[Kolk|Kolken]] im Umfeld der [[Umgehungsstraße]] erkennbar ist.