Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 22: Zeile 22:


== Geschichte ==
== Geschichte ==
(auch: ''Bürgergarde'') entstand in den Wirren des Revolutionsjahres 1848 (Märzrevolution). Sie bestand aus vier Kompanien freiwilliger Bürger.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 85</ref> Als Kommandant fungierte der hochangesehene Norder Tabakfabrikant [[Arend Wilhelm Steinbömer (1811)|Arend Wilhelm Steinbömer]].<ref>Stöver, Christof (1998): Über die Gründung der Norder Bürgerwehr am 16. Mai 1848, In: Ostfriesland Magazin, 5, S. 82f.</ref> Die Bewaffnung wurde aus eigenen Mitteln der Mitglieder gestellt, denn schon seit dem 17. Jahrhundert waren die Norder Bürger aufgerufen, Waffen für den Verteidigungsfall vorzuhalten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 55</ref> Ursächlich für die Gründung war einerseits der Wille der Bürger, ihre Stadt vor dem aufkommenden Chaos zu schützen, andererseits vor allem die Tatsache, dass die gesamte Gemeinde für durch Tumulte verursachte Schäden aufkommen musste, das den Nordern Bürgern natürlich zutiefst widerstrebte.<ref name=":0" /> Angeblich sei die Aufstellung zudem auf ausdrücklichen Willen der hannoverschen Regierung beschlossen wurden, um sich gegen den aufkommenden Konflikt mit Dänemark wappnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref>
Die erste Bürgerwehr entstand in den Wirren des Revolutionsjahres 1848 (Märzrevolution). Sie bestand aus vier Kompanien freiwilliger Bürger und erreichte mit 450 Mann die Stärke eines Bataillons.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 85</ref><ref name=":2">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 34</ref> Als Kommandant fungierte der hochangesehene Norder Tabakfabrikant [[Arend Wilhelm Steinbömer (1811)|Arend Wilhelm Steinbömer]].<ref>Stöver, Christof (1998): Über die Gründung der Norder Bürgerwehr am 16. Mai 1848, In: Ostfriesland Magazin, 5, S. 82f.</ref> Die Bewaffnung wurde vorwiegend aus eigenen Mitteln der Mitglieder gestellt, denn schon seit dem 17. Jahrhundert waren die Norder Bürger aufgerufen, Waffen für den Verteidigungsfall vorzuhalten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 55</ref> Hinzu kamen gebrauchte Gewehre und Piken, die Steinbömer günstig auftreiben konnte.<ref name=":2" />


Die Bürgerwehr wurde schnell ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und man übertrag ihnen den Küstenschutz.<ref name=":1" /> Die Uniformierung, Bewaffnung und Ausbildung wurde hierbei durch ein eigenes Reglement festgelegt. Einen ersten, echten Einsatz hatte die Bürgerwehr nach Sichtung eines dänischen Kriegsschiffes am 8. Juni 1848, das Teil der dänischen Seeblockade anlässlich des Schleswig-Holsteinischen Krieges war, durch die die Dänen den gesamten Schiffsverkehr in Nord- und Ostsee lahmlegten. Angeblich war dieses vor Norderney vor Anker gegangen. Die Bürgerwehr war bereits im Begriff, nach Norderney zu verlegen, als die Nachricht eintraf, dass das Schiff wieder abgelegt hatte.<ref name=":0" />
Ursächlich für die Gründung war einerseits der Wille der Bürger, ihre Stadt vor dem aufkommenden Chaos zu schützen, andererseits vor allem die Tatsache, dass die gesamte Gemeinde für durch Tumulte verursachte Schäden aufkommen musste, das den Nordern Bürgern natürlich zutiefst widerstrebte.<ref name=":0" /> Angeblich sei die Aufstellung zudem auf ausdrücklichen Willen der hannoverschen Regierung beschlossen wurden, um sich gegen den aufkommenden Konflikt mit Dänemark wappnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> So kam es, dass die königliche Regierung die Bürgerwehr auch finanziell unterstützte.<ref name=":2" />


Norder Frauen stifteten der Bürgerwehr zum 11. Oktober 1848 eine selbstgestickte Bataillonsfahne, die an diesem Tage nach einer feierlichen Fahnenweihe auf dem [[Marktplatz]] überreicht wurde.<ref name=":0" /> Die Munition der Wehr wurde im sogenannten [[Pulverturm]] nahe der [[Kolkbrücke]] aufbewahrt.<ref name=":1" />
Die Bürgerwehr wurde schnell ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der abgelegenen Seestadt und man übertrag ihr den Küstenschutz.<ref name=":1" /> Die Uniformierung, Bewaffnung und Ausbildung wurde hierbei durch ein eigenes Reglement festgelegt. Die Mitglieder trugen grüne Röcke und Wachstuchkappen mit schwarz-rot-goldenen Kokarden.<ref name=":3">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 35</ref>


Die Bürgerwehr bestand auch nach der Revolution fort, 1849 wurde ihr eine Musikapelle, das ''Janitscharen-Corps Silistria'' angegliedert. Der Exerzierplatz wurde am [[Hof Selden Rüst]], damals noch eine Gastwirtschaft, eingerichtet. Dort fand seit 1850 auch das ''Bürgerwehr-Scheibenschießen'' statt.<ref name=":0" /> Für reguläre Zusammenkünfte nutzte man den Saal im [[Weinhaus]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref> Die Kapelle bestand bis zum 11. Juli 1855, zum 8. April 1857 wurde die Bürgerwehr dann auch gesetzlich aufgelöst.<ref name=":0" />
Einen ersten, echten Einsatz hatte die Bürgerwehr nach Sichtung eines dänischen Kriegsschiffes am 8. Juni 1848, das Teil der dänischen Seeblockade anlässlich des Schleswig-Holsteinischen Krieges war, durch die die Dänen den gesamten Schiffsverkehr in Nord- und Ostsee lahmlegten. Angeblich war dieses vor Norderney vor Anker gegangen. Die Bürgerwehr - oder zumindest der mutige Teil von ihr - war bereits im Begriff, nach Norderney zu verlegen, als die Nachricht eintraf, dass das Schiff wieder abgelegt hatte.<ref name=":0" /><ref name=":3" />
 
Norder Frauen stifteten der Bürgerwehr zum 11. Oktober 1848 eine selbstgestickte Bataillonsfahne, die an diesem Tage nach einer feierlichen Fahnenweihe auf dem [[Marktplatz]] überreicht wurde.<ref name=":0" /> Die Munition der Wehr wurde im sogenannten [[Pulverturm]] nahe der [[Kolkbrücke]] aufbewahrt.<ref name=":1" /> Auch nach der Revolution bestand die Wehr fort, 1849 wurde ihr eine Musikapelle, das ''Janitscharen-Corps Silistria'' angegliedert. Der Exerzierplatz wurde am [[Hof Selden Rüst]], damals noch eine Gastwirtschaft, eingerichtet. Dort fand seit 1850 auch das ''Bürgerwehr-Scheibenschießen'' statt.<ref name=":0" /> Für reguläre Zusammenkünfte nutzte man den Saal im [[Weinhaus]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref> Die Kapelle bestand bis zum 11. Juli 1855, zum 8. April 1857 wurde die Bürgerwehr dann auch gesetzlich aufgelöst.<ref name=":0" /> Auch die neu gewonnene Pressefreiheit wurde durch dieses Gesetz wieder zunichte gemacht.<ref name=":3" />


Als Nachfolger der Bürgerwehr im weiteren Sinne (der Traditionspflege; Kameradschaftsschießen etc.) kann der [[Schützenbund Norden]] betrachtet werden. In den Wirren der Zeit nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam es am 5. September 1919 jedoch kurzfristig wieder zur Gründung einer Bürgerwehr, die 283 Mann mit 30 Waffen umfasste. Sie hatte jedoch nur kurzen Bestand und wurde im Zuge der Gründung der Weimarer Republik rasch wieder aufgelöst.
Als Nachfolger der Bürgerwehr im weiteren Sinne (der Traditionspflege; Kameradschaftsschießen etc.) kann der [[Schützenbund Norden]] betrachtet werden. In den Wirren der Zeit nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam es am 5. September 1919 jedoch kurzfristig wieder zur Gründung einer Bürgerwehr, die 283 Mann mit 30 Waffen umfasste. Sie hatte jedoch nur kurzen Bestand und wurde im Zuge der Gründung der Weimarer Republik rasch wieder aufgelöst.