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1937, die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kraftfahrzeuge, erfolgte der Bau des [[Altes Feuerwehrhaus|Feuerwehrhauses]] in der [[Klosterstraße]], der vom [[Landkreis Norden]] und der Stadt kofinanziert und ein Jahr später fertiggestellt wurde. Die alten Spritzenhäuser wurden nach und nach abgerissen. Auf dem Gelände des neuen Feuerwehrhauses befand sich ursprünglich die ''Zichorienfabrik Otten'', die der Familie des einstigen stellvertretenden Hauptmanns [[Ubbo Otten]] gehörte. Die Fabrik ging in den 1920er Jahren ein, das Hauptgebäude wurde daraufhin 1930 von der ''Arbeitersportbewegung'' erworben und in weitestgehend ehrenamtlicher Basis restauriert. Es war fortan als [[Jugendheim (Klosterstraße)|''Jugendheim'']] bekannt. Schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung von den neuen Machthabern zur Auflösung gezwungen. Das Jugendheim blieb zunächst bestehen, wurde jedoch kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zu einer Konservenfabrik umgebaut. Diese war unter den Namen ''Ulrich Sabarth'' über die Stadtgrenzen bekannt und zog nach dem Krieg auf das ehemalige Wehrmachtsgelände in Hage, wo sich heute die FIrma ''cwTec GmbH'' befindet. Ein Nebengebäude der Zichorienfabrik wurde nach dem Erwerb durch die [[Stadt Norden]] bereits seit 1930 als Unterstellmöglichkeit für den wachsenden Fuhrpark genutzt. Das Feuerwehrhaus selbst wurde schließlich auf dem Grund ehemaliger Arbeiterwohnungen der Fabrik errichtet, die im Aussehen denen der Häuser am östlichen [[Burggraben]] ähnelten.
1937, die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kraftfahrzeuge, erfolgte der Bau des [[Altes Feuerwehrhaus|Feuerwehrhauses]] in der [[Klosterstraße]], der vom [[Landkreis Norden]] und der Stadt kofinanziert und ein Jahr später fertiggestellt wurde. Die alten Spritzenhäuser wurden nach und nach abgerissen. Auf dem Gelände des neuen Feuerwehrhauses befand sich ursprünglich die ''Zichorienfabrik Otten'', die der Familie des einstigen stellvertretenden Hauptmanns [[Ubbo Otten]] gehörte. Die Fabrik ging in den 1920er Jahren ein, das Hauptgebäude wurde daraufhin 1930 von der ''Arbeitersportbewegung'' erworben und in weitestgehend ehrenamtlicher Basis restauriert. Es war fortan als [[Jugendheim (Klosterstraße)|''Jugendheim'']] bekannt. Schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung von den neuen Machthabern zur Auflösung gezwungen. Das Jugendheim blieb zunächst bestehen, wurde jedoch kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zu einer Konservenfabrik umgebaut. Diese war unter den Namen ''Ulrich Sabarth'' über die Stadtgrenzen bekannt und zog nach dem Krieg auf das ehemalige Wehrmachtsgelände in Hage, wo sich heute die FIrma ''cwTec GmbH'' befindet. Ein Nebengebäude der Zichorienfabrik wurde nach dem Erwerb durch die [[Stadt Norden]] bereits seit 1930 als Unterstellmöglichkeit für den wachsenden Fuhrpark genutzt. Das Feuerwehrhaus selbst wurde schließlich auf dem Grund ehemaliger Arbeiterwohnungen der Fabrik errichtet, die im Aussehen denen der Häuser am östlichen [[Burggraben]] ähnelten.


Trug der Feuerwehrkommandant anfänglich den an den gleichnamigen, militärischen Dienstgrad angelehnten Titel ''Hauptmann'', änderte sich die Bezeichnung infolge des Reichsfeuerwehrgesetzes 1938 in ''Wehrführer'' (1938 - 1940), ''Kreisführer'' (1940 - 1943), ''Abteilungsführer der Feuerweh''r (1943 - 1945) und schließlich ''Stadtbrandmeister'' (ab 1945). Auch hieß die Feuerwehr einige Zeit nicht mehr ''Feuerwehr'', sondern ab 1933 ''Feuerlöschpolizei'' und ab 1938 ''Feuerschutzpolizei'' und war organisatorisch der Polizei angegliedert. Ab 31. Juli 1940 wurden die Dienstgradabzeichen an die der Feuerschutzpolizei angeglichen und alle Feuerwehrfahrzeuge wurden nur noch im Tannengrün (RAL 6009) der Polizei ausgeliefert. Vorher waren die Feuerwehrfahrzeuge meist in Rot in verschiedenen Tönungen wie Rubinrot oder Kardinalrot lackiert, es gab aber auch braune, grüne und dunkelblaue Lackierungen. Ungefähr zur selben Zeit wurden auch zahlreiche [[Liste der Motorsirenen|Motorsirenen]] in der Stadt installiert, die sowohl der Alarmierung der Feuerwehr als auch der Warnung der Bevölkerung bei Bränden und Luftangriffen dienen sollten.
Trug der Feuerwehrkommandant anfänglich den an den gleichnamigen, militärischen Dienstgrad angelehnten Titel ''Hauptmann'', änderte sich die Bezeichnung infolge des Reichsfeuerwehrgesetzes 1938 in ''Wehrführer'' (1938 - 1940), ''Kreisführer'' (1940 - 1943), ''Abteilungsführer der Feuerweh''r (1943 - 1945) und schließlich ''Stadtbrandmeister'' (ab 1945). Auch hieß die Feuerwehr einige Zeit nicht mehr ''Feuerwehr'', sondern ab 1933 ''Feuerlöschpolizei'' und ab 1938 ''Feuerschutzpolizei'' und war organisatorisch der Polizei angegliedert. Zur gleichen Zeit änderte sich die Uniform, unter anderem wurde die bisherige Pickelhaube abgeschafft und durch M35-Schutzhelme ersetzt, wie er auch von der Wehrmacht und der SS genutzt wurde. Noch heute ähneln die deutschen Feuerwehrhelme dem bewährten Aussehen und Konzept des M35.
 
Ab 31. Juli 1940 wurden die Dienstgradabzeichen an die der Feuerschutzpolizei angeglichen und alle Feuerwehrfahrzeuge wurden nur noch im Tannengrün (RAL 6009) der Polizei ausgeliefert. Vorher waren die Feuerwehrfahrzeuge meist in Rot in verschiedenen Tönungen wie Rubinrot oder Kardinalrot lackiert, es gab aber auch braune, grüne und dunkelblaue Lackierungen. Ungefähr zur selben Zeit wurden auch zahlreiche [[Liste der Motorsirenen|Motorsirenen]] in der Stadt installiert, die sowohl der Alarmierung der Feuerwehr als auch der Warnung der Bevölkerung bei Bränden und Luftangriffen dienen sollten.


Im Vorfeld der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Feuerwehr von den nationalsozialistischen Machthabern informiert, sodass sie sich bereits vor dem Brandanschlag auf die [[Synagoge]] vor Ort einfand. Die Einsatzkräfte erhielten die klare Anweisung, ihre Löschmaßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Das Umfeld der Synagoge wurde von SA-Männern abgesperrt, die das Wirken der Feuerwehr genauestens beobachteten.
Im Vorfeld der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Feuerwehr von den nationalsozialistischen Machthabern informiert, sodass sie sich bereits vor dem Brandanschlag auf die [[Synagoge]] vor Ort einfand. Die Einsatzkräfte erhielten die klare Anweisung, ihre Löschmaßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Das Umfeld der Synagoge wurde von SA-Männern abgesperrt, die das Wirken der Feuerwehr genauestens beobachteten.
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Mit dem Fortschreiten des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurden der Wehr immer mehr Mitglieder entzogen, um die Verluste der Wehrmacht auszugleichen. Eine Gruppe von neun Feuerwehrleuten wurden als ständige Feuerwache zum Dienst verpflichtet. Sie trugen in Abgrenzung zu den übrigen Angehörigen graue statt blaue Uniformen. Glücklicherweise musste die Wehr nur selten zu kriegsbedingten Einsätzen im Stadtgebiet ausrücken, die Zahl der Luftangriffe und ihre Schäden blieben überschaubar. Da jedoch insbesondere Emden sehr viel häufiger, vor allem im September 1944, Ziel alliierter Luftangriffe wurde, rückte die Norder Wehr mehrfach dorthin aus. Dies war stets ein gefährliches Unterfangen, da auch zivile Hilfskräfte von den alliierten Luftstreitkräften beschossen wurden. Aus diesem Grund wurde schon 1933 das Blaulicht bei der Polizei und 1938 auch bei der Feuerwehr als Warnsignal eingeführt, da es wegen seiner atmosphärischen Streuung nur schwer von der Luft aus erkennbar war. Zusätzlich wurden die Blaulichter so ausgerüstet, dass sie nur nach vorne strahlten und nicht - wie heute - rundum leuchteten. Auch kam es, je mehr Männer zum Kriegsdienst oder Volkssturm verpflichtet wurden, 1944 zur Gründung einer Feuerwehrfrauengruppe. Diese löste sich jedoch nach einem Einsatz im ausgebombten Emden wegen Traumatisierung der Damen wieder auf.
Mit dem Fortschreiten des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurden der Wehr immer mehr Mitglieder entzogen, um die Verluste der Wehrmacht auszugleichen. Eine Gruppe von neun Feuerwehrleuten wurden als ständige Feuerwache zum Dienst verpflichtet. Sie trugen in Abgrenzung zu den übrigen Angehörigen graue statt blaue Uniformen. Glücklicherweise musste die Wehr nur selten zu kriegsbedingten Einsätzen im Stadtgebiet ausrücken, die Zahl der Luftangriffe und ihre Schäden blieben überschaubar. Da jedoch insbesondere Emden sehr viel häufiger, vor allem im September 1944, Ziel alliierter Luftangriffe wurde, rückte die Norder Wehr mehrfach dorthin aus. Dies war stets ein gefährliches Unterfangen, da auch zivile Hilfskräfte von den alliierten Luftstreitkräften beschossen wurden. Aus diesem Grund wurde schon 1933 das Blaulicht bei der Polizei und 1938 auch bei der Feuerwehr als Warnsignal eingeführt, da es wegen seiner atmosphärischen Streuung nur schwer von der Luft aus erkennbar war. Zusätzlich wurden die Blaulichter so ausgerüstet, dass sie nur nach vorne strahlten und nicht - wie heute - rundum leuchteten. Auch kam es, je mehr Männer zum Kriegsdienst oder Volkssturm verpflichtet wurden, 1944 zur Gründung einer Feuerwehrfrauengruppe. Diese löste sich jedoch nach einem Einsatz im ausgebombten Emden wegen Traumatisierung der Damen wieder auf.


In den Wirren der letzten Kriegstage und der frühen Nachkriegszeit gingen Angehörige der Feuerwehr schließlich gemeinsam mit [[Polizei Norden|Polizeibeamten]] sowie ehemaligen Wehrmachtssoldaten auf Streife, um die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten zu können und insbesondere Plünderungen vorzubeugen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 44</ref> Nach Kriegsende konnte die Feuerwehr zudem einige Gerätschaften der Wehrmacht übernehmen, sodass ein durch die Zeit bis zur Währungsreform herrschender Materialmangel weitestgehend kompensiert werden konnte. Insbesondere kamen auch ehemalige Wehrmachtshelme zum Einsatz. Noch heute ähneln die deutschen Helme in ihrer Form dem bewährten M35-Helm.
In den Wirren der letzten Kriegstage und der frühen Nachkriegszeit gingen Angehörige der Feuerwehr schließlich gemeinsam mit [[Polizei Norden|Polizeibeamten]] sowie ehemaligen Wehrmachtssoldaten auf Streife, um die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten zu können und insbesondere Plünderungen vorzubeugen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 44</ref> Nach Kriegsende konnte die Feuerwehr zudem einige Gerätschaften der Wehrmacht übernehmen, sodass ein durch die Zeit bis zur Währungsreform herrschender Materialmangel weitestgehend kompensiert werden konnte.


===Bundesrepublik Deutschland===
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