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Als Ergänzung zu den bereits bestehenden [[Spritzenhäuser]] wurden drei weitere errichtet: [[Am Hafen]], [[Am Markt]] und in der [[Kleine Mühlenstraße|Kleinen Mühlenstraße]]. Am 10. Oktober 1886 erfolgte die konstituierende Gründungsversammlung in der [[Marxsche Bierhalle|Marxschen Bierhalle]] in der [[Osterstraße]] 158 (heute Bekleidungsgeschäft). Ein Jahr nach Gründung der Feuerwehr wurde auch eine Feuerwehrkapelle gegründet.
Als Ergänzung zu den bereits bestehenden [[Spritzenhäuser]] wurden drei weitere errichtet: [[Am Hafen]], [[Am Markt]] und in der [[Kleine Mühlenstraße|Kleinen Mühlenstraße]]. Am 10. Oktober 1886 erfolgte die konstituierende Gründungsversammlung in der [[Marxsche Bierhalle|Marxschen Bierhalle]] in der [[Osterstraße]] 158 (heute Bekleidungsgeschäft). Ein Jahr nach Gründung der Feuerwehr wurde auch eine Feuerwehrkapelle gegründet.


Zur Unterstützung beim Aufbau einer schlagkräftigen Feuerwehr wurde Oberfeuerwehrmann Bolts für ein Vierteljahr von der Berliner Feuerwehr nach Norden beordert. Neben fachlichen Fragen hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausbildung der in einem geordneten Feuerlöschwesen noch völlig unerfahrenen Norder Kameraden. Förderlich war hingegen der persönliche Werdegang der meisten Mitglieder, die sich, wie bekannt, größtenteils aus Kriegsveteranen und Turnern zusammensetzte, die sowohl die erforderliche Fitness als auch Disziplin und Willensstärke mitbrachten.
Zur Unterstützung beim Aufbau einer schlagkräftigen Feuerwehr wurde Oberfeuerwehrmann Bolts von der Berliner Feuerwehr für ein Vierteljahr nach Norden beordert. Neben fachlichen Fragen hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausbildung der in einem geordneten Feuerlöschwesen noch völlig unerfahrenen Norder Kameraden. Förderlich war hingegen der persönliche Werdegang der meisten Mitglieder, die sich, wie bereits beschrieben, größtenteils aus Kriegsveteranen und Turnern zusammensetzte, die sowohl die erforderliche Fitness als auch Disziplin und Willensstärke mitbrachten.


Der Fuhrpark bestand anfangs aus mehreren von Hand oder Pferden gezogenen Kutschen, die entweder als Gerätewagen, als Löschpumpe oder zum Mannschaftstransport dienten. Ab 1909 verfügte die Wehr erstmals über eine Dampfdruckbetriebene Spritze. Der erste (von Pferden gezogene) Leiterwagen wurde von der Firma [[Stilkenboom]] aus der [[Brückstraße]] gefertigt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 177</ref> Ab 1932 folgte dann eine schrittweise Motorisierung der Wehr, beginnend mit einem in Eigenbau erstellten Fahrzeug. Möglicherweise gab es jedoch bereits ab 1922 einen Kraftwagen als Einsatzfahrzeug, wie alte Bilder zeigen.
Der Fuhrpark bestand anfangs aus mehreren von Hand oder Pferden gezogenen Kutschen, die entweder als Gerätewagen, als Löschpumpe oder zum Mannschaftstransport dienten. Ab 1909 verfügte die Wehr erstmals über eine Dampfdruckbetriebene Spritze. Der erste (von Pferden gezogene) Leiterwagen wurde von der Firma [[Stilkenboom]] aus der [[Brückstraße]] gefertigt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 177</ref> Ab 1932 folgte dann eine schrittweise Motorisierung der Wehr, beginnend mit einem in Eigenbau erstellten Fahrzeug. Möglicherweise gab es jedoch bereits ab 1922 einen Kraftwagen als Einsatzfahrzeug, wie alte Bilder zeigen.
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==Organisation==
==Organisation==
===Historische Organisation===
===Historische Organisation===
Geführt wurde die Feuerwehr von einem Kommandanten bzw. Hauptmann und seinem Stellvertreter. Dem Hauptmann und seinem Stellvertreter unterstand der Vorstand, der von einem Vorstandsvorsitzenden und einem Stellvertreter geführt wurde. Diesem gehörte auch der Schrift- und Rechnungsführer an.
Geführt wurde die Feuerwehr von einem Kommandanten im Range eines Hauptmanns und seinem Stellvertreter. Dem Hauptmann und seinem Stellvertreter unterstand der Vorstand, der von einem Vorstandsvorsitzenden und einem Stellvertreter geführt wurde. Diesem gehörte auch der Schrift- und Rechnungsführer an. In ihrer Gesamtheit wurden und werden Vorstand und Wehrführung auch ''Stadtkommando'' (kurz: ''Kommando'') genannt.


Jeder Einsatzwagen bzw. jede -kutsche stellte einen "Zug" dar, den man hier sinnbildlich verstehen kann. Die Züge wurde von einem Zugführer geführt. Jeder Zug war wiederum einer von drei Abteilungen zugeordnet. Es gab eine eine Steigerabteilung, eine Spritzenabteilung und eine Ordnungsabteilung. Über die Zuteilung der Einsatzkräfte zu den einzelnen Abteilungen entschied der Vorstand, wobei die persönlichen Fähigkeiten und der Abstand des Angehörigen zum nächstgelegenen Spritzenhaus von entscheidender Bedeutung war. Der Hauptmann hatte stets ein besonderes Veto- oder gar Alleinbestimmungsrecht.
Jedes ''Einsatzfahrzeug'' stellte einen Zug dar, dessen Bezeichnung man hier anfangs sinnbildlich verstehen kann, da diese zunächst aus von Hand oder Pferden zu ziehenden Kutschen oder Anhängern bestanden.


Aufgabe der Steigerabteilung war es, das Feuer zu bekämpfen und ggf. mittels Leitern in die Brandobjekte vorzudringen. Weiterhin hatten sie die Aufgabe, Menschen und bedeutende Sachwerte zu retten. Die Spritzenabteilung war zuständig für die Bedienung der Pumpen und der Wasserförderung. Die Ordnungsabteilung hatte für Ordnung an der Einsatzstelle zu sorgen, diese von Zuschauern freizuhalten und gerettete Sachwerte zu bewachen. Weiterhin hatte die Ordnungsabteilung die Aufgabe, die "Alarmhornisten" zu stellen. Diese eilten im Brandfall eine Alarmhupe betätigend durch die Stadt, um die Einsatzkräfte zu alarmieren. Die Steiger- und die Spitzenabteilung wählten aus ihren Reihen einen auf drei Jahre amtierenden "Obersteiger" bzw. "Oberspritzenmann". Die Zugführer der Ordnungsabteilung hingegen wurden vom Vorstand ernannt. Im Verhinderungsfalle des Kommandanten und dessen Stellvertreter oblag die Wehrführung dem dienstältesten Obersteiger. Die Spritzenabteilung bestimmte zudem einen Spritzenmeister, der verantwortlich für je eine Spritzenpumpe war.
Jeder Zug, jeweils geführt von einem Zugführer, war wiederum einer von drei Abteilungen zugeordnet, geführt von einem Abteilungsführer. Es gab eine eine ''Steigerabteilung'', eine ''Spritzenabteilung'' und eine ''Ordnungsabteilung''. Über die Zuteilung der Einsatzkräfte zu den einzelnen Abteilungen entschied der Vorstand, wobei die persönlichen Fähigkeiten und die Entfernung vom Wohnhaus zum nächstgelegenen Spritzenhaus von entscheidender Bedeutung waren. Der Hauptmann hatte stets ein besonderes Veto- oder gar Alleinbestimmungsrecht.
 
Die Steiger- und die Spitzenabteilung wählten aus ihren Reihen einen auf drei Jahre amtierenden ''Obersteiger'' bzw. ''Oberspritzenmann'' als Abteilungsführer. Der Abteilungsführer der Ordnungsabteilung hingegen wurden vom Vorstand ernannt. Im Verhinderungsfalle des Kommandanten und dessen Stellvertreter oblag die Wehrführung dem Dienstältesten ''Obersteiger''. Die Spritzenabteilung bestimmte zudem einen Spritzenmeister, der verantwortlich für je eine Spritzenpumpe war.


Im Jahre 1911 stellte sich die Gliederung der Wehr wie folgt dar:
Im Jahre 1911 stellte sich die Gliederung der Wehr wie folgt dar:
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'''Steigerabteilung:'''
'''Steigerabteilung:'''


1. Zug mit manuell betriebener Drehleiterkutsche und mehreren Handleitern.
Die Steigerabteilung hatte die Aufgabe des heutigen ''Angriffstrupps''. Die Angehörigen sollten in das Brandobjekt ''steigen'', um dort die Brandbekämpfung sowie Rettung von Menschen, Tieren und bedeutenden Sachgütern vorzunehmen. Die Abteilung umfasste den 1. bis 3. Zug nebst Ausrüstung:
 
* 1. Zug: Eine mechanische, fahrbare Feuerleiter (16 Meter) und mehrere Handleitern - Standort: [[Spritzenhaus (Marktplatz)|Spritzenhaus am Glockenturm]]


2. und 3. Zug mit einer Mannschaftstransportkutsche.
* 2. und 3. Zug mit einer Mannschaftstransportkutsche.


'''Spritzenabteilung:'''
'''Spritzenabteilung:'''


4. Zug mit Handdruckspritze und Gerätewagen.
Die Spritzenabteilung war zuständig für die Bedienung der Pumpen und der Wasserförderung.


5. Zug mit Handdruckspritze und Dampfdruckspritze.
* 4. Zug mit Handdruckspritze und Gerätewagen
* 5. Zug mit Handdruckspritze und Dampfdruckspritze
* 6. Zug mit Handdruckspritze.


6. Zug mit Handdruckspritze.
'''Ordnungsabteilung:'''


'''Ordnungsabteilung:'''
Die Ordnungsabteilung hatte für Ordnung an der Einsatzstelle zu sorgen, diese von Zuschauern freizuhalten und gerettete Sachwerte zu bewachen. Weiterhin hatte die Ordnungsabteilung die Aufgabe, die "Alarmhornisten" zu stellen. Diese eilten im Brandfall eine Alarmhupe betätigend durch die Stadt, um die Einsatzkräfte zu alarmieren.


7. Zug mit Mannschaftstransportkutsche.
7. Zug mit Mannschaftstransportkutsche.