Stadt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Auf helle Begeisterung, aber auch argwöhnische Betrachtung stoßen zwei bedeutende Neuerungen, die 1905 auch in Norden angelangen. Neben den [[Gebrüder Freese]], die erstmals ein eigens konstruiertes Kraftfahrzeug der Veröffentlichkeit präsentieren, veranstaltet ein reisender Schausteller eine öffentliche Kinoaufführung. Der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] titelte hierzu: ''Fey's Phono - Kinematograph - Die lebenden, singenden und sprechenden Photographen''. Gezeigt wurden Filme wie ''Carnevalsaufzug in Nizza'', ''Gretchens Liebesroman'' und ''Die berühmten Springbrunnen von Versailles''.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 42</ref> | Auf helle Begeisterung, aber auch argwöhnische Betrachtung stoßen zwei bedeutende Neuerungen, die 1905 auch in Norden angelangen. Neben den [[Gebrüder Freese]], die erstmals ein eigens konstruiertes Kraftfahrzeug der Veröffentlichkeit präsentieren, veranstaltet ein reisender Schausteller eine öffentliche Kinoaufführung. Der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] titelte hierzu: ''Fey's Phono - Kinematograph - Die lebenden, singenden und sprechenden Photographen''. Gezeigt wurden Filme wie ''Carnevalsaufzug in Nizza'', ''Gretchens Liebesroman'' und ''Die berühmten Springbrunnen von Versailles''.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 42</ref> | ||
Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] wurden viele Norder Bürger zum Kriegsdienst eingezogen oder melden sich freiwillig. Viele von ihnen sterben einen sinnlosen Tod auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Während des Krieges werden auch in Norden und seinem Umland Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen eingesetzt, um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren. [[Norddeich Radio]] hatte in den nächsten vier Jahren kriegswichtige Bedeutung für die Kaiserliche Marine und wurde entsprechend militärisch geschützt. | Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] wurden viele Norder Bürger zum Kriegsdienst eingezogen oder melden sich freiwillig. Viele von ihnen sterben einen sinnlosen Tod auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Während des Krieges werden auch in Norden und seinem Umland Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen eingesetzt, um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren. [[Norddeich Radio]] hatte in den nächsten vier Jahren kriegswichtige Bedeutung für die Kaiserliche Marine und wurde entsprechend militärisch geschützt. Im letzten Kriegsjahr und noch bis 1919 strömen ganze Menschenmassen nach Norden und die umliegenden Gemeinden, um zu hamstern. Diese kommen zum Teil sogar ganz aus dem Rheinland und versuchen hier Schuhe, Tee und persönliche Wertgegenstände gegen Lebensmittel, vor allem Erbsen, einzutauschen. Da die Reichswährung kein sicheres Zahlungsmittel mehr ist, beschließt der [[Magistrat]] die Einführung von [[Notgeld]]. | ||
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges übernahm in Norden ein Arbeiter- und Soldatenrat für kurze Zeit die Macht, löste sich jedoch schnell auf. Erstmals tauchten am 7. November 1919 bewaffnete Soldaten mit einer roten Fahne im Stadtgebiet auf; sie kamen vom nahe gelegenen Luftschiff- bzw. Zeppelinhafen in Hage. Zum Einsatz von Schusswaffen kam es nicht. Der Teehandels-Unternehmer [[Onno Behrends]] versammelte in einem Bürgerausschuss Angehörige des bürgerlich-konservativen Lagers, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeiter- und Soldatenrat anstrebten - was auch gelang. Wie im übrigen Ostfriesland blieben die Arbeiter- und Soldatenräte jedoch eine kurze Episode, was nicht zuletzt an der ländlich-konservativen Haltung in weiten Teilen Ostfrieslands lag. Der [[Landkreis Norden]] mit seinen Kreisgebäuden am [[Fräuleinshof]] konnte daher schon recht früh wieder seine Arbeit aufnehmen, wobei eifrige Sozialdemokraten den [[Hermann Friedrich Bayer|Landrat Bayer]] erfolgreich dazu drängten, bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht zu haben.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17</ref> Die Folgejahre waren von großer wirtschaftlicher Not geprägt, ungefähr jeder vierte Norder war im Jahre 1931 arbeitslos.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> Durch die geringere Anzahl von Haushalten bei gleichzeitig mehr Bewohnern waren die Folgen noch schwerwiegender als ohnehin. | Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges übernahm in Norden ein Arbeiter- und Soldatenrat für kurze Zeit die Macht, löste sich jedoch schnell auf. Erstmals tauchten am 7. November 1919 bewaffnete Soldaten mit einer roten Fahne im Stadtgebiet auf; sie kamen vom nahe gelegenen Luftschiff- bzw. Zeppelinhafen in Hage. Zum Einsatz von Schusswaffen kam es nicht. Der Teehandels-Unternehmer [[Onno Behrends]] versammelte in einem Bürgerausschuss Angehörige des bürgerlich-konservativen Lagers, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeiter- und Soldatenrat anstrebten - was auch gelang. Wie im übrigen Ostfriesland blieben die Arbeiter- und Soldatenräte jedoch eine kurze Episode, was nicht zuletzt an der ländlich-konservativen Haltung in weiten Teilen Ostfrieslands lag. Der [[Landkreis Norden]] mit seinen Kreisgebäuden am [[Fräuleinshof]] konnte daher schon recht früh wieder seine Arbeit aufnehmen, wobei eifrige Sozialdemokraten den [[Hermann Friedrich Bayer|Landrat Bayer]] erfolgreich dazu drängten, bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht zu haben.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17</ref> Die Folgejahre waren von großer wirtschaftlicher Not geprägt, ungefähr jeder vierte Norder war im Jahre 1931 arbeitslos.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> Durch die geringere Anzahl von Haushalten bei gleichzeitig mehr Bewohnern waren die Folgen noch schwerwiegender als ohnehin. | ||