Reederei Frisia: Unterschied zwischen den Versionen
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Aufgrund anfänglicher Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffsverkehrs, insbesondere durch strenge Winter und einer damit einhergehenden Vereisung der Fahrrinnen, kam Unmut bei den Norderneyern auf. Diese gründeten daraufhin im Jahr 1893 die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit''. Nach einem scharfen Konkurrenzkampf entschieden sich beide Unternehmen zu einer Zusammenarbeit. Probleme bereitete auch der Transport der Fährgäste vom [[Alter Bahnhof Norden|Norder Bahnhof]] zum Fähranleger, da die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] bis 1893 nur bis nach Norden reichte und erst danach bis nach Norddeich ausgebaut wurde. Zuvor mussten die Fahrgäste aufgrund der wenigen Verbindungen oftmals nach der langen Zugreise in einem der zahlreichen Norder Gasthäuser übernachten. Nach dem Ausbau der Bahnstrecke setzte die Reederei dann ausrangierte Linienwagen ein, die von einer Speditionsfirma in Bremen angekauft wurden.<ref name=":1" /> | Aufgrund anfänglicher Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffsverkehrs, insbesondere durch strenge Winter und einer damit einhergehenden Vereisung der Fahrrinnen, kam Unmut bei den Norderneyern auf. Diese gründeten daraufhin im Jahr 1893 die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit''. Nach einem scharfen Konkurrenzkampf entschieden sich beide Unternehmen zu einer Zusammenarbeit. Probleme bereitete auch der Transport der Fährgäste vom [[Alter Bahnhof Norden|Norder Bahnhof]] zum Fähranleger, da die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] bis 1893 nur bis nach Norden reichte und erst danach bis nach Norddeich ausgebaut wurde. Zuvor mussten die Fahrgäste aufgrund der wenigen Verbindungen oftmals nach der langen Zugreise in einem der zahlreichen Norder Gasthäuser übernachten. Nach dem Ausbau der Bahnstrecke setzte die Reederei dann ausrangierte Linienwagen ein, die von einer Speditionsfirma in Bremen angekauft wurden.<ref name=":1" /> | ||
1906 entbrannte der Konkurrenzkampf erneut, als die ''Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia'' ihren Betrieb aufnahm. Nachdem die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit'' liquidiert wurde, schlossen sich die ''Dampfschiffsrhederei Norden'' und die ''Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia'' zusammen und bildeten ab 1909 eine Betriebsgemeinschaft, die schließlich 1917 in der ''Aktiengesellschaft Reederei Norden-Frisia'' aufging. 1920 wurde die ''Reederei Juist'' übernommen. 1922 wurde die erste Motoren- und Maschinenwerkstatt erworben und der Fuhrpark erweitert. Den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] überstand die Reederei relativ glimpflich, nur eins der neun damals eingesetzten Schiffe wurde im Kattegat von der Entente versenkt, ein weiteres Schiff musste 1919 ausgemustert werden.<ref name=":0">Ostfriesischer Kurier vom 31. Juli 2021, S. 3</ref> | 1906 entbrannte der Konkurrenzkampf erneut, als die ''Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia'' ihren Betrieb aufnahm. Nachdem die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit'' liquidiert wurde, schlossen sich die ''Dampfschiffsrhederei Norden'' und die ''Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia'' zusammen und bildeten ab 1909 eine Betriebsgemeinschaft, die schließlich 1917 in der ''Aktiengesellschaft Reederei Norden-Frisia'' aufging. 1920 wurde die ''Reederei Juist'' übernommen. 1922 wurde die erste Motoren- und Maschinenwerkstatt erworben und der Fuhrpark erweitert. Den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] überstand die Reederei relativ glimpflich, nur eins der neun damals eingesetzten Schiffe wurde im Kattegat von der Entente versenkt, ein weiteres Schiff musste 1919 ausgemustert werden.<ref name=":0">Ostfriesischer Kurier vom 31. Juli 2021, S. 3</ref> Während des Kriegs schickte die Reederei die Frisia II auf Fischfang, um der sich verschärfenden Nahrungsmittelknappheit zu begegnen.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 168</ref> | ||
1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. | 1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach [[Norddeich]], weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.<ref name=":0" /> | ||
Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.<ref name=":2" /> | |||
Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. | |||
1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am Molenkopf. 1969 erweiterte sie ihr Angebotsspektrum um den Luftverkehr. Hierfür errichtete sie einen [[Flugplatz]] am [[Westerlooger Strohweg]]. Ein Jahr später wurde das Tochterunternehmen ''Frisia Luftverkehrs GmbH'' gegründet, die den Flugplatz und -verkehr seitdem betreibt. 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet. Die Fahrzeuge mussten nun nicht mehr per Kran auf die Schiffe gehievt werden, sondern konnte die Fähren direkt befahren.<ref name=":0" /> | 1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am Molenkopf. 1969 erweiterte sie ihr Angebotsspektrum um den Luftverkehr. Hierfür errichtete sie einen [[Flugplatz]] am [[Westerlooger Strohweg]]. Ein Jahr später wurde das Tochterunternehmen ''Frisia Luftverkehrs GmbH'' gegründet, die den Flugplatz und -verkehr seitdem betreibt. 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet. Die Fahrzeuge mussten nun nicht mehr per Kran auf die Schiffe gehievt werden, sondern konnte die Fähren direkt befahren.<ref name=":0" /> | ||