Linteler Mühle: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Linteler Mühle wurde vom [[Kloster Marienthal]] als hölzerne Bockwindmühle errichtet. Nach der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters im Zuge der Reformation fiel die Mühle in den Besitz des [[Gasthaus|Gasthauses]], an das der Pächter der Mühle eine jährliche Erbpacht zahlen musste.<ref>StAA, Rep. 15, Nr. 9793</ref> Zum 14. Januar 1568 vermachte [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] die Linteler Mühle dem [[Ulrichsgymnasium]], damit sich die Schule mit den Einkünften aus dem Betrieb der Mühle finanzieren kann.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 16f.</ref> Die Mühle kam zuvor durch die Beschlagnahme der Klostergüter durch [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] im Zuge der Reformation in den Besitz der [[Cirksena|Cirksenas]]. | Die Linteler Mühle wurde vom [[Kloster Marienthal]] als hölzerne Bockwindmühle errichtet. Nach der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters im Zuge der Reformation fiel die Mühle in den Besitz des [[Gasthaus|Gasthauses]], an das der Pächter der Mühle eine jährliche Erbpacht zahlen musste.<ref>StAA, Rep. 15, Nr. 9793</ref> Zum 14. Januar 1568 vermachte [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] die Linteler Mühle dem [[Ulrichsgymnasium]], damit sich die Schule mit den Einkünften aus dem Betrieb der Mühle finanzieren kann.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 16f.</ref> Die Mühle kam zuvor durch die Beschlagnahme der Klostergüter durch [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] im Zuge der Reformation in den Besitz der [[Cirksena|Cirksenas]]. | ||
[[Datei:Linteler Strasse Linteler Muehle um 1910 01.jpg|links|mini|Die Linteler Mühle in der Zeit um 1910.|311x311px]] | [[Datei:Linteler Strasse Linteler Muehle um 1910 01.jpg|links|mini|Die Linteler Mühle in der Zeit um 1910.|311x311px]] | ||
Nach der Übernahme durch die Schule wurde die Mühle verpachtet, der Erlös kam der Schule lange Zeit zugute.<ref name=":0" /> Durch diese Maßnahme wird die Linteler Mühle, im Gegensatz zu den anderen Kornmühlen der Stadt, die ab dem 17. Jahrhundert dem Grafenhaus unmittelbar gehörten, eine Privatmühle.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3161 und Rep. 6, Nr. 454</ref> 1720 wurde die Mühle an die Eheleute [[Cirk Janssen]] und [[Bauke Lübben]] verkauft. Die mit dem Kauf übernommenen Mühlenlasten (Steuern und sonstige Abgaben) von jährlich 29 Gulden und 9 Stübern ließ man dem [[Gasthaus]] zukommen.<ref name=":0" / | Nach der Übernahme durch die Schule wurde die Mühle verpachtet, der Erlös kam der Schule lange Zeit zugute.<ref name=":0" /> Durch diese Maßnahme wird die Linteler Mühle, im Gegensatz zu den anderen Kornmühlen der Stadt, die ab dem 17. Jahrhundert dem Grafenhaus unmittelbar gehörten, eine Privatmühle.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3161 und Rep. 6, Nr. 454</ref> 1720 wurde die Mühle an die Eheleute [[Cirk Janssen]] und [[Bauke Lübben]] verkauft. Die mit dem Kauf übernommenen Mühlenlasten (Steuern und sonstige Abgaben) von jährlich 29 Gulden und 9 Stübern ließ man dem [[Gasthaus]] zukommen.<ref name=":0" /> | ||
Nach dem Brand der Ständermühle am 8. September 1908, ausgelöst durch heftige Winde, durch die die Mühle heiß lief, wurde sie als Holländerwindmühle mit Windrose und Jalousie wieder aufgebaut. Die Höhe des Mauerwerkes betrug nun von der untersten Türschwelle bis zur Oberkante Galerie 9,90 Meter und die Länge der Mühlenflügel 22 Meter.<ref>StAA, Dep. 71, Nr. 51</ref> Zu dieser Zeit soll ein [[Eberhard ter Haserborg]], Sohn eines Müllers aus dem Raum Weener, Besitzer der Mülle geworden sein.<ref>ter Haserborg, Jan Luiken (2020): Erinnerungen, Göttingen, S. 20</ref> | 1724 wird ein [[Arend Schwitters]] als Müller genannt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 147</ref> In der Zeit um 1746 tritt ein [[Abraham Huberts]] als Müller in Lintel in Erscheinung, der sich drei Esel in der Nähe der Mühle hielt und so wohl zur Entstehung des Straßennamens [[Eselspfad]] beigetragen hat.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3399</ref> | ||
Nach dem Brand der Ständermühle am 8. September 1908, ausgelöst durch heftige Winde, durch die die Mühle heiß lief, wurde sie 1910 von [[Ubbo Johann Schipper]] als Holländerwindmühle mit Windrose und Jalousie wieder aufgebaut. Die Höhe des Mauerwerkes betrug nun von der untersten Türschwelle bis zur Oberkante Galerie 9,90 Meter und die Länge der Mühlenflügel 22 Meter.<ref>StAA, Dep. 71, Nr. 51</ref> Zu dieser Zeit soll ein [[Eberhard ter Haserborg]], Sohn eines Müllers aus dem Raum Weener, Besitzer der Mülle geworden sein.<ref>ter Haserborg, Jan Luiken (2020): Erinnerungen, Göttingen, S. 20</ref> | |||
Der Müller Schipper, seit 1911 Besitzer, hatte 1925 eine Dieselanlage zur aushilfsweisen Unterstützung des Triebwerkes der Mühle angelegt. Ab 1930 konnte Schipper den Betrieb aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter führen, sodass die Mühle 1932 zwangsversteigert und letztlich 1938 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen werden musste.<ref>StAA, Dep. 71, Nr. 51, Dep. 71, Nr. 9, S. 80</ref> Eine Versicherung für Mühle bestand bis zum 1. Juli 1937 fort.<ref>StAA, Dep. 71, Nr. 387</ref> Die Teile erwarb ein Müller aus Leer, der damit in seiner Stadt eine neue Mühle errichtete.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> | Der Müller Schipper, seit 1911 Besitzer, hatte 1925 eine Dieselanlage zur aushilfsweisen Unterstützung des Triebwerkes der Mühle angelegt. Ab 1930 konnte Schipper den Betrieb aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter führen, sodass die Mühle 1932 zwangsversteigert und letztlich 1938 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen werden musste.<ref>StAA, Dep. 71, Nr. 51, Dep. 71, Nr. 9, S. 80</ref> Eine Versicherung für Mühle bestand bis zum 1. Juli 1937 fort.<ref>StAA, Dep. 71, Nr. 387</ref> Die Teile erwarb ein Müller aus Leer, der damit in seiner Stadt eine neue Mühle errichtete.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> | ||
Version vom 30. September 2021, 19:27 Uhr
Linteler Mühle | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | 1910 (vor 1530) | |||||||
| Erbauer | Ubbo Johann Schipper | |||||||
| Bauweise | Bockwindmühle | |||||||
| Erhaltungszustand | 1938 abgebrochen | |||||||
| Genaue Lage | Linteler Straße 42
26506 Norden | |||||||
Die Linteler Mühle war ursprünglich eine Bockwindmühle in Ostlintel. Nach einem Brand im Jahre 1908 wurde sie als Galerieholländer wiedererrichtet. Sie gilt als die zweitälteste bekannte Mühle im Stadtgebiet nach der Ekeler Mühle.
Geschichte
Die Linteler Mühle wurde vom Kloster Marienthal als hölzerne Bockwindmühle errichtet. Nach der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters im Zuge der Reformation fiel die Mühle in den Besitz des Gasthauses, an das der Pächter der Mühle eine jährliche Erbpacht zahlen musste.[1] Zum 14. Januar 1568 vermachte Gräfin Anna die Linteler Mühle dem Ulrichsgymnasium, damit sich die Schule mit den Einkünften aus dem Betrieb der Mühle finanzieren kann.[2] Die Mühle kam zuvor durch die Beschlagnahme der Klostergüter durch Graf Enno II. im Zuge der Reformation in den Besitz der Cirksenas.

Nach der Übernahme durch die Schule wurde die Mühle verpachtet, der Erlös kam der Schule lange Zeit zugute.[2] Durch diese Maßnahme wird die Linteler Mühle, im Gegensatz zu den anderen Kornmühlen der Stadt, die ab dem 17. Jahrhundert dem Grafenhaus unmittelbar gehörten, eine Privatmühle.[3] 1720 wurde die Mühle an die Eheleute Cirk Janssen und Bauke Lübben verkauft. Die mit dem Kauf übernommenen Mühlenlasten (Steuern und sonstige Abgaben) von jährlich 29 Gulden und 9 Stübern ließ man dem Gasthaus zukommen.[2]
1724 wird ein Arend Schwitters als Müller genannt.[4] In der Zeit um 1746 tritt ein Abraham Huberts als Müller in Lintel in Erscheinung, der sich drei Esel in der Nähe der Mühle hielt und so wohl zur Entstehung des Straßennamens Eselspfad beigetragen hat.[5]
Nach dem Brand der Ständermühle am 8. September 1908, ausgelöst durch heftige Winde, durch die die Mühle heiß lief, wurde sie 1910 von Ubbo Johann Schipper als Holländerwindmühle mit Windrose und Jalousie wieder aufgebaut. Die Höhe des Mauerwerkes betrug nun von der untersten Türschwelle bis zur Oberkante Galerie 9,90 Meter und die Länge der Mühlenflügel 22 Meter.[6] Zu dieser Zeit soll ein Eberhard ter Haserborg, Sohn eines Müllers aus dem Raum Weener, Besitzer der Mülle geworden sein.[7]
Der Müller Schipper, seit 1911 Besitzer, hatte 1925 eine Dieselanlage zur aushilfsweisen Unterstützung des Triebwerkes der Mühle angelegt. Ab 1930 konnte Schipper den Betrieb aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter führen, sodass die Mühle 1932 zwangsversteigert und letztlich 1938 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen werden musste.[8] Eine Versicherung für Mühle bestand bis zum 1. Juli 1937 fort.[9] Die Teile erwarb ein Müller aus Leer, der damit in seiner Stadt eine neue Mühle errichtete.[10]
Noch viele Jahrzehnte nach der Schließung bestand eine Gaststätte im alten Müllerhaus fort, das ebenfalls den Namen Linteler Mühle trug.
Einzelnachweise
- ↑ StAA, Rep. 15, Nr. 9793
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 16f.
- ↑ StAA, Rep. 6, Nr. 3161 und Rep. 6, Nr. 454
- ↑ Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 147
- ↑ StAA, Rep. 6, Nr. 3399
- ↑ StAA, Dep. 71, Nr. 51
- ↑ ter Haserborg, Jan Luiken (2020): Erinnerungen, Göttingen, S. 20
- ↑ StAA, Dep. 71, Nr. 51, Dep. 71, Nr. 9, S. 80
- ↑ StAA, Dep. 71, Nr. 387
- ↑ Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript