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'''Tidofeld''' ist seit 1996 ein eigenständiger Ortsteil und hat rund 934 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von lediglich 0,47 km² verteilen. Der Ort hat damit die mit Abstand höchste Bevölkerungsdichte von allen Stadtteilen Nordens aufzuweisen. Ein Großteil der Fläche ist als Gewerbegebiet bzw. Mischgebiet (Wohn- und Gewerbegebiet) ausgewiesen.
'''Tidofeld''' ist seit 1996 ein eigenständiger Ortsteil und hat rund 934 Einwohner (Stand: 31.Dezember 2020), die sich auf einer Fläche von lediglich 0,47 km² verteilen. Der Ort hat damit die mit Abstand höchste Bevölkerungsdichte von allen Stadtteilen Nordens aufzuweisen, ist aber in der Fläche zugleich der kleinste. Ein Teil der Fläche ist als Gewerbegebiet bzw. Mischgebiet (Wohn- und Gewerbegebiet) ausgewiesen.
 
__TOC__
__TOC__
==Namensherkunft==
==Namensherkunft==
Der Name geht auf ein um 1614 an dieser Stelle durch Freiherr Tido zu Innhausen und Knyphausen erbautes [[Schloss Tidofeld|Schloss gleichen Namens]] zurück.
Der Name geht auf ein um 1614 an dieser Stelle durch Freiherr Tido zu Innhausen und Knyphausen erbautes [[Schloss Tidofeld|Schloss gleichen Namens]] zurück, das in Folge einer Familienfehde im Jahre 1669 wüst fiel und nachfolgend abgebrochen wurde.


== Wappen ==
== Wappen==
Tidofeld und [[Bargebur]] sind die einzigen Stadtteile, die bis heute keine eigenen Wappen führen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die - anders als die restlichen Stadtteile - niemals eigenständige Gemeinden waren, sondern beide zur Gemeinde Lütetsburg gehörten.
Tidofeld und [[Bargebur]] sind die einzigen Stadtteile, die bis heute keine eigenen Wappen führen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sie, anders als die restlichen Stadtteile, niemals eigenständige Gemeinden waren, sondern beide ursprünglich zur (wappenführenden) Gemeinde Lütetsburg gehörten und erst recht spät (1972 und 1952) in die [[Stadt Norden]] eingemeindet wurden. Tidofeld wurde überdies erst 1996 ein eigenständiger Stadtteil und gehörte bis dahin unmittelbar zur [[Norden (Stadtteil)|Kernstadt]].


==Bevölkerungsentwicklung==
==Bevölkerungsentwicklung==
1848 bewohnten hier 38 Personen fünf Wohngebäude. Erst nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] stieg die Zahl nennenswert an.
{| class="wikitable"
!Jahr
!Einwohner
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|1848
| align="right" |38 *
|-
|2008
| align="right" | 973
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|2010
| align="right" |943
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|2016
| align="right" |991
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|2020
| align="right" |934
|}* in 5 Häusern


==Geografie==
==Geografie==
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Im Norden grenzt Tidofeld an [[Norden (Stadtteil)|Norden]], im Osten und im Süden an die Gemeinde Lütetsburg. Im Westen grenzt [[Bargebur]] an.
Im Norden grenzt Tidofeld an [[Norden (Stadtteil)|Norden]], im Osten und im Süden an die Gemeinde Lütetsburg. Im Westen grenzt [[Bargebur]] an.


== Geschichte ==
== Geschichte==
Erstmalig wird der Ort im Jahre 1787 als "Tiedefeld" urkundlich vermerkt. 1818 folgt die Bezeichnung "Tiedofeld". Ausdrücklich genannt wird auch die [[Sägemühle Tidofeld|Tidofelder Sägemühle]] in 1897.
Abgesehen von dem schon seinerzeit so genannten [[Schloss Tidofeld]] wird der Ort im Jahre 1787 erstmals als ''Tiedefeld'' urkundlich vermerkt. 1818 folgt die Bezeichnung ''Tiedofeld''. Ausdrücklich genannt wird auch die [[Sägemühle Tidofeld|Tidofelder Sägemühle]] im Jahre 1897. Der Ort war seit jeher äußerst dünn besiedelt und bestand. wenn überhaupt, aus einigen wenigen Höfen.
 
Der Namensgeber Tido II. von Innhausen und Knyphausen war ein Bruder von Dodo, dem damaligen Grafen von Lütetsburg. Das von ihm hier im Jahre 1614 erbaute Schloss wurde aus abgetragenen Bestandteilen der dem Verfall überlassenen Burg Innhausen in Sengwarden bei Wilhelmshaven errichtet. Tido erwarb das Land, das bis zu seiner Abspaltung zu [[Bargebur]] gehörte, von Junker Albrecht Schwinge aus Emden. Dieser wiederum erbte es von einem Mann namens Siptet Remtsna, zu dem jedoch keine weiteren Daten bekannt sind. Nach der Landerwerbung gehörte Tidofeld somit zu Lütetsburg. Das Schloss wurde bereits 1669 zerstört. Die Burgstelle ist jedoch heute noch im östlich von [[Westekelbur]] als sichtbare Erhöhung in der Landschaft sichtbar, ein angrenzender Hof erinnert als [[Tidofelder Burgen- und Schlickplaats]] ebenfalls daran.
 
1938 errichtete die Wehrmacht ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] im Süden des heutigen Stadtteils. Größte Bedeutung erlangte das Areal im November 1944, als hier das Quartier des Kommandanten der Seeverteidigung Ostfriesland eingerichtet wurde. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstellt wurden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>
 
Nach dem Krieg wurde das Militärgelände in ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] umfunktioniert. Es war mit seinen zahlreichen Baracken und Gebäude hierfür geradezu prädestiniert und gehörte schon bald mit insgesamt über 1.000 gleichzeitig dort wohnenden Menschen zu den größten Lager innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik. Die Solidarität im Lager führte war beachtlich und führte gar zum gemeinschaftlichen Bau einer [[Gnadenkirche Tidofeld|eigenen Kirche]], die heute eine Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung beinhaltet. Noch während der Zeit als Auffanglager für Vertriebene siedelte sich erstmals Industrie im Ort an. Im Februar 1947 eröffnete eine Blechwaren- bzw. Drahtzaunfabrik in dem großen, heute noch vorhandenen Unterkunftsgebäude.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Hier war auch die [[Lagerschule Tidofeld|Lagerschule]]<nowiki/>untergebracht. Das ständige Hämmern störte den Unterricht ungemein. 1962 zog in das Gebäude die [[Lingener Wäschefabrik]] (''Lincron'') ein, der Schulbetrieb wurde 1970 eingestellt. Seit 1975 wird die Wäscherei von der [[Behindertenhilfe Norden]] betrieben.


Der Namensgeber (siehe Namensherkunft) war ein Bruder von Dodo, dem damaligen Grafen von Lütetsburg. [[Schloss Tidofeld|Das Schloss]] wurde aus abgetragenen Bestandteilen der dem Verfall überlassenen Burg Innhausen in Sengwarden bei Wilhelmshaven errichtet. Tido erwarb das Land, das bis zu seiner Abspaltung zu [[Bargebur]] gehörte, von Junker Albrecht Schwinge aus Emden. Dieser wiederum erbte es von einem Mann namens Siptet Remtsna, zu dem jedoch keine weiteren Daten bekannt sind. Nach der Landerwerbung gehörte Tidofeld somit zu Lütetsburg. Das Schloss wurde bereits 1669 zerstört. Die Burgstelle ist jedoch heute noch als sichtbare Erhöhung in der Landschaft sichtbar, ein angrenzender Hof erinnert als [[Tidofelder Burgen- und Schlickplaats]] ebenfalls daran.
Von weiterer Bedeutung war die Ansiedlung der aus Schortens (Landkreis Friesland) stammenden [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerke]], die hier eine Zweigniederlassung errichten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref><ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 148</ref> Dieser war jedoch nur eine kurze Existenz beschienen, schon 1983 wurde der Betrieb wieder eingestellt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 291</ref> Heute befindet sich hier das sogenannte Telematikzentrum, das verschiedene Dienstleistungen und Bildungsmöglichkeiten anbietet.


Im Zweiten Weltkrieg errichtete die Wehrmacht ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] in Tidofeld. Nach dem Krieg wurde das Lager in ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] umfunktioniert. Es gehörte mit insgesamt über 1.000 gleichzeitig dort wohnenden Menschen zu den größten Lager innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik. Die Solidarität im Lager führte gar zum Bau einer [[Gnadenkirche Tidofeld|eigenen Kirche]], die heute eine Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung beinhaltet. Auf dem Wehrmachtsgelände entstanden nachfolgend eine [[Lingener Wäschefabrik|Wäschefabrik]], eine Blechwaren- bzw. Zaunmanufaktur, das sogenannte [[Telematikzentrum]] (ehemaliges [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerk]]) sowie mehrere Ein- und Mehrfamilienhäuser.
Da Tidofeld wegen des großen Bevölkerungswachstums seit der Nachkriegszeit von der [[Stadt Norden]] verwaltet wurde, wurde es 1952 in die Stadt eingemeindet. Die im Lager wohnenden Menschen verließen die Stadt überwiegend in den frühen 1950er Jahren auf der Suche nach Arbeitsplätzen, vor allem in das prosperierende Ruhrgebiet. Das landwirtschaftlich geprägte Norden hatte per se nicht genügend Arbeitsplätze und schon gar nicht für so viele Neubürger. Die wenigen Lagerbewohner, die nicht fortzogen, blieben teilweise ihrem Ort treu, teilweise siedelten sie in das für ihresgleichen errichtete [[Neustadt]] über. Die letzte Baracke wurde in Tidofeld wurde indes erst 1964 abgerissen und, wie später auch in der Innenstadt, entstanden im Umfeld vorwiegend große Mehrfamilienhäuser (Wohnblocks) sowie einige Einfamilienhäuser.


1952 wurde Tidofeld nach Norden eingemeindet, aber erst 1996 ein eigenständiger Stadtteil. Es ist damit der jüngste von Norden. Kurze Zeit später wurde Tidofeld beträchtliche um ein Neubaugebiet nördlich und westlich des [[Tidofelder Burgen- und Schlickplaats]] erweitert. Dieses Neubaugebiet erstreckt sich bis nach [[Bargebur]].
In den nächsten Jahren kam es kaum zu nennenswerten Ereignissen. Erst als 1995 ein großes Neubaugebiet nördlich der [[Heerstraße]] entstand, kam es zu nennenswerten Veränderungen. Wegen der großen Bevölkerungszahl und nun deutlich dichteren Besiedlung wurde dem Ort im Jahre 1996 der Status eines eigenständigen Stadtteils zuerkannt. Seitdem ist Tidofeld der jüngste Stadtteil von Norden und hat heute sowohl eine nicht unerhebliche Bedeutung als Wohn- und Gewerbegebiet.


== Bildung ==
==Bildung==
Von 1946 bis 1970 fand der Schulunterricht in der [[Lagerschule Tidofeld]] statt. Nach ihrer Schließung wurden die Kinder in die [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|umliegenden Schulen]] umgeschult. Vor 1946 verfügte Tidofeld über keine eigene Schule, was vor allem an der äußerst geringen Einwohnerzahl vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] lag.
Von 1946 bis 1970 fand der Schulunterricht in der [[Lagerschule Tidofeld]] statt. Nach ihrer Schließung wurden die Kinder in die [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|umliegenden Schulen]] umgeschult. Vor 1946 verfügte Tidofeld über keine eigene Schule, was vor allem an der äußerst geringen Einwohnerzahl vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] lag.


==Erwähnenswerte Gebäude==
==Erwähnenswerte Gebäude ==
===Erhaltene Gebäude===
===Erhaltene Gebäude===
*[[Gnadenkirche Tidofeld]]
*[[Gnadenkirche Tidofeld]]
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===Abgebrochene Gebäude===
===Abgebrochene Gebäude===
*[[Schloss Tidofeld]]
*[[Schloss Tidofeld]]
*diverserne [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kasernenbauten]]
*[[Vertriebenenlager Tidofeld]]
 
== Einzelnachweise ==
<references />


==Quellenverzeichnis==
==Quellenverzeichnis==
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*Historische Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft
*Historische Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft


== Siehe auch ==
==Siehe auch==
 
* [[Stadt Norden]]


*[[Bargebur]]
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Tidofeld]]
[[Kategorie:Tidofeld]]