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26506 Norden
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Das '''Gut Lintel''' ist eine große Stadtvilla, die sich inmitten eines kleinen Wäldchens zwischen der [[Parkstraße]] und der [[Kastanienallee]] befindet. Die Zufahrt befindet sich neben dem Parkplatz an der Bushaltestelle der [[Linteler Schule]] und ist entsprechend beschildert.
Das '''Gut Lintel''' ist eine große Stadtvilla, die sich inmitten des ''Linteler Wäldchens'' zwischen der [[Parkstraße]] und der [[Kastanienallee]] befindet. Die Zufahrt befindet sich neben dem Parkplatz an der Bushaltestelle der [[Linteler Schule]] und ist entsprechend beschildert.
 
Das Gut Lintel darf nicht mehr dem nahegelegenen [[Hof Lintel]] (später bekannt als ''Auktionshalle'') verwechselt werden.
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Ursprünglich bezeichnete ''Gut Lintel'' einen Hof mit umfassenden Ländereien, der westlich der [[Idzingaburg]] lag und zu dessen Nebengebäuden gehörte. Möglicherweise war es das [[Vorwerk]] der Idzingaburg oder geht auf dieses zurück.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2011): Höfe in der Sandbauerschaft, Manuskript</ref> Zum Hof gehörten fünfzig [[Diemat]] Land, also ungefähr 285.000 qm, die sich vorwiegend auf das nähere Umland konzentrierten. Das Gut existiert mindestens seit dem 17. Jahrhundert, vermutlich jedoch bereits viel früher. Die Bewohner lassen sich seit dem 16. Jahrhundert nachweisen.<ref name=":0" />
Ursprünglich bezeichnete ''Gut Lintel'' einen Hof mit umfassenden Ländereien, der westlich der [[Idzingaburg]] lag und zu dessen Nebengebäuden gehörte. Möglicherweise war es das [[Vorwerk]] der Idzingaburg oder geht auf dieses zurück.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2011): Höfe in der Sandbauerschaft, Manuskript</ref> Zum Hof gehörten fünfzig [[Diemat]] Land, also ungefähr 285.000 qm, die sich vorwiegend auf das nähere Umland konzentrierten. Das Gut existiert mindestens seit dem 17. Jahrhundert, vermutlich jedoch bereits viel früher. Die Bewohner lassen sich seit dem 16. Jahrhundert nachweisen.<ref name=":0" />


1845 wurde das heute noch bestehende, 1798 neu errichtete Haupthaus durch [[Wilhelm Vissering]] im Stil einer großen, schlossähnlichen Stadtvilla umgestaltet.<ref name=":1">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 219</ref> Es handelt sich um einen klassizistischen Backsteinbau mit modernen Anbauten. Um das Gebäude wurde ein etwa einen Hektar großer Park im englischen Stil angelegt. Der Volksmund taufte ihn später auf den Namen ''Linteler Wald'' bzw. ''Linteler Wäldchen''. Zum parkähnlichen Wald, der der [[Parkstraße]] ihren Namen gab, gehörte auch ein Teich sowie künstlich geschaffene Anhöhen. Der Entwurf dieser ''englischen Gartenanlage'' ist dem Herzoglich Oldenburgischen Hofgärtner Christian Ludwig Bosse zuzuschreiben.<ref name=":1" />
1845 wurde das heute noch bestehende, erst 1798 neu errichtete und sich bis dahin im Besitz der Nachkommen des [[Engelbert Kettler (1618)|Engelbert Kettler]] befindliche Haupthaus durch [[Wilhelm Vissering]] im Stil einer großen, schlossähnlichen Stadtvilla umgestaltet.<ref name=":1">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 219</ref><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 100</ref> Es handelt sich um einen klassizistischen Backsteinbau mit modernen Anbauten. Um das Gebäude wurde ein etwa ein Hektar großer Park im englischen Stil angelegt. Der Volksmund taufte ihn später auf den Namen ''Linteler Wald'' bzw. ''Linteler Wäldchen''. Zum parkähnlichen Wald, der der [[Parkstraße]] ihren Namen gab, gehörte auch ein Teich sowie künstlich geschaffene Anhöhen. Der Entwurf dieser ''englischen Gartenanlage'' ist dem Herzoglich Oldenburgischen Hofgärtner Christian Ludwig Bosse zuzuschreiben.<ref name=":1" />


Weiterhin wurde eine Allee mit Kastanienbäumen errichtet, die von der [[Linteler Straße]] direkt auf das Haupthaus zuführt.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref> Heute trägt diese Allee den Namen [[Kastanienallee]]. Das Holztor, welches das Befahren von hier mit Kraftfahrzeugen verhindert, ist erst nach 1980 errichtet worden.<ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 0267688.jpg)</ref> An dieser Allee steht eine Baracke, die noch bis in die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] als Lazarett der britischen Besatzungsmacht und heute als [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Vereinsheim]] für drei Norder Vereine dient.
Weiterhin wurde eine Allee mit Kastanienbäumen errichtet, die von der [[Linteler Straße]] direkt auf das Haupthaus zuführt.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref> Heute trägt diese Allee den Namen [[Kastanienallee]]. Das Holztor, welches das Befahren von hier mit Kraftfahrzeugen verhindert, ist jedoch erst nach 1980 errichtet worden.<ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 0267688.jpg)</ref> An dieser Allee steht eine Baracke, die noch bis in die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] als Lazarett der britischen Besatzungsmacht und heute als [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Vereinsheim]] für drei Norder Vereine dient.


Das Linteler Wäldchen ist heute städtischer Besitz und frei zugänglich. Die Anhöhen und der Teich sind noch vorhanden, jedoch ist das Gebiet über die Jahrzehnte verwildert und kaum mehr als Park zu erkennen.<ref name=":1" /> Mit dem Bau des [[Jahnplatz|Jahnplatzes]] hat es zudem einen Teil seiner Fläche einbüßen müssen.
Das Linteler Wäldchen ist heute städtischer Besitz und frei zugänglich. Die Anhöhen und der Teich sind noch vorhanden, jedoch ist das Gebiet über die Jahrzehnte verwildert und kaum mehr als Park zu erkennen.<ref name=":1" /> Mit dem Bau des [[Jahnplatz|Jahnplatzes]] hat es zudem einen Teil seiner Fläche einbüßen müssen. Bereits seit mindestens 1800 verlief hier ein wichtiger Verbindungsweg der Bewohner von [[Ostlintel]] zur [[Linteler Mühle]] und zur [[Ludgerikirche]], weshalb der Weg auch amtlich als ''Kirchweg'' verzeichnet war. Als [[Wilhelm Vissering]] diesen Weg 1851 absperrte, kam es zu einem Rechtsstreit zwischen ihm und der [[Sandbauerschaft|Gemeinde Sandbauerschaft]], zu der Ostlintel seinerzeit noch gehörte. Visserung unterlag und musste den Weg wieder frei geben.<ref name=":2" />


Nach dem Tod von [[Wilhelm Vissering]] (er starb 1860) ging das Gut in den Besitzs eines Sohnes [[Friedrich Bodewin Vissering]] über. Später erbt sein Sohn [[Karl Vissering]] das Gut. Bereits vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ging es mit seinen Besitztümern jedoch abwärts. Auch eine Konsolidierung durch die Währungsreform nach der Inflationszeit gelang nicht. 1919 wurde Vissering wegen überhöhter Preisforderungen für Gemüse angezeigt und zur Rechenschaft gezogen. Der wirtschaftliche Ruin Visserings vollzog sich immer weiter. 1929 war er zum Verkauf des Hofs Breepott mit seinen 54 Hektar Land gezwungen.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Vissering.pdf Mahmens, Sven (2007): Biographie des Karl Vissering], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Zuvor musste er bereits umfangreiche Ländereien im Umfeld des Guts, so etwa den [[Stuvert]] (wo später der [[Jahnplatz]] entstand) veräußern. Unbeirrt dessen versuchte er sich weiterhin in der kostenintensiven Zucht von Pferden und brachte 1924 ein Buch mit dem Titel ''Gut Lintel bei Norden (Ostfriesland) - Zuchtstätte rotbrauner Ostfriesen'' heraus.<ref>[https://books.google.de/books/about/Gut_Lintel_bei_Norden_Ostfriesland_Zucht.html?id=3RQBmQEACAAJ&redir_esc=y Bücherverzeichnis von Google Books], abgerufen am 23. April 2021</ref> Nach vorheriger Zwangsverwaltung wurde 1932 die Zwangsversteigerung seines restlichen Besitzes, des Guts Lintel, eingeleitet.<ref name=":02" /> Neuer Eigentümer wurde die [[Sparkasse Aurich-Norden]].
Nach dem Tod von [[Wilhelm Vissering]] (er starb 1860) ging das Gut in den Besitzs eines Sohnes [[Friedrich Bodewin Vissering]] über. Später erbt sein Sohn [[Karl Vissering]] das Gut. Bereits vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ging es mit seinen Besitztümern jedoch abwärts. Auch eine Konsolidierung durch die Währungsreform nach der Inflationszeit gelang nicht. 1919 wurde Vissering wegen überhöhter Preisforderungen für Gemüse angezeigt und zur Rechenschaft gezogen. Der wirtschaftliche Ruin Visserings vollzog sich immer weiter. 1929 war er zum Verkauf des Hofs Breepott mit seinen 54 Hektar Land gezwungen.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Vissering.pdf Mahmens, Sven (2007): Biographie des Karl Vissering], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Zuvor musste er bereits umfangreiche Ländereien im Umfeld des Guts, so etwa den [[Stuvert]] (wo bis 1938 der [[Jahnplatz]] entstand) veräußern. Unbeirrt dessen versuchte er sich weiterhin in der kostenintensiven Zucht von Pferden und brachte 1924 ein Buch mit dem Titel ''Gut Lintel bei Norden (Ostfriesland) - Zuchtstätte rotbrauner Ostfriesen'' heraus.<ref>[https://books.google.de/books/about/Gut_Lintel_bei_Norden_Ostfriesland_Zucht.html?id=3RQBmQEACAAJ&redir_esc=y Bücherverzeichnis von Google Books], abgerufen am 23. April 2021</ref> Nach vorheriger Zwangsverwaltung wurde 1932 die Zwangsversteigerung seines restlichen Besitzes, des Guts Lintel, eingeleitet.<ref name=":02" /> Neuer Eigentümer wurde die [[Sparkasse Aurich-Norden]], die es an den Getreidehändler Wilhelm Bley aus Emden veräußerte.<ref name=":2" />


1940 erging erneut ein Pfändungsbeschluss gegen Vissering, der seit 1935 als Landwirt in Leer-Loga tätig war.<ref name=":02" /> 1978 gelangt das Gut in den Besitz von [[Veit Wucherpfennig]], der das [[Schöninghsches Haus|Schöninghsche Haus]] vor dem Verfall bewahrte.<ref name=":1" /> Heute steht das Anwesen im Eigentum eines Norder Ärztepaares.
1940 erging erneut ein Pfändungsbeschluss gegen Vissering, der seit 1935 als Landwirt in Leer-Loga tätig war.<ref name=":02" /> 1977 oder 1978 gelangte das Gut schließlich in den Besitz des Rechtsanwalts [[Veit Wucherpfennig]], der auch das [[Schöninghsches Haus|Schöninghsche Haus]] vor dem Verfall bewahrte.<ref name=":1" /> Heute steht das Anwesen im Eigentum eines Norder Ärztepaares.
 
== Sonstiges ==
Noch nicht ganz klar ist das Verhältnis des Guts zur Familie des [[Sicco Doden Cremer]], die auch im Zusammenhang mit dem Anwesen genannt werden. So soll [[Sicco Theodor van Hülst]] das Gut im Jahr 1870 bewirtschaftet haben.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2017): Biographie des Sicco Thedor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Seinerzeit hat das Gut aber noch der Familie Vissering gehört, sodass davon auszugehen ist, dass er das Gut möglicherweise vorübergehend bewirtschaftet hat. Eine Vermutung ist, dass [[Friedrich Bodewin Vissering]], zu diesem Zeitpunkt 44 Jahre alt, im Deutsch-Französischen Krieg (1870 - 1871) kämpfen musste.


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references />


== Siehe auch ==
==Siehe auch==
 
*[[Gut Ekel]]
* [[Gut Wirde]]
*[[Gut Wirde]]


[[Kategorie:Höfe im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Ostlintel]]
[[Kategorie:Ostlintel]]