Nadörst: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Das Gebäude Nadörster Straße 2 war um 1900 eine Bäckerei und Kolonialwarenhandlungen im Eigentum von Jakob und Herta Meyer. Später wurde es zu einer Gaststätte ("Gaststätte Nadörst") mit dazugehöriger Bäckerei, die bis ca. 1974 von Frieda und Volkmar Müller betrieben wurde.
Das Gebäude Nadörster Straße 2 war um 1900 eine Bäckerei und Kolonialwarenhandlungen im Eigentum von Jakob und Herta Meyer. Später wurde es zu einer Gaststätte ("Gaststätte Nadörst") mit dazugehöriger Bäckerei, die bis ca. 1974 von Frieda und Volkmar Müller betrieben wurde.


Das [[Gasthaus Waldblick]] wurde ca. 1850 erbaut und war von Beginn an ein Gasthof mit Poststelle. Die Poststelle wurde bis ca. 1974 betrieben, das Gasthaus besteht bis heute fort. Zum Gasthof soll einst auch eine Tankstelle gehört haben.
Das [[Gasthaus Waldblick]] (ehem. ''Gasthof Stern'') wurde ca. 1850 erbaut und war von Beginn an ein Gasthof mit Poststelle. Die Poststelle wurde bis ca. 1974 betrieben, das Gasthaus besteht bis heute fort. Zum Gasthof soll einst auch eine Tankstelle gehört haben.


===Abgebrochene Gebäude===
===Abgebrochene Gebäude===

Version vom 16. September 2021, 08:47 Uhr

Nadörst

Basisdaten
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Administrativer Stadtteil Süderneuland II
Ungefähre Lage südlich des Stadtgebiets

Nadörst ist der Name eines (informellen) Stadtviertels von Norden. Es liegt im Stadtteil Süderneuland II und stellt dessen südliche Ausläufer dar. Im Gegensatz zu allen anderen Stadtvierteln, die im Gegensatz zu den Stadtteilen keine administrative Bedeutung haben, sondern nur als geografische oder alltagssprachliche Orientierung dienen, ist Nadörst mit Ortsschildern an der Bundesstraße ausgeschildert. Der Name "Nadörst" leitet sich vom niederdeutschen Wort für "Nachdurst" ab. Auf dem Heimweg vom Markt kehrten Marktbeschicker und -besucher in die hiesigen Gaststätten ein, um ihren "Nachdurst" zu stillen.

Geprägt wird der Ort durch eine weitestgehend nur vereinzelte Bebauung, die sich vor allem auf den Bereich Altendeich konzentriert. Daneben finden sich hier einige Gewerbebetriebe, ein Autohaus und eine Tankstelle.

Geografie

Nadörst befindet sich südlich bis südöstlich der Kernstadt und von Süderneuland II. Weiter südlich grenzt es an die Nachbargemeinde Osteel. Wie alle Stadtviertel von Norden, die im Gegensatz zu den Stadtteilen nicht offiziell abgegrenzt sind, lassen sich die Grenzen Nadörsts nur grob umschreiben. Im Norden mit Beginn der Wohnbebauung der Bundesstraße, im Osten durch den Berumerfehnkanal und die Grenze zur Nachbargemeinde Halbemond, im Süden durch die Grenze zur Nachbargemeinde Osteel und im Westen durch die alte Deichlinie von 1425.

Diese Abgrenzung ist historisch nicht ganz korrekt, sondern hat sich im Laufe der Zeit eingebürgert. Im engeren Sinne umfasst Nadörst nur den Bereich im Umkreis von etwa 1 km um die heutige Tankstelle.

Geschichte

Der Ort auf einem Lageplan aus dem Jahre 1829. Erkennbar ist, dass die Bundesstraße als solche noch nicht existierte.

Der Beginn der Geschichte des Ortes dürfte in der Zeit vor 1558 zu suchen sein. Die Deichlinie aus dieser Zeit lag vor Nadörst und das Land war bereits als solches nutzbar. Die Besiedlung geht jedoch eher mit der Entwicklung von Süderneuland II einher, die weitestgehend erst im 18. Jahrhundert begann. Anzunehmen ist eine Besiedlung spätestens für die Zeit vor 1730. Im Jahr 1740 wird im Zusammenhang mit dem Verkaufs des Ketelberger Landes die Wassermühle westlich des Leegelandweg erwähnt. Auf der Karte eines niederländischen Artillerieoffiziers aus dem Jahr 1806 ist diese Wassermühle ebenfalls verzeichnet. Die Wassermühle diente der Entwässerung des tiefgelegenen Leegelands.

Größere Bedeutung für die Wirtschaft Nordens erlangte Nadörst mit der Fertigstellung des Berumerfehnkanals um 1794. Der erste Torf wurde hierüber um 1796/1797 verschifft. Etwas weiter nördlich vom Gasthaus Waldblick (in Höhe der Fahrradbrücke über den Kanal) befand sich auch eine Anlandestelle, an der die Kähne halten und Waren umgeschlagen werden konnten.

Erstmalige Erwähnung findet der Ort 1818 als "Nadöst", also ohne "r". Die heutige Schreibweise ist ab 1823 belegt. Für das Jahr 1848 sind für Nadörst vier Wohngebäude mit 26 Bewohnern belegt. In diesem Jahr wird auch die Alte Nadörster Schule erstmalig genannt. Das Gebäude ist bis heute erhalten, wenngleich es im Laufe der Jahrzehnte mehrfach über- und umgebaut wurde. Es ist anzunehmen, dass mit der Fertigstellung der (befestigten) Bundesstraße um das Jahr 1840 auch eine verstärktere Besiedlung einherging, die den Bau einer eigenen Schule erforderte.

Mit dem Anschluss Nordens an die Eisenbahn gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt auch Nadörst eine Bahnhofshaltestelle. Die Fertigstellung der Bahnstrecke und der Haltestelle wird auf das Jahr 1883 datiert. Zunächst befand sich die Strecke - und damit auch die Haltestelle - ungefähr im Bereich der Einmündung der Bundesstraße mit der Nadörster Straße (gen Halbemond). 1906 wurde diese Strecke aufgegeben und eine westlich der Bundesstraße (die heutige) neu errichtete Bahnstrecke eröffnet. Die Haltestelle wurde bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder aufgegeben, da sie infolge des aufkommenden Individual- und Kraftfahrzeugverkehrs unrentabel wurde und nicht mehr den zeitgemäßen Sicherheitsanforderungen gerecht wurde. Zeitzeugen stellen die anliegende Straßenbezeichnung Bahnhofsweg und das noch erhaltene Schrankenwärterhäuschen dar. Am 19. Mai 1883 berichtet der Ostfriesische Kurier von einem Unglück im Zusammenhang mit der Bahn. Ein Landwirt war mit seiner Pferdekutsche auf dem Weg nach Nadörst, als seine Pferde durch die herannahende Eisenbahn aufscheuten, der Landwirt stürzte und von seinen Pferden erschlagen wurde. Der Name Nadörst bleibt damit verbunden mit dem wohl ersten tödlichen Bahnnfall Ostfrieslands.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich ein Kriegsgefangenenlager in Nadörst. In der Holzbaracke warne zwischen 30 und 44 Personen inhaftiert, von denen die meisten Franzosen waren. Einige weitere Kriegsgefangene waren Niederländer. Nadörst besaß auch einen Luftschutzbunker mit mehreren Räumen. Hier wohnte und arbeitete, Alfred Pichottka, als Schneider. Der Bunker wurde dann um 1960/1970 mit einem Bagger und einer Eisenkugel abgerissen, diese Maßnahme soll eine Woche gedauert haben.

Nördlich der Nadörster Straße wurden auf einer Landwirtschaftlich genutzten Fläche, etwa in Höhe Hausnummer 7, bei Pflügarbeiten im Jahr 2017, einige Betonfragmente entdeckt. Zeitzeugen berichten, dass dies die Überreste einer dort in der Gegend befindlichen Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg sein könnten.

Östlich der heute bestehenden Bahntrasse, ungefähr bei der Bundesstraße Nr. 22 (Hof Gerdes), befand sich ein Einmannbunker, der um 1945 von britischen Soldaten durch Sprengungen stark beschädigt wurde und in den 1980er oder 1990er letztlich gesprengt wurde.

Im Jahr 1951 wurde eine neue Schule gebaut. Das Gebäude ist bis heute äußerlich originalgetreu erhalten und wird für Wohnzwecke genutzt.

Erwähnenswerte Gebäude

Erhaltene Gebäude

Das Gebäude Nadörster Straße 2 war um 1900 eine Bäckerei und Kolonialwarenhandlungen im Eigentum von Jakob und Herta Meyer. Später wurde es zu einer Gaststätte ("Gaststätte Nadörst") mit dazugehöriger Bäckerei, die bis ca. 1974 von Frieda und Volkmar Müller betrieben wurde.

Das Gasthaus Waldblick (ehem. Gasthof Stern) wurde ca. 1850 erbaut und war von Beginn an ein Gasthof mit Poststelle. Die Poststelle wurde bis ca. 1974 betrieben, das Gasthaus besteht bis heute fort. Zum Gasthof soll einst auch eine Tankstelle gehört haben.

Abgebrochene Gebäude

Gegenüber des Gasthofes gab es in den 1950er und 1960er Jahren eine kleine Schmiede mit angeschlossenem Fahrradgeschäft und Kfz-Werkstatt. Als Eigentümer wird Hinrich Tönjes genannt. Innerhalb dieses Gebäudes war noch ein Lebensmittelgeschäft der Familie Brethorst untergebracht. Die Familie von Brethorst lebte ungefähr 10 Jahre in Nadörst und kam ursprünglich aus Leybuchtpolder. Um 1959 wurde die Autowerkstatt von Familie Georg Beninga übernommen und fortan betrieben. Anfänglich wurden hauptsächlich Autos der Marken DKW und BMW repariert. Später wurde es ein Vertragspartner von Mercedes-Benz und war bekannt als "Beninga & Schmehl". Um 2010 kaufte das Autohaus Kannegiesser von der Norddeicher Straße das Gebäude und betrieb dort bis 2018 eine Werkstatt für größere Kraftfahrzeuge. Seitdem hat dort die Gebäudereinigungsfirma "GMG" ihren Sitz.

Auf dem Parkplatz des vorgenannten Betriebsgeländes befand sich bis etwa Mitte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Bummert, in dem drei Familien wohnten.

An der Bundesstraße Hausnummer 116, war früher eine sogenannte "Lackfabrik". Vorne ist das Wohnhaus und im hinteren Bereich waren Art Baracken aus Holz zu finden. Dort wurden Farben und Lacke verarbeitet. Ein späterer Bewohner hatte spaßeshalber alte Werbung an einen Weidezaun, der die Zufahrt versperrt, gehängt.

Die von Jan ten Doornkaat Koolman II. angelegte Pomologie wurde in früheren Jahren vom Gärtnermeister Steinbock betrieben. Er züchtete dort Orchideen und Obstbäume. Später war es der Wohnsitz der Familie des Teefabrikanten Onno Behrends und wird auch heute noch als Wohnhaus genutzt.

Quellenverzeichnis