Stadtschreiber: Unterschied zwischen den Versionen
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Der '''Stadtschreiber''' leitete die eigentlichen Verwaltungsgeschäfte der Stadt, womit seine Position in etwa mit den späteren [[Stadtdirektor|Stadtdirektoren]] verglichen werden kann. Schon damals wurde diese Position mit einem Juristen besetzt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 9</ref> Durch seine Bildung, Erfahrung und lange Dienstzeit konnte er auf die Stadtentwicklung oft einen bedeutenderen Einfluss ausüben als | Der '''Stadtschreiber''' (auch: ''Stadtsekretär'') leitete die eigentlichen Verwaltungsgeschäfte der Stadt, womit seine Position in etwa mit den späteren [[Stadtdirektor|Stadtdirektoren]] verglichen werden kann. Schon damals wurde diese Position mit einem Juristen besetzt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 9</ref> Durch seine Bildung, Erfahrung und lange Dienstzeit konnte er auf die Stadtentwicklung oft einen bedeutenderen Einfluss ausüben als die jeweils nur kurzfristig amtierenden [[Bürgermeister]], von denen es bis 1744 bis zu drei gleichzeitig gab.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 27</ref> | ||
In Urkunden wird er oftmals schlicht als ''schreiber'', ''scribae'' oder auch als ''notarius civitatis'' bezeichnet. Die nach heutigen Maßstäbene eher unbedeutend klingende Position wird den größeren und wesentlicheren Aufgaben des damaligen Amtsinhabers nicht gerecht. Man muss sich daher in die Zeit zurückzuversetzen, wo die Kenntnis über das Lesen und Schreiben (vor allem auf Latein) noch ein Privileg einer reichen Oberschicht war. Doch auch heute finden wir noch die eher nachrangig klingende Bezeichnung ''Staatssekretär'' für den höchsten Beamtenstatus im Land. | In Urkunden wird er oftmals schlicht als ''schreiber'', ''scribae'' oder auch als ''notarius civitatis'' bezeichnet. Die nach heutigen Maßstäbene eher unbedeutend klingende Position wird den größeren und wesentlicheren Aufgaben des damaligen Amtsinhabers nicht gerecht. Man muss sich daher in die Zeit zurückzuversetzen, wo die Kenntnis über das Lesen und Schreiben (vor allem auf Latein) noch ein Privileg einer reichen Oberschicht war. Doch auch heute finden wir noch die eher nachrangig klingende Bezeichnung ''Staatssekretär'' für den höchsten Beamtenstatus im Land. | ||
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Für einen Stadtschreiber war es jedenfalls unerlässlich, Rechtskenntnisse zu besitzen, denn ohne sie konnte er seinen Aufgaben, insbesondere als Vollzugsbeamter sowie als Bevollmächtigter in Prozessen und politischen Verhandlungen, nicht nachkommen. | Für einen Stadtschreiber war es jedenfalls unerlässlich, Rechtskenntnisse zu besitzen, denn ohne sie konnte er seinen Aufgaben, insbesondere als Vollzugsbeamter sowie als Bevollmächtigter in Prozessen und politischen Verhandlungen, nicht nachkommen. | ||
Bei der Einstellung eines Rechtsgelehrten ergab sich für die Stadt die Möglichkeit, ihn gleichzeitig als öffentlichen Notar fungieren zu lassen. Der Verfasser der Reformation Kaiser Sigismunds von 1438 forderte direkt, dass alle Reichsstädte einen Stadtschreiber haben sollten, der öffentlicher Notar sei, | Bei der Einstellung eines Rechtsgelehrten ergab sich für die Stadt die Möglichkeit, ihn gleichzeitig als öffentlichen Notar fungieren zu lassen. Der Verfasser der Reformation Kaiser Sigismunds von 1438 forderte direkt, dass alle Reichsstädte einen Stadtschreiber haben sollten, der öffentlicher Notar sei, ''"wa es notturftig wurd, (Notariats-)instrument ze machen, das er sy machte, das man kainen anderen suchte oder suchen muste"'', und meint dann: ''"man hatt ir gnug mit ain in ainer statt"''. | ||
== Amtszeit == | == Amtszeit == | ||
Es war allgemein üblich, Stadtschreiber auf längere Zeit zu bestellen. Sofern nichts dazwischen kam, ergab sich in der Regel eine Lebensstellung. Die Absicht war dabei, die Kontinuität in der Stadtpolitik sicherzustellen. Die offiziellen Stadtoberen, die Bürgermeister, konnten diese Forderung bei ihrer kurzen Amtszeit und dem kurzfristigen Wechsel nicht garantieren. | Es war allgemein üblich, Stadtschreiber auf längere Zeit zu bestellen. Sofern nichts dazwischen kam, ergab sich in der Regel eine Lebensstellung. Die Absicht war dabei, die Kontinuität in der Stadtpolitik sicherzustellen. Die offiziellen Stadtoberen, die Bürgermeister, konnten diese Forderung bei ihrer kurzen Amtszeit und dem kurzfristigen Wechsel nicht garantieren. Zudem war dieses Amt eher repräsentativer Natur. | ||
Die Stadt brauchte also dringend jemanden, | Die Stadt brauchte also dringend jemanden, | ||