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==Geschichte==
==Geschichte==
Der Vorgängerbau der gemeinhin als ''Andreaskirche'' bezeichneten Kirche geht ein hölzerner Bau voran, der möglicherweise auf den Beginn der christlichen Missionierung Ostfrieslands im 8. Jahrhundert zurückgeht. Nachdem Friesland ab 734 von Karl Martell erobert wurde und Karl der Große die fränkische Herrschaft hierzulande festigte, begann unter Bischof Willehad die christliche Missionierung der bis dahin heidnischen Friesen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Wahrscheinlich stand dieser Bau bereits an der letzten Örtlichkeit, jedoch ist nicht eindeutig, ob zu diesem Zeitpunkt die Warft ebenso existierte oder erst später für den steinernen Bau angehäuft wurde. Im 12. Jahrhundert wurde an dessen Stelle eine rechteckige Einraumkirche aus Tuffstein als erster steinerner Kirchenbau des Ortes errichtet.<ref name=":0">Infotafel im Ostfriesischen Heimatmuseum</ref>
[[Datei:Andreaskirche um 1530.jpg|links|mini|290x290px|Die Andreaskirche, kurz vor ihrer Zerstörung im Jahre 1530, nach einer Zeichnung der Ostfriesischen Landschaft im ''Emder Jahrbuch'' von 1992.]]
Der Vorgängerbau der gemeinhin als ''Andreaskirche'' bezeichneten Kirche geht ein hölzerner Bau voran, der möglicherweise auf den Beginn der christlichen Missionierung Ostfrieslands im 8. Jahrhundert zurückgeht. Nachdem Friesland ab 734 vom Frankenkönig Karl Martell erobert wurde und Karl der Große die fränkische Herrschaft hierzulande festigte, begann unter Bischof Willehad die christliche Missionierung der bis dahin heidnischen Friesen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Wahrscheinlich stand dieser Bau bereits an der letzten Örtlichkeit, jedoch ist nicht eindeutig, ob zu diesem Zeitpunkt die [[Warft]] bereits existierte oder erst später für den steinernen Bau angehäuft wurde. Im 12. Jahrhundert wurde an dessen Stelle jedenfalls eine rechteckige Einraumkirche aus Tuffstein als erster steinerner Kirchenbau des Ortes errichtet.<ref name=":0">Infotafel im Ostfriesischen Heimatmuseum</ref>


Im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde dieser Vorgängerbau der späteren Andreaskirche schließlich niedergerissen und anschließend aus Backstein als dreischiffige Pfeilerbasilika mit gewölbtem Querhaus und quadratischem Chor wiedererrichtet.<ref>Bärenfänger, Rolf (1999): Die Andreaskirche in Norden, Stuttgart, S. 187f.</ref> Die Initiative dazu ging wohl vom Bistum Bremen aus, zu dem der Ort seinerzeit gehörte.<ref>van Lengen, Hajo (2003): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende, Aurich, S. 77</ref>
Im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde dieser Vorgängerbau der späteren Andreaskirche schließlich nach einem Erdbeben niedergerissen und anschließend aus Backstein als dreischiffige Pfeilerbasilika mit gewölbtem Querhaus und quadratischem Chor wiedererrichtet.<ref>Bärenfänger, Rolf (1999): Die Andreaskirche in Norden, Stuttgart, S. 187f.</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 23</ref> Die Initiative dazu ging wohl vom Bistum Bremen aus, zu dem der Ort seinerzeit gehörte.<ref>van Lengen, Hajo (2003): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende, Aurich, S. 77</ref>


Nach seiner Fertigstellung im Jahre 1288 hatte der Bau eine Länge von 65 Meter und war etwa 22 Meter breit. Sein 65 Meter hoher Westturm diente Seefahrern über mehrere Jahrhunderte als Seezeichen.<ref name=":2">Ruge, Reinhard (2000):: Die Ludgerikirche zu Norden, Norden, S. 3</ref> Die beiden Osttürme an den Chorflanken wurden später hinzugefügt und von zwei ''"vornehmenen Jungfrauen"'', möglicherweise Schwestern oder Cousinen aus dem Norder Häuptlingsgeschlecht [[Idzinga]], gestiftet.<ref name=":3">Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Ihre Namen werden mit Jeva und Djure Idzing angegeben.<ref name=":4">Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 18</ref> Die in Ostfriesland seltenen Chorflankentürme wurden vermutlich nach dem Vorbild der Kirche von Bunde errichtet.<ref name=":0" /> Unmittelbar nach der Baufertigstellung im Jahre 1288 wurde der umliegende Friedhof seiner Bestimmung übergeben, die offizielle Weihung soll jedoch erst nach dem Eintreffen des Bischofs vollzogen worden sein.<ref name=":3" />
Nach seiner Fertigstellung im Jahre 1288 hatte der Bau eine Länge von 65 Meter und war etwa 22 Meter breit. Sein 65 Meter hoher Westturm diente Seefahrern über mehrere Jahrhunderte als Seezeichen.<ref name=":2">Ruge, Reinhard (2000):: Die Ludgerikirche zu Norden, Norden, S. 3</ref> Die beiden Osttürme an den Chorflanken wurden später hinzugefügt und von zwei ''"vornehmenen Jungfrauen"'', möglicherweise Schwestern oder Cousinen aus dem Norder Häuptlingsgeschlecht [[Idzinga]], gestiftet.<ref name=":3">Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Ihre Namen werden mit Jeva und Djure Idzing angegeben.<ref name=":4">Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 18</ref> Die in Ostfriesland seltenen Chorflankentürme wurden vermutlich nach dem Vorbild der Kirche von Bunde errichtet.<ref name=":0" /> Unmittelbar nach der Baufertigstellung im Jahre 1288 wurde der umliegende Friedhof seiner Bestimmung übergeben, die offizielle Weihung soll jedoch erst nach dem Eintreffen des Bischofs vollzogen worden sein.<ref name=":3" />
[[Datei:Andreaskirche Marktplatz Am Markt Westturm 1618 01.jpg|links|mini|264x264px|Der abgängige Westturm im Jahre 1618.]]
 
Schon vor den einsetzenden Wirren durch die Reformation stand es denkbar schlecht um den Zustand der Andreaskirche. Stürme und Überflutungen, wie die [[Erste Dionysiusflut]] hatten dem Bauwerk im 13. und 14. Jahrhundert stark zugesetzt. Heftige Seewinde brachten den mächtigen Westturm im Jahre 1411 zum Einsturz.<ref name=":3" /> Der endgültige Todesstoß wurde der Kirche jedoch erst rund 120 Jahre später versetzt. Im Jahr 1531 verwüstete ein Heerhaufen des Häuptlings [[Balthasar von Esens]] die unbefestigte Stadt, die nur über einige umliegende [[Liste der Burgen und Wehrhäuser|Wehrhäuser]], aber keine Stadtmauer verfügte. Den Brandschatzungen fielen sowohl die Andreaskirche als auch weitere bedeutende Bauten, wie dem Vorgängerbau des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]] sowie das [[Kloster Marienthal]], zum Opfer.
Schon vor den einsetzenden Wirren durch die Reformation stand es denkbar schlecht um den Zustand der Andreaskirche. Stürme und Überflutungen, wie die [[Erste Dionysiusflut]] hatten dem Bauwerk im 13. und 14. Jahrhundert stark zugesetzt. Heftige Seewinde brachten den mächtigen Westturm im Jahre 1411 zum Einsturz.<ref name=":3" /> Der endgültige Todesstoß wurde der Kirche jedoch erst rund 120 Jahre später versetzt. Im Jahr 1531 verwüstete ein Heerhaufen des Häuptlings [[Balthasar von Esens]] die unbefestigte Stadt, die nur über einige umliegende [[Liste der Burgen und Wehrhäuser|Wehrhäuser]], aber keine Stadtmauer verfügte. Den Brandschatzungen fielen sowohl die Andreaskirche als auch weitere bedeutende Bauten, wie dem Vorgängerbau des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]] sowie das [[Kloster Marienthal]], zum Opfer.


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==Beschreibung==
==Beschreibung==
[[Datei:Andreaskirche Marktplatz Am Markt Innenansicht 1618 01.jpg|mini|262x262px|Innenansicht der Kirchenruine (1618).]]
[[Datei:Andreaskirche Marktplatz Am Markt Innenansicht 1618 01.jpg|mini|270x270px|Innenansicht der Kirchenruine (1618).]]
[[Datei:Andreaskirche Marktplatz Am Markt Westturm 1618 01.jpg|links|mini|306x306px|Der abgängige Westturm im Jahre 1618.]]
Über den hölzernen Bau der Andreaskirche ist nichts bekannt. Der erste steinerne Bau soll hingegen eine Länge von etwa 37 Metern sowie möglicherweise eine halbrunde Apsis (halb-zylinderförmiger Anbau) gehabt haben. Später soll noch ein quadratischer Westturm angefügt worden sein.<ref name=":0" />
Über den hölzernen Bau der Andreaskirche ist nichts bekannt. Der erste steinerne Bau soll hingegen eine Länge von etwa 37 Metern sowie möglicherweise eine halbrunde Apsis (halb-zylinderförmiger Anbau) gehabt haben. Später soll noch ein quadratischer Westturm angefügt worden sein.<ref name=":0" />


Dank der Überlieferungen des [[Ubbo Emmius]] und den sogenannten [[Norder Annalen]] des Mönches [[Gerrit van Norden]] ist eine vergleichsweise gute Beschreibung der (letzten) steinernen Andreaskirche möglich. Er nennt die Kirche ein ''"hevorragendes Werk mit drei ausgezeichneten und hochragenden Türmen"'', die bereits von Weitem sichtbar waren. Der westliche Turm soll der größte aller Türme gewesen sein, an ihm wurde 1567 eine Uhr angebracht, sodass dieser auch als ''Uhrwarkstoorn'' (Uhrenturm) bezeichnet wurde.<ref name=":4" /> Dieser wurde bis zum Beginn des Giebels der Kirche aus Tuffstein errichtet. Von hier aus überragte er weiter mit einem hochragenden Giebel, der sich zu einer kegelförmigen Spitze erhob, der noch einmal so groß gewesen sein soll, wie der untere Bau des Turms selbst.<ref name=":3" /> Dieser hohe Turm war über Jahrhunderte ein wichtiges Seezeichen für den Schiffsverkehr.<ref name=":2" /> Angeblich soll er den Seefahrern bis an die Elbmündung erkennbar gewesen sein, was vermutlich aber eher eine Übertreibung ist. Das Fehlen dieses Seezeichens hatte jedenfalls den Bau eines Leuchtturms auf Borkum durch die Stadt Emden zur Folge.<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 19</ref>
Dank der Überlieferungen des [[Ubbo Emmius]] und den sogenannten [[Norder Annalen]] des Mönches [[Gerrit van Norden]] ist eine vergleichsweise gute Beschreibung der (letzten) steinernen Andreaskirche möglich. Er nennt die Kirche ein ''"hevorragendes Werk mit drei ausgezeichneten und hochragenden Türmen"'', die bereits von Weitem sichtbar waren.<ref name=":4" />
 
Der westliche Turm soll der größte aller Türme gewesen sein, an ihm wurde 1567 eine Uhr angebracht, sodass dieser auch als ''Uhrwarkstoorn'' (Uhrenturm) bezeichnet wurde.<ref name=":4" /> Dieser wurde bis zum Beginn des Giebels der Kirche aus Tuffstein errichtet. Von hier aus überragte er weiter mit einem hochragenden Giebel, der sich zu einer kegelförmigen Spitze erhob, der noch einmal so groß gewesen sein soll, wie der untere Bau des Turms selbst.<ref name=":3" /> Dieser hohe Turm war über Jahrhunderte ein wichtiges Seezeichen für den Schiffsverkehr.<ref name=":2" /> Angeblich soll er den Seefahrern bis an die Elbmündung erkennbar gewesen sein, was vermutlich aber eher eine Übertreibung ist. Das Fehlen dieses Seezeichens hatte jedenfalls den Bau eines Leuchtturms auf Borkum durch die Stadt Emden zur Folge.<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 19</ref>


Die beiden anderen Türme waren schmaler und aus Ziegelstein errichtet. Sie stiegen mit geraden Seiten hoch und waren mit einem vergleichsweise kleinen Giebel abgeschlossen. Der Volksmund nannte die beiden gleichartigen Türme auch ''Basen'' (Cousinen).<ref name=":3" />
Die beiden anderen Türme waren schmaler und aus Ziegelstein errichtet. Sie stiegen mit geraden Seiten hoch und waren mit einem vergleichsweise kleinen Giebel abgeschlossen. Der Volksmund nannte die beiden gleichartigen Türme auch ''Basen'' (Cousinen).<ref name=":3" />