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Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 erhielt die NSDAP in Norden insgesamt 45,3 % der Stimmen, bei dei den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 konnten die Nationalsozialisten in der Stadt sogar 48,6 % auf sich vereinigen, was sicherlich nicht zuletzt auf die konservative Gesinnung des Großteils der Norder Bürgerschaft sowie die anhaltende wirtschaftliche Misere zurückzuführen ist.<ref name=":13" /><ref name=":5">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref> Schon nach einigen Tagen setzten Verhaftungswellen gegen Kommunisten und Sozialdemokraten ein. Wenige Wochen später kam es zu weiteren Übergriffen auf politische Gegner: 27 Sozialdemokraten und Kommunisten wurden in der [[Gaststätte Zur Börse]] brutal misshandelt. Am 28. März ließ die SA in der Stadt sämtliche jüdische Geschäfte schließen und rief zu deren Boykott auf. Diese Maßnahme wurde am 5. April wieder beendet. Schon am Abend des 30. Januars 1933, dem Tag der ''Machtergreifung'' Hitlers, marschierten die Nationalsozialisten mit einem Fackelzug singend durch die Straßen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 27</ref>
Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 erhielt die NSDAP in Norden insgesamt 45,3 % der Stimmen, bei dei den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 konnten die Nationalsozialisten in der Stadt sogar 48,6 % auf sich vereinigen, was sicherlich nicht zuletzt auf die konservative Gesinnung des Großteils der Norder Bürgerschaft sowie die anhaltende wirtschaftliche Misere zurückzuführen ist.<ref name=":13" /><ref name=":5">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref> Schon nach einigen Tagen setzten Verhaftungswellen gegen Kommunisten und Sozialdemokraten ein. Wenige Wochen später kam es zu weiteren Übergriffen auf politische Gegner: 27 Sozialdemokraten und Kommunisten wurden in der [[Gaststätte Zur Börse]] brutal misshandelt. Am 28. März ließ die SA in der Stadt sämtliche jüdische Geschäfte schließen und rief zu deren Boykott auf. Diese Maßnahme wurde am 5. April wieder beendet. Schon am Abend des 30. Januars 1933, dem Tag der ''Machtergreifung'' Hitlers, marschierten die Nationalsozialisten mit einem Fackelzug singend durch die Straßen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 27</ref>


Am 19. April 1933 erhielt die [[Osterstraße]] den Namen ''Adolf-Hitler-Straße''.<ref name=":5" /> Am 24. Juli 1935, kurz vor der Einführung der Rassegesetze, wurden Juden, die mit ''arischen'' Norder Frauen Kontakt hatten, durch die Hauptstraßen des Ortes getrieben, um den Hals ein Schild mit herabwürdigenden Aufschriften. Ein bekanntes Bild dieser Zeit zeigt die Demütigung des jüdischen Lehrers [[Julius Wolff]] mit seiner ''arischen'' Freundin [[Christine Neemann]].<ref name=":5" /> Später wird eine weitere Frau aus ähnlichen Gründen durch die Straßen getrieben, sie trägt - ebenso wie Neemann - ein Schild mit der Aufschrift ''"Ich bin ein deutsches Mädchen und habe mich vom Juden schänden lassen"'' um den Hals. Wolff selbst trug ein Schild, auf dem ''"Ich bin ein Rasseschänder"'' stand.
Am 19. April 1933 erhielt die [[Osterstraße]] den Namen ''Adolf-Hitler-Straße''.<ref name=":5" /> Am 22. Juli 1935, kurz vor der Einführung der Rassegesetze, wurden Juden, die mit ''arischen'' Norder Frauen Kontakt hatten, durch die Hauptstraßen des Ortes getrieben, um den Hals ein Schild mit herabwürdigenden Aufschriften. Ein bekanntes Bild dieser Zeit zeigt die Demütigung des jüdischen Lehrers [[Julius Wolff]] mit seiner ''arischen'' Freundin [[Christine Neemann]].<ref name=":5" /> Später wird [[Elise Extra]], deren Verlobten man nicht ''rechtzeitig'' fand, aus ähnlichen Gründen durch die Straßen getrieben. Sie trägt, ebenso wie Neemann, ein Schild mit der Aufschrift ''"Ich bin ein deutsches Mädchen und habe mich vom Juden schänden lassen"'' um den Hals. Wolff trug ein Schild, auf dem ''"Ich bin ein Rasseschänder"'' stand. Alle drei wurden nach der Demütigung in ''Schutzhaft'' genommen.<ref>Ökumenischer Arbeitskreis (2021): Kleiner Rundgang durch Norden, Norden, S. 13</ref>


Im Verlauf des Jahres 1938 setzte eine verstärkte antijüdische Hetze in der Norder Presse ein. Norden besaß über viele Jahrhunderte hinweg eine [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] mit Synagogen in Norden und auf Norderney. Die [[Synagoge|Norder Synagoge]] wurde während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört. Das [[Jüdische Schule|Schulhaus]], das [[Vorsängers Haus|Wohnhaus des Rabbiners]] und das des [[Synagogenweg 3|Lehrers]] stehen indes bis heute. Die Synagoge auf Norderney hingegen blieb von den Aktionen in Zusammenhang mit den Novemberpogromen verschont, da sie zuvor an einen Eisenwarenhändler verkauft worden war, der dort einen Lagerraum einrichten wollte. Die in Norden lebenden Juden wurden am [[Schlachthof]] zusammengetrieben und gemeinsam mit den anderen ostfriesischen Juden in das KZ Sachsenhausen gebracht, von wo sie Wochen später zunächst zurückkehrten, ehe sie einige Zeit später endgültig deportiert wurden. Nach den Novemberpogromen löste sich die jüdische Gemeinde in Norden, die noch 1925 mehr als 230 Mitglieder hatte, auf. Noch 1933 gab es 50 Handelsbetriebe und Geschäfte mit jüdischen Eigentümern.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref> Die letzten [[Jüdische Gemeinde Norden|Norder Juden]] wurden im April 1940 in Konzentrationslager abtransportiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde fast die Hälfte der jüdischen Norder umgebracht. Nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Norden zurück.
Im Verlauf des Jahres 1938 setzte eine verstärkte antijüdische Hetze in der Norder Presse ein. Norden besaß über viele Jahrhunderte hinweg eine [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] mit Synagogen in Norden und auf Norderney. Die [[Synagoge|Norder Synagoge]] wurde während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört. Das [[Jüdische Schule|Schulhaus]], das [[Vorsängers Haus|Wohnhaus des Rabbiners]] und das des [[Synagogenweg 3|Lehrers]] stehen indes bis heute. Die Synagoge auf Norderney hingegen blieb von den Aktionen in Zusammenhang mit den Novemberpogromen verschont, da sie zuvor an einen Eisenwarenhändler verkauft worden war, der dort einen Lagerraum einrichten wollte. Die in Norden lebenden Juden wurden am [[Schlachthof]] zusammengetrieben und gemeinsam mit den anderen ostfriesischen Juden in das KZ Sachsenhausen gebracht, von wo sie Wochen später zunächst zurückkehrten, ehe sie einige Zeit später endgültig deportiert wurden. Nach den Novemberpogromen löste sich die jüdische Gemeinde in Norden, die noch 1925 mehr als 230 Mitglieder hatte, auf. Noch 1933 gab es 50 Handelsbetriebe und Geschäfte mit jüdischen Eigentümern.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref> Die letzten [[Jüdische Gemeinde Norden|Norder Juden]] wurden im April 1940 in Konzentrationslager abtransportiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde fast die Hälfte der jüdischen Norder umgebracht. Nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Norden zurück.