Sparkasse Aurich-Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Nachdem bereits Ende des 19. Jahrhunderts für die Ostfriesische Sparkasse ein Neubau entstanden war, plante zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Stadtsparkasse Norden neues Gebäude. Schon 1904 erwarb sie ein Grundstück in der Nähe der bestehenden Hauptstelle in der [[Große Neustraße|Großneustraße]]. Dazu wurden noch zwei angrenzende Häuser gekauft und nach deren Abriss begann der Bau eines repräsentativen Hauptstellengebäudes, der 1906 abgeschlossen wurde.<ref name=":1" /> Die örtliche Presse war voll des Lobes für den neuen Sparkassenbau: ''"Der Monumentalbau übt einen trefflich wirkenden Eindruck aus und hebt sich von der nächsten Umgebung um so mehr ab, als durch das Einspringen der Fluchtlinie ein freier Platz geschaffen worden ist, der das Gesamtbild umso wirkungsvoller hervortreten lässt."'' Doch schon bald wurde das Gebäude zu klein, sodass man 1924 in das [[Löwenbank|ehemalige Bankgebäude]] (''Löwenbank'') der [[Norder Bank]] zog, wo der Hauptsitz der hiesigen Sparkasse bis heute ansässig ist.''<ref name=":0" />'' | Nachdem bereits Ende des 19. Jahrhunderts für die Ostfriesische Sparkasse ein Neubau entstanden war, plante zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Stadtsparkasse Norden neues Gebäude. Schon 1904 erwarb sie ein Grundstück in der Nähe der bestehenden Hauptstelle in der [[Große Neustraße|Großneustraße]]. Dazu wurden noch zwei angrenzende Häuser gekauft und nach deren Abriss begann der Bau eines repräsentativen Hauptstellengebäudes, der 1906 abgeschlossen wurde.<ref name=":1" /> Die örtliche Presse war voll des Lobes für den neuen Sparkassenbau: ''"Der Monumentalbau übt einen trefflich wirkenden Eindruck aus und hebt sich von der nächsten Umgebung um so mehr ab, als durch das Einspringen der Fluchtlinie ein freier Platz geschaffen worden ist, der das Gesamtbild umso wirkungsvoller hervortreten lässt."'' Doch schon bald wurde das Gebäude zu klein, sodass man 1924 in das [[Löwenbank|ehemalige Bankgebäude]] (''Löwenbank'') der [[Norder Bank]] zog, wo der Hauptsitz der hiesigen Sparkasse bis heute ansässig ist.''<ref name=":0" />'' | ||
Als nach dem Ersten Weltkrieg die Inflation den Menschen immer mehr zu schaffen machte, ging auch die Zahl der Heimsparbüchsen zurück. Zu schnell verfiel der Wert des Geldes. Die meisten lösten ihre Sparkonten auf und flüchteten, wenn möglich, in Sachwerte. Den Sparkassen fehlte es an Einlagen. Die Stadtsparkasse Norden zählte Anfang des Jahres 1924 nur noch 32 Sparkonten mit Einlagen von gerade einmal 1.706 Reichsmark. Also warb sie wieder für ihre Dienste, verstärkte erneut die Ausgabe von Heimsparbüchsen und förderte damit den Kleinsparverkehr. Immerhin steigerte sie auf diese Weise die bei ihr registrierten Heimspardosen bis 1927 wieder auf 271 Stück und sammelte bis zu 7.000 Reichsmark im Jahr ein. Jetzt nutzten die meisten Sparkassen eine ovale Dose mit einem klappbaren Bügel, die wegen Form und Gewicht bald den Spitznamen | Als nach dem Ersten Weltkrieg die Inflation den Menschen immer mehr zu schaffen machte, ging auch die Zahl der Heimsparbüchsen zurück. Zu schnell verfiel der Wert des Geldes. Die meisten lösten ihre Sparkonten auf und flüchteten, wenn möglich, in Sachwerte. Den Sparkassen fehlte es an Einlagen. Die Stadtsparkasse Norden zählte Anfang des Jahres 1924 nur noch 32 Sparkonten mit Einlagen von gerade einmal 1.706 Reichsmark. Also warb sie wieder für ihre Dienste, verstärkte erneut die Ausgabe von Heimsparbüchsen und förderte damit den Kleinsparverkehr. Immerhin steigerte sie auf diese Weise die bei ihr registrierten Heimspardosen bis 1927 wieder auf 271 Stück und sammelte bis zu 7.000 Reichsmark im Jahr ein. Jetzt nutzten die meisten Sparkassen eine ovale Dose mit einem klappbaren Bügel, die wegen Form und Gewicht bald den Spitznamen ''Bügel-Eisen-Spardose'' erhielt.<ref name=":0" /> | ||
Zwischen dem 21. und 26. Juni 1948 leisten die Mitarbeiter der ostfriesischen Sparkassen, wie überall in den westdeutschen Besatzungszonen, Sonderschichten. Bis tief in die Nacht wird Geld gezählt, sortiert, gebündelt und schließlich in Wäschekörben zwischengelagert. Die Bürger des Landes bringen ihre alten Reichsmark oder die von den Alliierten ausgegebenen Marknoten zur Sparkasse. Dort wird das Geld auf ein Reichsmarkkonto verbucht, geprüft und auf D-Mark umgestellt. Seit dem Morgen des 21. Juni 1948 galt nur noch die neue D-Mark als Zahlungsmittel. Um die Wirtschaft während der Umstellung am Laufen zu halten, hatte am Tag zuvor jeder Bürger ein Kopfgeld von 40 D-Mark erhalten. Nun musste er bis zum 26. des Monats sein Altgeld abliefern und in die neue Währung verrechnen lassen. Ansonsten würden die Altbestände verfallen. Familien wurden gemeinsam veranlagt, also sämtliche Konten einer Familie, auch die bei anderen Kreditinstituten, mussten zusammengefasst und dann über ein Reichsmarkabwicklungskonto umgetauscht werden. Nach dem Umtausch im Verhältnis 10:1 kam der Betrag je zur Hälfte auf ein Freikonto und ein Festkonto. Doch mit dieser Operation war die Arbeit der Banken und Sparkassen noch nicht beendet. Im Oktober wurden die Festkonten aufgelöst: 7/10 verfielen, 2/10 der Summe kamen aufs Freikonto, das restliche Zehntel war als Anlagekonto gutzuschreiben. Damit erhielt ein Sparer für 100 Reichsmark gerade einmal 6,50 D-Mark. Im Geschäftsbericht 1948/49 konnte die Kreissparkasse Aurich nur feststellen: ''"Das Jahr 1948 brachte den Sparern endlich die Gewißheit über das Schicksal ihrer Ersparnisse. Durch die Währungsumstellung wurde mit erschreckender Deutlichkeit die grenzenlose Armut des deutschen Volkes offenbar. Die Anrechnung der Kopfquote löschte 25.895 Stück kleiner Sparkonten (= 56 % der Sparkonten) und 1.666 Stück kleiner Spargirokonten (= 38 % aller Spargirokonten) vollständig aus."'' <ref name=":0" /> | Zwischen dem 21. und 26. Juni 1948 leisten die Mitarbeiter der ostfriesischen Sparkassen, wie überall in den westdeutschen Besatzungszonen, Sonderschichten. Bis tief in die Nacht wird Geld gezählt, sortiert, gebündelt und schließlich in Wäschekörben zwischengelagert. Die Bürger des Landes bringen ihre alten Reichsmark oder die von den Alliierten ausgegebenen Marknoten zur Sparkasse. Dort wird das Geld auf ein Reichsmarkkonto verbucht, geprüft und auf D-Mark umgestellt. Seit dem Morgen des 21. Juni 1948 galt nur noch die neue D-Mark als Zahlungsmittel. Um die Wirtschaft während der Umstellung am Laufen zu halten, hatte am Tag zuvor jeder Bürger ein Kopfgeld von 40 D-Mark erhalten. Nun musste er bis zum 26. des Monats sein Altgeld abliefern und in die neue Währung verrechnen lassen. Ansonsten würden die Altbestände verfallen. Familien wurden gemeinsam veranlagt, also sämtliche Konten einer Familie, auch die bei anderen Kreditinstituten, mussten zusammengefasst und dann über ein Reichsmarkabwicklungskonto umgetauscht werden. Nach dem Umtausch im Verhältnis 10:1 kam der Betrag je zur Hälfte auf ein Freikonto und ein Festkonto. Doch mit dieser Operation war die Arbeit der Banken und Sparkassen noch nicht beendet. Im Oktober wurden die Festkonten aufgelöst: 7/10 verfielen, 2/10 der Summe kamen aufs Freikonto, das restliche Zehntel war als Anlagekonto gutzuschreiben. Damit erhielt ein Sparer für 100 Reichsmark gerade einmal 6,50 D-Mark. Im Geschäftsbericht 1948/49 konnte die Kreissparkasse Aurich nur feststellen: ''"Das Jahr 1948 brachte den Sparern endlich die Gewißheit über das Schicksal ihrer Ersparnisse. Durch die Währungsumstellung wurde mit erschreckender Deutlichkeit die grenzenlose Armut des deutschen Volkes offenbar. Die Anrechnung der Kopfquote löschte 25.895 Stück kleiner Sparkonten (= 56 % der Sparkonten) und 1.666 Stück kleiner Spargirokonten (= 38 % aller Spargirokonten) vollständig aus."'' <ref name=":0" /> | ||