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Ab dem 16. bis 17. Jahrhundert begannen tiefgreifende sozialstrukturelle Veränderungen. Die Zahl der kleinen und mittleren Bauernhöfe ging zurück und einige wenige Großbauern dominierten fortan die Landwirtschaft. Während es um 1600 noch 37 Höfe in Westermarsch I gab, waren es 1719 noch 30. Die durchschnittliche Größe der Ländereien eines Hofs stieg von etwa 15 auf gut 30 bis 35 [[Diemat]]. Durch gute Erträge im fruchtbaren Marschland kamen die Großbauern zu ansehnlichem Wohlstand, während der Großteil der Westermarscher in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen gerieten und in Armut fortlebten. Die [[Westerstraße]] in Norden wurde zur Einkaufsstraße der Westermarscher Großbauern. Ihren Wohlstand stellten sie gerne durch vergleichsweise prunkvolle Kutschen und eigene Logen in der [[Ludgerikirche]] zur Schau. Eines der größten Höfe der Westermarsch ist der noch heute erhaltenene Hof [[Groß-Langhaus]], der gut 150 [[Diemat]] Land besaß (etwa 855.000 Quadratmeter).
Ab dem 16. bis 17. Jahrhundert begannen tiefgreifende sozialstrukturelle Veränderungen. Die Zahl der kleinen und mittleren Bauernhöfe ging zurück und einige wenige Großbauern dominierten fortan die Landwirtschaft. Während es um 1600 noch 37 Höfe in Westermarsch I gab, waren es 1719 noch 30. Die durchschnittliche Größe der Ländereien eines Hofs stieg von etwa 15 auf gut 30 bis 35 [[Diemat]]. Durch gute Erträge im fruchtbaren Marschland kamen die Großbauern zu ansehnlichem Wohlstand, während der Großteil der Westermarscher in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen gerieten und in Armut fortlebten. Die [[Westerstraße]] in Norden wurde zur Einkaufsstraße der Westermarscher Großbauern. Ihren Wohlstand stellten sie gerne durch vergleichsweise prunkvolle Kutschen und eigene Logen in der [[Ludgerikirche]] zur Schau. Eines der größten Höfe der Westermarsch ist der noch heute erhaltenene Hof [[Groß-Langhaus]], der gut 150 [[Diemat]] Land besaß (etwa 855.000 Quadratmeter).


Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) war der Drost, später im Norder
Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs formierte sich eine Bürgerwehr, der 73 Mann angehörten. Die Wehr hatte keine Waffen, diese waren jedoch angefordert. Zu einer Bewaffnung kam es durch die Gründung der Weimarer Republik jedoch nicht mehr.
Amt Amtsverwalter genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen Amt Norden hatte.
Der Vogt war der Exekutivbeamte des Drosten, der seine Bestallung vom Fürsten erhielt. Sein
Arbeitsbereich umfasste die ganze Westermarsch, Süderneuland I & II, sowie alles was südlich
von Norden gelegen war. Dem Vogt wurde ein Auskündiger beigegeben, der vom zeitigen
Amtsverwalter eingesetzt wurde.23 Zusätzlich gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten,
die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Schatzungen und andere die
Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen anzusagen. Das Amt ging im Rott um
und wurde hier auf zwei Jahre verwaltet.24 Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher
(Bürgermeister) an oberster Spitze in Westermarsch I. Von 01.12.1965 bis 30.06.1672 fand unter
Samtgemeindedirektor Hippen die „kleine Gebietsreform“ statt. Auf die Samtgemeinde Leybucht
(Westermarsch I und II, Neuwesteel und Leybuchtpolder) folgt am 01. Juli 1972 die
Eingemeindung nach Norden. Westermarsch I steht jetzt ein Ortsvorsteher vor.
1735 standen an der Spitze der Landwehr ein Leutnant und ein Fähnrich, gewählt von den
qualifizierten Interessenten, konfirmiert vom fürstlichen Haus.25 Im September 1919 bestand die
Einwohnerwehr in Westermarsch I aus 73 Mann ohne Waffen, die allerdings zu dem Zeitpunkt
angefordert waren.  


Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in einer Holzbaracke bei Landwirt J. Ahrends das [[Kriegsgefangenenlager Westercharlottenpolder]] (AK Nr. 1 164E), in dem 35 bis 40 (vorher auch 60) Personen untergebracht waren. Im Oktober 1940 gab es 40 Insassen von ausnahmslos französischer Herkunft. Im Juli 1941 registrierte man dann 39 Serben.
Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 730 Einwohner, von denen 190 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 22 auf insgesamt 752 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 200.
==Verwaltung==
Bis 1463 hatten wohl Häuptlinge oder andere lokale Würdenträger das Sagen. Feste Strukturen waren jedoch kaum vorhanden.
Ab 1464 bis 1744 stand Westermarsch I ein vom Grafen bzw. Fürsten bestellter Drost vor, der später auch den Titel "Amtsverwalter" trug, da ihm das [[Amt Norden]] unterstand. Dieser hatte neben der Oberaufsicht auch die gesamte Polizeigewalt inne. Dem Drosten bzw. Amtsverwalter war ein Vogt beigestellt, der vom Grafen bzw. Fürsten selbst eingesetzt wurde. Dieser Vogt war neben Westermarsch I auch für [[Westermarsch II]] sowie [[Süderneuland I]] und [[Süderneuland II]] zuständig. Ein sogenannter Auskündiger, der vom Drosten bzw. Amtsverwalter eingesetzt wurde, unterstützte den Vogten in seiner Arbeit und war diesem hierarchisch untergeordnet. Unter dem Auskündigen standen mehrere Rottmeister, die jeweils ein Rott verwalteten. Westermarsch I hatte damit vier Rottmeister. Sie hatten vor allem die Aufgabe, die Steuern in ihren Rotten einzutreiben und den Rottbewohnern ihre Pflichten anzusagen. Die Amtszeit der Rottmeister dauerte zwei Jahre, das Amt wurde danach im Rott an geeignete, männliche Bewohner neu vergeben.
Für 1735 sind ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze einer Landwehr (Miliz), die demokratisch gewählt, jedoch vom Regenten bestätigt werden mussten.
Ab dem 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze von Westermarsch I. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben. An der Spitze der eigentlichen Verwaltung stand ein (Samt-)Gemeindedirektor. Von 01.12.1965 bis 30.06.1972 fand unter Gemeindedirektor Hippen die "kleine Gebietsreform" statt, Westermarsch I und II verloren ihre Eigenständigkeit und gingen in der [[Samtgemeinde Leybucht]] auf, der auch [[Neuwesteel]] und [[Leybuchtpolder]] angehörten. Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Samtgemeinde Leybucht am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher [[Ortsvorsteher]] vertritt nun den Ort gegenüber der städtischen Verwaltung.


== Sehenswürdigkeiten ==
== Sehenswürdigkeiten ==