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Die '''Leegemoorgesellschaft''' ist ein seit Mitte des 16. Jahrhunderts auf genossenschaftlicher Basis geführter Verband von Interessenten (vergleichbar mit heutigen Aktionären). Die Leegemoorgesellschaft ist neben der [[Theelacht]] und der [[Altenbürgerlande]] eine der drei bis heute noch tagenden Norder Genossenschaften. Als offizielles Gründungsdatum wird der 12. Oktober 1632 angegeben, jedoch findet die Genossenschaft bereits in einem Erbpachtvertrag vom 23. April 1562 indirekt als "Ordonnanz der Leegemoorgebräucher" Erwähnung.
Die '''Leegemoorgesellschaft''' ist ein seit Mitte des 16. Jahrhunderts auf genossenschaftlicher Basis geführter Verband von Interessenten (vergleichbar mit heutigen Aktionären). Die Leegemoorgesellschaft ist neben der [[Theelacht]] und der [[Altenbürgerlande]] eine der drei bis heute noch tagenden Norder Genossenschaften. Als offizielles Gründungsdatum wird der 12. Oktober 1632 angegeben, jedoch findet die Genossenschaft bereits in einem Erbpachtvertrag vom 23. April 1562 indirekt als ''Ordonnanz der Leegemoorgebräucher'' Erwähnung.


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==Geschichte==
==Geschichte==
Nach Beendigung der Eindeichung des [[Süderneuland|Süderneulandes]] im Jahr 1556 durch [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbmarmachung zur Verfügung. Die [[Udo-Focken-Deich|alte Deichlinie]] entlang der heutigen [[Bundesstraße]] wurde erheblich gen [[Leybucht]] erweitert. Südwestlich der [[Addinggaste]] befindliche Moorflächen, die durch den Nachfolger und Sohn Annas, [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] im Jahr 1562 an wohlhabende Norder Bürger, die ein Vermögen von mindestens 1.000 Reichstalern besaßen, als Gemeinweide (Allmende; vgl. [[Mahnland]]) in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten.
Nach Beendigung der Eindeichung des [[Süderneuland|Süderneulandes]] im Jahr 1556 durch [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbmarmachung zur Verfügung. Die [[Udo-Focken-Deich|alte Deichlinie]] entlang der heutigen [[Bundesstraße]] wurde erheblich gen [[Leybucht]] erweitert. Südwestlich der [[Addinggaste]] befindliche Moorflächen, die durch den Nachfolger und Sohn Annas, [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] im Jahr 1562 an wohlhabende Norder Bürger, die ein Vermögen von mindestens 1.000 Reichstalern besaßen, als [[Gemeinweide]] in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten.


Die 95 Anteile der Leegemoorgesellschaft wurden anteilig auf die einzelnen 95 Interessenten verteilt. Bis heute schafft es die Leegemoorgesellschaft, ansehnliche Renditen zu erwirtschaften und halbjährich an die Anteilseigner auszuschütten. Dies ist wenig verwunderlich, da sich auf den Ländereien seit den 1970er Jahren verschiedenste Gewerbebetriebe angesiedelt haben. Die letzte bis dahin unverpachtete Fläche der Leegemoorgesellschaft wurde 2007 als Gewerbefläche vermarktet.
Die 95 Anteile der Leegemoorgesellschaft wurden anteilig auf die einzelnen 95 Interessenten verteilt. Bis heute schafft es die Leegemoorgesellschaft, ansehnliche Renditen zu erwirtschaften und halbjährich an die Anteilseigner auszuschütten. Dies ist wenig verwunderlich, da sich auf den Ländereien seit den 1970er Jahren verschiedenste Gewerbebetriebe angesiedelt haben. Die letzte bis dahin unverpachtete Fläche der Leegemoorgesellschaft wurde 2007 als Gewerbefläche vermarktet.
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Zur gemeinsamen Nutzung und Verwaltung gründeten sie die Leegemoorgesellschaft. Die Weiden wurden praktisch ausschließlich zur Viehhaltung genutzt. Dazu beschäftigte man einen eigenen Hirten, der im [[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)|Hirtenhaus]] wohnte. In einem Raum dieses Hauses hielt die Leegemoorgesellschaft früher auch ihre jährlichen Treffen statt. Das Gebäude ist bis heute erhalten und befindet sich am Ende der [[Zinngießerstraße]]. An dieses Hirtenhaus erinnert die Straße [[Zum Hirtenhaus]].
Zur gemeinsamen Nutzung und Verwaltung gründeten sie die Leegemoorgesellschaft. Die Weiden wurden praktisch ausschließlich zur Viehhaltung genutzt. Dazu beschäftigte man einen eigenen Hirten, der im [[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)|Hirtenhaus]] wohnte. In einem Raum dieses Hauses hielt die Leegemoorgesellschaft früher auch ihre jährlichen Treffen statt. Das Gebäude ist bis heute erhalten und befindet sich am Ende der [[Zinngießerstraße]]. An dieses Hirtenhaus erinnert die Straße [[Zum Hirtenhaus]].


An jedem 2. Februar (Maria Lichtmess) im Jahr trifft sich die Leegemoorgesellschaft zur "Abrechnungsversammlung" an der alle Anteilseigner teilnehmen können. Diese können grundsätzlich auch einen bevollmächtigten Vertreter ("Lepelgasten") zur Versammlung schicken. In der Abrechnungsversammlung werden alle Angelegenheiten, die die Leegemoorgesellschaft betreffen, verhandelt. Während dieser "Ofrekensversammeln" darf ausschließlich ostfriesisches Plattdeutsch gesprochen werden. Frauen sind grundsätzlich nicht bei der Versammlung erlaubt; dies ist ihnen lediglich alle 25 Jahre anlässlich der Jubiläen gestattet. Auch die Servicekräfte dürfen ausschließlich männlich sein. Den Frauen wird jedoch bei jeder Abrechnungsversammlung in einer Ansprache ("Proot för de Frolü") gedacht. Bedingt durch die [[COVID 19-Pandemie|Corona-Pandemie]] konnte diese Tradition - vermutlich erstmalig in der Geschichte - im Februar 2021 nicht stattfinden.
An jedem 2. Februar (Maria Lichtmess) im Jahr trifft sich die Leegemoorgesellschaft zur Abrechnungsversammlung an der alle Anteilseigner teilnehmen können. Diese können grundsätzlich auch einen bevollmächtigten Vertreter (''Lepelgasten'') zur Versammlung schicken. In der Abrechnungsversammlung werden alle Angelegenheiten, die die Leegemoorgesellschaft betreffen, verhandelt. Während dieser ''Ofrekensversammeln'' darf ausschließlich ostfriesisches Plattdeutsch gesprochen werden. Frauen sind grundsätzlich nicht bei der Versammlung erlaubt; dies ist ihnen lediglich alle 25 Jahre anlässlich der Jubiläen gestattet. Auch die Servicekräfte dürfen ausschließlich männlich sein. Den Frauen wird jedoch bei jeder Abrechnungsversammlung in einer Ansprache (''Proot för de Frolü'') gedacht. Bedingt durch die [[COVID 19-Pandemie|Corona-Pandemie]] konnte diese Tradition - vermutlich erstmalig in der Geschichte - im Februar 2021 nicht stattfinden.


Die Versammlung fand früher im Hirtenhaus statt, heute trifft man sich in der Scheune des [[Hotel Reichshof|Reichshofs]]. Neben einem traditionell deftigem Essen, dem "Leegemoorschmus" auf Kosten der Gesellschaft, wird gemeinsam Tabak aus langen, weißen Tonpfeifen geraucht. Dazu wird ein [[Doornkaat]], versehen mit einem Magenbitterschnaps, serviert. Angestoßen und getrunken wird "up Leegemoors Wohlfahrt", also auf das Wohlergehen und Fortbestehen der Genossenschaft.
Die Versammlung fand früher im Hirtenhaus statt, heute trifft man sich in der Scheune des [[Hotel Reichshof|Reichshofs]]. Neben einem traditionell deftigem Essen, dem ''Leegemoorschmus'' auf Kosten der Gesellschaft, wird gemeinsam Tabak aus langen, weißen Tonpfeifen geraucht. Dazu wird ein [[Doornkaat]], versehen mit einem Magenbitterschnaps, serviert. Angestoßen und getrunken wird ''up Leegemoors Wohlfahrt,'' also auf das Wohlergehen und Fortbestehen der Genossenschaft.


Zum 350-jährigen Jubiläum im Jahr 1982 verfasste [[Ufke Cremer]] eine Festschrift, eine weitere wurde 25 Jahre später von [[Johann Haddinga]] verfasst.
Zum 350-jährigen Jubiläum im Jahr 1982 verfasste [[Ufke Cremer]] eine Festschrift, eine weitere wurde 25 Jahre später von [[Johann Haddinga]] verfasst.


==Verwaltung==
==Verwaltung==
An der Spitze der Genossenschaft stand ursprünglich ein Gremium von vier Männern, deren Zahl sich aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts und bis heute fortbestehend auf zwei, dem "Ältesten und Jüngsten Vierten", reduzierte. Neben den "Vierten", denen die Verwaltung oblag, gibt es noch "Technischen Deputation" und die "Revisionskommission".
An der Spitze der Genossenschaft stand ursprünglich ein Gremium von vier Männern, deren Zahl sich aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts und bis heute fortbestehend auf zwei, dem ''Ältesten und Jüngsten Vierten'', reduzierte. Neben den ''Vierten'', denen die Verwaltung oblag, gibt es noch die ''Technische Deputation'' und die ''Revisionskommission''.


Der "Älteste Vierte" hat zudem die Aufgabe, die Interessenten und ihre Anteile bzw. Besitztümer an der Genossenschaft in einem Lagerbuch fstzuhalten. Er ist damit auch für die die Umschreibung der Weiden auf die neuen Besitzer verantwortlich. Dies kommt insbesondere durch Vererbungen zustande, Verkäufe sind ausgesprochen selten.
Der ''Älteste Vierte'' hat zudem die Aufgabe, die Interessenten und ihre Anteile bzw. Besitztümer an der Genossenschaft in einem Lagerbuch festzuhalten. Er ist damit auch für die die Umschreibung der Weiden auf die neuen Besitzer verantwortlich. Dies kommt insbesondere durch Vererbungen zustande, Verkäufe sind ausgesprochen selten.


==Persönlichkeiten==
==Persönlichkeiten==
Der Leegemoorgesellschaft gehörten seit ihrem Bestehen eine Vielzahl an bedeutenden Norder Persönlichkeiten an, was insbesondere an ihrer "vornehmen Geschichte" begründet ist. Bedeutende Mitglieder waren der Sohn des Begründers der Firma [[Doornkaat]], Fiepko Jan ten Doornkaat Koolmann, Sanitätsrat Gustav Steinbömer und Buchdruckereibesitzer Heinrich Soltau.
Der Leegemoorgesellschaft gehörten seit ihrem Bestehen eine Vielzahl an bedeutenden Norder Persönlichkeiten an, was insbesondere an ihrer vornehmen Geschichte begründet ist. Bedeutende Mitglieder waren der Sohn des Begründers der Firma [[Doornkaat]], [[Fiepko ten Doornkaat Koolman (1817)|Fiepko ten Doornkaat Koolman]], Sanitätsrat [[Gustav Steinbömer]] und Buchdruckereibesitzer [[Heinrich Soltau]].


Der Charakter der Gesellschaft hat sich in der heutigen Zeit dahingehend geändert, dass sich aus einer ländlichen Organisation eine Kapitalgesellschaft wurde, die jedoch nach wie vor auf genossenschaftlicher Basis geführt wird. Die Stadt Norden nahm von der Gesellschaft seit den 1980er Jahren immer mehr Flächen in Erbpacht, sodass aus dem als Weideland genutzten Gebiet mit der Zeit der heutige Gewerbe- und Dienstleistungspark Leegemoor entstanden ist. Dadurch ist es der Gesellschaft als einzige der drei Traditionsgesellschaften möglich, mehr als nur symbolische Beträge an ihre Anteilseigner auszuzahlen.
Der Charakter der Gesellschaft hat sich in der heutigen Zeit dahingehend geändert, dass sich aus einer ländlichen Organisation eine Kapitalgesellschaft wurde, die jedoch nach wie vor auf genossenschaftlicher Basis geführt wird. Die Stadt Norden nahm von der Gesellschaft seit den 1980er Jahren immer mehr Flächen in Erbpacht, sodass aus dem als Weideland genutzten Gebiet mit der Zeit der heutige Gewerbe- und Dienstleistungspark Leegemoor entstanden ist. Dadurch ist es der Gesellschaft als einzige der drei Traditionsgesellschaften möglich, mehr als nur symbolische Beträge an ihre Anteilseigner auszuzahlen.