Landkreis Norden: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| Zeile 28: | Zeile 28: | ||
Die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] war von großer wirtschaftlicher Not und einem Mangel an Wohnraum geprägt. Das eher dünn besiedelte Kreisgebiet bot durch die vielen Flüchtlingen (8.000) sowie versprengte Soldaten (80.000) plötzlich einer mehr als doppelt so hohen Zahl an Menschen wie eigentlichen Einwohnern (64.000) eine neue (provisorische) Heimat.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 244</ref> In den Folgemonaten kamen abertausende weitere Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hinzu. | Die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] war von großer wirtschaftlicher Not und einem Mangel an Wohnraum geprägt. Das eher dünn besiedelte Kreisgebiet bot durch die vielen Flüchtlingen (8.000) sowie versprengte Soldaten (80.000) plötzlich einer mehr als doppelt so hohen Zahl an Menschen wie eigentlichen Einwohnern (64.000) eine neue (provisorische) Heimat.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 244</ref> In den Folgemonaten kamen abertausende weitere Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hinzu. | ||
Die britische Militärregierung wurde im Kreis Norden durch Oberstleutnant (''Lieutenant Colonel'') W. G. Mackay vertreten. Im Juni 1947 übergaben die Briten den Großteil der politischen Kontrolle und Verantwortung zurück an die ostfriesischen Stellen, behielten sich jedoch weiterhin ein nicht unerhebliches Veto-Recht in wichtigen Angelegenheiten vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 45</ref> | |||
Im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 kamen auch Twixlum, Wybelsum und Logumer Vorwerk zu Emden, dafür aber die bis dahin zum Landkreis Wittmund gehörenden Gemeinden Roggenstede, Westeraccum, Westeraccumersiel und Westerbur zum Landkreis Norden. Die genannten Orte wurden in die Gemeinden Dornum und Dornumersiel eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Kommunalreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von 70 im Jahre 1971 auf zuletzt 21 verringert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund</ref> | Im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 kamen auch Twixlum, Wybelsum und Logumer Vorwerk zu Emden, dafür aber die bis dahin zum Landkreis Wittmund gehörenden Gemeinden Roggenstede, Westeraccum, Westeraccumersiel und Westerbur zum Landkreis Norden. Die genannten Orte wurden in die Gemeinden Dornum und Dornumersiel eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Kommunalreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von 70 im Jahre 1971 auf zuletzt 21 verringert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund</ref> | ||
| Zeile 35: | Zeile 37: | ||
Der Landkreis Norden galt früher als vergleichsweise wohlhabend, vor allem dank einiger Industriebetriebe in der Stadt Norden wie etwa dem Spirituosenhersteller [[Doornkaat]], der [[Eisenhütte|Norder Eisenhütte]] und der Tabakmanufaktur [[Steinbömer & Lubinus]] sowie aufgrund der Tatsache, dass hierzulande viel fruchtbares [[Marsch|Marschland]] mit guten Ernteerträgen vorliegt. Die Landwirtschaft allerdings beschäftigt heute nur eine deutlich geringere Zahl an Menschen, und auch manche Norder Betriebe sind inzwischen nicht mehr existent. "Doornkaat" etwa wird seit der Übernahme durch den Spirituosenherstellers Berentzen im emsländischen Haselünne hergestellt. Somit gilt das Gebiet des ehemaligen Landkreises Norden heute als strukturschwach mit überdurchschnittlicher Arbeitslosenquote. | Der Landkreis Norden galt früher als vergleichsweise wohlhabend, vor allem dank einiger Industriebetriebe in der Stadt Norden wie etwa dem Spirituosenhersteller [[Doornkaat]], der [[Eisenhütte|Norder Eisenhütte]] und der Tabakmanufaktur [[Steinbömer & Lubinus]] sowie aufgrund der Tatsache, dass hierzulande viel fruchtbares [[Marsch|Marschland]] mit guten Ernteerträgen vorliegt. Die Landwirtschaft allerdings beschäftigt heute nur eine deutlich geringere Zahl an Menschen, und auch manche Norder Betriebe sind inzwischen nicht mehr existent. "Doornkaat" etwa wird seit der Übernahme durch den Spirituosenherstellers Berentzen im emsländischen Haselünne hergestellt. Somit gilt das Gebiet des ehemaligen Landkreises Norden heute als strukturschwach mit überdurchschnittlicher Arbeitslosenquote. | ||
Durch die Kreisreform | Durch die Kreisreform wurde der Landkreis Norden zum 1. August 1977 in den Landkreis Aurich eingegliedert. Aurich war seit jeher für das politische Geschehen bedeutender als Norden (Sitz der ostfriesischen Grafen bzw. Fürsten, Sitz der Bezirksregierung, Sitz zahlreicher Behörden und Ämter, ...) und zudem nicht in den 1970er in derart schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen wie Norden. Dennoch befinden sich auch heute noch Teile der Kreisverwaltung des Landkreis Aurich in Norden, darunter Außenstellen des Gesundheitsamtes, des Jugendamtes, des Straßenverkehrsamtes und des Sozialamtes. | ||
Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen "NOR" zugewiesen. Es wurde bis zum 4. April 1978 ausgegeben. Seit dem 15. November 2012 steht es im Zuge der Kennzeichenliberalisierung im Landkreis Aurich zur Verfügung. | Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen "NOR" zugewiesen. Es wurde bis zum 4. April 1978 ausgegeben. Seit dem 15. November 2012 steht es im Zuge der Kennzeichenliberalisierung im Landkreis Aurich zur Verfügung. | ||