Kloster Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts siedelten sich erstmals Mönche des 1215 gegründeten, katholischen Benediktinerordens in Ostfriesland an. In einem Schreiben | In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts siedelten sich erstmals Mönche des 1215 gegründeten, katholischen Benediktinerordens in Ostfriesland an. In einem Schreiben hatten sie sich 1264 an den Hauptsitz des Ordens in Paris gewandt und darum gebeten, die Gründung einer Ordensniederlassung im Land der Friesen zu ermöglichen, was ihnen gestattet wurde. Als Gründer des Klosters gilt dabei der Mönch ''Herardus''. Die Dominikaner sollten zur Wahrung des Friedens das von Naturkatastrophen und Hungersnöten heimgesuchte Land zwischen Weser und Ems missionieren und befrieden. Hierin hatten sie sich bereits in Stedingen bei Bremen bewährt.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9</ref> Möglicherweise steht die Gründung auch in Zusammenhang mit dem Wunsch, friesische Krieger für die Kreuzzüge des Papstes anzuwerben, nachdem diese sich am Sechsten Kreuzzug im Jahre 1248 nicht in gewünschtem Umfang beteiligt hatten.<ref name=":0">Lübbing, Hermann (1926): Das Dominikanerkloster zu Norden in Ostfriesland. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 269-314</ref> Die friesischen Krieger genossen einen überaus guten Ruf als furchtlose Krieger. Bereits Karl der Große soll so begeistert von ihnen gewesen sein, dass er ihnen im 9. Jahrhundert die ''Friesische Freiheit'' als Geschenk für ihren Sieg über die Römer vermachte.<ref name=":0" /> Tatsächlich sollen die Dominikanermönche überaus eifrige Werber für den Kreuzzug in das heilige Land gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 179</ref> | ||
Einige ostfriesische Häuptlinge förderten und finanzierten die Gründung des Klosters durch Schenkungen von Land und Geld. Besonders hervor taten sich hier die Häuptlingsfamilien [[Idzinga]], [[Uldinga]] und [[Eggera|Eg(g)era(m)]]. Zuvor befand sich hier ein Gebäude, in dem sich eine Münzprägeanstalt befand. Für die Anlage des Klosters sandten die Dominikaner Herardus aus dem Jakobskloster in Paris nach Norden. Die Gründung scheint schnell vonstatten gegangen zu sein, denn das Kloster wird bereits 1269 erstmalig erwähnt. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Gebäude anfangs nicht aus Stein, sondern aus Holz bestanden.<ref name=":1">Dolle, Josef (2012): Norden – Dominikaner. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1097ff.</ref> Nichtsdestotrotz lag das Klostergelände etwas tiefer als Marienthal, weshalb zur besseren Flutsicherung großflächig der Erdboden erhöht werden musste.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 9</ref> Das Gelände erstreckte sich dabei vom [[Fräuleinshof (Straße)|Fräuleinshof]] bis zur [[Klosterstraße]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 95</ref> Organisatorisch gehörte das Kloster dann zunächst zur Ordensprovinz Teutonia, ab 1303 zur Provinz Saxonia. | Einige ostfriesische Häuptlinge förderten und finanzierten die Gründung des Klosters durch Schenkungen von Land und Geld. Besonders hervor taten sich hier die Häuptlingsfamilien [[Idzinga]], [[Uldinga]] und [[Eggera|Eg(g)era(m)]]. Zuvor befand sich hier ein Gebäude, in dem sich eine Münzprägeanstalt befand. Für die Anlage des Klosters sandten die Dominikaner Herardus aus dem Jakobskloster in Paris nach Norden. Die Gründung scheint schnell vonstatten gegangen zu sein, denn das Kloster wird bereits 1269 erstmalig erwähnt. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Gebäude anfangs nicht aus Stein, sondern aus Holz bestanden.<ref name=":1">Dolle, Josef (2012): Norden – Dominikaner. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1097ff.</ref> Nichtsdestotrotz lag das Klostergelände etwas tiefer als Marienthal, weshalb zur besseren Flutsicherung großflächig der Erdboden erhöht werden musste.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 9</ref> Das Gelände erstreckte sich dabei vom [[Fräuleinshof (Straße)|Fräuleinshof]] bis zur [[Klosterstraße]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 95</ref> Organisatorisch gehörte das Kloster dann zunächst zur Ordensprovinz Teutonia, ab 1303 zur Provinz Saxonia. | ||
Wie auch das [[Kloster Marienthal]] genoss auch das Kloster der Dominikaner großes Ansehen, sodass hier im Jahr 1269 mehrere Abgeordnete aus dem Emsland und der Hansestadt Bremen zusammen kamen, um ihren Frieden von 1255, geschlossen im Kloster Marienthal, zu erneuern. Die Dominikaner dienten hierbei nachweislich als Vermittler. Schon zwei Jahre später traten sie erneut in diese Rolle und schlichteten einen Streit mehrerer ostfriesischer Landesgemeinden mit dem Bischof von Münster.<ref name=":0" /> 1269 sollen sie zudem bereits einen Streit zwischen den Einwohnern Emdens und Bremen beigelegt und 1277 dazu beigetragen haben, dass die Häuptlinge des [[Norderland|Norderlandes]] Frieden untereinander schlossen und fortan | Wie auch das [[Kloster Marienthal]] genoss auch das Kloster der Dominikaner großes Ansehen, sodass hier im Jahr 1269 mehrere Abgeordnete aus dem Emsland und der Hansestadt Bremen zusammen kamen, um ihren Frieden von 1255, geschlossen im Kloster Marienthal, zu erneuern. Die Dominikaner dienten hierbei nachweislich als Vermittler. Schon zwei Jahre später traten sie erneut in diese Rolle und schlichteten einen Streit mehrerer ostfriesischer Landesgemeinden mit dem Bischof von Münster.<ref name=":0" /> 1269 sollen sie zudem bereits einen Streit zwischen den Einwohnern Emdens und Bremen beigelegt und 1277 dazu beigetragen haben, dass die Häuptlinge des [[Norderland|Norderlandes]] Frieden untereinander schlossen und fortan ''Friedensmänner'' zur Streitschlichtung wählten. Ab 1275 ist nachgewiesen, dass sich die Mönche als Gründer oder Mitgründer der sogenannten [[Kalandsbruderschaft]] hervorgetan haben.<ref name=":2" /> | ||
In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" /> | In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" /> | ||
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==Nachwirkungen== | ==Nachwirkungen== | ||
Der Heimatforscher Friedrich Sundermann entdeckte in den 1880er Jahren | Der Heimatforscher Friedrich Sundermann entdeckte in den 1880er Jahren ''Aufrechtes Glaskraut'' auf dem ehemaligen Gelände des Dominikanerklosters und den angrenzenden Grundstücken. Sein Fund geriet in Vergessenheit bis [[Otto Leege]] die Pflanze 1941 neu entdeckte. Er schrieb darüber einen ausführlichen Artikel mit dem Titel „Unkraut, das fast nur in Norden wächst, einst Heilpflanze in Klostergärten, heute Unkraut im Spiet“. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Pflanzen Abkömmlinge des Aufrechten Glaskrauts sind, das vor der Zerstörung des Norder Klosters im Jahr 1531 von Domnikanermönchen als Heilpflanze angebaut wurde. Es diente der historischen Klosterapotheke als Mittel gegen Nierenschwäche, Verstopfung, Hautunreinheiten und Husten. Verabreicht wurde es vor allem als Tee, dem ein wenig Minze beigefügt wurde, um den unangenehmen Geschmack zu überdecken. Hier und dort dienten die Glauskrautblätter auch als heilsam Auflage bei Geschwulsten.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 25. Juli 1945</ref> | ||
In Nordwestdeutschland kommt das Kraut erst südlich von Lingen vereinzelt vor, wohin es vermutlich vom Norder Kloster gelangt ist. Auch finden sich Fundstellen auf Borkum und in weiteren Teilen von Norden.<ref>Schreitling, Karl-Theodor (2007): Glaskraut im Klostergarten. Seltene Pflanzen auf Norder Dominikanergelände. In: Heim und Herd. Beilage zum Ostfriesischen Kurier, Norden, S. 28</ref> | In Nordwestdeutschland kommt das Kraut erst südlich von Lingen vereinzelt vor, wohin es vermutlich vom Norder Kloster gelangt ist. Auch finden sich Fundstellen auf Borkum und in weiteren Teilen von Norden.<ref>Schreitling, Karl-Theodor (2007): Glaskraut im Klostergarten. Seltene Pflanzen auf Norder Dominikanergelände. In: Heim und Herd. Beilage zum Ostfriesischen Kurier, Norden, S. 28</ref> | ||