Ekeler Vorwerk: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Der Name erklärt sich aus seiner Lage im Stadtteil [[Ekel]] und seiner Eigenschaft als Vorwerk (auch ''Vorwerck''). Als solche bezeichnet man landwirtschaftliche Nebengebäude bzw. Höfe, die sich außerhalb der Befestigungslagen einer Burg oder ähnliches befanden. Erwähnt wird das Ekeler Vorwerk erstmalig im Jahr 1605 als Schatthaus (Schatzhaus) des Adeligen Albert von Jemgum, welcher nach dem Todes letzten [[Uldinga]] die [[Uldingaburg]] und das gesamte [[Gut Ekel]] geerbt hatte. Für das Jahr 1848 ist nachgewiesen, dass das Ekeler Vorwerk zwei Gebäude und acht Einwohner umfasste.
Der Name erklärt sich aus seiner Lage im Stadtteil [[Ekel]] und seiner Eigenschaft als Vorwerk (auch ''Vorwerck''). Als solche bezeichnet man landwirtschaftliche Nebengebäude bzw. Höfe, die sich außerhalb der Befestigungslagen einer Burg oder ähnliches befanden. Erwähnt wird das Ekeler Vorwerk erstmalig im Jahr 1605 als Schatthaus (Schatzhaus) des Adeligen Albert von Jemgum, welcher nach dem Todes letzten [[Uldinga]] die [[Uldingaburg]] und das gesamte [[Gut Ekel]] geerbt hatte. Für das Jahr 1848 ist nachgewiesen, dass das Ekeler Vorwerk zwei Gebäude und acht Einwohner umfasste.


Das Gebäude besteht aus einem Wohnhaus und einer Scheune. Beide Gebäude sind bis heute erhalten, wenngleich sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach über- bzw. umbaut wurden. Das Hauptgebäude wird als Wohnhaus genutzt, die Scheune beherbergt seit etwa 2008 eine Freikirche (Philadelphia Community). Nebenräume der Scheune werden von der Partei [[Bündnis '90 Die Grünen]] genutzt. Dahinter befindet sich ein kleines Dojo.
Das Umland des gesamten Guts bestand zunächst vor allem aus Eichenbäumen, die namensgebend für den Stadtteil [[Ekel]] waren. Diese wurden im Laufe der Zeit nach und nach abgerissen, um Platz für weitere Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Der große Baumgarten an der Westseite des Hauses war vor 200 Jahren Teil einer beliebten Gartenwirtschaft.
 
1719 gehören 100 Diemat zu diesem Vorwerk, was einer Fläche von umgerechnet etwa 570.000 Quadratmetern entspricht. Ungefähr zwischen der [[Schulstraße]] und dem [[Langer Pfad | Langen Pfad]] existierte ein Küchengarten, sprich ein Obst- und Gemüsegarten zur eigenen Versorgung. Ebenso sollen ein Hopfengarten und drei weitere Gärten zum Gut Ekel gehört haben. Die über die Jahrhunderte unveränderten Straßenzüge [[Looger Weg]], [[Heitsweg]], [[Ekeler Weg]], [[Baumstraße]] und [[Ekeler Gaste]] können als Abgrenzungen der Ausmaße der Ländereien angesehen werden. 1840 wurde das Land stückweise verkauft.


Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden Haus und Garten als [[Schützenhaus]] genutzt. Im Jahre 1950 befand sich hier kurzfristig ein provisorisches Kino als Ersatz für das wegen baulicher Mängel geschlossene [[Metropol-Theater]], ehe der Betrieb dort wieder aufgenommen werden konnte.<ref>[http://www.allekinos.com/NORDENMetropol.htm Geschichte des Metropol-Theaters], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Der Garten wurde um 1960 abgeholzt und bebaut. Hier entstanden zahlreiche Wohnhäuser.
Spätestens seit dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] befand sich hier der ''Gasthof Dittrich'' bzw. ''Dittrichsche Gasthof''. Am Tage des Kriegsendes (11. November) sprach hier ein Arbeiter- und Soldatenrat zu einer dichtgedrängten Volksmenge.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17</ref> Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurden Haus und Garten auch als [[Schützenhaus]] genutzt. Im Jahre 1950 befand sich hier kurzfristig ein provisorisches Kino als Ersatz für das wegen baulicher Mängel geschlossene [[Metropol-Theater]], ehe der Betrieb dort wieder aufgenommen werden konnte.<ref>[http://www.allekinos.com/NORDENMetropol.htm Geschichte des Metropol-Theaters], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Der Garten wurde um 1960 abgeholzt und bebaut. Hier entstanden zahlreiche Wohnhäuser.


2010 wurde das steinerne Wohnhaus teilweise instandgesetzt und an der Nordseite mit dem markanten Schriftzug ''Ekeler Vorwerk'' versehen. Bis etwa 2008 war hier das Geschäft ''H. Wiesner Fußboden- und Innenausbau GmbH'' ansässig.
2010 wurde das steinerne Wohnhaus teilweise instandgesetzt und an der Nordseite mit dem markanten Schriftzug ''Ekeler Vorwerk'' versehen. Bis etwa 2008 war hier das Geschäft ''H. Wiesner Fußboden- und Innenausbau GmbH'' ansässig.


==Ländereien==
== Beschreibung ==
Das Umland des gesamten Guts bestand zunächst vor allem aus Eichenbäumen, die namensgebend für den Stadtteil [[Ekel]] waren. Diese wurden im Laufe der Zeit nach und nach abgerissen, um Platz für weitere Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Der große Baumgarten an der Westseite des Hauses war vor 200 Jahren Teil einer beliebten Gartenwirtschaft.
Das Gebäude besteht aus einem Wohnhaus und einer Scheune. Beide Gebäude sind bis heute erhalten, wenngleich sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach über- bzw. umbaut wurden. Das Hauptgebäude wird als Wohnhaus genutzt, die Scheune beherbergt seit etwa 2008 eine Freikirche (Philadelphia Community). Nebenräume der Scheune werden von der Partei [[Bündnis '90 Die Grünen]] genutzt. Dahinter befindet sich ein kleines Dojo.
 
1719 gehören 100 Diemat zu diesem Vorwerk, was einer Fläche von umgerechnet etwa 570.000 Quadratmetern entspricht. Ungefähr zwischen der [[Schulstraße]] und dem [[Langer Pfad | Langen Pfad]] existierte ein Küchengarten, sprich ein Obst- und Gemüsegarten zur eigenen Versorgung. Ebenso sollen ein Hopfengarten und drei weitere Gärten zum Gut Ekel gehört haben. Die über die Jahrhunderte unveränderten Straßenzüge [[Looger Weg]], [[Heitsweg]], [[Ekeler Weg]], [[Baumstraße]] und [[Ekeler Gaste]] können als Abgrenzungen der Ausmaße der Ländereien angesehen werden. 1840 wurde das Land stückweise verkauft.


==Galerie==
==Galerie==

Version vom 29. Juli 2021, 14:36 Uhr

Ekeler Vorwerk

Basisdaten
Entstehungszeit vor 1605
Erbauer Häuptlingsgeschlecht Uldinga
Burgentyp Steinhaus
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Schulstraße 33

26506 Norden

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Das Ekeler Vorwerk ist ein großes Steinhaus mit Scheune, welches sich zwischen den heutigen Straßenzügen Schulstraße, Baumstraße und Langer Pfad befindet. Das Gebäude gehört zu den historisch bedeutendsten der Stadt und ist bis heute in einem relativ authentischen Zustand erhalten. Es ist ein zweigeschössiger, verputzter klassizistischer Backsteinbau unter einem Krüppelwalmdach. Blockrahmen und Schiebefenster aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sind bis heute erhalten.

Geschichte

Der Name erklärt sich aus seiner Lage im Stadtteil Ekel und seiner Eigenschaft als Vorwerk (auch Vorwerck). Als solche bezeichnet man landwirtschaftliche Nebengebäude bzw. Höfe, die sich außerhalb der Befestigungslagen einer Burg oder ähnliches befanden. Erwähnt wird das Ekeler Vorwerk erstmalig im Jahr 1605 als Schatthaus (Schatzhaus) des Adeligen Albert von Jemgum, welcher nach dem Todes letzten Uldinga die Uldingaburg und das gesamte Gut Ekel geerbt hatte. Für das Jahr 1848 ist nachgewiesen, dass das Ekeler Vorwerk zwei Gebäude und acht Einwohner umfasste.

Das Umland des gesamten Guts bestand zunächst vor allem aus Eichenbäumen, die namensgebend für den Stadtteil Ekel waren. Diese wurden im Laufe der Zeit nach und nach abgerissen, um Platz für weitere Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Der große Baumgarten an der Westseite des Hauses war vor 200 Jahren Teil einer beliebten Gartenwirtschaft.

1719 gehören 100 Diemat zu diesem Vorwerk, was einer Fläche von umgerechnet etwa 570.000 Quadratmetern entspricht. Ungefähr zwischen der Schulstraße und dem Langen Pfad existierte ein Küchengarten, sprich ein Obst- und Gemüsegarten zur eigenen Versorgung. Ebenso sollen ein Hopfengarten und drei weitere Gärten zum Gut Ekel gehört haben. Die über die Jahrhunderte unveränderten Straßenzüge Looger Weg, Heitsweg, Ekeler Weg, Baumstraße und Ekeler Gaste können als Abgrenzungen der Ausmaße der Ländereien angesehen werden. 1840 wurde das Land stückweise verkauft.

Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg befand sich hier der Gasthof Dittrich bzw. Dittrichsche Gasthof. Am Tage des Kriegsendes (11. November) sprach hier ein Arbeiter- und Soldatenrat zu einer dichtgedrängten Volksmenge.[1] Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden Haus und Garten auch als Schützenhaus genutzt. Im Jahre 1950 befand sich hier kurzfristig ein provisorisches Kino als Ersatz für das wegen baulicher Mängel geschlossene Metropol-Theater, ehe der Betrieb dort wieder aufgenommen werden konnte.[2] Der Garten wurde um 1960 abgeholzt und bebaut. Hier entstanden zahlreiche Wohnhäuser.

2010 wurde das steinerne Wohnhaus teilweise instandgesetzt und an der Nordseite mit dem markanten Schriftzug Ekeler Vorwerk versehen. Bis etwa 2008 war hier das Geschäft H. Wiesner Fußboden- und Innenausbau GmbH ansässig.

Beschreibung

Das Gebäude besteht aus einem Wohnhaus und einer Scheune. Beide Gebäude sind bis heute erhalten, wenngleich sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach über- bzw. umbaut wurden. Das Hauptgebäude wird als Wohnhaus genutzt, die Scheune beherbergt seit etwa 2008 eine Freikirche (Philadelphia Community). Nebenräume der Scheune werden von der Partei Bündnis '90 Die Grünen genutzt. Dahinter befindet sich ein kleines Dojo.

Galerie

Einzelnachweise

  1. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17
  2. Geschichte des Metropol-Theaters, abgerufen am 17. Juni 2021

Quellenverzeichnis

  • Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
  • Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37ff.
  • Schreiber, Gretje (2011): Finettenburg: Neue Erkenntnisse, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 8. Januar 2011, S. 1ff.
  • Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848
  • Übersicht über sach- und personenbezogene Straßennamen der Stadt Norden

Siehe auch