Steinbömer & Lubinus: Unterschied zwischen den Versionen
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Steinbömer wurde früh als Mitglied in die [[Kramerzunft]] aufgenommen, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne. 1786 errichteten sie mit dem Packhaus ([[Neuer Weg 119]]) der erste große Neubau des noch jungen Unternehmens. | Steinbömer wurde früh als Mitglied in die [[Kramerzunft]] aufgenommen, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne. 1786 errichteten sie mit dem Packhaus ([[Neuer Weg 119]]) der erste große Neubau des noch jungen Unternehmens. | ||
Trotz großer Konkurrenz - es gab im Jahre 1805 allein in Norden noch vier weitere Tabakfabriken (siehe Abschnitt [[Steinbömer & Lubinus#Mitbewerber|''Mitbewerber'']]) - konnten sich ''Steinbömer & Lubinus'' im Markt behaupten. Es auch das erste derartige Unternehmen Norden und hatte 1805/1806 bereits 33 Mitarbeiter, die jährlich 317.000 Pfund Rauch- und Schnupftabak verarbeiteten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 79</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 14</ref> Exportiert wurde zu dieser Zeit vor allem nach Ostfriesland, ins Jeverland, nach Oldenburg, ins Münsterland sowie nach Bremen, Thüringen und ins Bergische Gebiet, ab 1787 auch in die Niederlande. | Trotz großer Konkurrenz - es gab im Jahre 1805 allein in Norden noch vier weitere Tabakfabriken (siehe Abschnitt [[Steinbömer & Lubinus#Mitbewerber|''Mitbewerber'']]) - konnten sich ''Steinbömer & Lubinus'' im Markt behaupten. Es auch das erste derartige Unternehmen Norden und hatte 1805/1806 bereits 33 Mitarbeiter, die jährlich 317.000 Pfund Rauch- und Schnupftabak verarbeiteten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 79</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 14</ref> Exportiert wurde zu dieser Zeit vor allem nach Ostfriesland, ins Jeverland, nach Oldenburg, ins Münsterland sowie nach Bremen, Thüringen und ins Bergische Gebiet, ab 1787 auch in die Niederlande.[[Datei:Steinboemer Lubinus Werbung Reklame um 1965 01.jpg|mini|273x273px|Werbeanzeige aus der Zeit um 1965.]]Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Mitbegründer Steinbömer zusammen mit Mitgesellschafter [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]] und nach dessen Tod allein die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Neben der Produktion von Tabak wurde bald auch Seife und Kerzen hergestellt. Während der französischen Fremdherrschaft über Ostfriesland (1807 - 1813) drückten höhe Zölle den Gewinn und führten zur wirtschaftlich schweren Zeiten für die Tabakindustrie. 1811 beschäftigte das Unternehmen nur noch 24 Arbeiter und verarbeitete jährlich 200.000 Pfund.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 61</ref> Doch schon 1832 zählte ''Steinbömer & Lubinus'' wieder zu den größten zehn im Königreich Hannover (zu dem Ostfriesland seit 1815 gehörte) und war die größte von den 41 Tabakfabriken in Ostfriesland. | ||
In Hooksiel am Jadeufer wurde 1835 für einige Jahre ein Zweigwerk gegründet, um Export- und Zollschwierigkeiten mit dem Großherzogtum Oldenburg zu unterlaufen. Für den Seetransport erwarb man 1844 mit der ''Johanne'' ein eigenes Schiff.<ref name=":0" /> Weiterhin wurde in Norden eine Kolonialwarengroßhandlung für Tee, Kaffee, Öl und weitere Güter angegliedert, um das unternehmerische Risiko zu verteilen. Als Justus Friedrich Steinbömer jun. 1854 starb, fielen Fabrik und Großhandlung an [[Arend Wilhelm Steinbömer (1811)|Arend Wilhelm Steinbömer]]. ''Der Konsul'', wie der energische Arend Wilhelm in Norden aufgrund seiner Tätigkeit als Konsul in Großbritannien genannt wurde, hatte neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmer mehrere öffentliche Ehrenämter inne, so war er seit dem Revolutionsjahr 1848 Kommandant der [[Norder Bürgerwehr]], saß als Bürgervorsteher im [[Stadtrat]], leitete die [[Mobiliar-Feuerversicherungsanstalt]] und vertrat seine Vaterstadt bei der Ostfriesischen Landschaftsversammlung in Aurich. Außerdem kämpfte er bei den Landesbehörden dafür, die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Eisenbahnlinie]] 1856 über Emden hinaus bis nach Norden zu verlängern, um so einen besseren Anschluss an das Binnenland und günstigere Absatzmöglichkeiten für den Norder Handel zu bekommen. Norden erhielt diesen notwendigen Bahnanschluss schließlich 1883; die Bauarbeiten dafür waren gleichzeitig eine dringend notwendige Maßnahme, die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu mildern.[[Datei:Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak.jpg|mini|Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak - Festschrift (Frontseite).|alternativtext=|links|306x306px]]Auf Initiative des ''Konsuls'' und [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] stattete König Georg V. von Hannover der Stadt Norden am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab, ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der ''Konsul'' die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. | |||
Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bewirkten jedoch in seinem letzten Lebensjahrzehnt, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883/84 der Firmenkonkurs kurz bevorstand. Auch der 1869 in die Firma gekommene, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinus, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde ''Steinbömer & Lubinus'' in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman]] die ganze Firma für 51.000 Mark aufkaufte und sie kurz darauf zu äußerst günstigen Bedingungen wieder an Steinbömer zurück verkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 62</ref>[[Datei:Am Fridericussiel 01072021.jpg|mini|''Steinbömer & Lubinus'' im Eingangsbereich von Onno Behrends - 1. Juli 2021|327x327px]] | |||
In Hooksiel am Jadeufer wurde 1835 für einige Jahre ein Zweigwerk gegründet, um Export- und Zollschwierigkeiten mit dem Großherzogtum Oldenburg zu unterlaufen. Für den Seetransport erwarb man 1844 mit der ''Johanne'' ein eigenes Schiff.<ref name=":0" /> Weiterhin wurde in Norden eine Kolonialwarengroßhandlung für Tee, Kaffee, Öl und weitere Güter angegliedert, um das unternehmerische Risiko zu verteilen. Als Justus Friedrich Steinbömer jun. 1854 starb, fielen Fabrik und Großhandlung an [[Arend Wilhelm Steinbömer (1811)|Arend Wilhelm Steinbömer]]. ''Der Konsul'', wie der energische Arend Wilhelm in Norden aufgrund seiner Tätigkeit als Konsul in Großbritannien genannt wurde, hatte neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmer mehrere öffentliche Ehrenämter inne, so war er seit dem Revolutionsjahr 1848 Kommandant der [[Norder Bürgerwehr]], saß als Bürgervorsteher im [[Stadtrat]], leitete die [[Mobiliar-Feuerversicherungsanstalt]] und vertrat seine Vaterstadt bei der Ostfriesischen Landschaftsversammlung in Aurich. Außerdem kämpfte er bei den Landesbehörden dafür, die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Eisenbahnlinie]] 1856 über Emden hinaus bis nach Norden zu verlängern, um so einen besseren Anschluss an das Binnenland und günstigere Absatzmöglichkeiten für den Norder Handel zu bekommen. Norden erhielt diesen notwendigen Bahnanschluss schließlich 1883; die Bauarbeiten dafür waren gleichzeitig eine dringend notwendige Maßnahme, die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu mildern.[[Datei:Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak.jpg|mini|Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak - Festschrift (Frontseite).|alternativtext=|links|306x306px | |||
Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bewirkten jedoch in seinem letzten Lebensjahrzehnt, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883/84 der Firmenkonkurs kurz bevorstand. Auch der 1869 in die Firma gekommene, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinus, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde ''Steinbömer & Lubinus'' in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman]] die ganze Firma für 51.000 Mark aufkaufte und sie kurz darauf zu äußerst günstigen Bedingungen wieder an Steinbömer zurück verkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 62</ref> | |||
1875 ging die Unternehmensführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Als Lubinus die Firma 1885 verließ und nach Bremen verzog, wurde Steinbömer alleiniger Geschäftsführer. Die Seifenproduktion musste im selben Jahr eingestellt werden.<ref name=":1" /> Steinbömers Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien. Als Arend Wilhelm, mittlerweile Geschäftsführer, 1904 völlig unerwartet starb, musste sein Vater, der sich bereits aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte, mit seinen 66 Jahren erneut die Firmenleitung übernehmen. Dazu war er jedoch zu unbeweglich und nicht mehr genügend vertraut mit zeitgemäßer Unternehmensführung, die z.B. Produktwerbung und Maschineneinsatz erforderte. Die Fabrik veraltete, die Umsätze gingen zusehends zurück. | 1875 ging die Unternehmensführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Als Lubinus die Firma 1885 verließ und nach Bremen verzog, wurde Steinbömer alleiniger Geschäftsführer. Die Seifenproduktion musste im selben Jahr eingestellt werden.<ref name=":1" /> Steinbömers Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien. Als Arend Wilhelm, mittlerweile Geschäftsführer, 1904 völlig unerwartet starb, musste sein Vater, der sich bereits aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte, mit seinen 66 Jahren erneut die Firmenleitung übernehmen. Dazu war er jedoch zu unbeweglich und nicht mehr genügend vertraut mit zeitgemäßer Unternehmensführung, die z.B. Produktwerbung und Maschineneinsatz erforderte. Die Fabrik veraltete, die Umsätze gingen zusehends zurück. | ||
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1969 wurde eine Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Firma veröffentlicht, doch schon vier Jahre später endete die Geschichte der Firma. Gegen die Konkurrenz der internationalen Tabakkonzerne hatte das kleine Unternehmen keine Chance mehr. 1972 wurde die Fabrik aufgelöst. Marke und Name gingen an die ''Manufacture de Tabacs Heintz van Landewyk'' in Luxemburg. Aus dem öffentlichen Bewusstsein der Norder ist das historische Traditionsunternehmen trotz seiner einst immensen Bedeutung heute weitestgehend verschwunden. | 1969 wurde eine Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Firma veröffentlicht, doch schon vier Jahre später endete die Geschichte der Firma. Gegen die Konkurrenz der internationalen Tabakkonzerne hatte das kleine Unternehmen keine Chance mehr. 1972 wurde die Fabrik aufgelöst. Marke und Name gingen an die ''Manufacture de Tabacs Heintz van Landewyk'' in Luxemburg. Aus dem öffentlichen Bewusstsein der Norder ist das historische Traditionsunternehmen trotz seiner einst immensen Bedeutung heute weitestgehend verschwunden. | ||
==Produkte== | ==Produkte== | ||
* ''Norder Vogel'' (Naturreine, helle Spezialmischung von Feinschnitt-Tabak aus dem Orient) | * ''Norder Vogel'' (Naturreine, helle Spezialmischung von Feinschnitt-Tabak aus dem Orient) | ||