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Durch den Flüchtlingsstrom der Nachkriegszeit, insbesondere durch Zuweisung unzähliger Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nimmt die Bevölkerung Nordens erheblich zu. Auf dem ehemaligen Kasernengelände wird ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] eingerichtet, in dem zeitweise weit über 1.000 Menschen gleichzeitig wohnten. Im gesamten [[Landkreis Norden]] werden Ende 1946 rund 17.000 Heimatvertriebene gezählt. Hinzu kamen 9.000 Menschen aus ausgebombten Städten, darunter auch aus Emden, das nach dem alliierten Bombenterror im September 1944 nahezu vollständig zerstört wurde. Diese etwa 26.000 Menschen stellten damals rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Landkreis Norden. Unabhängig vom Lager Tidofeld werden die Vertriebenen in der ganzen Region disloziert verteilt. Sie wohnen bei Familien, auf Bauernhöfen, in Scheunen, alten Rettungsschuppen, Baracken, und Flakscheinwerferhütten. Letztlich wird alles als Unterkunft genutzt, was in irgendeiner Form vier Wände und ein Dach hat. Nach heutigen Maßstäben ein unvorstellbarer, aber auch damals natürlich schon unhaltbarer Zustand.
Durch den Flüchtlingsstrom der Nachkriegszeit, insbesondere durch Zuweisung unzähliger Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nimmt die Bevölkerung Nordens erheblich zu. Auf dem ehemaligen Kasernengelände wird ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] eingerichtet, in dem zeitweise weit über 1.000 Menschen gleichzeitig wohnten. Im gesamten [[Landkreis Norden]] werden Ende 1946 rund 17.000 Heimatvertriebene gezählt. Hinzu kamen 9.000 Menschen aus ausgebombten Städten, darunter auch aus Emden, das nach dem alliierten Bombenterror im September 1944 nahezu vollständig zerstört wurde. Diese etwa 26.000 Menschen stellten damals rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Landkreis Norden. Unabhängig vom Lager Tidofeld werden die Vertriebenen in der ganzen Region disloziert verteilt. Sie wohnen bei Familien, auf Bauernhöfen, in Scheunen, alten Rettungsschuppen, Baracken, und Flakscheinwerferhütten. Letztlich wird alles als Unterkunft genutzt, was in irgendeiner Form vier Wände und ein Dach hat. Nach heutigen Maßstäben ein unvorstellbarer, aber auch damals natürlich schon unhaltbarer Zustand.


Zum ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit ernennt die britische am 8. Juni 1945 [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]]. Anfang 1946 konstituierte sich auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste [[Stadtrat|Nachkriegsstadtrat]]. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen "Deutschen Gemeindeordnung", die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das "Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung". Bereits im März 1946 wird Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister wieder abgesetzt. An seine Stelle tritt [[Johann Fischer]] als zweiter Nachkriegsbürgermeister.
Zum ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit ernennt die britische am 8. Juni 1945 [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]]. Anfang 1946 konstituierte sich auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste [[Stadtrat|Nachkriegsstadtrat]]. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen "Deutschen Gemeindeordnung", die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das "Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung". Bereits im März 1946 wird Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister wieder abgesetzt. An seine Stelle tritt [[Johann Fischer]] als zweiter Nachkriegsbürgermeister. Der von der Besatzungsmacht neben dem Bürgermeister ernannte Stadtdirektor [[Georg Schubach]] musste bereits im Oktober 1947 sein Amt wieder abgeben, da er sich mit falschen Angaben um dieses Amt beworben hatte. Im Juni 1950 verurteilte ihn die Strafkammer Aurich wegen Betruges zu einer Haftstrafe. Schubachs Nachfolge trat [[Walter Klein]] an.


Der von der Besatzungsmacht neben dem Bürgermeister ernannte Stadtdirektor [[Georg Schubach]] musste bereits im Oktober 1947 sein Amt wieder abgeben, da er sich mit falschen Angaben um dieses Amt beworben hatte. Im Juni 1950 verurteilte ihn die Strafkammer Aurich wegen Betruges zu einer Haftstrafe. Schubachs Nachfolge trat [[Walter Klein]] an.
Obgleich auch in Ostfriesland die Not nach dem Krieg groß ist und die Region viele Flüchtlinge und Vertriebene zu versorgen hat, ordnen die Alliierten für Norden an, dass die Stadt 150 Fahrräder in einwandfreiem Zustand an die Bergarbeiter im Ruhrgebiet zu liefern haben. Ferner müssen 3.300 Decken abgegeben werden. Beide Ziele konnten nicht ansatzweise erfüllt werden.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 245</ref>


=== 1950er Jahre ===
=== 1950er Jahre ===