Doornkaat: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 28: | Zeile 28: | ||
26506 Norden | 26506 Norden | ||
|} | |} | ||
'''Doornkaat''' war lange Zeit das überregional (und oftmals auch bis heute) bekannteste Norder Unternehmen. Der Name wird meist synonym mit dem Hauptabsatzprodukt, einem Kornbrand, verwendet, der seit dem Niedergang der Firma bei ''Berentzen'' in Haselünne weitergebrannt wird. Kenner des ''ursprünglichen Doornkaat'' sagen diesem jedoch nach, dass er von wesentlich geringerer Qualität ist. | Die '''Doornkaat AG''' war lange Zeit das überregional (und oftmals auch bis heute) bekannteste Norder Unternehmen. Der Name wird meist synonym mit dem Hauptabsatzprodukt, einem Kornbrand, verwendet, der seit dem Niedergang der Firma bei ''Berentzen'' in Haselünne weitergebrannt wird. Kenner des ''ursprünglichen Doornkaat'' sagen diesem jedoch nach, dass er von wesentlich geringerer Qualität ist. | ||
__NOTOC__ | __NOTOC__ | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
| Zeile 51: | Zeile 51: | ||
1896 trat Hildebrand ten Doornkaat Koolman aus der Firma aus und seine Geschäftsanteile an Jan ten Doornkaat Koolman III. ab, der damit zum alleinigen Firmeninhaber wurde. Zum 5. Oktober 1897 trat [[Fiepko ten Doornkaat Koolman (1861)|Fiepko ten Doornkaat Koolman]] in die Firma ein. Um die Jahrhundertwende erwarb das Unternehmen, noch auf Veranlassung von Jan ten Doornkaat Koolman II., große Flächen (267 Hektar) im Bereich Großheide und Menstede-Coldinne, wo man umfangreiche Viehwirtschaft betreiben wollte. Als Futtermittel sollte die beim Brennen anfallende Schlempe verfüttert werden. Für den Gutsverwalter wurde das ''Schloss Großheide'' (Schloßstraße, Ecke Großheider Straße) errichtet. Die Flächen erwiesen sich jedoch bald als ungeeignet und der Betrieb an sich als unwirtschaftlich, sodass der [[Landkreis Norden]] die Flächen zur Besiedlung erwarb und vergab. In das Schloss des Gutsverwalters zog später eine Gaststätte ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 78</ref> Heute befindet sich hier ein Institut für Intensivpädagogik. | 1896 trat Hildebrand ten Doornkaat Koolman aus der Firma aus und seine Geschäftsanteile an Jan ten Doornkaat Koolman III. ab, der damit zum alleinigen Firmeninhaber wurde. Zum 5. Oktober 1897 trat [[Fiepko ten Doornkaat Koolman (1861)|Fiepko ten Doornkaat Koolman]] in die Firma ein. Um die Jahrhundertwende erwarb das Unternehmen, noch auf Veranlassung von Jan ten Doornkaat Koolman II., große Flächen (267 Hektar) im Bereich Großheide und Menstede-Coldinne, wo man umfangreiche Viehwirtschaft betreiben wollte. Als Futtermittel sollte die beim Brennen anfallende Schlempe verfüttert werden. Für den Gutsverwalter wurde das ''Schloss Großheide'' (Schloßstraße, Ecke Großheider Straße) errichtet. Die Flächen erwiesen sich jedoch bald als ungeeignet und der Betrieb an sich als unwirtschaftlich, sodass der [[Landkreis Norden]] die Flächen zur Besiedlung erwarb und vergab. In das Schloss des Gutsverwalters zog später eine Gaststätte ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 78</ref> Heute befindet sich hier ein Institut für Intensivpädagogik. | ||
Ab 1930 vertrieb Doornkaat mit ''Doka Tee'' auch einen eigenen Tee. Durch Schiffsbeteiligungen rundete das Unternehmen sein Portfolio ab. Das 20. Jahrhundert war jedoch vor allem durch Schwierigkeiten beim Absatz, nicht zuletzt bedingt durch die beiden Weltkriege, die die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die deutsche im Speziellen lange Zeit lähmten. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten jedoch nochmals einen großen Aufschwung. In der letzten Hochblüte, Ende der 1960er Jahre, wurde Doornkaat mit dem legendären Doornkaat-Mann (von Ludwig Hohlwein bereits in den 1920er Jahren geschaffen), der die Doornkaat-Vierkantflasche in der Hand hält, mit dem Slogan ''Doornkaat - heiß geliebt und kalt getrunken'' beworben. | Der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] verpasste dem Unternehmen jedoch einen schweren Schlag, ein großer Teil der Belegschaft wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Produktion kam dadurch gänzlich zum Erliegen. Erst 1920 konnte man diese wieder aufnehmen, ein Jahr später auch in der [[Brauerei Doornkaat|Brauerei]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79</ref> Auch das Inflationsjahr 1923 wirkte sich negativ auf das Unternehmen aus. Erst mit der Währungsreform erholte es sich. Die vormals in Berlin, München und Leipzig betriebenen Vertretungen des Unternehmens wurden jedoch Ende der 1920er Jahre geschlossen.<ref name=":5">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 80</ref> | ||
Ab 1930 vertrieb Doornkaat mit ''Doka Tee'' auch einen eigenen Tee mit einem jährlichen Absatz von gut 23 Tonnen. Etwa zur gleichen Zeit begann man mit der Produktion vom ''Doka-Tafelwasser'', das aus einem Brunnen an der [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] gewonnen und mit Sole aus Bad Wimpfen verfeinert wurde. Durch Schiffsbeteiligungen rundete das Unternehmen sein Portfolio ab. Das 20. Jahrhundert war jedoch vor allem durch Schwierigkeiten beim Absatz, nicht zuletzt bedingt durch die beiden Weltkriege, die die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die deutsche im Speziellen lange Zeit lähmten. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] kam die Produktion, anders als im Ersten, nicht zum Erliegen, da man die Wehrmacht bis April 1945 beliefern konnte.<ref name=":5" /> | |||
Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten jedoch nochmals einen großen Aufschwung, nachdem man bereits kurz nach Kriegsende wieder mit Genehmigung der britischen Militärregierung produzieren durfte. In der letzten Hochblüte, Ende der 1960er Jahre, wurde Doornkaat mit dem legendären Doornkaat-Mann (von Ludwig Hohlwein bereits in den 1920er Jahren geschaffen), der die Doornkaat-Vierkantflasche in der Hand hält, mit dem Slogan ''Doornkaat - heiß geliebt und kalt getrunken'' beworben. | |||
In den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein schneller Abstieg, der letztlich auch zum Verkauf des Unternehmens führte. Dies lag im Kern am veränderten Trinkverhalten der Bevölkerung, was zu einem Einbruch des Absatzes führte. Auch die geänderte Branntweinsteuer und der drastische Anstieg importierter Spirituosen bestärkte den rückläufigen Trend. Die langjährigen Vorstände [[Gerhard ten Doornkaat Koolman]] und [[Klaus Scherhorn]] verließen das Unternehmen in der Mitte der 1980er Jahre. Die neuen Vorstände [[Jochen Buschbeck]] und [[Hans Alles|Hans A. Alles]] entwickelten Umstrukturierungspläne. In den Jahren 1986 und 1987 wurde das Personal um 35 % reduziert. Das Konzernergebnis der Doornkaat-Gruppe war 1987 mit 4,9 Mio. DM immer noch recht passabel. | In den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein schneller Abstieg, der letztlich auch zum Verkauf des Unternehmens führte. Dies lag im Kern am veränderten Trinkverhalten der Bevölkerung, was zu einem Einbruch des Absatzes führte. Auch die geänderte Branntweinsteuer und der drastische Anstieg importierter Spirituosen bestärkte den rückläufigen Trend. Die langjährigen Vorstände [[Gerhard ten Doornkaat Koolman]] und [[Klaus Scherhorn]] verließen das Unternehmen in der Mitte der 1980er Jahre. Die neuen Vorstände [[Jochen Buschbeck]] und [[Hans Alles|Hans A. Alles]] entwickelten Umstrukturierungspläne. In den Jahren 1986 und 1987 wurde das Personal um 35 % reduziert. Das Konzernergebnis der Doornkaat-Gruppe war 1987 mit 4,9 Mio. DM immer noch recht passabel. | ||
| Zeile 64: | Zeile 68: | ||
== Produkte == | == Produkte == | ||
* '''Doornkaat''' | * '''Doornkaat:''' Der dreifach gebrannte Korn wird in einer grünen Vierkantflasche angeboten und hat einen Alkoholgehalt von 38 Volumenprozent. Hape Kerkelings Figur ''Horst Schlämmer'' genehmigte sich gern einen Doornkaat, auch vor laufenden Kameras, und trug so zur Bekanntheit der Marke bei. | ||
* '''Doka Tee:''' Ein typischer Ostfriesentee. | * '''Doka Tee:''' Ein typischer Ostfriesentee. | ||
* '''Doka Tafelwasser:''' Ein aus einem Brunnen an der [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] gewonnenes Tafelwasser. | |||
== Literatur == | == Literatur == | ||