Doornkaat: Unterschied zwischen den Versionen
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1839 und 1845 erwarb das Unternehmen zwei Grundstücke in Leezdorf, um hier Brenntorf für die Fabrik abzubauen. Offenbar wollte man sich damit von der [[Norder Fehngesellschaft]] unabhängig machen. Das Fabrikgebäude an sich wurde 1840 erheblich erweitert. Es entstanden weitere Lagerräume, ein Maischhaus, Trocknungsanlagen, ein Brennraum und eine Roßmühle (eine mit einem Pferd betriebene Mühle).<ref name=":2" /> | 1839 und 1845 erwarb das Unternehmen zwei Grundstücke in Leezdorf, um hier Brenntorf für die Fabrik abzubauen. Offenbar wollte man sich damit von der [[Norder Fehngesellschaft]] unabhängig machen. Das Fabrikgebäude an sich wurde 1840 erheblich erweitert. Es entstanden weitere Lagerräume, ein Maischhaus, Trocknungsanlagen, ein Brennraum und eine Roßmühle (eine mit einem Pferd betriebene Mühle).<ref name=":2" /> | ||
1845 und 1846 kam es infolge von Missernten zu einer andauernden Hungersnot, in deren Folge die hannoversche Regierung (Ostfriesland gehörte seit 1815 zum Königreich Hannover) im März 1847 beschloss, den Getreideverkauf an die Brennerei zu stoppen, um es nicht dem Lebensmittelmarkt zu entziehen. Zwischenzeitlich | 1845 und 1846 kam es infolge von Missernten zu einer andauernden Hungersnot, in deren Folge die hannoversche Regierung (Ostfriesland gehörte seit 1815 zum Königreich Hannover) im März 1847 beschloss, den Getreideverkauf an die Brennerei zu stoppen, um es nicht dem Lebensmittelmarkt zu entziehen. Zwischenzeitlich waren des Gründers Söhne [[Fiepko ten Doornkaat Koolman (1817)|Fiepko ten Doornkaat Koolman]] und [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] Geschäftsführer geworden und auch diese waren sozial und verantwortungsbewusst genug, um der Forderung nachzukommen. Da die Getreideernte im Sommer des Jahres unerwartet gut ausfiel, konnte man die Produktion schon im September 1847 wieder hochfahren.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> | ||
Das Revolutionsjahr 1848 spielte dem Geschäft von Doornkaat in die Karten. Obgleich die unsicheren politischen Verhältnisse allgemeine wirtschaftliche Probleme mit sich brachten, zog es viele Bewohner doch nun gehäuft in die Gaststätten, wo sie nicht zuletzt auch Doornkaat tranken. Nachdem die Firma nun auch per Schiff Getreide aus Pommern und Mecklenburg importierte, konnte die gestiegene Nachfrage bedient werden. Zur Lagerung erwarb man ein Lagerhaus an der [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]], wo später das Maschinenhaus eingerichtet wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 74</ref> Da jedoch auch die zusätzlichen Getreideimporte bald nicht mehr ausreichten, ließ das Unternehmen 1871 ein eigenes Dampfschiff bauen, um damit Roggen aus dem deutschen Ostseeraum zu importieren. Gleichzeitig wurde damit die für den Betrieb dringend benötigte Kohle aus England importiert.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref> | Das Revolutionsjahr 1848 spielte dem Geschäft von Doornkaat in die Karten. Obgleich die unsicheren politischen Verhältnisse allgemeine wirtschaftliche Probleme mit sich brachten, zog es viele Bewohner doch nun gehäuft in die Gaststätten, wo sie nicht zuletzt auch Doornkaat tranken. Nachdem die Firma nun auch per Schiff Getreide aus Pommern und Mecklenburg importierte, konnte die gestiegene Nachfrage bedient werden. Zur Lagerung erwarb man ein Lagerhaus an der [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]], wo später das Maschinenhaus eingerichtet wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 74</ref> Da jedoch auch die zusätzlichen Getreideimporte bald nicht mehr ausreichten, ließ das Unternehmen 1871 ein eigenes Dampfschiff mit dem Namen der Firma bauen, um damit Roggen aus dem deutschen Ostseeraum zu importieren. Gleichzeitig wurde damit die für den Betrieb dringend benötigte Kohle aus England importiert.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref> Zur besseren Einfahrt zum [[Norder Hafen]] erwarb man zusätzlich drei Leichterschiffe und eine Schleppdampfer. Der Doornkaat-Dampfer sank jedoch bereits zwei Jahre später, nachdem er von einem schwedischen Dampfer gerammt wurde.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 75</ref> | ||
1882 eröffnete das Unternehmen eine [[Doornkaat | Ab 1879 wurde keine Kohle mehr aus England importiert, stattdessen setzte man auf Importe aus Westfalen, die per Bahn nach Leer transportiert und von dort mit den Leichterschiffen und dem Schleppdampfer bis nach Norden transportiert wurden.<ref name=":3" /> Einen Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt Norden erst ab 1883. In diesem Jahr sank auch ein weiteres Schiff der Firma, der Schoner Gebrüder Doornkaat. Dieser sank auf der Fahrt von Estland nach Tallinn (Estland) nach Brüssel und galt seither als verschollen.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 76</ref> | ||
1882 eröffnete das Unternehmen eine [[Brauerei Doornkaat]] in [[Westgaste]], an die heute noch die [[Brauhausstraße]] erinnert. Ein Jahr später werden [[Hildebrand ten Doornkaat Koolman]] und [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]] an die Geschäftsführung herangeführt. 1885 führt das Unternehmen einen Rechtsstreit gegen einen Dresedener Brenner namens Woldemar Schmidt, der den guten Namen der Firma widerrechtlich für seine eigenen Produkte verwendete. Der über zwei Jahre dauernde Prozess beschäftigte sogar das Reichsgericht in Leipzig und endete schließlich zugunsten der Kläger.<ref name=":4" /> Insbesondere wohl auch deshalb wurde der Markenname ''Doornkaat'' am 1. Oktober 1894 offiziell angemeldet und am 8. Dezember 1894 in das deutsche Markenregister eingetragen. | |||
1896 trat Hildebrand ten Doornkaat Koolman aus der Firma aus und seine Geschäftsanteile an Jan ten Doornkaat Koolman III. ab, der damit zum alleinigen Firmeninhaber wurde. Zum 5. Oktober 1897 trat [[Fiepko ten Doornkaat Koolman (1861)|Fiepko ten Doornkaat Koolman]] in die Firma ein. Um die Jahrhundertwende erwarb das Unternehmen, noch auf Veranlassung von Jan ten Doornkaat Koolman II., große Flächen (267 Hektar) im Bereich Großheide und Menstede-Coldinne, wo man umfangreiche Viehwirtschaft betreiben wollte. Als Futtermittel sollte die beim Brennen anfallende Schlempe verfüttert werden. Für den Gutsverwalter wurde das ''Schloss Großheide'' (Schloßstraße, Ecke Großheider Straße) errichtet. Die Flächen erwiesen sich jedoch bald als ungeeignet und der Betrieb an sich als unwirtschaftlich, sodass der [[Landkreis Norden]] die Flächen zur Besiedlung erwarb und vergab. In das Schloss des Gutsverwalters zog später eine Gaststätte ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 78</ref> Heute befindet sich hier ein Institut für Intensivpädagogik. | |||
Ab 1930 vertrieb Doornkaat mit ''Doka Tee'' auch einen eigenen Tee. Durch Schiffsbeteiligungen rundete das Unternehmen sein Portfolio ab. Das 20. Jahrhundert war jedoch vor allem durch Schwierigkeiten beim Absatz, nicht zuletzt bedingt durch die beiden Weltkriege, die die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die deutsche im Speziellen lange Zeit lähmten. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten jedoch nochmals einen großen Aufschwung. In der letzten Hochblüte, Ende der 1960er Jahre, wurde Doornkaat mit dem legendären Doornkaat-Mann (von Ludwig Hohlwein bereits in den 1920er Jahren geschaffen), der die Doornkaat-Vierkantflasche in der Hand hält, mit dem Slogan ''Doornkaat - heiß geliebt und kalt getrunken'' beworben. | Ab 1930 vertrieb Doornkaat mit ''Doka Tee'' auch einen eigenen Tee. Durch Schiffsbeteiligungen rundete das Unternehmen sein Portfolio ab. Das 20. Jahrhundert war jedoch vor allem durch Schwierigkeiten beim Absatz, nicht zuletzt bedingt durch die beiden Weltkriege, die die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die deutsche im Speziellen lange Zeit lähmten. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten jedoch nochmals einen großen Aufschwung. In der letzten Hochblüte, Ende der 1960er Jahre, wurde Doornkaat mit dem legendären Doornkaat-Mann (von Ludwig Hohlwein bereits in den 1920er Jahren geschaffen), der die Doornkaat-Vierkantflasche in der Hand hält, mit dem Slogan ''Doornkaat - heiß geliebt und kalt getrunken'' beworben. | ||