Deutsches Haus: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Deutsche Haus''' entstand 1880 aus zwei einst selbstständigen Gebäuden bzw. Grundstücken, die in diesem Jahr zu einem zusammengefasst wurden. Wenngleich das Gebäude vor allem als Hotel bekannt ist, hat es im Laufe seiner Geschichte auch andere Nutzungen erfahren. | Das '''Deutsche Haus''' entstand 1880 aus zwei einst selbstständigen Gebäuden bzw. Grundstücken, die in diesem Jahr zu einem zusammengefasst wurden. Wenngleich das Gebäude vor allem als Hotel bekannt ist, hat es im Laufe seiner Geschichte auch andere Nutzungen erfahren. Seit 2016 befindet sich das historische Gebäude in einem Teilabriss sowie Umnutzung durch einen estnischen Investor. | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
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1903 erwarb [[Erich Beyer]] das Hotel von der Witwe des kurz zuvor verstorbenen Ploeger. Auch dieser hatte schon bald mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, denn der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] brachte den Fremdenverkehr praktisch gänzlich zum Erliegen. 1918 starb Beyer, ein Jahr später verkaufte seine Witwe das Haus [[Karl Däling]] und [[Harm Peters]], die das Gebäude zugleich elektrifizierten.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 127</ref> Die Stadt erhielt kurz vor Kriegsausbruch einen Anschluss an die Elektrizitätsversorgung. | 1903 erwarb [[Erich Beyer]] das Hotel von der Witwe des kurz zuvor verstorbenen Ploeger. Auch dieser hatte schon bald mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, denn der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] brachte den Fremdenverkehr praktisch gänzlich zum Erliegen. 1918 starb Beyer, ein Jahr später verkaufte seine Witwe das Haus [[Karl Däling]] und [[Harm Peters]], die das Gebäude zugleich elektrifizierten.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 127</ref> Die Stadt erhielt kurz vor Kriegsausbruch einen Anschluss an die Elektrizitätsversorgung. | ||
Doch auch diesen neuen Eigentümern war das Glück wenig gesonnen, sodass sie das Gebäude an den [[Landkreis Norden]] veräußerten. Auch das [[Weinhaus]] ereilte dieses Schicksal. Während im Weinhaus das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] einzog, wurde in der ersten und zweiten Etage des ''Deutschen Hauses'' das Kreiswirtschaftsamt und eine Wohnung für einen Kreisbediensteten errichtet, die einliegende Gastwirtschaft und der Saal wurden von Peters in Pacht weiterbetrieben.<ref name=":1" /> | Doch auch diesen neuen Eigentümern war das Glück wenig gesonnen, sodass sie das Gebäude an den [[Landkreis Norden]] veräußerten. Auch das [[Weinhaus]] ereilte dieses Schicksal. Während im Weinhaus das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] einzog, wurde in der ersten und zweiten Etage des ''Deutschen Hauses'' das ''Kreiswirtschaftsamt'' und eine Wohnung für einen Kreisbediensteten errichtet, die einliegende Gastwirtschaft und der Saal wurden von Peters in Pacht weiterbetrieben.<ref name=":1" /> | ||
Schon 1920 kaufte der Schwiegersohn von Ploeger, der Hotelier Ebeling von Norderney, das Gebäude und führte er seiner früheren Bestimmung zurück. Kurz darauf erwarb [[Johannes Fleeth]] das Gebäude, dem es gelang, den Hotelbetrieb auch durch die schwierige Zeit der Rezession und der Inflation zu führen. Mit Hilfe der Freimaurerloge [[Zu den drei Sternen]] errichtete Fleeth im Obergeschoss den sogenannten ''Logensaal'', der später auch ''Fliegersaal'' genannt wurde. Den langen Flur vor dem Eingang des Hotels bis zum Saal gestaltete er als Wintergarten, was dem damaligen Zeitgeist und Geschmack entsprach.<ref name=":1" /> | Schon 1920 kaufte der Schwiegersohn von Ploeger, der Hotelier Ebeling von Norderney, das Gebäude und führte er seiner früheren Bestimmung zurück. Kurz darauf erwarb [[Johannes Fleeth]] das Gebäude, dem es gelang, den Hotelbetrieb auch durch die schwierige Zeit der Rezession und der Inflation zu führen. Mit Hilfe der Freimaurerloge [[Zu den drei Sternen]] errichtete Fleeth im Obergeschoss den sogenannten ''Logensaal'', der später auch ''Fliegersaal'' genannt wurde. Den langen Flur vor dem Eingang des Hotels bis zum Saal gestaltete er als Wintergarten, was dem damaligen Zeitgeist und Geschmack entsprach.<ref name=":1" /> | ||
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Nach dem Krieg wurde das Gebäude von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, doch bereits wenig später wieder freigegeben. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investierte Meinberg erneut große Summen in sein Hotel. Er errichtete eine neue Eingangshalle, erbaute den Saal neu und den südlichen Gebäudeflügel an. Die Innenausstattung wurde großzügig modernisiert. Nach 39 Jahren übergab Meinberg den Hotelbetrieb 1973 an seinen Sohn [[Herbert Meinberg]], der ihn mit seiner [[Helga Meinberg|Frau Helga]] erfolgreich weiterführte. Das Ehepaar erweiterte das Gebäude um ein ganzes Stockwerk, passte es den aktuellsten technischen Gegebenheiten an und richtete eine Kegelbahn ein.<ref name=":2" /> | Nach dem Krieg wurde das Gebäude von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, doch bereits wenig später wieder freigegeben. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investierte Meinberg erneut große Summen in sein Hotel. Er errichtete eine neue Eingangshalle, erbaute den Saal neu und den südlichen Gebäudeflügel an. Die Innenausstattung wurde großzügig modernisiert. Nach 39 Jahren übergab Meinberg den Hotelbetrieb 1973 an seinen Sohn [[Herbert Meinberg]], der ihn mit seiner [[Helga Meinberg|Frau Helga]] erfolgreich weiterführte. Das Ehepaar erweiterte das Gebäude um ein ganzes Stockwerk, passte es den aktuellsten technischen Gegebenheiten an und richtete eine Kegelbahn ein.<ref name=":2" /> | ||
Seit etwa Ende der 2000er Jahre firmierte das Hotel als ''Hotel Stadt Norden'' weiter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es bergab, sodass sich die Kundenrezension in ihrer Negativität gegenseitig übertrumpften. Dies führte zu einem baldigen Ende des Traditionshotels. 2016 wurde das Gebäude an einen estnischen Investor veräußert, der das Hotel als ''Hotel Stadt Norden Betreibergesellschaft mbH'' verwertete. Trotz vollmündiger Pläne des Investors, hier mehrere Wohnungen und ggf. ein Hotel bei Erhalt der historischen Fassade zu errichten, gleicht das Gebäude seit dem erfolgten Teilabriss (April 2019) einer Ruine, die immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen im [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]].<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/692340/Deutsches-Haus-FDP-kritisiert-Abriss-Stopp Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 7. Oktober 2019], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> Auch die konkreten Baupläne zu den Wohnungen, die sich zur [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] erstrecken sollen, sind Bestandteil von teils heftiger Kritik, denn die äußere Erscheinung gleicht praktisch einem Hochbunker mit Fenstern.<ref>[https://as-norden.de/wohnquartier-stadthaus-norden/ Bauzeichnungen des Architekturbüros], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> | |||
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==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[ | *[[Hotel Reichshof|Reichshof]] | ||
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]] | ||
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]] | [[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]] | ||
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]] | [[Kategorie:Norden (Stadtteil)]] | ||