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Das '''Hotel Reichshof''' (kurz: "Reichshof") ist ein Hotel gehobenen Standards mit Sitz am südlichen [[Neuer Weg|Neuen Weg]]. Es ist das vermutlich am längsten als solches betriebene Hotel im Stadtgebiet und blickt auf eine ähnlich lange Geschichte wie das [[Weinhaus]] zurück. Bis 1984 befand sich im heutigen großen Saal ein in den 1920er Jahren errichtetes Kino.
Das '''Hotel Reichshof''' (''Romantik Hotel Reichshof''; kurz: ''Reichshof;'') ist ein Hotel gehobenen Standards mit Sitz am südlichen [[Neuer Weg|Neuen Weg]]. Es ist das vermutlich am längsten als solches betriebene Hotel im Stadtgebiet und blickt auf eine ähnlich lange Geschichte wie das [[Weinhaus]] zurück. Bis etwa 1975 befand sich im heutigen großen Festsaal ein 1918 eingerichtetes Kino (''Norder Lichtspiele'').


==Geschichte==
==Geschichte==
Erstmalig erwähnt wird ein Hotel am Standort des heutigen Reichshofes im Jahr 1606 als Brauerei "Rode Peerd".<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 101</ref> Über hundert Jahre später, im Jahre 1710, wird das Gebäude als "Ausspannwirtschaft" beschrieben.
Erstmalig erwähnt wird ein Hotel am Standort des heutigen Reichshofes im Jahr 1606 als Brauerei ''Rode Peerd''.<ref name=":1">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 101</ref> Über hundert Jahre später, im Jahre 1710, wird das Gebäude als Ausspannwirtschaft beschrieben. So bezeichnete man Gastwirtschaften entlang von Reiserouten, wo die Pferde aus- bzw. abgespannt wurden und die Reiter bzw. Reisenden einkehren konnten.<ref name=":1" /><ref name=":2">[https://www.reichshof-norden.de/ Geschichte des Reichshof auf der hoteleigenen Seite], abgerufen am 7. April 2021</ref>


1784 wird hier das [[Spritzenhaus (Neuer Weg)|erste Spritzenhaus]] der Stadt errichtet und am 15. Juli des Jahres eingeweiht.<ref name=":0">[https://www.feuerwehr-norden.de/2013/03/20/vom-spritzenhaus-zum-hilfeleistungszentrum-seite-1-2/ Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Norden], abgerufen am 7. April 2021</ref> Ein Jahr später wird der Reichshof als Gasthof "Zum Zeichen des Bremer Schlüssel" benannt. Zum Gasthof gehören ein Brau- und Malzhaus sowie eine Brennerei und eine Zichorienfabrik, die kaffeeähnliche Getränke produzierte. In dieser Zeit wurde wohl auch der Bau eines Anbaus vorangetrieben, dem sogenannten "Mittelhaus" (nicht zu verwechseln mit der [[Mittelhaus|gleichnamigen Gaststätte]]). Ende des 18. Jahrhunderts taucht für den Gasthof noch die Bezeichnung "Zum Zeichen des Schwarzen Pferdes" auf. 1806 wird das Spritzenhaus bereits wieder abgerissen und an der [[Spritzenhaus (Dammstraße)|Dammstraße]] neu errichtet.<ref name=":0" />
1784 wird hier unmittelbar anliegend das [[Spritzenhaus (Neuer Weg)|erste Spritzenhaus]] der Stadt errichtet und am 15. Juli des Jahres eingeweiht.<ref name=":0">[https://www.feuerwehr-norden.de/2013/03/20/vom-spritzenhaus-zum-hilfeleistungszentrum-seite-1-2/ Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Norden], abgerufen am 7. April 2021</ref> Ein Jahr später wird der südliche (rechte) Teil des Gebäudes ''Gasthof'' ''Zum Zeichen des Bremer Schlüssel'' genannt.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 128</ref> Zum Gasthof gehören ein Brau- und Malzhaus sowie eine Brennerei und eine Zichorienfabrik, die kaffeeähnliche Getränke produzierte. In dieser Zeit wurde wohl auch der Bau eines Anbaus vorangetrieben, dem sogenannten ''Mittelhaus'' (nicht zu verwechseln mit der [[Mittelhaus|gleichnamigen Gaststätte]]).<ref name=":2" /> Ende des 18. Jahrhunderts taucht für den Gasthof noch die Bezeichnung ''Zum Zeichen des Schwarzen Pferdes'' auf, als Eigentümer wird ein [[Uve Siemons Uven]] genannt.<ref name=":2" /><ref name=":3" /> 1806 wird das angrenzende Spritzenhaus wieder abgerissen und an der [[Spritzenhaus (Dammstraße)|Dammstraße]] neu errichtet.<ref name=":0" />


1875 wird der Reichshof als "Garbe's Hotel" erwähnt, 1900 als "Hotel Frisia". Gerade einmal 20 Jahre später, um 1920/1921, erfolgt eine Umbenennung in den bis heute geläufigen Namen "Hotel Reichshof". In diese Zeit fällt vermutlich auch der Bau des Kinos im heutigen großen Saal.
1875 wird der Reichshof als ''Garbe's Hotel'' erwähnt, betrieben vom Namensgeber [[Carl Garbe]], der zuvor die Gastwirtschaft im [[Vossenhus]] betrieb. Nach der Erweiterung der [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] bis zum Fähranleger ab 1892 pachtete Garbe die dortige Bahnhofsgaststätte und verkaufte sein Hotel am Neuen Weg schließlich an [[Hayo Folkerts]] , der es ab 1900 als ''Hotel Frisia'' weiterführt.<ref name=":3" /> 1906 wird das Hotel an [[Wilhelm Bay]] verkauft, der das östliche (hintere) Grundstück erwirbt und hier einen Saal mit Bühne errichtet.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 129</ref>


Am 19. September 1956 erwerben [[Willi Franke]] und seine Ehefrau [[Martha Franke]] den Reichshof mit seinen damals 20 Betten und einer Restauranträumlichkeit. Das Ehepaar sorgt von da an für eine kontinuierliche Qualität und einen guten Ruf. 1975 übergeben sie die Hotelgeschäfte in die Hände ihres Sohnes [[Hans-Jürgen Franke]] und [[Dorothea Franke]]. Mit gutem Geschmack und viel Fleiß bauen sie den guten Namen des Hauses weiter über die Grenzen Ostfrieslands aus.
Im Jahre 1918 erwirbt [[Hans Röhr]] das Anwesen, welcher in dem Saal ein Kino (''Norder Lichtspiele'') einrichtet. Um 1920/1921, erfolgt eine Umbenennung in den bis heute geläufigen Namen ''Hotel Reichshof'', zu dieser Zeit ist [[Karl Zicke]] Hoteleigentümer. Es wird nachfolgend noch zwei mal verpachtet.<ref name=":2" /><ref name=":4" />


Im Jahr 1984 erfolgt der Umbau des Kinosaals im hinteren Teil des Gebäudes zu einem großen Festsaal, der bis heute als solcher genutzt wird. Die Bühne mitsamt Vorhang lässt bis heute auf seine Nutzung als Kino zurückschließen. 1991 bis 1993 wird der Hotelbereich durch neun weitere Zimmer im kleinen und großen Gästehaus erweitert. 2001 entsteht der Wellnessbereichs "Meer und Moor", zudem wird der Hotelbereich um fünf weitere Zimmer erweitert.
Am 19. September 1956 erwerben [[Willi Franke]] und seine Ehefrau [[Martha Franke]] den Reichshof mit seinen damals 20 Betten und einer Restauranträumlichkeit. Das Ehepaar sorgt von da an für eine kontinuierliche Qualität und einen guten Ruf. 1975 übergeben sie die Hotelgeschäfte in die Hände ihres Sohnes [[Hans-Jürgen Franke]] und [[Dorothea Franke]]. Mit gutem Geschmack und viel Fleiß bauen sie den guten Namen des Hauses weiter über die Grenzen Ostfrieslands aus.<ref name=":2" /> Der Kinosaal wird zu dieser Zeit nicht mehr als solcher genutzt.<ref name=":4" />


2004 wird die ehemalige Kornkammer der Firma [[Doornkaat]] umgebaut, die sich nördlich des Hauptgebäudes befindet. Heute verbindet die Lohne [[Hooge Thun]] die beiden Gebäude. Es entstehen neben 16 Zimmern ein separater Frühstücksraum, eine Rezeption und eine gemütliche Hausbar.
Im Jahr 1984 erfolgt der Umbau des ehemaligen Kinosaals im hinteren Teil des Gebäudes zu einem großen Festsaal, der bis heute als solcher genutzt wird. Die Bühne mitsamt Vorhang lässt bis heute auf seine Nutzung als Kino zurück schließen. 1991 bis 1993 wird der Hotelbereich durch neun weitere Zimmer im kleinen und großen Gästehaus erweitert. 2001 entsteht der Wellnessbereichs ''Meer und Moor'', zudem wird der Hotelbereich um fünf weitere Zimmer erweitert.<ref name=":2" />
 
2004 wird die ehemalige Kornkammer der Firma [[Doornkaat]] umgebaut, die sich nördlich des Hauptgebäudes befindet. Heute verbindet die Lohne [[Hooge Thun]] die beiden Gebäude. Es entstehen neben 16 Zimmern ein separater Frühstücksraum, eine Rezeption und eine gemütliche Hausbar.<ref name=":2" />
[[Datei:Hotel Reichshof Brand 12122005 01.jpg|links|mini|Bild des Brandes am 12. Dezember 2005.]]
[[Datei:Hotel Reichshof Brand 12122005 01.jpg|links|mini|Bild des Brandes am 12. Dezember 2005.]]
Am 12. Dezember 2005 kommt es zu einem Brand im Restaurantbereich. Durch schnelles Eingreifen der um 2:28 Uhr alarmierten [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] kann der Brandschaden auf den Restaurantbereich begrenzt werden. Nach dreimonatigen Renovierungsarbeiten kann das Restaurant im Frühjahr 2006 wieder öffnen. Familie Franke zeigt sich den Einsatzkräften später durch eine Spende an die Feuerwehr dankbar.
Am 12. Dezember 2005 kommt es zu einem Brand im Restaurantbereich. Durch schnelles Eingreifen der um 2:28 Uhr alarmierten [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] kann der Brandschaden auf den Restaurantbereich begrenzt werden. Nach dreimonatigen Renovierungsarbeiten kann das Restaurant im Frühjahr 2006 wieder öffnen.<ref name=":2" /> Familie Franke zeigt sich den Einsatzkräften später durch eine Spende an die Feuerwehr dankbar.
 
In 2007 wird der Parkbereich um Flächen der ehemaligen [[Holzhandlung Wieben]] an der [[Brückstraße]] 6 erweitert. Hier wird auch eine alte Lagerhalle der Firma zu einer gemütlich-rustikalen Mittels Scheune hergerichtet. Eine Holzbrücke verbindet diesen Bereich mit der [[Doornkaatlohne]] und dem Hotel. Ein Jahr später wird der Wellnessbereich durch eine eigene Rezeption und Behandlungsräume erweitert. Zudem tritt das Hotel dem Verbund der sogenannten "Romantik Hotels" bei.
 
Im Frühjahr 2009 eröffnet der Reichshof das "Schlossparkcafé Lütetsburg" am Schlosspark in Lütetsburg. 2010 wird die Küche des Restaurants erweitert. Es entsteht ein Wintergarten sowie - durch Ankauf eines südlichen Nebengebäudes - die Bar-Lounge "Wolbergs" sowie zwei Wellness-Lofts.


Seit 2012 stehen [[Martina Haver-Franke]] und [[Björn Haver]] dem Familienbetrieb vor und führen die Geschicke des Hauses in 3. Generation fort. Unter ihrer Leitung wird das Restaurant bis 2017 weiter umgebaut und fortan unter dem Namen "Heimisch" betrieben.
In 2007 wird der Parkbereich um Flächen der ehemaligen [[Holzhandlung Wieben]] an der [[Brückstraße]] 6 erweitert. Hier wird auch eine alte Lagerhalle der Firma zu einer gemütlich-rustikalen Scheune hergerichtet. Eine Holzbrücke verbindet diesen Bereich mit der [[Doornkaatlohne]] und dem Hotel. Ein Jahr später wird der Wellnessbereich durch eine eigene Rezeption und Behandlungsräume erweitert. Zudem tritt das Hotel dem Verbund der sogenannten ''Romantik Hotels'' bei. Im Frühjahr 2009 eröffnet der Reichshof das ''Schlossparkcafé Lütetsburg'' am Schlosspark in Lütetsburg. 2010 wird die Küche des Restaurants erweitert. Es entsteht ein Wintergarten sowie - durch Ankauf eines südlichen Nebengebäudes - die Bar-Lounge ''Wolbergs'' sowie zwei Wellness-Lofts.<ref name=":2" />


Anfang 2018 endet eine mehrjährige Umbau- und Renovierungsphase. Während dieser Zeit wurde der Großteil aller Zimmer saniert und modernisiert.
Seit 2012 stehen [[Martina Haver-Franke]] und [[Björn Haver]] dem Familienbetrieb vor und führen die Geschicke des Hauses in 3. Generation fort. Unter ihrer Leitung wird das Restaurant bis 2017 weiter umgebaut und fortan unter dem Namen ''Heimisch'' betrieben. Anfang 2018 endet eine mehrjährige Umbau- und Renovierungsphase. Während dieser Zeit wurde der Großteil aller Zimmer saniert und modernisiert.<ref name=":2" />


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Das Hotel umfasst 55 Zimmer, Junior-Suiten und Lofts. Zum Hotelangebot gehört auch ein "Meer & Moor Spa-Bereich". Auf mehreren Ebenen spiegeln sich dabei Ostfriesland und die Nordsee in den verschiedenen Saunen, Ruhebereichen sowie dem Indoor-Schwimmbad wider. Zwei großzügige Lofts laden zur Entspannung ein.
Das Hotel umfasst 55 Zimmer, Junior-Suiten und Lofts. Zum Hotelangebot gehört auch ein ''Meer & Moor Spa-Bereich''. Auf mehreren Ebenen spiegeln sich dabei Ostfriesland und die Nordsee in den verschiedenen Saunen, Ruhebereichen sowie dem Indoor-Schwimmbad wider. Zwei großzügige Lofts laden zur Entspannung ein.<ref name=":2" />


Das zum Hotel gehörende "Restaurant Heimisch" sorgt für das leibliche Wohl der Gäste. Auch hotelfremde Besucher können hier essen.
Das zum Hotel gehörende ''Restaurant Heimisch'' sorgt für das leibliche Wohl der Gäste. Auch hotelfremde Besucher können hier essen.<ref name=":2" />


==Trivia==
==Trivia==
Bei der [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut von 1717]] sollen die Fluten so hoch gestanden haben, dass man in Höhe des heutigen Hotels mit dem Boot fahren konnte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 72</ref>
Bei der [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut von 1717]] sollen die Fluten so hoch gestanden haben, dass man in Höhe des heutigen Hotels mit dem Boot fahren konnte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 72</ref>


Der Reichshof ist einer der wichtigsten Veranstaltungs- und Versammlungsorte der Stadt. Viele traditionsreiche Vereine und andere Körperschaften nutzen oder nutzten die Räumlichkeiten des Reichshof für ihre Zusammenkünfte, so etwa die [[Leegemoorgesellschaft]] oder die [[Feuerwehr Norden]]. Der "Große Festsaal" ist zudem der große Veranstaltungssaal im Stadtgebiet und in der Fläche noch größer als der des [[Haus des Gastes]].
Der Reichshof ist einer der wichtigsten Veranstaltungs- und Versammlungsorte der Stadt. Viele traditionsreiche Vereine und andere Körperschaften nutzen oder nutzten die Räumlichkeiten des Reichshof für ihre Zusammenkünfte, so etwa die [[Leegemoorgesellschaft]] oder die [[Feuerwehr Norden]]. Der große Festsaal ist zudem der große Veranstaltungssaal im Stadtgebiet und in der Fläche noch größer als der des [[Haus des Gastes]].


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
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==Quellenverzeichnis==
==Quellenverzeichnis==
*[https://www.reichshof-norden.de/ Geschichte des Reichshof auf der hoteleigenen Seite], abgerufen am 7. April 2021
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==Siehe auch==
==Siehe auch==