Norder Stadtblatt: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Norder Stadtblatt''' war eine von [[Johann Friedrich Schmidt]] herausgebrachte, liberal ausgerichtete Tageszeitung, die erstmalig am 27. Mai 1848 erschien. Schon 1844 hatte Schmidt die Genehmigung zum Druck beantragt, doch wurde sie ihm erst nach der Revolution 1848 und der dadurch gewonnenen Pressefreiheit gewährt.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 86</ref> Die Auflage umfasste zu Beginn einen Umfang von 750 Zeitungen.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | Das '''Norder Stadtblatt''' war eine von [[Johann Friedrich Schmidt]] herausgebrachte, liberal ausgerichtete Tageszeitung, die erstmalig am 27. Mai 1848 erschien. Schon 1844 hatte Schmidt die Genehmigung zum Druck beantragt, doch wurde sie ihm erst nach der Revolution 1848 und der dadurch gewonnenen Pressefreiheit gewährt.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 86</ref> Die Auflage umfasste zu Beginn einen Umfang von 750 Zeitungen und erschien zwei Mal wöchentlich, ohne sich an feste Tage zu binden.<ref>Norder Stadtblatt vom 27. Mai 1848, S. 1</ref><ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | ||
Dem Stadtblatt war nur ein kurzes Leben beschert, bereits im Juli 1890 ging der Verlag ein.<ref name=":0" /> Über die Gründe lässt sich nur mutmaßen, vermutlich sympathisierten die meisten Leser mit dem [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kurier]], der eher konservativ ausgerichtet war, was der politischen Orientierung der meisten Norden Bürger in dieser Zeit entsprach. | Dem Stadtblatt war nur ein kurzes Leben beschert, bereits im Juli 1890 ging der Verlag nach 43 Ausgabejahrgängen ein.<ref name=":0" /> Über die Gründe lässt sich nur mutmaßen, vermutlich sympathisierten die meisten Leser mit dem [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kurier]], der eher konservativ ausgerichtet war, was der politischen Orientierung der meisten Norden Bürger in dieser Zeit entsprach. | ||
== Trivia == | |||
1853 erschien im Norder Stadtblatt ein Gedicht eines hannoverschen Offiziers, der mit seiner 50 Mann starken Wachtruppe von Osnabrück nach Aurich abkommandiert wurde, was seinerzeit von manchen als Strafe erachtet wurde. Für sich zum Trost und zur Erheiterung seiner Kameraden in Osnabrück verfasste er zum Silvesterabend ein längeres Spottgedicht "Ostfriesland. Die aus Ostfriesland stammende Frau eines Osnabrücker Regimentskameraden schrieb das Gedicht ab und schickte es vermutlich zu ihrer Verwandtschaft nach Norden, und hier wurde es schon am 27. Januar im Norder Stadtblatt veröffentlicht.<ref name=":1">[https://ostfrhist.hypotheses.org/203#more-203 Blog für ostfriesische Geschichte], abgerufen am 31. Mai 2021</ref> Das Gedicht beginnt und endet folgendermaßen: | |||
''„Wer kennt das Land nicht, wo der Torf die Erde.'' | |||
''Und arger Nebel stets den Himmel deckt?'' | |||
''Wer kennt das Land nicht, das bei deinem ‚Werde!‘'' | |||
''Der Herrgott selber erst zuletzt entdeckt?'' | |||
''Wer kennt das Volk nicht, das bei seinen Rindern'' | |||
''Selbst ochsenartig aufgewachsen ist?'' | |||
''Wer kennt das Volk nicht, das den kleinen Kindern'' | |||
''Statt Milch den Fusel in den Rachen gießt?'' | |||
''Ein Kamm ist eine Fabel; man betrachtet Seife'' | |||
''Als Sage einer unbekannten Welt.'' | |||
''Von fremden Sachen hat sich nur die Pfeife'' | |||
''Und der Schnaps zum Friesenvolk gesellt.“'' | |||
Nach der Veröffentlichung im Norder Stadtblatt löste das Spottgedicht in ganz Ostfriesland eine Welle der Entrüstung aus. Die Ostfriesische Zeitung kommentierte das Gedicht am 29. Januar 1853 als "aberwitzigen Erguß einer taumelnden Muse". Der öffentliche Aufruhr machte das Gedicht zu einem Politikum, und der Leutnant wurde umgehend von Aurich nach Osnabrück zurückbeordert. Von Düring erwartete ein Verfahren „wegen Abfassung eines Spottgedichts auf die Provinz Ostfriesland“, aber mit Arrest bestraft wurde schließlich der Offizier, dessen Frau das Gedicht nach Ostfriesland weitergeleitet hatte.<ref name=":1" /> | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||