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Die Gemeinde dürfte jedoch viel älter sein, was aus einem einem Schreiben des in Norden ansässigen Hofjuden [[Meyer Calmans]] an die Fürstin Christine Charlotte von Württemberg-Teck hervorgeht. Er schrieb am 22. August 1669, dass die Juden in Norden schon vor hundert Jahren ein Stück Land gepachtet hatten, um darauf [[Jüdischer Friedhof|einen Friedhof]] anzulegen.<ref name=":1">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> Die Norder Juden lebten zunächst vor allem vom Geldverleih, vom Handel mit gebrauchten Waren (insbesondere Kleider), vom Viehhandel und vom Schlachten. Es war ihnen verboten, in den den [[Zunft- und Gildewesen|Zünften]] vorbehaltenen Berufszweigen tätig zu sein. Nach den unruhigen Anfängen konnten die Juden einige Zeit in relativer Ruhe und Beständigkeit leben. 1618 gab es sechs jüdische Haushalte in der Stadt. Bis 1645 stieg die Zahl auf 12, bis 1680 auf 18 Haushalte an (1660 etwa 100 Personen). 1645 lebten zwei jüdische Familien im eigenen Haus, die übrigen zehn zur Miete. Unter den Juden gab es damals vier Schlachter, einen Kleinhändler und einen Tabakhändler.<ref name=":3">[https://www.alemannia-judaica.de/norden_synagoge.htm Norden (Kreis Aurich, Ostfriesland): Jüdische Geschichte / Synagoge]  auf Alemannia Judaica, abgerufen am 14. April 2021</ref>
Die Gemeinde dürfte jedoch viel älter sein, was aus einem einem Schreiben des in Norden ansässigen Hofjuden [[Meyer Calmans]] an die Fürstin Christine Charlotte von Württemberg-Teck hervorgeht. Er schrieb am 22. August 1669, dass die Juden in Norden schon vor hundert Jahren ein Stück Land gepachtet hatten, um darauf [[Jüdischer Friedhof|einen Friedhof]] anzulegen.<ref name=":1">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> Die Norder Juden lebten zunächst vor allem vom Geldverleih, vom Handel mit gebrauchten Waren (insbesondere Kleider), vom Viehhandel und vom Schlachten. Es war ihnen verboten, in den den [[Zunft- und Gildewesen|Zünften]] vorbehaltenen Berufszweigen tätig zu sein. Nach den unruhigen Anfängen konnten die Juden einige Zeit in relativer Ruhe und Beständigkeit leben. 1618 gab es sechs jüdische Haushalte in der Stadt. Bis 1645 stieg die Zahl auf 12, bis 1680 auf 18 Haushalte an (1660 etwa 100 Personen). 1645 lebten zwei jüdische Familien im eigenen Haus, die übrigen zehn zur Miete. Unter den Juden gab es damals vier Schlachter, einen Kleinhändler und einen Tabakhändler.<ref name=":3">[https://www.alemannia-judaica.de/norden_synagoge.htm Norden (Kreis Aurich, Ostfriesland): Jüdische Geschichte / Synagoge]  auf Alemannia Judaica, abgerufen am 14. April 2021</ref>
Am 15. März 1594 werden die Norder Juden von der [[Schlachterzunft|Schlachter-]] und der [[Schneiderzunft]] vor dem Landtag in Aurich verklagt. Man wirft ihnen Verstöße wie Monopolismus und Wucherei vor. Die jüdischen Schlachter werden zudem beschuldigt, entgegen einer Regelung von 1591 ihr Fleisch zu regulären Preisen auch an Nicht-Juden verkauft zu haben. Den Angeklagten wird für den Wiederholungsfall die Landesverweisung angedroht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 62</ref> Erkennbar wird hier die deutliche Benachteiligung der jüdischen Gewerbetreibenden, die sich nicht in [[Zunft- und Gildewesen|Zünften und Gilden]] organisieren durften, die den Markt und seine Gestaltung faktisch beherrschten.


1749 wurden 44 jüdische Familien in Norden gezählt. Da die preußische Regierung, die seit 1744 die Herrschaft in Ostfriesland übernommen hatte, die Zahl der jüdischen Haushalte auf 16 reduzieren wollte, gab es in den folgenden Jahrzehnten zunächst keine weitere Zunahme. Die jüdischen Familien lebten weiterhin in wirtschaftlich einfachen bis armseligen Verhältnissen. Zu den Handelsgütern gehörten nun neben den gebrauchten Waren wie Kleidern vor allem Korn, Wachs, Honig, Tee, Alteisen, Zinn, Kupfer, Tabak, Federn und Porzellan.<ref name=":3" />
1749 wurden 44 jüdische Familien in Norden gezählt. Da die preußische Regierung, die seit 1744 die Herrschaft in Ostfriesland übernommen hatte, die Zahl der jüdischen Haushalte auf 16 reduzieren wollte, gab es in den folgenden Jahrzehnten zunächst keine weitere Zunahme. Die jüdischen Familien lebten weiterhin in wirtschaftlich einfachen bis armseligen Verhältnissen. Zu den Handelsgütern gehörten nun neben den gebrauchten Waren wie Kleidern vor allem Korn, Wachs, Honig, Tee, Alteisen, Zinn, Kupfer, Tabak, Federn und Porzellan.<ref name=":3" />