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Unter [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II.]] wurde die Schule 1631 dann zu einem "Paedagogium illustre" erhoben und erhielt den Namen "Schola Ulriciana" (Ulrichsschule). Sie wurde damit zu einem Vollgymnasium, einem "echten" Gymnasium. Ab sofort war hier der Erwerb der Hochschulreife (Abitur) möglich. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Schule acht Klassen und acht Lehrer. Gleichzeitig ließ er das zwischenzeitlich durch Kriege und Naturgewalten stark heruntergekommene Gebäude grundlegend erneuern und finanzierte es aus einem von ihm geschaffenen Stiftungsvermögen. Die auf Dauer angelegte und sehr größzügige Unterstützung bildete den Grundstock für die weitere Entwicklung der "Ulrichsschule". Aus der gräflichen Schenkungsurkunde, datiert auf den 21. August 1631, geht hervor, dass die Vorstellungen von Ulrich II. durchaus konkrete Züge annahmen. Er definierte Unterrichtsziele und dass minderbemittelte Schüler (minderbemittelt im Sinne von "wenig vermögend") für wenig Geld Anspruch auf einen Mittagstisch ("Mensa") und im Bedarfsfall eine Unterkunft hätten. Das Original der sowohl auf Latein als auch in deutscher Sprache verfassten Urkunde befindet sich heute im Staatsarchiv in Aurich (StAA, Rep. 135, Nr. 15). Aus anderen Unterlagen geht hervor, dass die Kinder für Kost und Logis im [[Weinhaus]] untergebracht waren. Bereits 1630 ordnete Ulrich II. an, dass zum besseren Unterhalt der Kirchen und Schulen sowie deren Bediensteten alle öffentlichen Versteigerungen ("Kerttz-Käufe") wie auch alle bürgerlichen Zusammenkünfte im nahegelegenen Weinhaus stattzufinden haben.<ref name=":3" />
Unter [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II.]] wurde die Schule 1631 dann zu einem "Paedagogium illustre" erhoben und erhielt den Namen "Schola Ulriciana" (Ulrichsschule). Sie wurde damit zu einem Vollgymnasium, einem "echten" Gymnasium. Ab sofort war hier der Erwerb der Hochschulreife (Abitur) möglich. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Schule acht Klassen und acht Lehrer. Gleichzeitig ließ er das zwischenzeitlich durch Kriege und Naturgewalten stark heruntergekommene Gebäude grundlegend erneuern und finanzierte es aus einem von ihm geschaffenen Stiftungsvermögen. Die auf Dauer angelegte und sehr größzügige Unterstützung bildete den Grundstock für die weitere Entwicklung der "Ulrichsschule". Aus der gräflichen Schenkungsurkunde, datiert auf den 21. August 1631, geht hervor, dass die Vorstellungen von Ulrich II. durchaus konkrete Züge annahmen. Er definierte Unterrichtsziele und dass minderbemittelte Schüler (minderbemittelt im Sinne von "wenig vermögend") für wenig Geld Anspruch auf einen Mittagstisch ("Mensa") und im Bedarfsfall eine Unterkunft hätten. Das Original der sowohl auf Latein als auch in deutscher Sprache verfassten Urkunde befindet sich heute im Staatsarchiv in Aurich (StAA, Rep. 135, Nr. 15). Aus anderen Unterlagen geht hervor, dass die Kinder für Kost und Logis im [[Weinhaus]] untergebracht waren. Bereits 1630 ordnete Ulrich II. an, dass zum besseren Unterhalt der Kirchen und Schulen sowie deren Bediensteten alle öffentlichen Versteigerungen ("Kerttz-Käufe") wie auch alle bürgerlichen Zusammenkünfte im nahegelegenen Weinhaus stattzufinden haben.<ref name=":3" />


Obgleich die Geschichte über [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II.]] aufgrund seiner Verschwendungssucht und seinem Hang zu den "süßen Seiten" des Lebens ein eher mäßiges Bild zeichnet, setzte er sich auch in den Folgejahren geradezu für die nach ihm benannte Schule ein. Ein auf den 13. Juli 1639 datierter Kaufvertrag belegt, dass er für 300 Gulden 1 1/2 [[Gras|Grasen]] Land zugunsten der Schule erwarb. Das Land ließ er verpachten und ihr den Erlös zukommen. Desweiteren sorgte er dafür, dass weitere Erlöse aus Verpachtungen an die Schule flossen, so etwa die Verpachtung von 19 [[Diemat]] Land des gräflichen "Gut Folkershausen" bei Esens und seit 1712 auch durch Ländereien in Dornum.<ref name=":3" />
Obgleich die Geschichte über [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II.]] aufgrund seiner Verschwendungssucht und seinem Hang zu den "süßen Seiten" des Lebens ein eher mäßiges Bild zeichnet, setzte er sich auch in den Folgejahren geradezu für die nach ihm benannte Schule ein. Ein auf den 13. Juli 1639 datierter Kaufvertrag belegt, dass er für 300 Gulden 1 1/2 [[Gras|Grasen]] Land von der [[Leegemoorgesellschaft]] zugunsten der Schule erwarb.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Das Land ließ er verpachten und ihr den Erlös zukommen. Desweiteren sorgte er dafür, dass weitere Erlöse aus Verpachtungen an die Schule flossen, so etwa die Verpachtung von 19 [[Diemat]] Land des gräflichen "Gut Folkershausen" bei Esens und seit 1712 auch durch Ländereien in Dornum.<ref name=":3" />


Nachdem die Schülerzahlen aufgrund von Pestepidemien und kriegerischen Auseinandersetzungen wie Ständekämpfen und dem Dreißigjährigen Krieg zurückgegangen waren, wurde die Schule 1666 kurzzeitig geschlossen, aber schon wenig später wiedereröffnet. Dennoch begann in dieser Zeit der Niedergang der Schule. Hatte sie 1631 noch vier Klassen mit vier Lehrern, von denen einer Kantor war, waren es 1666 zeitweilig nur noch drei Klassen, ohne dass sie damit den Rang einer Vollanstalt verlor. Der Tiefpunkt wurde zwischen 1750 und 1800 erreicht. In dieser Zeit schwankten die Schülerzahlen zwischen 14 und 34.<ref name=":1" /> Auch der für die notdürftigen Kinder zur Verfügung gestellte Mittagstisch wurde 1751 aus Kostengründen eingestellt.<ref name=":3" />
Nachdem die Schülerzahlen aufgrund von Pestepidemien und kriegerischen Auseinandersetzungen wie Ständekämpfen und dem Dreißigjährigen Krieg zurückgegangen waren, wurde die Schule 1666 kurzzeitig geschlossen, aber schon wenig später wiedereröffnet. Dennoch begann in dieser Zeit der Niedergang der Schule. Hatte sie 1631 noch vier Klassen mit vier Lehrern, von denen einer Kantor war, waren es 1666 zeitweilig nur noch drei Klassen, ohne dass sie damit den Rang einer Vollanstalt verlor. Der Tiefpunkt wurde zwischen 1750 und 1800 erreicht. In dieser Zeit schwankten die Schülerzahlen zwischen 14 und 34.<ref name=":1" /> Auch der für die notdürftigen Kinder zur Verfügung gestellte Mittagstisch wurde 1751 aus Kostengründen eingestellt.<ref name=":3" />