Vertriebenenlager Tidofeld: Unterschied zwischen den Versionen
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Obgleich es erklärtes Ziel der Militärregierung war, die Bewohner nur kurzfristig in dem Lager zu quartieren und keine alten Nachbarschaften unter den manchmal aus dem gleichen Ort kommenden Vertriebenen aufkommen zu lassen, erreichten sie letztlich genau das Gegenteil und es entstand eine weitestgehend Solidarität unter den Bewohnern. Bereits wenige Monate nach der Freigabe des Lagers enstanden eine Schule, eine Gaststätte, eine Freiwillige Feuerwehr und im August 1948 sogar eine Kirche in einer Baracke. Die Räumlichkeiten dieser Barackenkirche und die laufenden Kosten wurden unter den Bewohnern solidarisch geteilt und die drei im Lager vertrenenen Konfessionen (evangelisch-lutherisch, evangelisch-baptistisch und römisch-katholisch) hielten ihre Gottesdienste abwechselnd ab. | Obgleich es erklärtes Ziel der Militärregierung war, die Bewohner nur kurzfristig in dem Lager zu quartieren und keine alten Nachbarschaften unter den manchmal aus dem gleichen Ort kommenden Vertriebenen aufkommen zu lassen, erreichten sie letztlich genau das Gegenteil und es entstand eine weitestgehend Solidarität unter den Bewohnern. Bereits wenige Monate nach der Freigabe des Lagers enstanden eine Schule, eine Gaststätte, eine Freiwillige Feuerwehr und im August 1948 sogar eine Kirche in einer Baracke. Die Räumlichkeiten dieser Barackenkirche und die laufenden Kosten wurden unter den Bewohnern solidarisch geteilt und die drei im Lager vertrenenen Konfessionen (evangelisch-lutherisch, evangelisch-baptistisch und römisch-katholisch) hielten ihre Gottesdienste abwechselnd ab. | ||
Bereits am 1. August 1946 wurde zudem eine Poststelle im Lager eröffnet, bei der auch die Baracken eigene postalische Erreichbarkeiten erhielten. Die Abschnitte des Lagers wurden in römischen Ziffern unterteilt, die Baracken bekamen arabische Ziffern. So war beispielsweise Tidofeld I/10 die 10. Baracke im I. Bereich des Lagers. Zum 13. August 1946 wurde im Unterkunftsgebäude der Mannschaften eine Schule eingerichtet, die bis heute gemeinhin als [[Lagerschule Tidofeld]] bekannt ist. Im Februar 1947 eröffnete eine | Bereits am 1. August 1946 wurde zudem eine Poststelle im Lager eröffnet, bei der auch die Baracken eigene postalische Erreichbarkeiten erhielten. Die Abschnitte des Lagers wurden in römischen Ziffern unterteilt, die Baracken bekamen arabische Ziffern. So war beispielsweise Tidofeld I/10 die 10. Baracke im I. Bereich des Lagers. Zum 13. August 1946 wurde im Unterkunftsgebäude der Mannschaften eine Schule eingerichtet, die bis heute gemeinhin als [[Lagerschule Tidofeld]] bekannt ist. Im Februar 1947 eröffnete eine Blechwaren- bzw. Drahtzaunfabrik in dem ehemaligen Unterkunftsgebäude, in dem auch die Schule ihre Räumlichkeiten hatte. Das ständige Hämmern störte den Unterricht ungemein.<ref name=":0" /> Spätestens 1962 zog hier die [[Lingener Wäschefabrik]] ("Lincron") ein.<ref>[http://neuauwiewitt.de/kluengeltuengels-auf-den-spuren-von-fluechtlingen/ Auf den Spuren von Flüchtlingen], abgerufen am 18. Mai 2021</ref> | ||
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der weitestgehenden Rückgabe der Souveränität an die Deutschen kam auch das Lager unter die Kontrolle der örtlichen Behörden. Tidofeld, damals noch Teil der Norder Nachbargemeinde Lütetsburg, kam erst 1952 zu Norden und wurde erst 1996 ein eigenständiger Stadtteil. | Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der weitestgehenden Rückgabe der Souveränität an die Deutschen kam auch das Lager unter die Kontrolle der örtlichen Behörden. Tidofeld, damals noch Teil der Norder Nachbargemeinde Lütetsburg, kam erst 1952 zu Norden und wurde erst 1996 ein eigenständiger Stadtteil. | ||