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==Geschichte==
==Geschichte==
Die Geschichte der Neuweger Schule reicht bis in das Jahr 1712 zurück. 44 Norder Privatleute (sog. Interessenten) errichteten und unterhielten diese Schule, um ihren Kindern eine - zumindest rudimentäre - Bildung zu ermöglichen. Zu jener Zeit oblag das Schulwesen noch keinesfalls dem Staat, vielmehr wurden diese hauptsächlich von Kirchen betrieben und finanziert, so etwa die [[Lutherische Klassenschule]] oder die [[Gasthausschule]]. Staatliche Schulen waren sehr selten und wenn, dann waren sie oft von der Gunst und den Zuwendungen der herrschenden Familie abhängig, so etwa im Falle des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]]. Dieser Umstand streckte sich noch bis in das 19. Jahrhundert hinein, sodass beispielsweise auch die [[alte Nadörster Schule]] oder die [[alte Osterlooger Schule]] unter der Aufsicht der Kirche stand, wenngleich sie oftmals von der Schulgemeinde unterhalten wurde.
Die Geschichte der Neuweger Schule reicht bis in das Jahr 1712 zurück. 44 Norder Privatleute (sog. Interessenten) errichteten und unterhielten diese Schule, um ihren Kindern eine - zumindest rudimentäre - Bildung zu ermöglichen. Am 4. Februar 1712 kauften die Interessenten daher das Gebäude (nach heutiger Nummerierung die Nummer 78) am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] vom Weber [[Folkert Jacobs]] und bauten es zur Schule mitsamt Dienstwohnung für den Lehrer um.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 93</ref>
 
Zu jener Zeit oblag das Schulwesen noch keinesfalls dem Staat, vielmehr wurden diese hauptsächlich von Kirchen betrieben und finanziert, so etwa die [[Lutherische Klassenschule]] oder die [[Gasthausschule]]. Staatliche Schulen waren sehr selten und wenn, dann waren sie oft von der Gunst und den Zuwendungen der herrschenden Familie abhängig, so etwa im Falle des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]]. Dieser Umstand streckte sich noch bis in das 19. Jahrhundert hinein, sodass beispielsweise auch die [[alte Nadörster Schule]] oder die [[alte Osterlooger Schule]] unter der Aufsicht der Kirche stand, wenngleich sie oftmals von der Schulgemeinde unterhalten wurde.


Bei der Neuweger Schule hingegen handelte sich um eine sogenannte Winkel- bzw. Klippschule, also eine privat betriebene, von den Behörden nicht anerkannte Schule, die eigenständig von Privatleuten unterhalten wurden.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 54</ref> Solche Schulen wurden erst im 19. Jahrhundert verboten, als man die Notwendigkeit eines staatlich organisierten, einheitlichen Schulsystems erkannte und derartige "Klippschulen" verbot. Anders als die meisten Klippschulen erfuhr die Neuweger Schule jedoch eine allgemein breite Anerkennung.<ref name=":0" />
Bei der Neuweger Schule hingegen handelte sich um eine sogenannte Winkel- bzw. Klippschule, also eine privat betriebene, von den Behörden nicht anerkannte Schule, die eigenständig von Privatleuten unterhalten wurden.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 54</ref> Solche Schulen wurden erst im 19. Jahrhundert verboten, als man die Notwendigkeit eines staatlich organisierten, einheitlichen Schulsystems erkannte und derartige "Klippschulen" verbot. Anders als die meisten Klippschulen erfuhr die Neuweger Schule jedoch eine allgemein breite Anerkennung.<ref name=":0" />


Vor der Nutzung als Schule befand sich hier die Weberei eines [[Folkert Jacobs]], wie ein Kaufvertrag aus dem Jahr 1712 belegt. In der Folgezeit entwickelte sich die Schule sehr positiv und erwarb sich einen guten Ruf. Dies mag vor allem darin begründet sein, dass die Interessenten die Lehrkräfte akribisch aussuchten. Aber auch der selbst gewählte Schulvorstand kümmerte sich vorbildlich darum, dass Schulgelder rechtzeitig eingetrieben und sinnvoll investiert wurden. Erster Schulmeister (frühere Bezeichnung für nicht-akademische Lehrkräfte) wurde [[Hinrich Janshen]], der 21 Jahre lang an der Schule unterrichtete.<ref name=":0" />
In der Folgezeit entwickelte sich die Schule sehr positiv und erwarb sich einen guten Ruf. Dies mag vor allem darin begründet sein, dass die Interessenten die Lehrkräfte akribisch aussuchten. Aber auch der selbst gewählte Schulvorstand kümmerte sich vorbildlich darum, dass Schulgelder rechtzeitig eingetrieben und sinnvoll investiert wurden. Erster Schulmeister (frühere Bezeichnung für nicht-akademische Lehrkräfte) wurde [[Hinrich Janshen]], der 21 Jahre lang an der Schule unterrichtete.<ref name=":0" />


1775 wird [[Cornelius Harmens Norman]] neuer Lehrer für die 68 Schulkinder.<ref name=":0" /> Norman war zuvor seit 1771 Lehrer an der [[Alte Itzendorfer Schule|Itzendorfer Schule]]. In seinem Antrittsjahr an der Neuweger Schule versuchte die kirchliche Schulbehörde (Consistorium) in Aurich, ein Verbot der Klippschulen auf den Weg zu bringen und die Eltern bei Strafandrohung anzuhalten, ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken.<ref name=":1">nzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 55a</ref> Dass dieses Verbot wenig fruchtete, zeigt der Fortbestand der Neuweger Schule.
1775 wird [[Cornelius Harmens Norman]] neuer Lehrer für die 68 Schulkinder.<ref name=":0" /> Norman war zuvor seit 1771 Lehrer an der [[Alte Itzendorfer Schule|Itzendorfer Schule]]. In seinem Antrittsjahr an der Neuweger Schule versuchte die kirchliche Schulbehörde (Consistorium) in Aurich, ein Verbot der Klippschulen auf den Weg zu bringen und die Eltern bei Strafandrohung anzuhalten, ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 55</ref> Dass dieses Verbot wenig fruchtete, zeigt der Fortbestand der Neuweger Schule.


1778 wurde der Schulraum um 14 Fuß (ca. 4,35 Meter) in den rückwärtigen Bereich verlängert. Zu dieser Zeit besuchten 71 Kinder die Schule. Unter Lehrer [[Claas Alpts Peters]] stieg die Schülerzahl auf 120 Kinder, eine für heutige Zeiten unvorstellbare Größe, sodass man die Einstellung eines Gehilfen erwog. 1865 stieg die Schülerzahl auf unfassbare 270 Schüler.<ref name=":0" /> Soweit feststellbar, beinhaltete die Neuweger Schule von 1850 bis 1867 auch die Höhere Töchterschule, Vorläuferin der [[Gräfin-Theda-Schule]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 103</ref>
1778 wurde der Schulraum um 14 Fuß (ca. 4,35 Meter) in den rückwärtigen Bereich verlängert. Zu dieser Zeit besuchten 71 Kinder die Schule. Unter Lehrer [[Claas Alpts Peters]] stieg die Schülerzahl auf 120 Kinder, eine für heutige Zeiten unvorstellbare Größe, sodass man die Einstellung eines Gehilfen erwog. 1865 stieg die Schülerzahl auf unfassbare 270 Schüler.<ref name=":0" /> Soweit feststellbar, beinhaltete die Neuweger Schule von 1850 bis 1867 auch die Höhere Töchterschule, Vorläuferin der [[Gräfin-Theda-Schule]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 103</ref>
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== Einzelnachweise ==
<references />
==Literatur==
==Literatur==
*Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 54-56
*Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 54-56