Vossenhus: Unterschied zwischen den Versionen
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Der Bau des Gebäudes kann nicht mehr eindeutig datiert werden, ist aber im frühen 16. Jahrhundert zu suchen. Zunächst bestand nur der linke (nördliche) Teil. Es handelte sich um ein für Ostfriesland typisches Steinhaus, das giebelständig zum [[Marktplatz]] errichtet wurde, ähnlich beispielsweise des [[Engenahof|Engenahofs]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 163ff.</ref> Der Steinbau ist durch die weiße Fassade an der dem Markt zugewandten Seite nicht mehr zu erkennen, an den Seiten hingegen schon. Diese Fassade ist das Ergebnis einer 1796 durchgeführten Umgestaltung, in dessen Rahmen auch die Sandsteinplatte mit dem den Namen versinnbildlichenden Fuchs in das Mauerwerk eingelassen wurde.<ref name=":0" /> | Der Bau des Gebäudes kann nicht mehr eindeutig datiert werden, ist aber im frühen 16. Jahrhundert zu suchen. Zunächst bestand nur der linke (nördliche) Teil. Es handelte sich um ein für Ostfriesland typisches Steinhaus, das giebelständig zum [[Marktplatz]] errichtet wurde, ähnlich beispielsweise des [[Engenahof|Engenahofs]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 163ff.</ref> Der Steinbau ist durch die weiße Fassade an der dem Markt zugewandten Seite nicht mehr zu erkennen, an den Seiten hingegen schon. Diese Fassade ist das Ergebnis einer 1796 durchgeführten Umgestaltung, in dessen Rahmen auch die Sandsteinplatte mit dem den Namen versinnbildlichenden Fuchs in das Mauerwerk eingelassen wurde.<ref name=":0" /> | ||
Als ältester Besitzer des Gebäudes ist der Drost [[Ulrich Harringa]] für das Jahr 1606 urkundlich nachweisbar, dem u.a. auch der [[Hof Selden Rüst]] in [[Westgaste]] zugerechnet wird.<ref name=":1">[ | Als ältester Besitzer des Gebäudes ist der Drost [[Ulrich Harringa]] für das Jahr 1606 urkundlich nachweisbar, dem u.a. auch der [[Hof Selden Rüst]] in [[Westgaste]] zugerechnet wird.<ref name=":1">[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8800.1&object=tx%7C3170.8800.1 Das Vossenhus in Norden], abgerufen am 4. Mai 2021</ref> Dieser hat das Gebäude jedoch offenbar bereits 1605 an seinen Schwager, den Norder Bürgermeister [[Otto Loringa]], überlassen. Auch wird ein [[Heye Beners]] als Besitzer in diesem Zeitraum genannt.<ref name=":0" /> Die genauen Besitzverhältnisse bleiben daher unklar. | ||
Im Jahre 1616 | Im Jahre 1616 stand das Haus laut einer Steuerliste Eigentum im [[Jobst Warner Conring]]. Jobst war der erste einer langen Reihe von Landrentmeistern (oberster Finanzverwalter) der Ostfriesischen Stände und ein Vetter des [[Hermann Conring]]. Wie das Haus in seinen Besitz gelangte, ist unbekannt. Er veräußerte es bereits 1632 wieder an einen unbekannten Käufer.<ref name=":1" /> | ||
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelangt das Gebäude in den Besitz des [[Reiner Christoph Voss]]. Nach dessen Tode erbte sein Sohn [[Johann Christoph Voss]] den Besitz und ließ das Haus samt Garten, Scheune und Packraum anno 1770 auf seinen Namen eintragen. Seine Witwe erweiterte den Besitz 1784, was von einem wirtschaftlichen Wohlergehen der Kaufmanns- und Weinhändlerfamilie zeugt. Ihr Sohn, der Weinhändler [[Lambert Voss]], richtete 1781 in dem damaligen Giebelhaus einen Gasthof ein. Badegäste auf der Weiterreise nach Norderney konnten von nun an im Vossenhus übernachteten.<ref name=":1" /> Lambert ließ auch die Sandsteintafel mit dem Fuchs (niederdeutsch: Voss) an dem Gebäude anbringen.<ref name=":0" /> 1816 wurde den Heimkehrern des Ostfriesischen Landwehrregiments hier nach dem Sieg über Napoleon bei der Schlacht von Waterloo von Bürgermeister [[Peter Conerus]] die sogenannte "Ligny-Fahne", benannt nach der Schlacht bei Ligny (Belgien) sowie einen symbolischen Lorbeerenkranz für ihren Sieg überreicht. Die Inschrift lautete: "Ligny-Waterloo. Den tapferen Söhnen des Vaterlandes zum herzlichen Willkommen".<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 58</ref> | |||
Im Jahre 1870 verkaufte die Familie das Anwesen an den Konditormeister [[Thomas Jodokus Heddinga]], | Im Jahre 1870 verkaufte die Familie Voss das Anwesen an den Konditormeister [[Thomas Jodokus Heddinga]]. Er erweiterte sein Geschäft zunächst um eine kleinere Abteilung zur Bonbon-, Schokoladen- und Marzipanherstellung. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung wurde diese Abteilung bald erheblich ausgebaut. Unter Heddingas Sohn und dessen Onkel erreichte das Unternehmen seine Blütezeit. In der Saison, zu Weihnachten und zu Ostern, arbeiten hier rund 130 Männer, Frauen und Kinder. Die Erzeugnisse waren nicht nur in Norden, sondern auch in Ostfriesland und darüber hinaus bekannt. Das Unternehmen existierte bis 1934.<ref name=":1" /> | ||
Anschließend war das Gebäude bis 1972 Sitz der Landhandelsfirma Mennenga & Poppinga, heute bekannt als "Kiebitzmarkt" mit Sitz [[Am Norder Tief]] 25. Danach war das Gebäude derart heruntergekommen, dass im Jahre 1974 der Abriss drohte ([[Altstadtsanierung]]). Nur der Initiative engagierter Bürger ist es zu verdanken, dass das Haus gerettet werden konnte. Sie führten wichtige Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes durch. Die Stadt Norden ließ es schließlich von 1980 bis Dezember 1982 durch das Architekturbüro "von Oppeln" aus dem benachbarten Berum zur Stadtbibliothek umbauen, die dort seit 1983 ihren Sitz hat.<ref name=":0" /> | |||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||