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26506 Norden
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Das '''Vossenhus''' gehört zu den historisch wertvollsten Gebäuden in Norden, das nur [[Altstadtsanierung|knapp dem Abriss]] entkam. Bekannt ist das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude heute vor allem durch die hier seit 1983 ansässige Stadtbibliothek. Sein Namen bedeutet im Niederdeutschen "Fuchshaus"; ein Fuchs auf einer Sandsteinplatte ziert das Mauerwerk etwa mittig der zum Markt gewandten Seite.
Das '''Vossenhus''' wurde im 16. Jahrhundert erbaut und zunächst als Wohnhaus benutzt. Später wurde es als Gasthof, als Süßwarenfabrik und als Landhandel benutzt. Bekannt ist das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude heute vor allem durch die hier seit 1983 ansässige Stadtbibliothek. Sein Namen bedeutet im Niederdeutschen "Fuchshaus"; ein Fuchs auf einer Sandsteinplatte ziert das Mauerwerk etwa mittig der zum Markt gewandten Seite.


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==Geschichte==
==Geschichte==
Der Bau des Gebäudes kann nicht mehr eindeutig datiert werden, ist aber im frühen 16. Jahrhundert zu suchen. Zunächst bestand nur der linke (nördliche) Teil. Es handelte sich um ein für Ostfriesland typisches Steinhaus, das giebelständig zum [[Marktplatz]] errichtet wurde.<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 163ff.</ref> Der Steinbau ist durch die weiße Fassade an der dem Markt zugewandten Seite nicht mehr zu erkennen, an den Seiten hingegen schon. Diese Fassade ist das Ergebnis einer 1796 durchgeführten Umgestaltung, in dessen Rahmen auch die Sandsteinplatte mit dem namensgebenden Fuchs in das Mauerwerk eingelassen wurde.<ref name=":0" />
Der Bau des Gebäudes kann nicht mehr eindeutig datiert werden, ist aber im frühen 16. Jahrhundert zu suchen. Zunächst bestand nur der linke (nördliche) Teil. Es handelte sich um ein für Ostfriesland typisches Steinhaus, das giebelständig zum [[Marktplatz]] errichtet wurde, ähnlich beispielsweise des [[Engenahof|Engenahofs]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 163ff.</ref> Der Steinbau ist durch die weiße Fassade an der dem Markt zugewandten Seite nicht mehr zu erkennen, an den Seiten hingegen schon. Diese Fassade ist das Ergebnis einer 1796 durchgeführten Umgestaltung, in dessen Rahmen auch die Sandsteinplatte mit dem den Namen versinnbildlichenden Fuchs in das Mauerwerk eingelassen wurde.<ref name=":0" />


Als ältester Besitzer des Gebäudes ist der Drost [[Ulrich Harringa]] für das Jahr 1605 nachweisbar, dem u.a. auch der [[Hof Selden Rüst]] in [[Westgaste]] zugerechnet wird.<ref>[https://web.archive.org/web/20140726043014/https://www.norden.de/index.phtml?La=1&sNavID=549.87&mNavID=549.45&object=tx%7C512.2825.1&kat=&kuo=1&sub=0 Das Vossenhus in Norden], abgerufen am 4. Mai 2021</ref>
Als ältester Besitzer des Gebäudes ist der Drost [[Ulrich Harringa]] für das Jahr 1606 urkundlich nachweisbar, dem u.a. auch der [[Hof Selden Rüst]] in [[Westgaste]] zugerechnet wird.<ref name=":1">[https://web.archive.org/web/20140726043014/https://www.norden.de/index.phtml?La=1&sNavID=549.87&mNavID=549.45&object=tx%7C512.2825.1&kat=&kuo=1&sub=0 Das Vossenhus in Norden], abgerufen am 4. Mai 2021</ref> Dieser hat das Gebäude jedoch offenbar bereits 1605 an seinen Schwager, den Norder Bürgermeister [[Otto Loringa]], überlassen. Auch wird ein [[Heye Beners]] als Besitzer in diesem Zeitraum genannt.<ref name=":0" /> Die genauen Besitzverhältnisse bleiben daher unklar.


1816 wurden die Heimkehrer des Ostfriesischen Landwehrregiments nach dem Sieg über Napoleon bei der Schlacht von Waterloo von Bürgermeister [[Peter Conerus]] die sogenannte "Ligny-Fahne", benannt nach der Schlacht bei Ligny (Belgien) sowie einen symbolischen Lorbeerenkranz für ihren Sieg überreicht. Die Inschrift lautete: "Ligny-Waterloo. Den tapferen Söhnen des Vaterlandes zum herzlichen Willkommen".<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 58</ref>
Im Jahre 1616 war das Haus laut einer Steuerliste Eigentum von [[Jobst Warner Conring]]. Jobst war der erste einer langen Reihe von Landrentmeistern (oberster Finanzverwalter) der Ostfriesischen Stände und ein Vetter des [[Hermann Conring]]. Wie das Haus in seinen Besitz gelangte, ist unbekannt. Er veräußerte es bereits 1632 wieder an einen unbekannten Käufer.<ref name=":1" />


Das inzwischen stark baufällige Gebäude entging zu Beginn der 1970er Jahre im Zuge der [[Altstadtsanierung]], der viele historisch bedeutsame Gebäude, sogar ganze Straßenzüge, in Norden zum Opfer gefallen sind, nur knapp dem Abriss. Stattdessen wurde es 1982 geradezu vorbildlich restauriert. Ein Jahr später zog hier die Stadtbibliothek ein, die hier bis heute ihren Sitz hat.<ref name=":0" />
Im frühen 18. Jahrhundert erwarb die Weinhändlerfamilie Voss, von der das Haus seinen Namen hat, das Haus. Ein Spross der Familie, [[Lambert Voss]], richtete dort im Jahre 1781 einen vermutlich bis 1871 bestehenden Gasthof ein. Lambert ließ auch die Sandsteintafel mit dem Fuchs (niederdeutsch: Voss) an dem Gebäude anbringen.<ref name=":0" /> 1816 wurde den Heimkehrern des Ostfriesischen Landwehrregiments hier nach dem Sieg über Napoleon bei der Schlacht von Waterloo von Bürgermeister [[Peter Conerus]] die sogenannte "Ligny-Fahne", benannt nach der Schlacht bei Ligny (Belgien) sowie einen symbolischen Lorbeerenkranz für ihren Sieg überreicht. Die Inschrift lautete: "Ligny-Waterloo. Den tapferen Söhnen des Vaterlandes zum herzlichen Willkommen".<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 58</ref>
 
Im Jahre 1870 verkaufte die Familie das Anwesen an den Konditormeister [[Thomas Jodokus Heddinga]], dessen Familie dort bis 1934 eine Schokoladen-, Marzipan- und Bonbon-Fabrik betrieb. Anschließend war das Gebäude bis 1972 Sitz der Landhandelsfirma Mennenga & Poppinga, heute bekannt als "Kiebitzmarkt" mit Sitz [[Am Norder Tief]] 25. Danach war das Gebäude derart heruntergekommen, dass im Jahre 1974 der Abriss drohte ([[Altstadtsanierung]]). Nur der Initiative einiger Freiwilliger ist es zu verdanken, dass das Haus gerettet werden konnte. Sie führten wichtige Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes durch. Die Stadt Norden ließ es schließlich von 1980 bis Dezember 1982 durch ein Architekturbüro aus dem benachbarten Berum zur Stadtbibliothek umbauen, die dort seit 1983 ihren Sitz hat.<ref name=":0" />


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Das Gebäude ist ca. 7,20 Meter breit und rund 18,00 Meter lang. Als Ziegelsteine kamen sogenannte Klostersteine zum Einsatz. So nennt man großformatigen Backsteine, weil die Klöster der Zisterzienser zum Beispiel in Bad Doberan oder der Prämonstratenser in Jerichow bei der Einführung und Verbreitung der Backsteintechnik eine führende Rolle spielten.<ref>[https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2009/3/backstein-ist-nicht-gleich-backstein.php Backstein ist nicht gleich Backstein], abgerufen am 4. Mai 2021</ref>
Das Gebäude ist ca. 7,20 Meter breit und rund 18,00 Meter lang. Als Ziegelsteine kamen sogenannte Klostersteine zum Einsatz.<ref name=":0" /> Ihren Namen hat dieser Steintypus erhalten, weil u.a. die Klöster der Zisterzienser bei der Einführung und Verbreitung der Backsteintechnik eine führende Rolle spielten.<ref>[https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2009/3/backstein-ist-nicht-gleich-backstein.php Backstein ist nicht gleich Backstein], abgerufen am 4. Mai 2021</ref>
 
Das Mauerwerk weist ein breites Farbenspektrum auf. Neben schwarzen, die zur Erbauungszeit vermauert wurde, finden sich noch etliche in den Farben Ocker und Grün, glasierte Backsteine. Die Steine wurden mit Lehm gemauert und mit Muschelkalk verfugt. Deckenbalken und Dielen sind aus Eichenholz. Das Walmdach wird von einem für die Bauzeit typischen, liegenden Dachstuhl getragen, der ebenfalls aus Eichenholz besteht. Er ist bis heute im Originalzustand erhalten.<ref name=":0" />
 
Auf der marktzugewandten Seite befindet sich im linken mittleren Bereich zwischen zwei Fenstern eine Sandstein-Tafel, auf der das Relief eines von Reben umrankten Fuchses zu sehen ist. Darunter stehen die Worte "Gasthoff im Weinberge von Voss".<ref name=":1" />
 
Die Fenster an der Süd- und Nordseite sind halbachsig. Sie verfügten einst im unteren Bereich über verschließbare Holzluken, während der obere Teil bleiverglast war. Eine ähnliche Konstruktion findet sich im benachbarten und in der gleichen Zeit erbauten [[Haus Vienna]]. An der Traufseite blieb eine Dachluke mit einer Winde erhalten, mittels der einst Lasten auf den Dachboden befördert wurden.<ref name=":0" />


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==