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Anfang Oktober 1939 übernahm die Oberpostdirektion Oldenburg die Einrichtungen in Osterloog und unterstellte sie formell der ihr unterstellten Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]]. Unter der Bezeichnung "Studioanlage der Versuchssendeanlage N" ("N" vermutlich für Norddeich) begannen am 5. Oktober erste Probesendungen. Es kann als sicher angenommen werden, dass die Anlage in Osterloog von Beginn an im Rahmen der deutschen Kriegsvorbereitungen errichtet wurde. Allerdings wurde damals und später auch behauptet, dass der Sender ursprünglich Werbesendungen eines in Großbritannien ansässigen deutschen Unternehmens nach England ausstrahlen sollte. Es liegt nahe, dass diese Behauptung ebenso ein Täuschungsmanover war wie der Sendestart an sich, der am 24. November 1939 offiziell erfolgte.<ref name=":0" />
Anfang Oktober 1939 übernahm die Oberpostdirektion Oldenburg die Einrichtungen in Osterloog und unterstellte sie formell der ihr unterstellten Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]]. Unter der Bezeichnung "Studioanlage der Versuchssendeanlage N" ("N" vermutlich für Norddeich) begannen am 5. Oktober erste Probesendungen. Es kann als sicher angenommen werden, dass die Anlage in Osterloog von Beginn an im Rahmen der deutschen Kriegsvorbereitungen errichtet wurde. Allerdings wurde damals und später auch behauptet, dass der Sender ursprünglich Werbesendungen eines in Großbritannien ansässigen deutschen Unternehmens nach England ausstrahlen sollte. Es liegt nahe, dass diese Behauptung ebenso ein Täuschungsmanover war wie der Sendestart an sich, der am 24. November 1939 offiziell erfolgte.<ref name=":0" />


Der Sender hatte eine Trägerleistung von 100 Kilowatt. Die gebündelte Energie wurde in eine Richtantennenanlage eingespeist, die auf Mittelengland ausgerichtet war und nach Zeitzeugenberichten in einer Stärke von 900 Kilowatt dort ankam. Später wurde die Anlage mit Rundstrahlung betrieben. Zu Beginn bestand die Antennenanlage aus zwei über Koaxialkabel gespeiste Masten von jeweils 150 Metern Höhe sowie aus vier je 120 Meter hohen sogenannten Reflektoren und Direktoren. Die Sendeeinrichtung war für den Mittelwellenbereich von 400 bis 1060 Kilohertz ausgelegt. Um Stromausfälle zu kompensieren, verfügte die Anlage zudem über einen Dieselmotor mit Stromgenerator (960 PS Schiffsdieselaggregat und 750 kVA Generator). Im Normalbetrieb wurde die Anlage über das allgemeine Stromnetz gespeist und verfügte dafür über eine eigene Umspannstation. Da der Sender von militärischer Wichtigkeit war, wurde er entsprechend geschützt. Im Umkreis der Anlage wurden mehrere Flakstellungen (Flugabwehrkanonen) errichtet.<ref name=":0" /> Bereits am 3. Oktober 1939 wurde die Besatzung der Flakstellungen im Umland, u.a. in der [[Osterlooger Schule]], einquartiert. Das Gesamtpersonal der Flakbatterie wird mit 140 Mann angegeben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 65</ref>
Der Sender hatte eine Trägerleistung von 100 Kilowatt. Die gebündelte Energie wurde in eine Richtantennenanlage eingespeist, die auf Mittelengland ausgerichtet war und nach Zeitzeugenberichten in einer Stärke von 900 Kilowatt dort ankam. Später wurde die Anlage mit Rundstrahlung betrieben. Zu Beginn bestand die Antennenanlage aus zwei über Koaxialkabel gespeiste Masten von jeweils 150 Metern Höhe sowie aus vier je 120 Meter hohen sogenannten Reflektoren und Direktoren. Die Sendeeinrichtung war für den Mittelwellenbereich von 400 bis 1060 Kilohertz ausgelegt. Um Stromausfälle zu kompensieren, verfügte die Anlage zudem über einen Dieselmotor mit Stromgenerator (960 PS Schiffsdieselaggregat und 750 kVA Generator). Im Normalbetrieb wurde die Anlage über das allgemeine Stromnetz gespeist und verfügte dafür über eine eigene Umspannstation. Da der Sender von militärischer Wichtigkeit war, wurde er entsprechend geschützt. Im Umkreis der Anlage wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] (Flugabwehrkanonen) errichtet.<ref name=":0" /> Bereits am 3. Oktober 1939 wurde die Besatzung dieser Stellungen im Umland, u.a. in der [[Osterlooger Schule]], einquartiert. Das Gesamtpersonal der Flakbatterie wird mit 140 Mann angegeben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 65</ref>


Über Art und Inhalt der ausgestrahlten Programme enthalten die vorhandenen, sehr verstreuten Quellen leider einige widersprüchliche Angaben. In einigen ist von "deutschen Sendungen für ganz Nordwesteuropa", in anderen von "deutschsprachigen", aber auch von "ausschließlich fremdsprachigen" Propagandasendungen die Rede. Gesichert ist, dass der Sender Osterloog seit Herbst 1939 das deutschsprachige Programm des Reichssenders Hamburg (ab 1940 das Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender) ausstrahlte.<ref name=":0" /> Das Programm trug auch den Namen "Germany Calling".<ref name=":1" /> Von Anfang an war das Programm jedoch ins englische übersetzt und mit Propagandabeiträgen versehen, die an den Kriegsgegner gerichtet waren. Die Sender Hamburg und Köln hatten diese bereits im März in ihr Programm aufgenommen. Es handelte sich vorwiegend um Nachrichten und Kommentarsendungen, die in Berlin produziert und nach Osterloog übermittelt wurden.<ref name=":0" />
Über Art und Inhalt der ausgestrahlten Programme enthalten die vorhandenen, sehr verstreuten Quellen leider einige widersprüchliche Angaben. In einigen ist von "deutschen Sendungen für ganz Nordwesteuropa", in anderen von "deutschsprachigen", aber auch von "ausschließlich fremdsprachigen" Propagandasendungen die Rede. Gesichert ist, dass der Sender Osterloog seit Herbst 1939 das deutschsprachige Programm des Reichssenders Hamburg (ab 1940 das Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender) ausstrahlte.<ref name=":0" /> Das Programm trug auch den Namen "Germany Calling".<ref name=":1" /> Von Anfang an war das Programm jedoch ins englische übersetzt und mit Propagandabeiträgen versehen, die an den Kriegsgegner gerichtet waren. Die Sender Hamburg und Köln hatten diese bereits im März in ihr Programm aufgenommen. Es handelte sich vorwiegend um Nachrichten und Kommentarsendungen, die in Berlin produziert und nach Osterloog übermittelt wurden.<ref name=":0" />