Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 4: Zeile 4:
Der Sohn des in Emden tätigen Mennonitenpredigers [[Laurenz van Hülst]] und dessen aus Norden stammender Ehefrau [[Peta van Hülst]], geb. Cremer, kam in der Seehafenstadt als eines von neun Kindern zur Welt. Nach Beendigung der Dienstzeit seines Vaters als Prediger zog die Familie nach Norden und damit in die Nähe der Eltern mütterlicherseits. Dort vermacht sein Großvater [[Sicco Doden Cremer]] der Familie eine Immobilie ([[Am Markt]] 15), die Laurenz 1855 abbricht und hier ein neues Gebäude errichtet. In diesem Bau befindet sich seit Herbst 1883 das [[Rathaus]] der Stadt Norden. In dieser ansehnlichen Stadtvilla verbrachte Sicco Theodor seine Jugendjahre. Nachdem dieser das Markthaus nach dem Tode seiner Mutter geerbt hatte, verkaufte er es 1884 für 50 000 Mark an die Stadt Norden, die das Gebäude seitdem als Rathaus nutzt.
Der Sohn des in Emden tätigen Mennonitenpredigers [[Laurenz van Hülst]] und dessen aus Norden stammender Ehefrau [[Peta van Hülst]], geb. Cremer, kam in der Seehafenstadt als eines von neun Kindern zur Welt. Nach Beendigung der Dienstzeit seines Vaters als Prediger zog die Familie nach Norden und damit in die Nähe der Eltern mütterlicherseits. Dort vermacht sein Großvater [[Sicco Doden Cremer]] der Familie eine Immobilie ([[Am Markt]] 15), die Laurenz 1855 abbricht und hier ein neues Gebäude errichtet. In diesem Bau befindet sich seit Herbst 1883 das [[Rathaus]] der Stadt Norden. In dieser ansehnlichen Stadtvilla verbrachte Sicco Theodor seine Jugendjahre. Nachdem dieser das Markthaus nach dem Tode seiner Mutter geerbt hatte, verkaufte er es 1884 für 50 000 Mark an die Stadt Norden, die das Gebäude seitdem als Rathaus nutzt.


Als junger Mann besuchte Sicco Theodor das [[Ulrichsgymnasium]] und wandte sich danach der Landwirtschaft zu. Die Stationen seiner Ausbildung auf diesem Gebiet waren ab 1865 die Ackerbauschule in Neuenburg, 1867/68 die Polytechnische Schule in Hannover und 1869/70 die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Berlin. Es folgten Bildungsreisen durch Belgien, Holland, Dänemark und Schweden. Am 16. Mai 1871 heiratete er die Gutsbesitzertochter Indina Johanna Hermann Rieken aus [[Süder-Charlottenpolder|Kleinsüder-Charlottenpolder]]. Aus der Ehe ging 1872 der Sohn Laurens Theodor hervor, der jedoch nur zwei Tage lebte.
Als junger Mann besuchte Sicco Theodor das [[Ulrichsgymnasium]] und wandte sich danach der Landwirtschaft zu. Die Stationen seiner Ausbildung auf diesem Gebiet waren ab 1865 die Ackerbauschule in Neuenburg, 1867/68 die Polytechnische Schule in Hannover und 1869/70 die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Berlin. Es folgten Bildungsreisen durch Belgien, Holland, Dänemark und Schweden. Am 16. Mai 1871 heiratete er die Gutsbesitzertochter Indina Johanna Hermann Rieken aus [[Süder-Charlottenpolder|Klein Süder-Charlottenpolder]]. Aus der Ehe ging 1872 der Sohn Laurens Theodor hervor, der jedoch nur zwei Tage lebte.


Im Jahr der Eheschließung übernahm van Hülst die Bewirtschaftung des aus dem Cremerschen Besitz stammenden [[Gut Lintel|Gutes Lintel]] in der Norder Nachbargemeinde [[Sandbauerschaft]] (ab 1919 mit der Stadt vereint). Im Ersten Weltkrieg zog sich das kinderlose Paar wieder in den Stadtkern zurück. In seinen besten Jahren gelangte van Hülst zu hohem Ansehen, obwohl er auch Rückschläge und Kritik hinnehmen mußte. Er war Vorsitzender des [[Verein zur Veredlung der Pferde- und Viehzucht|Vereins zur Veredlung der Pferde- und Viehzucht]], Vorstandsmitglied des örtlichen [[Verein für freiwillige Armenpflege|Vereins für freiwillige Armenpflege]], Vizepräsident des [[Landwirtschaftlicher Verein Norden-Berum|Landwirtschaftlichen Vereins Norden-Berum]] sowie [[Deichrichter|Deich-]] und [[Sielrichter]].
Im Jahr der Eheschließung übernahm van Hülst die Bewirtschaftung des aus dem Cremerschen Besitz stammenden [[Gut Lintel|Gutes Lintel]] in der Norder Nachbargemeinde [[Sandbauerschaft]] (ab 1919 mit der Stadt vereint). Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] zog sich das kinderlose Paar wieder in den Stadtkern zurück, wahrscheinlich an die [[Doornkaatlohne 14]]. In seinen besten Jahren gelangte van Hülst zu hohem Ansehen, obwohl er auch Rückschläge und Kritik hinnehmen musste. Er war Vorsitzender des [[Verein zur Veredlung der Pferde- und Viehzucht|Vereins zur Veredlung der Pferde- und Viehzucht]], Vorstandsmitglied des örtlichen [[Verein für freiwillige Armenpflege|Vereins für freiwillige Armenpflege]], Vizepräsident des [[Landwirtschaftlicher Verein Norden-Berum|Landwirtschaftlichen Vereins Norden-Berum]] sowie [[Deichrichter|Deich-]] und [[Sielrichter]].


Herausragend war von 1881 bis 1914 seine Position als Direktor, vorher Vizedirektor, der [[Norder Fehngesellschaft]]. Unter seiner Regie entstand 1894 im Berumerfehner Wald das große Denkmal mit den Namen der bis dahin tätigen Direktoren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Amtszeit von van Hülst jedoch unter keinem günstigen Stern. Die in den Geschäftsberichten der Fehngesellschaft immer wieder genannte Nässe des Bodens aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse beeinträchtigten die Torfgewinnung und die Erträge erheblich. Obwohl es vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges damit wieder aufwärts ging, belastete eine hohe Verschuldung die wirtschaftliche Lage auch weiterhin. Die Gesellschaft musste nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Ablösung der staatlichen Erbpacht auf sich nehmen, sondern beteiligte sich mit hohen finanziellen Aufwendungen auch am Chausseebau und an der Unterhaltung der Wege, Brücken und Schleusen in Berumerfehn. Manche Interessenten lasteten die Negativ-Bilanz ihrem Direktor an.
Herausragend war von 1881 bis 1914 seine Position als Direktor, vorher Vizedirektor, der [[Norder Fehngesellschaft]]. Unter seiner Regie entstand 1894 im Berumerfehner Wald das große Denkmal mit den Namen der bis dahin tätigen Direktoren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Amtszeit von van Hülst jedoch unter keinem günstigen Stern. Die in den Geschäftsberichten der Fehngesellschaft immer wieder genannte Nässe des Bodens aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse beeinträchtigten die Torfgewinnung und die Erträge erheblich. Obwohl es vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges damit wieder aufwärts ging, belastete eine hohe Verschuldung die wirtschaftliche Lage auch weiterhin. Die Gesellschaft musste nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Ablösung der staatlichen Erbpacht auf sich nehmen, sondern beteiligte sich mit hohen finanziellen Aufwendungen auch am Chausseebau und an der Unterhaltung der Wege, Brücken und Schleusen in Berumerfehn. Manche Interessenten lasteten die Negativ-Bilanz ihrem Direktor an.
Zeile 17: Zeile 17:
==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Rathaus|Neues Rathaus]]
*[[Rathaus|Neues Rathaus]]
*[[Doornkaatlohne 14]]


[[Kategorie:Bürger der Stadt Norden]]
[[Kategorie:Bürger der Stadt Norden]]