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Im Jahr 1531 verwüstete ein Heerhaufen des Häuptlings [[Balthasar von Esens]] die unbefestigte Stadt. Seine Truppen zerstörten unter anderem den Vorgängerbau des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]], die beiden Klöster und die [[Andreaskirche]]. Balthasar galt als unbeherrschter, streitsüchtiger Zeitgenosse, der seine Männer sogar nach seinem Abzug erneut in die brennende Andreaskirche schickte, da der Turm noch nicht in Brand geraten war. Sie starben dort den Feuertod. Anhand seiner Zerstörungen wird ersichtlich, dass Balthasar es nur auf die Stadt und die Cirksenas abgesehen hatte, da er beispielsweise die [[Ludgerikirche]], die Kirche der Norder Umlandgemeinden, unbeschadetet ließ. Nach dem Wiederaufbau Nordens gab [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] dem Ort mit den [[Instituta Nordana]] eine Stadtordnung (1535), die aufgrund der historischen Bedeutung des Wortes auch "Polizeiordnung" genannt wurde.
Im Jahr 1531 verwüstete ein Heerhaufen des Häuptlings [[Balthasar von Esens]] die unbefestigte Stadt. Seine Truppen zerstörten unter anderem den Vorgängerbau des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]], die beiden Klöster und die [[Andreaskirche]]. Balthasar galt als unbeherrschter, streitsüchtiger Zeitgenosse, der seine Männer sogar nach seinem Abzug erneut in die brennende Andreaskirche schickte, da der Turm noch nicht in Brand geraten war. Sie starben dort den Feuertod. Anhand seiner Zerstörungen wird ersichtlich, dass Balthasar es nur auf die Stadt und die Cirksenas abgesehen hatte, da er beispielsweise die [[Ludgerikirche]], die Kirche der Norder Umlandgemeinden, unbeschadetet ließ. Nach dem Wiederaufbau Nordens gab [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] dem Ort mit den [[Instituta Nordana]] eine Stadtordnung (1535), die aufgrund der historischen Bedeutung des Wortes auch "Polizeiordnung" genannt wurde.


1517 schlägt Martin Luther die 95 Thesen an die Tore der Schlosskirche Wittenberg, in der er die Missstände in der katholischen Kirche aufzeigt. Bereits zwei Jahre später sendet er einen Mönch namens Stephani nach Norden, um seine Lehren im [[Kloster Norden|Dominikaner-]] und im [[Kloster Marienthal|Benediktinerkloster]] zu verbreiten. Die Reformation schreitet in Norden zügig voran und findet bis in das Grafenhaus Gehör. In der Folge werden das [[Kloster Marienthal]] und das [[Kloster Norden]] säkularisiert (verweltlicht), aufgelöst und ihre Besitztümer konfisziert. Die Klosterinsassen verlassen die Stadt, schließen sich anderen Orden an oder konvertieren. Das Kloster Marienthal wird als [[Gasthaus]] für die Armenpflege genutzt, auf dem Grund des Dominikanerklosters errichtet [[Enno II. Cirksena]] seinen Stammsitz. Hier entsteht später der [[Fräuleinshof]] sowie die [[Lateinschule]] als Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]].
1517 schlägt Martin Luther die 95 Thesen an die Tore der Schlosskirche Wittenberg, in der er die Missstände in der katholischen Kirche aufzeigt. Bereits zwei Jahre später sendet er einen Mönch namens Stephani nach Norden, um seine Lehren im [[Kloster Norden|Dominikaner-]] und im [[Kloster Marienthal|Benediktinerkloster]] zu verbreiten. Die Reformation schreitet in Norden zügig voran und findet bis in das Grafenhaus Gehör. In der Folge werden beide Klöster säkularisiert (verweltlicht), aufgelöst und ihre Besitztümer konfisziert. Die Klosterinsassen verlassen die Stadt, schließen sich anderen Orden an oder konvertieren. Das Kloster Marienthal wird als [[Gasthaus]] für die Armenpflege genutzt, auf dem Grund des Dominikanerklosters errichtet [[Enno II. Cirksena]] seinen Stammsitz. Hier entsteht später der [[Fräuleinshof]] sowie die [[Lateinschule]] als Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]].


Nach dem Tode von Enno II. regiert über mehrere Zeit seine Ehefrau [[Anna von Oldenburg]] vormündig für die Söhne über die Stadt. Dieser Umstand erweist sich als förderlich, denn zweifellos kann die kluge und weitsichtige Gräfin Anna als eine der bedeutendsten Frauen in der Geschichte der Stadt Norden angesehen werden. Unter ihrer Regentschaft blüht Norden auf. Sie fördert das Schulwesen, die Armenfürsorge und beginnt die Rückgewinnung des im 14. Jahrhunderts verlorenen [[Süderneuland|Süderneulandes]]. Auch in der [[Westermarsch]] fördert sie die Eindeichung neuer bzw. verlorener Ländereien. Sie erbaut den [[Alter Süderdeich|(alten) Süderdeich]], durch den 578 Hektar fruchtbaren Landes urbargemacht werden können. Dieses Gebiet wird heute als [[Westermarscher Altes Neuland|Altes Westermarscher Neuland]] bezeichnet. An den Deich erinnert noch heute der [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]], der auf der damaligen Deichlinie verläuft.
Nach dem Tode von Enno II. regiert über mehrere Zeit seine Ehefrau [[Anna von Oldenburg]] vormündig für die Söhne über die Stadt. Dieser Umstand erweist sich als förderlich, denn zweifellos kann die kluge und weitsichtige Gräfin Anna als eine der bedeutendsten Frauen in der Geschichte der Stadt Norden angesehen werden. Unter ihrer Regentschaft blüht Norden auf. Sie fördert das Schulwesen, die Armenfürsorge und beginnt die Rückgewinnung des im 14. Jahrhunderts verlorenen [[Süderneuland|Süderneulandes]]. Auch in der [[Westermarsch]] fördert sie die Eindeichung neuer bzw. verlorener Ländereien. Sie erbaut den [[Alter Süderdeich|(alten) Süderdeich]], durch den 578 Hektar fruchtbaren Landes urbargemacht werden können. Dieses Gebiet wird heute als [[Westermarscher Altes Neuland|Altes Westermarscher Neuland]] bezeichnet. An den Deich erinnert noch heute der [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]], der auf der damaligen Deichlinie verläuft.
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1866 kommt Ostfriesland mit dem Ende eines eigenständigen hannoverschen Königreichs wieder zu Preußen zurück. Der Zugang zum offenen Meer ist jedoch mittlerweile stark verlandet und die Bedeutung des [[Norder Hafen|Norder Hafens]] dadurch vermindert, während die Bedeutung des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] ansteigt. Die Stadt ist mittlerweile nur noch über das [[Norder Tief]] mit dem Meer verbunden. Auch die Bedeutung der Stadt als Handelsort sinkt stetig, hatte jedoch weiterhin überregionale Bedeutung im Handel mit Vieh, Holz und Getreide. Durch weitere Eindeichungen wird der Zugang der Stadt zum Meer in den Folgejahren fortwährend weiter eingeschränkt. Dies mag im ersten Moment wiedersinnig klingen, aber die Verlandungen des Norder Tiefs machten eine weitere Nutzung als Wasserstraße sinnlos.
1866 kommt Ostfriesland mit dem Ende eines eigenständigen hannoverschen Königreichs wieder zu Preußen zurück. Der Zugang zum offenen Meer ist jedoch mittlerweile stark verlandet und die Bedeutung des [[Norder Hafen|Norder Hafens]] dadurch vermindert, während die Bedeutung des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] ansteigt. Die Stadt ist mittlerweile nur noch über das [[Norder Tief]] mit dem Meer verbunden. Auch die Bedeutung der Stadt als Handelsort sinkt stetig, hatte jedoch weiterhin überregionale Bedeutung im Handel mit Vieh, Holz und Getreide. Durch weitere Eindeichungen wird der Zugang der Stadt zum Meer in den Folgejahren fortwährend weiter eingeschränkt. Dies mag im ersten Moment wiedersinnig klingen, aber die Verlandungen des Norder Tiefs machten eine weitere Nutzung als Wasserstraße sinnlos.


Ein bedeutendes Ereignis war der Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz 1883. Die Strecke wurde 1892 bis zum Norddeicher Fähranleger, genannt Norddeich Mole, weitergeführt. Dadurch gewann die Stadt für den Durchgangsverkehr von Touristen nach Norderney und anderen Ostfriesischen Inseln an Bedeutung. Im Zuge der preußischen Gebietsreform des Jahres 1885 lösten in Ostfriesland die (größeren) Landkreise die vorherigen Ämter ab. Norden wurde zum Sitz des [[Landkreis Norden|gleichnamigen Landkreises]], der aus den früheren [[Amt Norden|Ämtern Norden]] und [[Amt Berum|Berum]] bestand. Bedingt durch den verheerenden Brand der [[Frisiamühle]], dessen Zeuge der damals amtierende Bürgermeister [[Johannes König]] wird, kommt es 1886 unter der Führung des [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman]] zur Gründung einer [[Feuerwehr Norden|Freiwilligen Feuerwehr]]. Im Jahr 1889 beginnt der Bau der ersten [[Mole Norddeich|Hafenmole]] in [[Norddeich]]. 1898 wird erstmals das Fernsprechnetz (Telefonnetz) nach Norden ausgebaut.
Ein bedeutendes Ereignis war der Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz 1883. Die Strecke wurde 1892 bis zum Norddeicher Fähranleger, genannt Norddeich Mole, weitergeführt. Dadurch gewann die Stadt für den Durchgangsverkehr von Touristen nach Norderney und anderen Ostfriesischen Inseln an Bedeutung.
 
1884 zieht die Stadtverwaltung in das zugekaufte [[Rathaus|Neue Rathaus]]. Im Zuge der preußischen Gebietsreform des Jahres 1885 lösten in Ostfriesland die (größeren) Landkreise die vorherigen Ämter ab. Norden wurde zum Sitz des [[Landkreis Norden|gleichnamigen Landkreises]], der aus den früheren [[Amt Norden|Ämtern Norden]] und [[Amt Berum|Berum]] bestand. Bedingt durch den verheerenden Brand der [[Frisiamühle]], dessen Zeuge der damals amtierende Bürgermeister [[Johannes König]] wird, kommt es 1886 unter der Führung des [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman]] zur Gründung einer [[Feuerwehr Norden|Freiwilligen Feuerwehr]]. Im Jahr 1889 beginnt der Bau der ersten [[Mole Norddeich|Hafenmole]] in [[Norddeich]]. 1898 wird erstmals das Fernsprechnetz (Telefonnetz) nach Norden ausgebaut.


=== 1900 bis 1949 ===
=== 1900 bis 1949 ===
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Am 1. Januar 1951 trifft der schwedische Fußballverein "Nybro Idrottsförening" in Norden ein und spielt gegen den [[FC Norden]]. Es ist das erste internationale Fußballturnier der Nachkriegszeit. Das schwedische Volk erwies sich bereits im Vorfeld als Freund der Stadt Norden; es kommt zu zahlreichen Spenden für die notleidende Stadt und ihre Bewohner. Ein Jahr später wird [[Tidofeld]], damals noch Teil der Gemeinde Lütetsburg, nach Norden eingemeindet und unmittelbarer Bestandteil der [[Norden (Stadtteil)|Kernstadt]].
Am 1. Januar 1951 trifft der schwedische Fußballverein "Nybro Idrottsförening" in Norden ein und spielt gegen den [[FC Norden]]. Es ist das erste internationale Fußballturnier der Nachkriegszeit. Das schwedische Volk erwies sich bereits im Vorfeld als Freund der Stadt Norden; es kommt zu zahlreichen Spenden für die notleidende Stadt und ihre Bewohner. Ein Jahr später wird [[Tidofeld]], damals noch Teil der Gemeinde Lütetsburg, nach Norden eingemeindet und unmittelbarer Bestandteil der [[Norden (Stadtteil)|Kernstadt]].


Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, in der mit modernen Maschinen bessere Erträge verzeichnet wurden, durch die Zuwanderung von Vertriebenen und wegen des Mangels an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten jenseits der Landwirtschaft waren die 1950er Jahre ein Jahrzehnt, das von hoher Arbeitslosigkeit geprägt war. Ab diesem Jahrzehnt erfolgte ein großzügiger Ausbau der Infrastruktur in der Stadt, begonnen 1958 mit der [[Kanalisation]] im historischen Stadtkern. Zudem wurden neue Schulen gebaut, so beispielsweise die [[Nadörster Schule]]. Erste Rufe nach einer [[Umgehungsstraße]] für die Innenstadt wurden laut, die immer stärker durch den immer massiver werden Straßenverkehr belastet wurde, der noch durch den aufblühenden Tourismus verstärkt wurde. Mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder verlassen viele Flüchtlinge und Vertriebene die Stadt auf der Suche nach (besseren) Arbeitsplätzen vor allem in Richtung des wiederaufblühenden Ruhrgebiets.
Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, in der mit modernen Maschinen bessere Erträge verzeichnet wurden, durch die Zuwanderung von Vertriebenen und wegen des Mangels an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten jenseits der Landwirtschaft waren die 1950er Jahre ein Jahrzehnt, das von hoher Arbeitslosigkeit geprägt war. Ab diesem Jahrzehnt erfolgte ein großzügiger Ausbau der Infrastruktur in der Stadt, begonnen 1958 mit der [[Kanalisation]] im historischen Stadtkern. Zudem wurden neue Schulen gebaut, so beispielsweise die [[Nadörster Schule]].
 
Schon jetzt werden Rufe nach einer [[Umgehungsstraße]] für die Innenstadt laut, die immer stärker durch den immer dichteren Straßenverkehr belastet wird, was durch den aufblühenden Tourismus noch weiter verstärkt wird. Mit dem Slogan "Das Grüne Tor zum Meer" wird schon früh für Norden als Urlaubsort geworben.
 
Mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder verlassen viele Flüchtlinge und Vertriebene die Stadt wieder auf der Suche nach (besseren) Arbeitsplätzen vor allem in Richtung des wiederaufblühenden Ruhrgebiets.


=== 1960er Jahre ===
=== 1960er Jahre ===
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Die [[COVID 19-Pandemie]] erreicht im Frühjahr 2020 auch die Stadt Norden. Ab dem Sommer wird vom Landkreis Aurich das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes im innerstädtischen Bereich und an frequentierten Bereichen im Norder Hafen verfügt.
Die [[COVID 19-Pandemie]] erreicht im Frühjahr 2020 auch die Stadt Norden. Ab dem Sommer wird vom Landkreis Aurich das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes im innerstädtischen Bereich und an frequentierten Bereichen im Norder Hafen verfügt.


==Verwaltung==
==Verwaltung und Politik==
 
=== Vergangenheit ===
*siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]]
*siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]]


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Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die [[Zweite Marcellusflut]] im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die [[Idzinga]] an die Macht, deren Hauptsitz in [[Itzendorf]] in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.
Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die [[Zweite Marcellusflut]] im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die [[Idzinga]] an die Macht, deren Hauptsitz in [[Itzendorf]] in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.


Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling [[Ulrich Cirksena]] in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland.
Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling [[Ulrich Cirksena]] in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland. Die Cirksena regierten noch bis 1744, als ihr Geschlecht im Mannesstamm erlosch und Ostfriesland an Preußen fiel.
 
Norden selbst wurde durch vom Grafen bzw. Fürsten eingesetzte Vogten und Droste verwaltet, die praktisch das Amt des Bürgermeisters stellten. Anders als heute gab es grundsätzlich zwei oder mehr Bürgermeister, die auch praktisch nur die Beschlüsse des [[Stadtrat|Stadtrates]] bzw. des Landesherren umsetzten. Die [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden]] lässt sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen.
 
=== Gegenwart ===
Am 8. Juni 1945 ernannte die britische Militärregierung [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]] zum ersten Nachkriegsbürgermeister der Stadt Norden. Anfang 1946 konstituierte sich auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste Nachkriegsstadtrat. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen "Deutschen Gemeindeordnung", die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung. Bereits im März 1946 wurde Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister abgesetzt. An seine Stelle trat [[Johann Fischer]] als zweiter Nachkriegsbürgermeister.
 
Der von der Besatzungsmacht neben dem Bürgermeister ernannte Stadtdirektor [[Georg Schubach]] musste bereits im Oktober 1947 sein Amt wieder abgeben, da er sich mit falschen Angaben um dieses Amt beworben hatte. Im Juni 1950 verurteilte ihn die Strafkammer Aurich wegen Betruges zu einer Haftstrafe. Schubachs Nachfolge trat [[Walter Klein]] an.
 
Die ersten freien Kommunalwahlen nach 1932 fanden in Ostfriesland am 15. September 1946 statt. Das Norder Wahlergebnis brachte für die SPD neun Mandate, die CDU erhielt sechs, die FDP fünf Sitze und die KPD einen Sitz im Norder Rathaus. Anfang Oktober fand in Anwesenheit des britischen Militärgouverneurs die konstituierende Ratsversammlung statt, bei der [[Johann Fischer]] ([[SPD]]) einstimmig zum Bürgermeister gewählt wurde. Im Herbst 1948 wurden im neu gegründeten Niedersachsen eine zweite Kommunalwahl durchgeführt. Zwar blieb nach diesen Wahlen die SPD stärkste Fraktion im Norder Rathaus, der von ihr gestellte Bürgermeister Fischer wurde mit den Stimmen von CDU, FDP und der neu im Rathaus vertretenen freiwirtschaftlich orientierten Radikal-Sozialen Freiheitspartei (RSF) abgewählt. An seine Stelle trat der Freidemokrat [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]]. Stellvertretender Bürgermeister wurde der RSF-Ratsherr [[Anton Nordwall]]. 1956 wurde Johann Fischer wieder ins Bürgermeisteramt berufen. Dessen Nachfolger wurde 1959 der SPD-Ratsherr [[Hinrich Donner]].
 
Von 1964 bis 1998, also mehr als drei Jahrzehnte, war Norden eine Hochburg der SPD. Die Sozialdemokraten erhielten bei Kommunalwahlen meistens die absolute Mehrheit der Stimmen, bei der Kommunalwahl 1972 waren es 60 Prozent der Stimmen. Die Sozialdemokraten stellten auch den Bürgermeister. Mehrere Norder SPD-Politiker vertraten den Wahlkreis Aurich/Emden im Bundestag und den Wahlkreis Norden im Niedersächsischen Landtag, so etwa [[Walter Theuerkauf]].
Auf kommunaler Ebene ist die SPD zwar nach wie vor stärkste Kraft, hatte jedoch bereits bei der Wahl 1998 ihre absolute Mehrheit eingebüßt und stellte auch nicht mehr den Bürgermeister. Ein Bündnis aus [[CDU]], [[FDP]] und der freien Wählergemeinschaft [[ZoB Norden|ZoB]] löste im Stadtrat die SPD als dominierende Kraft ab. Dies wiederholte sich bei den Kommunalwahlen 2001, 2006 und 2011. Hintergrund waren "Turbulenzen" nach der turnusgemäßen Kommunalwahl 1996. Drei SPD-Kandidaten wurden beschuldigt, durch Manipulationen höhere Ergebnisse erzielt zu haben. Das Verwaltungsgericht Oldenburg wurde bemüht und kam zu dem Urteil, dass die Wahl wiederholt werden müsse. Dies geschah am 8. November 1998; die SPD verlor dabei ihre absolute Mehrheit.
 
Bei Landtags- und Bundestagswahlen galten die Wahlkreise, in denen die Stadt Norden liegt, ebenfalls lange als Hochburgen der SPD. So erreichte sie bei der Bundestagswahl 2005 im Wahlkreis Aurich/Emden mit 55,9 Prozent der Zweitstimmen noch das beste Ergebnis dieser Partei in Deutschland. Bei der Bundestagswahl 2009 allerdings mussten die Sozialdemokraten deutliche Verluste hinnehmen und rutschten erstmals seit Jahrzehnten unter die 40-Prozent-Marke.
 
Bei der Wahl zum niedersächsischen Landtag 2008 erreichte die SPD mit 41,8 Prozent der Zweitstimmen zwar das beste Ergebnis unter allen niedersächsischen Wahlkreisen, blieb aber ebenfalls klar hinter den Ergebnissen vergangener Landtagswahlen zurück, die oft bei mehr als 50 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen lagen. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 konnte sich die SPD auf 46,4 Prozent verbessern.
 
Die Wählergemeinschaft ZoB (Zukunftsorientierte Bürger), 1995 gegründet, ist inzwischen zweitstärkste Fraktion im Norder Rat. Ihre Mitglieder sind nicht allein vorher parteilose Bürger, sondern auch mehrere ehemalige SPD-Politiker, die ihrer Partei aus Unzufriedenheit den Rücken kehrten. Mit [[Barbara Schlag]] stellte die Partei von 1998 bis 2016 das Amt des Bürgermeisters. Von 1998 bis 2001 bekleidete sie das Amt ehrenamtlich, danach hauptamtlich. Dies war Folge einer Neuerung der Niedersächsische Gemeindeordnung im Jahre 1996, wonach das Amt des Oberstadtdirektors abgeschafft wurde, der bis dahin die Verwaltung leitete, während der Bürgermeister hauptsächlich repräsentative Aufgaben wahrnahm. Da jedoch alle noch amtierenden Oberstadtdirektoren bis zum Ende ihrer Dienstzeit im Amt bleiben durften, wurde sie erst 2001 hauptamtliche Bürgermeisterin. Barbara Schlag war damit nicht nur die erste hauptamtliche Bürgermeisterin von Norden, sondern auch die erste Frau überhaupt in diesem Amt.
 
Seit dem 1. November 2016 ist [[Heiko Schmelzle]] ([[CDU]]) hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Norden. Er löste Barbara Schlag ab, die seit der Kommunalwahl 1998 ehrenamtliche und seit 2001 hauptamtliche Bürgermeisterin war und als erste Frau in der Norder Stadtgeschichte dieses Amt wahrnahm


==Bildung==
==Bildung==
* siehe auch: [[Liste der Schulen im Stadtgebiet]]
Die genauen Anfänge des Norder Schulwesens lassen sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Sicher ist, dass es bereits Klosterschulen im [[Kloster Marienthal]] und im [[Kloster Norden]] gab, deren Mönche als strenge, aber gute Lehrer galten. Spätestens seit Anfang des 16. Jahrhunderts ist schließlich eine (private) [[Lateinschule]] im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] nachweisbar, aus der später das [[Ulrichsgymnasium]] erwuchs. Die meisten Schulen waren indes Volksschulen, in denen die einfache Bevölkerung unterrichtet wurde. Die Zahl der Schulen hing stark mit der Bevölkerungsentwicklung zusammen.
Neben den allgemeinbildenden Schulen verfügt Norden über eine Berufsbildende Schule, die [[Conerus-Schule]], sowie eine [[Kreisvolkshochschule]] zur Erwachsenenweiterbildung. In der ehemaligen [[Gräfin-Theda-Schule]] ist heute eine Musikschule ansässig.
Schulträger aller Schulen - mit Ausnahme des Ulrichsgymnasiums und der Conerus-Schule, deren Träger der Landkreis Aurich ist - ist die Stadt Norden selbst. Die lehrende Beamtenschaft besteht indes wie überall aus Landesbeamten bzw. -angestellten.


==Religion==
==Religion==
* [[Liste der Sakralbauten im Stadtgebiet]]
* [[Liste der Religionsgemeinschaften im Stadtgebiet]]
Norden war seit Beginn der christlichen Missionierung im 7. bis 8. Jahrhundert christlich bzw. katholisch geprägt. 1517 schlägt Martin Luther die 95 Thesen an die Tore der Schlosskirche Wittenberg, in der er die Missstände in der katholischen Kirche aufzeigt. Bereits zwei Jahre später sendet er einen Mönch namens Stephani nach Norden, um seine Lehren im [[Kloster Norden|Dominikaner-]] und im [[Kloster Marienthal|Benediktinerkloster]] zu verbreiten. Die Reformation schreitet in Norden zügig voran und findet bis in das Grafenhaus Gehör. In der Folge werden beide Klöster säkularisiert (verweltlicht), aufgelöst und ihre Besitztümer konfisziert. Die Klosterinsassen verlassen die Stadt, schließen sich anderen Orden an oder konvertieren. Das Kloster Marienthal wird als [[Gasthaus]] für die Armenpflege genutzt, auf dem Grund des Dominikanerklosters errichtet [[Enno II. Cirksena]] seinen Stammsitz. Hier entsteht später der [[Fräuleinshof]] sowie die [[Lateinschule]] als Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]]. Im Zuge der Reformation kommt es jedoch auch zu einer Spaltung zwischen den Anhänger der evangelisch-lutherischen und der evangelisch-reformierten (calvinistischen) Ausrichtung, an deren Ende sich die Lutheraner durchsetzen können (siehe auch: [[Ludgerigemeinde Norden#Geschichte|Geschichte der evangelischen Gemeinde von Norden]]).
Katholiken gibt es in Norden seit der Reformation kaum noch. Die wenigen Verbliebenen müssen sich aus Angst vor Verfolgung im Untergrund treffen und erhalten erst im 19. Jahrhundert wieder ein eigenes Gotteshaus, die [[Ludgeruskirche]] (siehe auch: [[Ludgerusgemeinde Norden#Geschichte|Geschichte der katholischen Gemeinde von Norden]]). Spätestens seit dem 16. Jahrhundert ist auch eine jüdische Gemeinde für Norden nachweisbar. Ihr Zentrum entwickelte sich rund um den heutigen [[Synagogenweg]]. 1940 löste sich die Gemeinde durch die nationalsozialistische Verfolgung auf (siehe auch: [[Jüdische Gemeinde Norden#Geschichte|Geschichte der jüdischen Gemeinde von Norden]]).
Die Reformierten werden noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts offener Ablehnung der lutheranischen Norder Bevölkerung ausgesetzt. Erst 1684 kann die [[Bargeburer Kirche]], damals noch vor den Toren der Stadt, unter dem Schutz brandenburgischer Truppen fertiggestellt werden (siehe auch: [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden#Geschichte|Geschichte der reformierten Gemeinde von Norden]]).
Von nicht unerheblicher Bedeutung für die Stadt war auch die [[Mennonitengemeinde Norden|mennonitischen Gemeinde von Norden]], der viele bedeutende Norder Persönlichkeiten wie [[Jan ten Doornkaat Koolman (1773)|Jan ten Doornkaat Koolman]] angehörten, die seit 1556 existiert. In den Folgejahren siedelten sich auch weitere Ausrichtungen des christlichen Glaubens in Norden an, so etwa die [[Herrnhuter Brüdergemeine]] im Jahre 1757 und die [[Baptistengemeinde Norden|Baptistengemeinde]] im Jahr 1900. Weitere Freikirchen kommen im 20. Jahrhundert dazu, so etwa die [[Neuapostolische Gemeinde Norden|Neuapostolische Gemeinde]] an der [[Knyphausenstraße]].
Offizielle Gemeinden nicht-christlichen Glaubens gibt es seit dem Niedergang der jüdischen Gemeinde in Norden nicht mehr. Zwar leben mehrere Muslime, Buddhisten und Hinduisten in Norden, doch sind diese mit Gemeinden in anderen Städten verbunden.


==Gesundheit und Soziales==
==Gesundheit und Soziales==