Eisenhütte: Unterschied zwischen den Versionen
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Der Anschluss Ostfrieslands an Preußen 1866 bewirkte Zollbarrieren gegen Eisen und Kohl aus England, auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ruhrgebietes, besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71, brachte eine Verschiebung der Frachtlage zu Ungunsten des Werkes mit sich. Das um die Rentabilität ringende Unternehmen hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Eigentümer, die die Eisengewinnung nun nicht mehr aus Erz, sondern aus Alteisen forcierten. Ab der Jahrhundertwende wird die Familie Landmann aus Norden und die Familie Tenge aus Westfalen Inhaber der Eisenhütte. Familie Landmann erbaute sich in unmittelbarer Nähe der Eisenhütte eine ansehnliche Stadtvilla, die bis heute als [[Haus Landmann]] ([[Osterstraße]] 37) bekannt ist. | Der Anschluss Ostfrieslands an Preußen 1866 bewirkte Zollbarrieren gegen Eisen und Kohl aus England, auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ruhrgebietes, besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71, brachte eine Verschiebung der Frachtlage zu Ungunsten des Werkes mit sich. Das um die Rentabilität ringende Unternehmen hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Eigentümer, die die Eisengewinnung nun nicht mehr aus Erz, sondern aus Alteisen forcierten. Ab der Jahrhundertwende wird die Familie Landmann aus Norden und die Familie Tenge aus Westfalen Inhaber der Eisenhütte. Familie Landmann erbaute sich in unmittelbarer Nähe der Eisenhütte eine ansehnliche Stadtvilla, die bis heute als [[Haus Landmann]] ([[Osterstraße]] 37) bekannt ist. | ||
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts produzierte die Eisenhütte vor allem Ofentüren, Wärmeröhrentüren und Vorstellplatten, um offene Feuerstellen effizienter bzw. Ofenanlagen für langflammige Brennstoffe auch für den Kohlebrand tauglich zu machen. Seinerzeit wurde vor allem das wesentlich erschwinglichere und leicht verfügbare, aber auch weniger effizientere Torf verheizt. Für den Bau des Denkmals zu Ehren der aus Osteel stammenden Astronomen David und Johann Fabricius auf dem Friedhof der Osteeler Kirche fertigte die Eisenhütte eine eiserne Umzäunung. Zu dieser Zeit und bis ins 20. Jahrhundert hinein soll der Betrieb rund 200 Beschäftigte gehabt haben. Durch das Erstarken der Sozialdemokratie und gewerkschaftlicher Verbände kommt es 1906 zu einem Arbeiterstreik bei der Eisenhütte. | Gegen Ende des 19. Jahrhunderts produzierte die Eisenhütte vor allem Ofentüren, Wärmeröhrentüren und Vorstellplatten, um offene Feuerstellen effizienter bzw. Ofenanlagen für langflammige Brennstoffe auch für den Kohlebrand tauglich zu machen. Seinerzeit wurde vor allem das wesentlich erschwinglichere und leicht verfügbare, aber auch weniger effizientere Torf verheizt. Für den Bau des Denkmals zu Ehren der aus Osteel stammenden Astronomen David und Johann Fabricius auf dem Friedhof der Osteeler Kirche fertigte die Eisenhütte eine eiserne Umzäunung. Zu dieser Zeit und bis ins 20. Jahrhundert hinein soll der Betrieb rund 200 Beschäftigte gehabt haben. | ||
Durch das Erstarken der Sozialdemokratie und gewerkschaftlicher Verbände kommt es 1906 zu einem Arbeiterstreik bei der Eisenhütte. Obgleich militärische oder polizeiliche Niederschlagungen von Streiks zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich waren, endet der Streik unblutig, aber dennoch mit Folgen für die Streikenden: Die Geschäftsführung lässt die Namen aller am Streik beteiligten in ganzseitigen Zeitungsannoncen abdrucken. | |||
Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte das Werk erneut den Besitzer, als es von der Teefirma [[Onno Behrends]] erworben wurde. Freilich erwies sich dies für den wirtschaftlichen Erfolg nicht als Glücksgriff, denn ein Eisenwerk ist ein völlig anderer Gewerbszweig als der Teeimport. In einer Versteigerung übernahmen die Norder Senatoren [[Popke Fegter]] und [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] sowie der Betriebsdirektor [[Wilhelm Landmann]] im Jahr 1927 die Eisenhütte und retteten sie damit vor dem Bankrott. Fegter erbaute sich unmittelbar gegenüber der Hütte eine Stadtvilla ([[Osterstraße 34]]). Um 1930 kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, der jedoch 1936 von den Nationalsozialisten enteignet wurde, nachdem er bei ihnen durch Spott an Hermann Göring und sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte, in Ungnade gefallen war. Die Eisenhütte fiel daraufhin an seinen Sohn [[Georg Fegter]], auch andere Familienmitglieder behielten ihre Firmenanteile. Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte noch einmal wieder hochbringen, da die Kriegsmarine gußeiserne Teile benötigte. Dann machte das Kriegsende auch dieser Produktion ein Ende. | Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte das Werk erneut den Besitzer, als es von der Teefirma [[Onno Behrends]] erworben wurde. Freilich erwies sich dies für den wirtschaftlichen Erfolg nicht als Glücksgriff, denn ein Eisenwerk ist ein völlig anderer Gewerbszweig als der Teeimport. In einer Versteigerung übernahmen die Norder Senatoren [[Popke Fegter]] und [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] sowie der Betriebsdirektor [[Wilhelm Landmann]] im Jahr 1927 die Eisenhütte und retteten sie damit vor dem Bankrott. Fegter erbaute sich unmittelbar gegenüber der Hütte eine Stadtvilla ([[Osterstraße 34]]). Um 1930 kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, der jedoch 1936 von den Nationalsozialisten enteignet wurde, nachdem er bei ihnen durch Spott an Hermann Göring und sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte, in Ungnade gefallen war. Die Eisenhütte fiel daraufhin an seinen Sohn [[Georg Fegter]], auch andere Familienmitglieder behielten ihre Firmenanteile. Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte noch einmal wieder hochbringen, da die Kriegsmarine gußeiserne Teile benötigte. Dann machte das Kriegsende auch dieser Produktion ein Ende. | ||