Stadt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Norden''' ist die nordwestlichste Stadt auf dem deutschen Festland. Sie hat 25.614 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 13,38 km² verteilen. Gemessen an der Einwohnerzahl ist sie nach Emden, Aurich und Leer die viertgrößte Stadt Ostfrieslands und kann auf eine hochinteressante, wechselhafte Geschichte zurückbringen. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt im [[Norder Vertrag]] aus dem Jahre 1255. Fälschlicherweise wird dieses als das Gründungsjahr angesehen, Belege für eine wesentlich frühere Existenz der Stadt reichen weit voraus. | |||
Als Stammsitz wechselnder [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlechter]] war Norden über Jahrhunderte dominierender Ort des historischen [[Norderland|Norderlandes]] und bedingt dadurch, dass die seit dem 15. Jahrhundert in Ostfriesland vorherrschenden [[Cirksena|Cirksenas]] hier über lange Zeit ihren Sitz hatten, auch der gesamten Region. Bis zum 31. Juli 1977 war die Stadt Norden Sitz des [[Landkreis Norden]], der am 1. August jenes Jahres im Landkreis Aurich aufging. | Als Stammsitz wechselnder, mächtiger [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlechter]] war Norden über Jahrhunderte dominierender Ort des historischen [[Norderland|Norderlandes]] und bedingt dadurch, dass die seit dem 15. Jahrhundert in Ostfriesland vorherrschenden [[Cirksena|Cirksenas]] hier über lange Zeit ihren Sitz hatten, auch der gesamten Region. Bis zum 31. Juli 1977 war die Stadt Norden Sitz des [[Landkreis Norden]], der am 1. August jenes Jahres im Landkreis Aurich aufging. | ||
Die Region um Norden ist vor allem durch die Landwirtschaft und den Tourismus geprägt. Letztgenannter ist heute der dominierende Wirtschaftszweig. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert befanden sich jedoch auch eine Reihe bedeutender Industriebetriebe in der Stadt Norden, die bekannteste davon dürfte wohl die Firma [[Doornkaat]] sein, welche die Stadt über fast zwei Jahrhunderte maßgeblich prägte. | Die Region um Norden ist vor allem durch die Landwirtschaft und den Tourismus geprägt. Letztgenannter ist heute der dominierende Wirtschaftszweig. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert befanden sich jedoch auch eine Reihe bedeutender Industriebetriebe in der Stadt Norden, die bekannteste davon dürfte wohl die Firma [[Doornkaat]] sein, welche die Stadt über fast zwei Jahrhunderte maßgeblich prägte. | ||
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==Bevölkerungsentwicklung== | ==Bevölkerungsentwicklung== | ||
Anmerkung: Die hier vorliegenden Daten beziehen sich jeweils auf die heute geltenden Grenzen. Daher werden bereits beispielsweise vor der Kommunalreform 1972 die Einwohnerzahlen der ab dann zu Norden gehörenden Stadtteile mitgerechnet. | Anmerkung: Die hier vorliegenden Daten beziehen sich jeweils auf die heute geltenden Grenzen. Daher werden bereits beispielsweise vor der Kommunalreform 1972 die Einwohnerzahlen der ab dann zu Norden gehörenden Stadtteile in den nachfolgenden Tabellen mitgerechnet. | ||
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Der Stadtkern von Norden liegt auf einer [[Norder Geestinsel|Geestinsel]], die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.<ref>Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94</ref> Auch [[Bargebur]] und [[Tidofeld]] sowie [[Süderneuland II]] befinden sich ebenfalls auf Geestboden, während der Großteil des weiteren Stadtgebiets auf der [[Marsch]] liegt. Die beiden Bodentypen unterscheiden sich insbesondere durch ihre Beschaffenheit. Im [[Geest|Geestboden]] dominiert Sand, im [[Marsch|Marschboden]] schwerer Klei. Die Geest ist zudem deutlicher höher als die Marsch gelegen und gehört daher auch zu den erstbesiedelten Gebieten. | Der Stadtkern von Norden liegt auf einer [[Norder Geestinsel|Geestinsel]], die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.<ref>Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94</ref> Auch [[Bargebur]] und [[Tidofeld]] sowie [[Süderneuland II]] befinden sich ebenfalls auf Geestboden, während der Großteil des weiteren Stadtgebiets auf der [[Marsch]] liegt. Die beiden Bodentypen unterscheiden sich insbesondere durch ihre Beschaffenheit. Im [[Geest|Geestboden]] dominiert Sand, im [[Marsch|Marschboden]] schwerer Klei. Die Geest ist zudem deutlicher höher als die Marsch gelegen und gehört daher auch zu den erstbesiedelten Gebieten. | ||
Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im | Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert, allen voran die [[Erste Dionysiusflut]], bei der u.a. das Dorf [[Westeel]] zerstört wurde, seit 1425, beginnend mit dem [[Udo-Focken-Deich]], dem Meer abgerungen und [[Liste der Eindeichungen|wiedereingedeicht]]. Der geologisch jüngste Stadtteil [[Leybuchtpolder]] wurde erst 1947 bis 1950 durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]] eingedeicht und urbar gemacht. Der Großteil der Eindeichungen konzentriert sich jedoch auf das 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Eindeichung eines Teils der [[Leybucht]] und einer deutlich kleineren Eindeichungsmaßnahme nahe Harlesiel gab es an der niedersächsischen Nordseeküste keine nennenswerten Landgewinnungsmaßnahmen durch Eindeichung mehr, so dass diese Landstriche die jüngsten dem Meer abgerungenen und von Menschen besiedelten Flächen Niedersachsens sind. Auch [[Neuwesteel]] wurde erst im 20. Jahrhundert dem Meer abgerungen. | ||
Da weite Teile des Stadtgebiets nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegen, muss das Land kontinuierlich entwässert werden. Das [[Norder Tief]], früher Fahrwasser des [[Norder Hafen|Norder Hafens]], spielt dabei eine bedeutende Rolle. Über die Schöpfwerke [[Leybuchtsiel]] und [[Leysiel]] entwässert es in die Nordsee. | Da weite Teile des Stadtgebiets nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegen, muss das Land kontinuierlich entwässert werden. Das [[Norder Tief]], früher Fahrwasser des [[Norder Hafen|Norder Hafens]], spielt dabei eine bedeutende Rolle. Über die Schöpfwerke [[Leybuchtsiel]] und [[Leysiel]] entwässert es in die [[Leybucht]] und dadurch in die Nordsee. | ||
==Gliederung== | ==Gliederung== | ||
Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen, zu denen sich mehrere, inoffizielle, aber im allgemeinen Sprachgebrauch gängige Stadtviertel gesellen. Die Kernstadt umfasst neben dem [[Norden (Stadtteil)|alten Stadtzentrum]] die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde [[Sandbauerschaft]] mit ihren ehemaligen [[Sandbauerschaft#Gliederung#Ortsteilen]]. | Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen, zu denen sich mehrere, inoffizielle, aber im allgemeinen Sprachgebrauch gängige Stadtviertel gesellen. Die Kernstadt umfasst neben dem [[Norden (Stadtteil)|alten Stadtzentrum]] die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde [[Sandbauerschaft]] mit ihren ehemaligen [[Sandbauerschaft#Gliederung#Ortsteilen]]. | ||
Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind [[Bargebur]], [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]] ( | Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind [[Bargebur]], [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]] (ehemals [[Lintelermarsch]]), [[Ostermarsch]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]], [[Tidofeld]], [[Westermarsch I]] und [[Westermarsch II]]. Bis auf Bargebur und Tidofeld waren alle heutigen Stadtteile bis zur Kommunalreform 1972 eigenständige Gemeinden bzw. Samtgemeinden. | ||
Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, sowie Teile von Westermarsch II sind baulich überwiegend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem | Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, sowie Teile von Westermarsch II sind baulich überwiegend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem Ballungsgebiet leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.<ref>[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen], abgerufen am 20. April 2021</ref> Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein. | ||
Norden ist geprägt von Wasser und Landwirtschaftsflächen. Fast 80 Prozent des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. Auf den eingepolderten Flächen im Süden der Stadt wird Ackerbau betrieben. Eingepoldertes Land, das aus früherem Schlick besteht, hat eine hohe Bodenwertzahl. Angepflanzt werden vornehmlich Kartoffeln, Getreide und Raps. Auf den anderen Landwirtschaftsflächen wird Viehzucht betrieben. Hier überwiegt die Haltung von Milchkühen. Auf den Deichen grasen Schafe. Sie halten nicht nur die Grasnarbe niedrig, sondern trampeln mit ihren Hufen auch den Deichboden fest. | Norden ist geprägt von Wasser und Landwirtschaftsflächen. Fast 80 Prozent des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. Auf den eingepolderten Flächen im Süden der Stadt wird Ackerbau betrieben. Eingepoldertes Land, das aus früherem Schlick besteht, hat eine hohe Bodenwertzahl. Angepflanzt werden vornehmlich Kartoffeln, Getreide und Raps. Auf den anderen Landwirtschaftsflächen wird Viehzucht betrieben. Hier überwiegt die Haltung von Milchkühen. Auf den Deichen grasen Schafe. Sie halten nicht nur die Grasnarbe niedrig, sondern trampeln mit ihren Hufen auch den Deichboden fest. | ||
Neben dem Norder Tief und seinen Zuflüssen, | Neben dem [[Norder Tief]] und seinen zahlreichen Zuflüssen, wie dem [[Addinggaster Tief]] oder dem [[Langhauser Tief]], prägen noch eine Vielzahl von kleinen und größeren Entwässerungsgräben die Landschaft um Norden - wie auch im Rest von Ostfriesland. Vor der Mündung des Norder Tiefs in die [[Leybucht]], geregelt durch das Schöpfwerk [[Leybuchtsiel]], befindet sich ein Speicherbecken. | ||
Wie die meisten der zum größten Teil in der Marsch gelegenen Orte ist Norden nur äußerst spärlich bewaldet. | Wie die meisten der zum größten Teil in der Marsch gelegenen Orte ist Norden nur äußerst spärlich bewaldet. Ursächlich dafür ist, dass diese Gebiete bis vor wenigen hundert Jahren noch [[Liste der Eindeichungen|unter Wasser standen]] und nie eine wesentliche Aufforstung erfahren haben. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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==Quellenverzeichnis== | ==Quellenverzeichnis== | ||
*[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft | *[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft | ||
*[https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden] | *[https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden] | ||