Stadt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Stadt Norden''' ist | Die '''Stadt Norden''' ist die nordwestlichste Stadt auf dem deutschen Festland. Sie hat 25.614 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 13,38 km² verteilen. Gemessen an der Einwohnerzahl ist sie nach Emden, Aurich und Leer die viertgrößte Stadt Ostfrieslands und kann auf eine hochinteressante, wechselhafte Geschichte zurückbringen. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt im [[Norder Vertrag]] aus dem Jahre 1255. Fälschlicherweise wird dieses als das Gründungsjahr angesehen, Belege für eine wesentlich frühere Existenz der Stadt reichen weit voraus. | ||
Als Stammsitz wechselnder [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlechter]] war Norden über Jahrhunderte dominierender Ort des historischen [[Norderland|Norderlandes]] und bedingt dadurch, dass die seit dem 15. Jahrhundert in Ostfriesland vorherrschenden [[Cirksena|Cirksenas]] hier über lange Zeit ihren Sitz hatten, auch der gesamten Region. Bis zum 31. Juli 1977 war die Stadt Norden Sitz des [[Landkreis Norden]], der am 1. August jenes Jahres im Landkreis Aurich aufging. | Als Stammsitz wechselnder [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlechter]] war Norden über Jahrhunderte dominierender Ort des historischen [[Norderland|Norderlandes]] und bedingt dadurch, dass die seit dem 15. Jahrhundert in Ostfriesland vorherrschenden [[Cirksena|Cirksenas]] hier über lange Zeit ihren Sitz hatten, auch der gesamten Region. Bis zum 31. Juli 1977 war die Stadt Norden Sitz des [[Landkreis Norden]], der am 1. August jenes Jahres im Landkreis Aurich aufging. | ||
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==Namensherkunft== | ==Namensherkunft== | ||
Es herrscht Uneinigkeit darüber, woher die Stadt Norden ihren Namen erhalten hat. Allgemeiner Konsens ist, dass sich der Name auf die nördliche Lage der Stadt bezieht und sie so zu ihrem Namen gekommen ist. Der älteste Beleg ist "Nordedi" (787, jedoch in fehlerhafter Abschrift); um 860 wird die Gegend Nordwidu ('Norder Wald') genannt. Grundlage des Ortsnamens ist das altsächsische "norð", altfriesisches north ('Norden').<ref>Niemeyer, Manfred (2012): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin, S. 456</ref> Wenngleich es nicht absolut gesichert ist, liegt es nahe, dass der Stadtname 884 ebenfalls im Zusammenhang mit der [[Schlacht von Nordendi]] fällt. Die Schlacht war ein wichtiger Sieg der Friesen über die plündernden, die friesischen Gewässer heimsuchenden Wikinger und Gründungsmythos der [[Theelacht]]. | |||
==Wappen== | ==Wappen== | ||
Das Norder Stadtwappen zeigt auf einem blauen Schild drei goldene sechsstrahlige Sporenräder im Verhältnis 2 (oben) zu 1 (unten), Oberwappen mit Laubkrone auf dem Schild und als Schildhalter die bemäntelte Figur des heiligen Andreas. Im Wesentlichen geht das Wappen auf das älteste, bekannte [[Stadtsiegel]] aus dem Jahre 1498 zurück und wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten eher marginal geändert. | |||
Die Sporenräder sind dem Wappen der bis in das 15. Jahrhundert in Norden vorherrschenden Häuptlingsfamilie [[Idzinga]] entnommen. Blau und gelb sind die Stadtfarben von Norden. Sie verdeutlichen den Wohlstand und die Lage am Meer. Der Heilige Andreas ist der Schutzpatron der Stadt. Ihm war die [[Andreaskirche]] in der Stadtmitte geweiht. | |||
==Bevölkerungsentwicklung== | ==Bevölkerungsentwicklung== | ||
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==Geografie== | ==Geografie== | ||
Norden ist die nordwestliche Stadt auf dem deutschen Festland und erstreckt sich auf etwa 106,33 Quadratkilometer. Seewärts wird die Stadt von 27,3 Kilometer Seedeich begrenzt. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 21 Kilometer, die größte Ost-West-Ausdehnung ca. 13 Kilometer. Die höchste Erhebung Nordens, der [[Alter Friedhof|Alte Friedhof]] liegt auf 9,7 Meter über Normalnull, im Mittel liegt Norden etwa 7 Meter über Normalnull.<ref>[https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Stadtportrait/ Zahlen und Daten auf Norden.de], abgerufen am 20. April 2021</ref> | |||
Der Küste vorgelagert sind die Inseln (von Ost nach West) Norderney, Juist und Memmert. Zwischen der Küstenlinie und den Inseln befindet sich das Wattenmeer, das als "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer" unter Naturschutz steht und im Juni 2009 gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen und dem niederländischen Teil des Wattenmeers von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.<ref>[https://www.nationalpark-wattenmeer.de/schuetzen/weltnaturerbe/ Internetseite vom Nationalpark Wattenmeer], abgerufen am 20. April 2021</ref> Südwestlich der Stadt liegt die [[Leybucht]]. | |||
Nachbargemeinden auf dem Festland sind (im Uhrzeigersinn, von Ost nach Südwest) die Gemeinden Hagermarsch, Lütetsburg und Halbemond (alle Samtgemeinde Hage), Leezdorf und Osteel (beide Samtgemeinde Brookmerland) sowie die Gemeinde Krummhörn. Eine Besonderheit der Grenze zur Gemeinde Leezdorf liegt darin, dass sie nur gut eine Straßenbreite beträgt: Norden und Leezdorf treffen am [[Schwarzer Weg|Schwarzen Weg]] aufeinander, die nördlichen und südlichen Straßenseiten gehören jedoch zu den Gemeinden Halbemond und Osteel. | |||
Norden ist neben der Kreisstadt Aurich das zweite Mittelzentrum des Landkreises Aurich. Das Einzugsgebiet ist durch die Natur eingeschränkt, da sich im Norden, Westen und Südwesten das Wattenmeer befindet. Allerdings spielt Norden für die Versorgung der vorgelagerten Inseln Juist und Norderney eine wichtige Rolle. Als Einkaufsstadt tritt Norden insbesondere in Konkurrenz zu Aurich und Emden. | |||
Der Stadtkern von Norden liegt auf einer [[Norder Geestinsel|Geestinsel]], die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.<ref>Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94</ref> Auch [[Bargebur]] und [[Tidofeld]] sowie [[Süderneuland II]] befinden sich ebenfalls auf Geestboden, während der Großteil des weiteren Stadtgebiets auf der [[Marsch]] liegt. Die beiden Bodentypen unterscheiden sich insbesondere durch ihre Beschaffenheit. Im [[Geest|Geestboden]] dominiert Sand, im [[Marsch|Marschboden]] schwerer Klei. Die Geest ist zudem deutlicher höher als die Marsch gelegen und gehört daher auch zu den erstbesiedelten Gebieten. | |||
Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im 13. Jahrhundert, allen voran die [[Erste Dionysiusflut]], bei der u.a. das Dorf [[Westeel]] zerstört wurde, seit 1425, beginnend mit dem [[Udo-Focken-Deich]], dem Meer abgerungen und [[Liste der Eindeichungen|wiedereingedeicht]]. Der geologisch jüngste Stadtteil [[Leybuchtpolder]] wurde erst 1947 bis 1950 durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]] eingedeicht und urbar gemacht. Der Großteil der Eindeichungen konzentriert sich jedoch auf das 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Eindeichung eines Teils der [[Leybucht]] und einer deutlich kleineren Eindeichungsmaßnahme nahe Harlesiel gab es an der niedersächsischen Nordseeküste keine nennenswerten Landgewinnungsmaßnahmen durch Eindeichung mehr, so dass diese Landstriche die jüngsten dem Meer abgerungenen und von Menschen besiedelten Flächen Niedersachsens sind. Auch [[Neuwesteel]] wurde erst im 20. Jahrhundert dem Meer abgerungen. | |||
Da weite Teile des Stadtgebiets nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegen, muss das Land kontinuierlich entwässert werden. Das [[Norder Tief]], früher Fahrwasser des [[Norder Hafen|Norder Hafens]], spielt dabei eine bedeutende Rolle. Über die Schöpfwerke [[Leybuchtsiel]] und [[Leysiel]] entwässert es in die Nordsee. | |||
==Gliederung== | ==Gliederung== | ||
Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen, zu denen sich mehrere, inoffizielle, aber im allgemeinen Sprachgebrauch gängige Stadtviertel gesellen. Die Kernstadt umfasst neben dem [[Norden (Stadtteil)|alten Stadtzentrum]] die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde [[Sandbauerschaft]] mit ihren ehemaligen [[Sandbauerschaft#Gliederung#Ortsteilen]]. | |||
Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind [[Bargebur]], [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]] (bzw. [[Lintelermarsch]]), [[Ostermarsch]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]], [[Tidofeld]], [[Westermarsch I]] und [[Westermarsch II]]. | |||
Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, sowie Teile von Westermarsch II sind baulich überwiegend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem „Ballungsraum“ leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.[12] Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein. | |||
Norden ist geprägt von Wasser und Landwirtschaftsflächen. Fast 80 Prozent des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. Auf den eingepolderten Flächen im Süden der Stadt wird Ackerbau betrieben. Eingepoldertes Land, das aus früherem Schlick besteht, hat eine hohe Bodenwertzahl. Angepflanzt werden vornehmlich Kartoffeln, Getreide und Raps. Auf den anderen Landwirtschaftsflächen wird Viehzucht betrieben. Hier überwiegt die Haltung von Milchkühen. Auf den Deichen grasen Schafe. Sie halten nicht nur die Grasnarbe niedrig, sondern trampeln mit ihren Hufen auch den Deichboden fest. | |||
Neben dem Norder Tief und seinen Zuflüssen, unter anderem dem Addinggaster Tief, prägt noch eine Vielzahl von kleinen und größeren Entwässerungsgräben die Landschaft um Norden. Vor der Mündung des Norder Tiefs in die Leybucht, geregelt durch das Schöpfwerk Leybuchtsiel, befindet sich ein Speicherbecken. | |||
Wie die meisten der zum größten Teil in der Marsch gelegenen Orte ist Norden nur äußerst spärlich bewaldet. Die Stadt grenzt allerdings an das Tidofelder Holz der Nachbargemeinde Lütetsburg. | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Version vom 20. April 2021, 12:57 Uhr
Stadt Norden | |
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| Höhe | 7 m ü. NN |
| Fläche | 106,33 |
| Einwohner | 25.614 (31.12.2020) |
| Gründung | um 800 |
| Bevölkerungsdichte | 241 Einwohner/km² |
Die Stadt Norden ist die nordwestlichste Stadt auf dem deutschen Festland. Sie hat 25.614 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 13,38 km² verteilen. Gemessen an der Einwohnerzahl ist sie nach Emden, Aurich und Leer die viertgrößte Stadt Ostfrieslands und kann auf eine hochinteressante, wechselhafte Geschichte zurückbringen. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt im Norder Vertrag aus dem Jahre 1255. Fälschlicherweise wird dieses als das Gründungsjahr angesehen, Belege für eine wesentlich frühere Existenz der Stadt reichen weit voraus.
Als Stammsitz wechselnder Häuptlingsgeschlechter war Norden über Jahrhunderte dominierender Ort des historischen Norderlandes und bedingt dadurch, dass die seit dem 15. Jahrhundert in Ostfriesland vorherrschenden Cirksenas hier über lange Zeit ihren Sitz hatten, auch der gesamten Region. Bis zum 31. Juli 1977 war die Stadt Norden Sitz des Landkreis Norden, der am 1. August jenes Jahres im Landkreis Aurich aufging.
Die Region um Norden ist vor allem durch die Landwirtschaft und den Tourismus geprägt. Letztgenannter ist heute der dominierende Wirtschaftszweig. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert befanden sich jedoch auch eine Reihe bedeutender Industriebetriebe in der Stadt Norden, die bekannteste davon dürfte wohl die Firma Doornkaat sein, welche die Stadt über fast zwei Jahrhunderte maßgeblich prägte.
Namensherkunft
Es herrscht Uneinigkeit darüber, woher die Stadt Norden ihren Namen erhalten hat. Allgemeiner Konsens ist, dass sich der Name auf die nördliche Lage der Stadt bezieht und sie so zu ihrem Namen gekommen ist. Der älteste Beleg ist "Nordedi" (787, jedoch in fehlerhafter Abschrift); um 860 wird die Gegend Nordwidu ('Norder Wald') genannt. Grundlage des Ortsnamens ist das altsächsische "norð", altfriesisches north ('Norden').[1] Wenngleich es nicht absolut gesichert ist, liegt es nahe, dass der Stadtname 884 ebenfalls im Zusammenhang mit der Schlacht von Nordendi fällt. Die Schlacht war ein wichtiger Sieg der Friesen über die plündernden, die friesischen Gewässer heimsuchenden Wikinger und Gründungsmythos der Theelacht.
Wappen
Das Norder Stadtwappen zeigt auf einem blauen Schild drei goldene sechsstrahlige Sporenräder im Verhältnis 2 (oben) zu 1 (unten), Oberwappen mit Laubkrone auf dem Schild und als Schildhalter die bemäntelte Figur des heiligen Andreas. Im Wesentlichen geht das Wappen auf das älteste, bekannte Stadtsiegel aus dem Jahre 1498 zurück und wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten eher marginal geändert.
Die Sporenräder sind dem Wappen der bis in das 15. Jahrhundert in Norden vorherrschenden Häuptlingsfamilie Idzinga entnommen. Blau und gelb sind die Stadtfarben von Norden. Sie verdeutlichen den Wohlstand und die Lage am Meer. Der Heilige Andreas ist der Schutzpatron der Stadt. Ihm war die Andreaskirche in der Stadtmitte geweiht.
Bevölkerungsentwicklung
Anmerkung: Die hier vorliegenden Daten beziehen sich jeweils auf die heute geltenden Grenzen. Daher werden bereits beispielsweise vor der Kommunalreform 1972 die Einwohnerzahlen der ab dann zu Norden gehörenden Stadtteile mitgerechnet.
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Geografie
Norden ist die nordwestliche Stadt auf dem deutschen Festland und erstreckt sich auf etwa 106,33 Quadratkilometer. Seewärts wird die Stadt von 27,3 Kilometer Seedeich begrenzt. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 21 Kilometer, die größte Ost-West-Ausdehnung ca. 13 Kilometer. Die höchste Erhebung Nordens, der Alte Friedhof liegt auf 9,7 Meter über Normalnull, im Mittel liegt Norden etwa 7 Meter über Normalnull.[2]
Der Küste vorgelagert sind die Inseln (von Ost nach West) Norderney, Juist und Memmert. Zwischen der Küstenlinie und den Inseln befindet sich das Wattenmeer, das als "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer" unter Naturschutz steht und im Juni 2009 gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen und dem niederländischen Teil des Wattenmeers von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.[3] Südwestlich der Stadt liegt die Leybucht.
Nachbargemeinden auf dem Festland sind (im Uhrzeigersinn, von Ost nach Südwest) die Gemeinden Hagermarsch, Lütetsburg und Halbemond (alle Samtgemeinde Hage), Leezdorf und Osteel (beide Samtgemeinde Brookmerland) sowie die Gemeinde Krummhörn. Eine Besonderheit der Grenze zur Gemeinde Leezdorf liegt darin, dass sie nur gut eine Straßenbreite beträgt: Norden und Leezdorf treffen am Schwarzen Weg aufeinander, die nördlichen und südlichen Straßenseiten gehören jedoch zu den Gemeinden Halbemond und Osteel.
Norden ist neben der Kreisstadt Aurich das zweite Mittelzentrum des Landkreises Aurich. Das Einzugsgebiet ist durch die Natur eingeschränkt, da sich im Norden, Westen und Südwesten das Wattenmeer befindet. Allerdings spielt Norden für die Versorgung der vorgelagerten Inseln Juist und Norderney eine wichtige Rolle. Als Einkaufsstadt tritt Norden insbesondere in Konkurrenz zu Aurich und Emden.
Der Stadtkern von Norden liegt auf einer Geestinsel, die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.[4] Auch Bargebur und Tidofeld sowie Süderneuland II befinden sich ebenfalls auf Geestboden, während der Großteil des weiteren Stadtgebiets auf der Marsch liegt. Die beiden Bodentypen unterscheiden sich insbesondere durch ihre Beschaffenheit. Im Geestboden dominiert Sand, im Marschboden schwerer Klei. Die Geest ist zudem deutlicher höher als die Marsch gelegen und gehört daher auch zu den erstbesiedelten Gebieten.
Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im 13. Jahrhundert, allen voran die Erste Dionysiusflut, bei der u.a. das Dorf Westeel zerstört wurde, seit 1425, beginnend mit dem Udo-Focken-Deich, dem Meer abgerungen und wiedereingedeicht. Der geologisch jüngste Stadtteil Leybuchtpolder wurde erst 1947 bis 1950 durch den Bau des Störtebekerdeichs eingedeicht und urbar gemacht. Der Großteil der Eindeichungen konzentriert sich jedoch auf das 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Eindeichung eines Teils der Leybucht und einer deutlich kleineren Eindeichungsmaßnahme nahe Harlesiel gab es an der niedersächsischen Nordseeküste keine nennenswerten Landgewinnungsmaßnahmen durch Eindeichung mehr, so dass diese Landstriche die jüngsten dem Meer abgerungenen und von Menschen besiedelten Flächen Niedersachsens sind. Auch Neuwesteel wurde erst im 20. Jahrhundert dem Meer abgerungen.
Da weite Teile des Stadtgebiets nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegen, muss das Land kontinuierlich entwässert werden. Das Norder Tief, früher Fahrwasser des Norder Hafens, spielt dabei eine bedeutende Rolle. Über die Schöpfwerke Leybuchtsiel und Leysiel entwässert es in die Nordsee.
Gliederung
Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen, zu denen sich mehrere, inoffizielle, aber im allgemeinen Sprachgebrauch gängige Stadtviertel gesellen. Die Kernstadt umfasst neben dem alten Stadtzentrum die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde Sandbauerschaft mit ihren ehemaligen Sandbauerschaft#Gliederung#Ortsteilen.
Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind Bargebur, Leybuchtpolder, Neuwesteel, Norddeich (bzw. Lintelermarsch), Ostermarsch, Süderneuland I, Süderneuland II, Tidofeld, Westermarsch I und Westermarsch II.
Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, sowie Teile von Westermarsch II sind baulich überwiegend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem „Ballungsraum“ leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.[12] Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein.
Norden ist geprägt von Wasser und Landwirtschaftsflächen. Fast 80 Prozent des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. Auf den eingepolderten Flächen im Süden der Stadt wird Ackerbau betrieben. Eingepoldertes Land, das aus früherem Schlick besteht, hat eine hohe Bodenwertzahl. Angepflanzt werden vornehmlich Kartoffeln, Getreide und Raps. Auf den anderen Landwirtschaftsflächen wird Viehzucht betrieben. Hier überwiegt die Haltung von Milchkühen. Auf den Deichen grasen Schafe. Sie halten nicht nur die Grasnarbe niedrig, sondern trampeln mit ihren Hufen auch den Deichboden fest.
Neben dem Norder Tief und seinen Zuflüssen, unter anderem dem Addinggaster Tief, prägt noch eine Vielzahl von kleinen und größeren Entwässerungsgräben die Landschaft um Norden. Vor der Mündung des Norder Tiefs in die Leybucht, geregelt durch das Schöpfwerk Leybuchtsiel, befindet sich ein Speicherbecken.
Wie die meisten der zum größten Teil in der Marsch gelegenen Orte ist Norden nur äußerst spärlich bewaldet. Die Stadt grenzt allerdings an das Tidofelder Holz der Nachbargemeinde Lütetsburg.
Geschichte
Mittelalter
Neuzeit
Verwaltung
- siehe auch: Ostfriesische Häuptlinge
Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.
Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die Zweite Marcellusflut im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die Idzinga an die Macht, deren Hauptsitz in Itzendorf in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.
Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland.
Bildung
Religion
Gesundheit und Soziales
Wirtschaft und Verkehr
Erwähnenswerte Bauwerke
Einzelnachweise
- ↑ Niemeyer, Manfred (2012): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin, S. 456
- ↑ Zahlen und Daten auf Norden.de, abgerufen am 20. April 2021
- ↑ Internetseite vom Nationalpark Wattenmeer, abgerufen am 20. April 2021
- ↑ Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94
Quellenverzeichnis
- Beschreibung von Norden in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen
- Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden
