Ostermarscher Schule: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Eine '''Ostermarscher Schule''' ist bereits seit 1687 nachweisbar. Das bis heute erhaltene Gebäude, das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach neu errichtet bzw. restauriert wurde, wurde noch bis 1963 als Schule genutzt. Einer der bekanntesten Lehrer der Schule war [[Otto Leege]], einer der bekanntesten norddeutschen Naturforscher. Nach ihm ist auch der anliegende [[Otto-Leege-Platz]] benannt worden.
Eine '''Ostermarscher Schule''' ist bereits seit 1687 nachweisbar. Das bis heute erhaltene Gebäude, das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach neu errichtet bzw. restauriert wurde, wurde noch bis 1963 als Schule genutzt. Einer der bekanntesten Lehrer der Schule war [[Otto Leege]], einer der bekanntesten norddeutschen Naturforscher. Nach ihm ist auch der anliegende [[Otto-Leege-Platz]] benannt worden.
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==Geschichte==
==Geschichte==
Erstmalig erwähnt wird eine Schule in Ostermarsch im Jahre 1687 in Unterlagen zur Einstellung des [[Dirk Meenßen]] zum dortigen Schulmeister (nicht-akademische Lehrkraft). Aus einer Abrechnung aus dem Jahre 1693 wird ersichtlich, dass den Eltern der schulpflichtigen Kindern (auch "Interessenten" genannt) zur Finanzierung des Schulunterhaltes 20 Gulden und 4 Stüber aus der Verpachtung des [[Mandeheller|Mandehellers]] zustünden. In diesem Jahr wurde ein [[Johan von Honard]] von Aurich an die Ostermarscher Schule versetzt. 1696 wird [[Evers Arendts]] der neue Schulmeister.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 50</ref>
Erstmalig erwähnt wird eine Schule in Ostermarsch im Jahre 1687 in Unterlagen zur Einstellung des [[Dirk Meenßen]] zum dortigen Schulmeister (nicht-akademische Lehrkraft). Aus einer Abrechnung aus dem Jahre 1693 wird ersichtlich, dass den Eltern der schulpflichtigen Kindern (auch "Interessenten" genannt) zur Finanzierung des Schulunterhaltes 20 Gulden und 4 Stüber aus der Verpachtung des [[Mandeheller|Mandehellers]] zustünden. In diesem Jahr wurde ein [[Johan von Honard]] von Aurich an die Ostermarscher Schule versetzt. 1696 wird [[Evers Arendts]] der neue Schulmeister.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 50</ref>
Das erst bekannte Schulgebäude maß etwa 22 x 8 Meter (überliefert: 72 x 27 Fuß) und umfasste auch eine Lehrerwohnung. Diese wiederum enthält ein Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche und eine Milchkammer. Im Hinterhaus wurde ein Kuh- und ein Schweinestall sowie ein Lagerraum für Torf und Heu errichtet, auch ein Garten gehörte zum Grundstück. Der Finanzierung der Schule dienten bis ins 20. Jahrhundert neben Pachteinnahmen aus schuleigenen Ländereien ("Schulland") auch Schulgebühren, die von den Eltern der Schulkindern zu tragen waren.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Ostermarsch.pdf Beschreibung von Ostermarsch] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref>


Für die kommenden Jahre scheint es keine Aufzeichnungen zu geben. Erst am 30. April 1801 wird wieder ein Schulmeister in Ostermarsch erwähnt. An diesem Tag trat [[Frerich Hinrichs]] dieses Amt an.<ref>StAA, Rep. 139, 868</ref>
Für die kommenden Jahre scheint es keine Aufzeichnungen zu geben. Erst am 30. April 1801 wird wieder ein Schulmeister in Ostermarsch erwähnt. An diesem Tag trat [[Frerich Hinrichs]] dieses Amt an.<ref>StAA, Rep. 139, 868</ref>


Spätestens seit dem 5. September 1825 standen dem Lehrer, der zu dieser Zeit etwa 50 Kinder unterrichtete, je Kind ein unterschiedliches Schulgeld zu, das sich anhand des Umfangs des Unterrichts bemaß. Kinder, die nur lesen lernen, hatten 1 3/4 Stüber zu zahlen, diejenigen, die auch schreiben lernen mussten 2 1/4 Stüber bezahlen. Die Kinder, die alles (lesen, schreiben und rechnen) lernen sollten, mussten 2 3/4 Stüber bezahlen. Als eine Art Grundbetrag mussten zusätzlich 6 Reichstalern zu zahlen. Im Winterhalbjahr mussten die Interessenten auch die Erwärmung des Schulgebäudes mit 12 Stübern "Torfgeld" bezahlen. Darüber hinaus mussten sie jährlich jeweils 1/6 Tonne an Gerste entrichten.<ref name=":0" />
Spätestens seit dem 5. September 1825 standen dem Lehrer, der zu dieser Zeit etwa 50 Kinder unterrichtete, je Kind ein unterschiedliches Schulgeld zu, das sich anhand des Umfangs des Unterrichts bemaß. Kinder, die nur lesen lernen, hatten 1 3/4 Stüber zu zahlen, diejenigen, die auch schreiben lernen mussten 2 1/4 Stüber bezahlen. Die Kinder, die alles (lesen, schreiben und rechnen) lernen sollten, mussten 2 3/4 Stüber bezahlen. Als eine Art Grundbetrag mussten zusätzlich 6 Reichstalern zu zahlen. Im Winterhalbjahr mussten die Interessenten auch die Erwärmung des Schulgebäudes mit 12 Stübern "Torfgeld" bezahlen. Darüber hinaus mussten sie jährlich jeweils 1/6 Tonne an Gerste entrichten.<ref name=":0" />  
 
Als weitere Einkunft standen dem Schulmeister pro Kind und pro Jahr zusätzlich 1 Reichstaler zu.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 51</ref>
 
 
Das erst bekannte Schulgebäude maß etwa 22 x 8 Meter (überliefert: 72 x 27 Fuß) und umfasste auch eine Lehrerwohnung. Diese wiederum enthält ein Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche und eine Milchkammer. Im Hinterhaus wurde ein Kuh- und ein Schweinestall sowie ein Lagerraum für Torf und Heu errichtet, auch ein Garten gehörte zum Grundstück. Der Finanzierung der Schule dienten bis ins 20. Jahrhundert neben Pachteinnahmen aus schuleigenen Ländereien ("Schulland") auch Schulgebühren, die von den Eltern der Schulkindern zu tragen waren.
 
1833 werden der Schule mehrere Kinder aus der Nachbargemeinde Hagermarsch (Ortsteil Junkersrott) zugewiesen. Die Eltern der neuen Schüler wurden verpflichtet, sich an den allgemeinen Kosten und einem Vergrößerungsbau zu beteiligen.
 
1839 besuchten bereits 73 Kinder diese Schule. Die jährlichen Einnahmen des Lehrers bestanden aus 7 Tonnen Gerste, 97 Reichstalern und einem Schaf. Der Hof des Bauern Odinga zahlte zusätzlich einen Reichstaler. Unklar ist, ob mit "Tonnen" das noch heute gültige Gewichtsmaß gemeint ist, oder tatsächlich mit Gerste gefüllte Tonnen. Wahrscheinlich letzteres, da die Menge ansonsten unwahrscheinlich hoch wäre.
 
Im Jahre 1862 werden 49 Kinder gezählt, fünf Jahre später 62 Kinder. 1869 sinkt die Zahl leicht auf 58 und steigt um 1870 wieder um zwei auf 60 Kinder. Nach der damals geltenden Gesetzeslage dürfte die Schule mit ihrer Größe insgesamt 73 Schüler aufnehmen. Bereits 1878 wird diese Grenze jedoch deutlich überschritten, als bereits 78 Kinder die Schule besuchen. Ein Erweiterungsbau wird nötig und 1882 besuchen ganze 96 Kinder die Schule. Die Schülerzahl war meistens bedingt durch den Ab- und Zugang von Arbeiterfamilien mit zahlreichen Kindern.


Im Jahre 1875 wird in der Schule eine Hinterküche erbaut. 1879 wird das Schulgebäude mangels Raum um weitere 3 Meter verlängert.
Der Schulmeister schrieb halbjährlich Rechnungen über die Beträge, die von den Erziehungsberechtigten direkt an ihn zu entrichten waren. Hieraus ist zu ersehen, dass es mehrfach zu säumigen Zahlungen kam. Konnte der Lehrer das Geld nicht anders eintreibe, wandte er sich an das zuständige Amt (i.S. von Landkreis; siehe [[Amt Norden]] und [[Amt Berum]]) oder an die Kirchenbehörde in Aurich. In den meisten Fällen wurden seine Klagen stattgegeben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 51</ref>


Am 24. Februar 1898 wird der Kauf eines Grundstückes für eine neue Schule besiegelt und 1899 fertiggestellt. Das Schulgebäude ist bis heute erhalten.
1833 werden der Schule mehrere Kinder aus der Nachbargemeinde Hagermarsch (Ortsteil Junkersrott) zugewiesen. Die Eltern der neuen Schüler wurden verpflichtet, sich an den allgemeinen Kosten und einem Vergrößerungsbau zu beteiligen. 1839 besuchten daher bereits 73 Kinder diese Schule. Die jährlichen Einnahmen des Lehrers bestanden aus 7 Tonnen Gerste, 97 Reichstalern und einem Stüber. Der Hof des Bauern Odinga zahlte zusätzlich einen Reichstaler.<ref name=":1" />


1907 befinden sich 65 Kinder aus Ostermarsch und 16 Kinder aus Junkersrott in der Schule. Sämtliche Kinder sind evangelischen Glaubens. Ab 1907 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1924 unterrichtete dort der durch seine naturkundlichen Studien bekannt gewordene Lehrer Otto Leege, nachdem der [[Otto-Leege-Platz | anliegende Platz]] benannt ist. 1920 unterrichtete Lehrer Leege 89 Schulkinder in einer Klasse. 1923 sind es noch 88.
Im Jahre 1862 werden 49 Kinder gezählt, fünf Jahre später 62. 1869 sinkt die Zahl leicht auf 58 und steigt um 1870 wieder um zwei auf 60 Kinder. Nach der damals geltenden Gesetzeslage dürfte die Schule mit ihrer Größe insgesamt 73 Schüler aufnehmen. Bereits 1878 wird diese Grenze jedoch deutlich überschritten, als bereits 78 Kinder die Schule besuchen. Ein Erweiterungsbau wird nötig und 1882 besuchten ganze 96 Kinder die Schule. Die Schülerzahl war meistens bedingt durch den Ab- und Zugang von kinderreichen Arbeiterfamilien.<ref name=":1" />


Zum 1. Oktober 1914 wurde beschlossen, wegen Überfüllung der Schule eine zweite Lehrerstelle in Ostermarsch zu errichten sowie eine zweite Klasse einzurichten. Beide Vorhaben fielen jedoch aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkriegs aus. So kam es, dass die Schule bis zuletzt eine für kleine Dörfer übliche Einraumschule blieb und eine zweite Lehrerstelle auch erst zum 1. April 1950 eingerichtet wurde.
Im Jahre 1875 wird in der Schule eine Hinterküche erbaut. 1879 wird das Schulgebäude mangels Raum um weitere 3 Meter verlängert. Am 24. Februar 1898 wird der Kauf eines Grundstückes für eine neue Schule besiegelt und 1899 fertiggestellt. Das Schulgebäude ist bis heute erhalten. 1907 befinden sich 65 Kinder aus Ostermarsch und 16 Kinder aus Junkersrott in der Schule. Sämtliche Kinder sind evangelischen Glaubens. Ab 1907 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1924 unterrichtete dort der durch seine naturkundlichen Studien bekannt gewordene Lehrer [[Otto Leege]], nach dem ein gutes Jahrhundert später der [[Otto-Leege-Platz |anliegende Platz]] benannt worden ist. 1920 unterrichtete Lehrer Leege 89 Schulkinder in einer Klasse. 1923 sind es noch 88.<ref name=":1" />


1963 wurde die Ostermarscher Schule letztlich geschlossen. Die Grundschüler besuchten zunächst die Schule in Neßmersiel. Nachdem Ostermarsch zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil Nordens wurde, wurden die Schüler der [[Grundschule Norddeich]] zugewiesen.
Zum 1. Oktober 1914 wurde wegen der Überfüllung der Schule eine zweite Lehrerstelle in Ostermarsch geplant. Auch eine zweite Klasse sollte eingerichtet werden. Beide Vorhaben fielen jedoch aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkriegs aus. So kam es, dass die Schule bis zuletzt eine für kleine Dörfer übliche Einraumschule blieb und eine zweite Lehrerstelle erst zum 1. April 1950 eingerichtet wurde. 1963 wurde die Ostermarscher Schule letztlich geschlossen. Die Grundschüler besuchten zunächst die Schule in Neßmersiel. Nachdem Ostermarsch zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil Nordens wurde, wurden die Schüler der [[Grundschule Norddeich]] zugewiesen.<ref name=":1" />


Das Schulgebäude in Ostermarsch befindet sich heute im Besitz der Stadt Norden und wird als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. An jedem ersten Sonntag im Monat wird hier ein Gottesdienst angeboten.
Das Schulgebäude in Ostermarsch befindet sich heute im Besitz der Stadt Norden und wird als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. An jedem ersten Sonntag im Monat wird hier ein Gottesdienst angeboten.<ref>[https://www.norden-ludgeri.de/Gottesdienste/Andere-Predigtorte/Ostermarsch0 Internetseite der Ludgerigemeinde Norden] , abgerufen am 18. April 2021</ref>


== Lehrkräfte ==
==Lehrkräfte==
Anmerkung: Die nachfolgende Liste ist weder abschließend, noch vollständig!
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!1. Lehrerstelle
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|[[Johan von Honard]]
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== Schülerzahlen ==
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==Quellenverzeichnis==
==Einzelnachweis==
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Ostermarsch.pdf Beschreibung von Ostermarsch] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
<references />
* [https://www.norden-ludgeri.de/Gottesdienste/Andere-Predigtorte/Ostermarsch0 Internetauftritt der Ludgerigemeinde Norden]


==Siehe auch==
==Siehe auch==

Version vom 18. April 2021, 16:14 Uhr

Ostermarscher Schule

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Basisdaten
Entstehungszeit 1841 (1696)
Erbauer Gemeinde Ostermarsch
Bauweise Ziegelsteinbau
Entwidmung 1963
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Landstraße 29

26506 Norden

Eine Ostermarscher Schule ist bereits seit 1687 nachweisbar. Das bis heute erhaltene Gebäude, das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach neu errichtet bzw. restauriert wurde, wurde noch bis 1963 als Schule genutzt. Einer der bekanntesten Lehrer der Schule war Otto Leege, einer der bekanntesten norddeutschen Naturforscher. Nach ihm ist auch der anliegende Otto-Leege-Platz benannt worden.


Geschichte

Erstmalig erwähnt wird eine Schule in Ostermarsch im Jahre 1687 in Unterlagen zur Einstellung des Dirk Meenßen zum dortigen Schulmeister (nicht-akademische Lehrkraft). Aus einer Abrechnung aus dem Jahre 1693 wird ersichtlich, dass den Eltern der schulpflichtigen Kindern (auch "Interessenten" genannt) zur Finanzierung des Schulunterhaltes 20 Gulden und 4 Stüber aus der Verpachtung des Mandehellers zustünden. In diesem Jahr wurde ein Johan von Honard von Aurich an die Ostermarscher Schule versetzt. 1696 wird Evers Arendts der neue Schulmeister.[1]

Das erst bekannte Schulgebäude maß etwa 22 x 8 Meter (überliefert: 72 x 27 Fuß) und umfasste auch eine Lehrerwohnung. Diese wiederum enthält ein Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche und eine Milchkammer. Im Hinterhaus wurde ein Kuh- und ein Schweinestall sowie ein Lagerraum für Torf und Heu errichtet, auch ein Garten gehörte zum Grundstück. Der Finanzierung der Schule dienten bis ins 20. Jahrhundert neben Pachteinnahmen aus schuleigenen Ländereien ("Schulland") auch Schulgebühren, die von den Eltern der Schulkindern zu tragen waren.[2]

Für die kommenden Jahre scheint es keine Aufzeichnungen zu geben. Erst am 30. April 1801 wird wieder ein Schulmeister in Ostermarsch erwähnt. An diesem Tag trat Frerich Hinrichs dieses Amt an.[3]

Spätestens seit dem 5. September 1825 standen dem Lehrer, der zu dieser Zeit etwa 50 Kinder unterrichtete, je Kind ein unterschiedliches Schulgeld zu, das sich anhand des Umfangs des Unterrichts bemaß. Kinder, die nur lesen lernen, hatten 1 3/4 Stüber zu zahlen, diejenigen, die auch schreiben lernen mussten 2 1/4 Stüber bezahlen. Die Kinder, die alles (lesen, schreiben und rechnen) lernen sollten, mussten 2 3/4 Stüber bezahlen. Als eine Art Grundbetrag mussten zusätzlich 6 Reichstalern zu zahlen. Im Winterhalbjahr mussten die Interessenten auch die Erwärmung des Schulgebäudes mit 12 Stübern "Torfgeld" bezahlen. Darüber hinaus mussten sie jährlich jeweils 1/6 Tonne an Gerste entrichten.[1]

Der Schulmeister schrieb halbjährlich Rechnungen über die Beträge, die von den Erziehungsberechtigten direkt an ihn zu entrichten waren. Hieraus ist zu ersehen, dass es mehrfach zu säumigen Zahlungen kam. Konnte der Lehrer das Geld nicht anders eintreibe, wandte er sich an das zuständige Amt (i.S. von Landkreis; siehe Amt Norden und Amt Berum) oder an die Kirchenbehörde in Aurich. In den meisten Fällen wurden seine Klagen stattgegeben.[4]

1833 werden der Schule mehrere Kinder aus der Nachbargemeinde Hagermarsch (Ortsteil Junkersrott) zugewiesen. Die Eltern der neuen Schüler wurden verpflichtet, sich an den allgemeinen Kosten und einem Vergrößerungsbau zu beteiligen. 1839 besuchten daher bereits 73 Kinder diese Schule. Die jährlichen Einnahmen des Lehrers bestanden aus 7 Tonnen Gerste, 97 Reichstalern und einem Stüber. Der Hof des Bauern Odinga zahlte zusätzlich einen Reichstaler.[2]

Im Jahre 1862 werden 49 Kinder gezählt, fünf Jahre später 62. 1869 sinkt die Zahl leicht auf 58 und steigt um 1870 wieder um zwei auf 60 Kinder. Nach der damals geltenden Gesetzeslage dürfte die Schule mit ihrer Größe insgesamt 73 Schüler aufnehmen. Bereits 1878 wird diese Grenze jedoch deutlich überschritten, als bereits 78 Kinder die Schule besuchen. Ein Erweiterungsbau wird nötig und 1882 besuchten ganze 96 Kinder die Schule. Die Schülerzahl war meistens bedingt durch den Ab- und Zugang von kinderreichen Arbeiterfamilien.[2]

Im Jahre 1875 wird in der Schule eine Hinterküche erbaut. 1879 wird das Schulgebäude mangels Raum um weitere 3 Meter verlängert. Am 24. Februar 1898 wird der Kauf eines Grundstückes für eine neue Schule besiegelt und 1899 fertiggestellt. Das Schulgebäude ist bis heute erhalten. 1907 befinden sich 65 Kinder aus Ostermarsch und 16 Kinder aus Junkersrott in der Schule. Sämtliche Kinder sind evangelischen Glaubens. Ab 1907 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1924 unterrichtete dort der durch seine naturkundlichen Studien bekannt gewordene Lehrer Otto Leege, nach dem ein gutes Jahrhundert später der anliegende Platz benannt worden ist. 1920 unterrichtete Lehrer Leege 89 Schulkinder in einer Klasse. 1923 sind es noch 88.[2]

Zum 1. Oktober 1914 wurde wegen der Überfüllung der Schule eine zweite Lehrerstelle in Ostermarsch geplant. Auch eine zweite Klasse sollte eingerichtet werden. Beide Vorhaben fielen jedoch aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkriegs aus. So kam es, dass die Schule bis zuletzt eine für kleine Dörfer übliche Einraumschule blieb und eine zweite Lehrerstelle erst zum 1. April 1950 eingerichtet wurde. 1963 wurde die Ostermarscher Schule letztlich geschlossen. Die Grundschüler besuchten zunächst die Schule in Neßmersiel. Nachdem Ostermarsch zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil Nordens wurde, wurden die Schüler der Grundschule Norddeich zugewiesen.[2]

Das Schulgebäude in Ostermarsch befindet sich heute im Besitz der Stadt Norden und wird als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. An jedem ersten Sonntag im Monat wird hier ein Gottesdienst angeboten.[5]

Lehrkräfte

Anmerkung: Die nachfolgende Liste ist weder abschließend, noch vollständig!

Zeitraum 1. Lehrerstelle
1687 - 1693 Dirk Meenßen
1693 - 1696 Johan von Honard
1696 - ??? Evers Arendts
1801 - ??? Frerich Hinrichs
??? - 1825 ??? Bolinius
1825 - H. F. Brauer
Zeitraum 2. Lehrerstelle

Schülerzahlen

Schuljahr Anzahl
1825 50

Einzelnachweis

  1. 1,0 1,1 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 50
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Beschreibung von Ostermarsch in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  3. StAA, Rep. 139, 868
  4. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 51
  5. Internetseite der Ludgerigemeinde Norden , abgerufen am 18. April 2021

Siehe auch