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Am 25. September 1475 erließen der Ordensvorstand ein Handelsverbot gegen das Kloster. Offenbar waren die Handelstätigkeiten der Mönche so umfangreich geworden, dass diese im krassen Gegensatz zu den Ordensidealen - einem Leben in Armut und Besitzlosigkeit - stand.
Am 25. September 1475 erließen der Ordensvorstand ein Handelsverbot gegen das Kloster. Offenbar waren die Handelstätigkeiten der Mönche so umfangreich geworden, dass diese im krassen Gegensatz zu den Ordensidealen - einem Leben in Armut und Besitzlosigkeit - stand.


Ab 1527 hielt die Reformation auch in Norden Einzug. Am 1. Januar des Jahres lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Kloster ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch Gerardus Synellius, Abt des Klosters Marienthal. Er war der einzige, der den alten Glauben verteidigte. [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Klosters Marienthal, schrieb damals, dass er und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken bei der [[Norder Disputation]] wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":0" /> Durch die Reformation löste sich das Kloster schließlich noch vor 1530 auf.<ref>Suur, Hemmo (1838): Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden, S. 107</ref>
Ab 1527 hielt die Reformation auch in Norden Einzug, die vom Kloster der Dominikaner ausging.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Am 1. Januar des Jahres lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Kloster ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch Gerardus Synellius, Abt des Klosters Marienthal. Er war der einzige, der den alten Glauben verteidigte. [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Klosters Marienthal, schrieb damals, dass er und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken bei der [[Norder Disputation]] wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":0" /> Durch die Reformation löste sich das Kloster schließlich noch vor 1530 auf.<ref>Suur, Hemmo (1838): Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden, S. 107</ref>


Die meisten Mönche verließen das Kloster daraufhin, ein Vorsteher des Klosters soll dabei größere Vermögensgegenstände mitgenommen haben. Die verbliebenen Mönche wurden von [[Enno II. Cirksena]], dem neuen Grafen von Ostfriesland, mit einer Rente abgefunden und er nahm das Kloster in Besitz. Er ließ die Anlagen umgestalten, um sich selbst einen seinen Vorstellungen entsprechenden Herrensitz zu erbauen. Doch kurze Zeit später fiel [[Balthasar von Esens]] mit seinen Truppen ein und verwüstete die ehemaligen Klosteranlagen. Daraufhin errichtete Enno II. hier den [[Fräuleinshof]], einen Wohnsitz für seine unverheirateten Schwestern (= Fräuleins) Theda und Armgard, die hier bis an ihr Lebensende wohnten.
Die meisten Mönche verließen das Kloster daraufhin, ein Vorsteher des Klosters soll dabei größere Vermögensgegenstände mitgenommen haben. Die verbliebenen Mönche wurden von [[Enno II. Cirksena]], dem neuen Grafen von Ostfriesland, mit einer Rente abgefunden und er nahm das Kloster in Besitz. Er ließ die Anlagen umgestalten, um sich selbst einen seinen Vorstellungen entsprechenden Herrensitz zu erbauen. Doch kurze Zeit später fiel [[Balthasar von Esens]] mit seinen Truppen ein und verwüstete die ehemaligen Klosteranlagen. Daraufhin errichtete Enno II. hier den [[Fräuleinshof]], einen Wohnsitz für seine unverheirateten Schwestern (= Fräuleins) Theda und Armgard, die hier bis an ihr Lebensende wohnten.
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1567 gründete Graf Edzard II. hier eine Lateinschule, den Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] und finanzierte diese mit Einkünften aus eingezogenem Landbesitz der beiden Norder Klöster.<ref name=":0" /> Durch Abbruch der Lateinschule in den Jahren 1851 bis 1852, in deren Folge das Ulrichsgymnasium erbaut wurde, verschwanden die letzten sichtbaren Überreste des Klosters.
1567 gründete Graf Edzard II. hier eine Lateinschule, den Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] und finanzierte diese mit Einkünften aus eingezogenem Landbesitz der beiden Norder Klöster.<ref name=":0" /> Durch Abbruch der Lateinschule in den Jahren 1851 bis 1852, in deren Folge das Ulrichsgymnasium erbaut wurde, verschwanden die letzten sichtbaren Überreste des Klosters.


== Gebäude ==
 
==Gebäude==
Das Kloster umfasste naturgemäß die für den Betrieb eines Klosters notwendigen Gebäude wie einen Gebetsraum, eine Küche und einen Speisesaal sowie einen Schlafsaal. Anfänglich bestanden diese Gebäude vor allem aus Holz und ähnelten mehr Baracken, als klostertypischen Steinbauten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Baracken dann durch Backsteinbauten ersetzt. Später wurden auch eine Kapelle und eine Klosterschule erbaut, in der einige Mönche sich auf ihre Studien in entfernten Universitäten vorbereiteten. Überlieferte Namen von Mönchen, die später Universitäten außerhalb der Region besuchten, lassen darauf schließen, dass diese zum größten Teil aus Ostfriesland kamen. Die Häuptlingsgeschlechter [[Attena]] und [[Cirksena]] scheinen maßgeblich an der Befestigung des Klosters beteiligt gewesen zu sein.
Das Kloster umfasste naturgemäß die für den Betrieb eines Klosters notwendigen Gebäude wie einen Gebetsraum, eine Küche und einen Speisesaal sowie einen Schlafsaal. Anfänglich bestanden diese Gebäude vor allem aus Holz und ähnelten mehr Baracken, als klostertypischen Steinbauten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Baracken dann durch Backsteinbauten ersetzt. Später wurden auch eine Kapelle und eine Klosterschule erbaut, in der einige Mönche sich auf ihre Studien in entfernten Universitäten vorbereiteten. Überlieferte Namen von Mönchen, die später Universitäten außerhalb der Region besuchten, lassen darauf schließen, dass diese zum größten Teil aus Ostfriesland kamen. Die Häuptlingsgeschlechter [[Attena]] und [[Cirksena]] scheinen maßgeblich an der Befestigung des Klosters beteiligt gewesen zu sein.


Archäologen konnten bisher die Kirche und Teile der nördlich gelegenen Klausurgebäude einschließlich eines Kellers im Nordflügel freigraben. Dessen Grundmauern werden in einem Schauraum des Ulrichsgymnasiums gezeigt. In diesem Teil des Klosters wird der Wirtschaftsbereich vermutet. Bei den Grabungen kamen zudem mehr als 3200 Scherben von Fensterglas zutage, die auf die Zeit von 1320 bis 1340 datiert werden. Die Hälfte davon trug Bemalungen in Grisaille-Technik, hinzu kamen zahlreiche farbige Stücke. Bei den Motiven überwiegen Darstellungen von Pflanzen, die im Rahmen der Grisaille-Verglasung wohl Rankenmuster gebildet haben. Darstellungen von Personen oder Figuren sind hingegen selten. Für die Archäologen stehen die Scherben in ihrer Fülle stellvertretend für die ehemals prachtvolle Ausstattung der Norder Klöster. Die etwa 45 cm starken Mauerwerk bestand aus 29 cm langen und 8 cm hohen großformatigen Steinen, sogenannten Klostersteinen. Die Ausdehnung des Mauerwerks lässt auf einen Hallenraum mit etwa 14 Metern in der Längsachse und 6,90 Metern in der Schmalseite schließen. Insgsamt dürfte der Bau etwa 100 qm groß gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 12</ref> Mehr als 5000 entdeckte Tierknochen geben zudem Einblicke in den Speiseplan des Ordens in der Mitte des 15. Jahrhunderts.<ref>Bärenfänger, Rolf (2009): Archäologie in Kirchen und Klöstern Ostfrieslands. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Heft 46/2009. S. 35ff.</ref>
Archäologen konnten bisher die Kirche und Teile der nördlich gelegenen Klausurgebäude einschließlich eines Kellers im Nordflügel freigraben. Dessen Grundmauern werden in einem Schauraum des Ulrichsgymnasiums gezeigt. In diesem Teil des Klosters wird der Wirtschaftsbereich vermutet. Bei den Grabungen kamen zudem mehr als 3200 Scherben von Fensterglas zutage, die auf die Zeit von 1320 bis 1340 datiert werden. Die Hälfte davon trug Bemalungen in Grisaille-Technik, hinzu kamen zahlreiche farbige Stücke. Bei den Motiven überwiegen Darstellungen von Pflanzen, die im Rahmen der Grisaille-Verglasung wohl Rankenmuster gebildet haben. Darstellungen von Personen oder Figuren sind hingegen selten. Für die Archäologen stehen die Scherben in ihrer Fülle stellvertretend für die ehemals prachtvolle Ausstattung der Norder Klöster. Die etwa 45 cm starken Mauerwerk bestand aus 29 cm langen und 8 cm hohen großformatigen Steinen, sogenannten Klostersteinen. Die Ausdehnung des Mauerwerks lässt auf einen Hallenraum mit etwa 14 Metern in der Längsachse und 6,90 Metern in der Schmalseite schließen. Insgsamt dürfte der Bau etwa 100 qm groß gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 12</ref> Mehr als 5000 entdeckte Tierknochen geben zudem Einblicke in den Speiseplan des Ordens in der Mitte des 15. Jahrhunderts.<ref>Bärenfänger, Rolf (2009): Archäologie in Kirchen und Klöstern Ostfrieslands. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Heft 46/2009. S. 35ff.</ref>


== Bedeutung für die Stadt ==
==Bedeutung für die Stadt ==
Der Grundbesitz des Klosters war nicht so umfangreich wie der des Klosters Marienthal. Er umfasste knapp 195 Diemat Land (etwa 1,2 Millionen Quadratmeter), das sich überwiegend auf dem Gebiet des heutigen [[Süderneuland|Süderneulands]] und [[Neuwesteel|Neuwesteels]] befand. Außerdem war das Kloster im Besitz eines Salzwerk.
Der Grundbesitz des Klosters war nicht so umfangreich wie der des Klosters Marienthal. Er umfasste knapp 195 Diemat Land (etwa 1,2 Millionen Quadratmeter), das sich überwiegend auf dem Gebiet des heutigen [[Süderneuland|Süderneulands]] und [[Neuwesteel|Neuwesteels]] befand. Außerdem war das Kloster im Besitz eines Salzwerk.


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Die belesenen Dominikanermönche wurden allgemein wegen ihrer hohen Bildung geachtet und sollen gute Erzieher und Lehrer gewesen sein.<ref name=":2" /> Von 1271 bis 1530 führten sie eine umfangreiche Bibliothek, aus der unter anderem [[Ubbo Emmius]] und weitere bedeutende Geschichtsschreiber wie Eggerik Beninga ihre Quellen zogen. Die Bestände gingen später verloren und gelten bis heute als verschollen.<ref>Ostfriesische Landschaft (1897): Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 4</ref>
Die belesenen Dominikanermönche wurden allgemein wegen ihrer hohen Bildung geachtet und sollen gute Erzieher und Lehrer gewesen sein.<ref name=":2" /> Von 1271 bis 1530 führten sie eine umfangreiche Bibliothek, aus der unter anderem [[Ubbo Emmius]] und weitere bedeutende Geschichtsschreiber wie Eggerik Beninga ihre Quellen zogen. Die Bestände gingen später verloren und gelten bis heute als verschollen.<ref>Ostfriesische Landschaft (1897): Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 4</ref>


== Nachwirkungen ==
==Nachwirkungen==
Der Heimatforscher Friedrich Sundermann entdeckte in den 1880er Jahren "Aufrechtes Glaskraut" auf dem ehemaligen Gelände des Dominikanerklosters und den angrenzenden Grundstücken. Sein Fund geriet in Vergessenheit bis [[Otto Leege]] die Pflanze 1941 neu entdeckte. Er schrieb darüber einen ausführlichen Artikel mit dem Titel „Unkraut, das fast nur in Norden wächst, einst Heilpflanze in Klostergärten, heute Unkraut im Spiet“. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Pflanzen Abkömmlinge des Aufrechten Glaskrauts sind, das vor der Zerstörung des Norder Klosters im Jahr 1531 von Domnikanermönchen als Heilpflanze angebaut wurde. Es diente der historischen Klosterapotheke als Mittel gegen Nierenschwäche, Verstopfung, Hautunreinheiten und Husten. Verabreicht wurde es vor allem als Tee, dem ein wenig Minze beigefügt wurde, um den unangenehmen Geschmack zu überdecken. Hier und dort dienten die Glauskrautblätter auch als heilsam Auflage bei Geschwulsten.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 25. Juli 1945</ref>
Der Heimatforscher Friedrich Sundermann entdeckte in den 1880er Jahren "Aufrechtes Glaskraut" auf dem ehemaligen Gelände des Dominikanerklosters und den angrenzenden Grundstücken. Sein Fund geriet in Vergessenheit bis [[Otto Leege]] die Pflanze 1941 neu entdeckte. Er schrieb darüber einen ausführlichen Artikel mit dem Titel „Unkraut, das fast nur in Norden wächst, einst Heilpflanze in Klostergärten, heute Unkraut im Spiet“. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Pflanzen Abkömmlinge des Aufrechten Glaskrauts sind, das vor der Zerstörung des Norder Klosters im Jahr 1531 von Domnikanermönchen als Heilpflanze angebaut wurde. Es diente der historischen Klosterapotheke als Mittel gegen Nierenschwäche, Verstopfung, Hautunreinheiten und Husten. Verabreicht wurde es vor allem als Tee, dem ein wenig Minze beigefügt wurde, um den unangenehmen Geschmack zu überdecken. Hier und dort dienten die Glauskrautblätter auch als heilsam Auflage bei Geschwulsten.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 25. Juli 1945</ref>


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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references/>
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==Siehe auch==
==Siehe auch==