Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 16: Zeile 16:
|-
|-
|Entstehungszeit
|Entstehungszeit
|um 1264
|um 1269
|-
|-
|Erbauer
|Erbauer
Zeile 36: Zeile 36:
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts siedelten sich erstmals Mönche des 1215 gegründeten, katholischen Benediktinerordens in Ostfriesland an. In einem Schreiben hatte sie sich 1264 an den Hauptsitz des Ordens in Paris gewandt und darum gebeten, die Gründung einer Ordensniederlassung im Land der Friesen zu ermöglichen, was ihnen gestattet wurde. Die Dominikaner sollten zur Wahrung des Friedens das von Naturkatastrophen und Hungersnöten heimgesuchet Land zwischen Weser und Ems missionieren und befrieden. Hierin hatten sie sich bereits in Stedingen bei Bremen bewährt.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9</ref> Möglicherweise steht die Gründung auch in Zusammenhang mit dem Wunsch, friesische Krieger für die Kreuzzüge des Papstes anzuwerben, nachdem diese sich am Sechsten Kreuzzug im Jahre 1248 nicht in gewünschtem Umfang beteiligt hatten.<ref name=":0">Lübbing, Hermann (1926): Das Dominikanerkloster zu Norden in Ostfriesland. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 269-314</ref> Die friesischen Krieger genossen einen überaus guten Ruf als furchtlose Krieger. Bereits Karl der Große soll so begeistert von ihnen gewesen sein, dass er ihnen im 9. Jahrhundert die "Friesische Freiheit" als Geschenk für ihren Sieg über die Römer vermachte.<ref name=":0" />
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts siedelten sich erstmals Mönche des 1215 gegründeten, katholischen Benediktinerordens in Ostfriesland an. In einem Schreiben hatte sie sich 1264 an den Hauptsitz des Ordens in Paris gewandt und darum gebeten, die Gründung einer Ordensniederlassung im Land der Friesen zu ermöglichen, was ihnen gestattet wurde. Die Dominikaner sollten zur Wahrung des Friedens das von Naturkatastrophen und Hungersnöten heimgesuchet Land zwischen Weser und Ems missionieren und befrieden. Hierin hatten sie sich bereits in Stedingen bei Bremen bewährt.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9</ref> Möglicherweise steht die Gründung auch in Zusammenhang mit dem Wunsch, friesische Krieger für die Kreuzzüge des Papstes anzuwerben, nachdem diese sich am Sechsten Kreuzzug im Jahre 1248 nicht in gewünschtem Umfang beteiligt hatten.<ref name=":0">Lübbing, Hermann (1926): Das Dominikanerkloster zu Norden in Ostfriesland. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 269-314</ref> Die friesischen Krieger genossen einen überaus guten Ruf als furchtlose Krieger. Bereits Karl der Große soll so begeistert von ihnen gewesen sein, dass er ihnen im 9. Jahrhundert die "Friesische Freiheit" als Geschenk für ihren Sieg über die Römer vermachte.<ref name=":0" />


Einige ostfriesische Häuptlinge förderten und finanzierten die Gründung des Klosters durch Schenkungen von Land und Geld. Besonders hervor taten sich hier die Häuptlingsfamilien [[Idzinga]], [[Uldinga]] und [[Eggers]]. Zuvor befand sich hier ein Gebäude, in dem sich eine Münzprägeanstalt befand. Für die Anlage des Klosters sandten die Dominikaner Herardus aus dem Jakobskloster in Paris nach Norden. Die Gründung scheint schnell vonstatten gegangen zu sein, denn das Kloster wird bereits 1269 erstmalig erwähnt wird. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Gebäude anfangs nicht aus Stein, sondern aus Holz bestanden.<ref name=":1" /> Organisatorisch gehörte es zunächst zur Ordensprovinz Teutonia, ab 1303 zur Provinz Saxonia.
Einige ostfriesische Häuptlinge förderten und finanzierten die Gründung des Klosters durch Schenkungen von Land und Geld. Besonders hervor taten sich hier die Häuptlingsfamilien [[Idzinga]], [[Uldinga]] und [[Eggers]]. Zuvor befand sich hier ein Gebäude, in dem sich eine Münzprägeanstalt befand. Für die Anlage des Klosters sandten die Dominikaner Herardus aus dem Jakobskloster in Paris nach Norden. Die Gründung scheint schnell vonstatten gegangen zu sein, denn das Kloster wird bereits 1269 erstmalig erwähnt. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Gebäude anfangs nicht aus Stein, sondern aus Holz bestanden.<ref name=":1" /> Organisatorisch gehörte es zunächst zur Ordensprovinz Teutonia, ab 1303 zur Provinz Saxonia.


Wie auch das [[Kloster Marienthal]] genoss auch das Kloster der Dominikaner großes Ansehen, sodass hier 1269 Abgeordnete aus dem Emsland und der Hansestadt Bremen zusammen kamen, um ihren Frieden von 1255, geschlossen im Kloster Marienthal, zu erneuern. Die Dominikaner dienten hierbei nachweislich als Vermittler. Schon zwei Jahre später traten sie erneut in diese Rolle und schlichteten einen Streit mehrerer ostfriesischer Landesgemeinden mit dem Bischof von Münster.<ref name=":0" /> 1269 sollen sie zudem bereits einen Streit zwischen den Einwohnern Emdens und Bremen beigelegt und 1277 dazu beigetragen haben, dass die Häuptlinge des [[Norderland|Norderlandes]] Frieden untereinander schlossen und fortan "Friedensmänner" zur Streitschlichtung wählten.<ref name=":2" />
Wie auch das [[Kloster Marienthal]] genoss auch das Kloster der Dominikaner großes Ansehen, sodass hier im Jahr 1269 mehrere Abgeordnete aus dem Emsland und der Hansestadt Bremen zusammen kamen, um ihren Frieden von 1255, geschlossen im Kloster Marienthal, zu erneuern. Die Dominikaner dienten hierbei nachweislich als Vermittler. Schon zwei Jahre später traten sie erneut in diese Rolle und schlichteten einen Streit mehrerer ostfriesischer Landesgemeinden mit dem Bischof von Münster.<ref name=":0" /> 1269 sollen sie zudem bereits einen Streit zwischen den Einwohnern Emdens und Bremen beigelegt und 1277 dazu beigetragen haben, dass die Häuptlinge des [[Norderland|Norderlandes]] Frieden untereinander schlossen und fortan "Friedensmänner" zur Streitschlichtung wählten.<ref name=":2" />


In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" />
In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" />
Zeile 68: Zeile 68:
Die Bewohner vom [[Sandweg|Sand-]] vom [[Hollweg]], der [[Laukeriege]], der [[Mackeriege]] sowie der [[Mühlenlohne]] waren dem Kloster und nach dessen Auflösung seinem Rechtsnachfolger, dem Norder Amtmann, gegen das Privileg der Steuerfreiheit zum Handdienst verpflichtet.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Frohn- und Hofdienste in Norden, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 19. Februar 1994, S. 1 ff.</ref> Das bedeutet, dass sie zwar keine Steuern zahlen mussten, dem Kloster bzw. dem Amtmann jedoch für handwerkliche oder andere körperliche Tätigkeiten zur Verfügung stehen musste.
Die Bewohner vom [[Sandweg|Sand-]] vom [[Hollweg]], der [[Laukeriege]], der [[Mackeriege]] sowie der [[Mühlenlohne]] waren dem Kloster und nach dessen Auflösung seinem Rechtsnachfolger, dem Norder Amtmann, gegen das Privileg der Steuerfreiheit zum Handdienst verpflichtet.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Frohn- und Hofdienste in Norden, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 19. Februar 1994, S. 1 ff.</ref> Das bedeutet, dass sie zwar keine Steuern zahlen mussten, dem Kloster bzw. dem Amtmann jedoch für handwerkliche oder andere körperliche Tätigkeiten zur Verfügung stehen musste.


Die belesenen Dominikanermönche wurden allgemein wegen ihrer hohen Bildung geachtet und sollen gute Erzieher und Lehrer gewesen sein.<ref name=":2" />
Die belesenen Dominikanermönche wurden allgemein wegen ihrer hohen Bildung geachtet und sollen gute Erzieher und Lehrer gewesen sein.<ref name=":2" /> Von 1271 bis 1530 führten sie eine umfangreiche Bibliothek, aus der unter anderem [[Ubbo Emmius]] und weitere bedeutende Geschichtsschreiber wie Eggerik Beninga ihre Quellen zogen. Die Bestände gingen später verloren und gelten bis heute als verschollen.<ref>Ostfriesische Landschaft (1897): Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 4</ref>


== Nachwirkungen ==
== Nachwirkungen ==