Diedrich Gerhard Soltau: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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'''Diedrich Gerhard Soltau''' gründete 1861 den [[Soltau Kurier Norden]], dessen Geschäftsführung er bis 1894 innehatte. Der Verlag ist vor allem bekannt für die Herausgabe des [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kuriers]]. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn [[Heinrich Soltau]] die Geschäftsführung.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref>
'''Diedrich Gerhard Soltau''' (* 30. November 1836 in Norden; † 13. März 1894 ebenda) gründete 1861 den [[Soltau Kurier Norden]], dessen Geschäftsführung er bis 1894 innehatte. Der Verlag ist vor allem bekannt für die Herausgabe des [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kuriers]]. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn [[Heinrich Soltau]] die Geschäftsführung.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref>
 
==Leben ==
Soltau wurde als jüngerer von zwei Söhnen des aus Schwarme bei Hoya an der Weser stammenden [[Reinhard Heinrich Soltau]] und seiner zweiten Ehefrau [[Henrietta Louise Soltau|Henrietta Louise Soltau, geb. Ries]] in Norden geboren. Die Familie wohnte zu dieser Zeit am [[Neuer Weg 2|Neuer Weg 2-3]], wo der Vater eine Buchbinderei betrieb. Neben seinem Bruder hatte Diedrich Gerhard noch drei Schwestern.
 
Nach dem Tod des Vaters 1859 musste Diedrich Gerhard seine Mutter und seine Schwestern versorgen, da der ältere Bruder Christoph schon vor 1851 in die USA ausgewandert war.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 114</ref> Er betrieb die väterliche Buchbinderei und Buchhandlung weiter, ab 1866 eine Kunst- und Musikalienhandlung und mindestens 15 Jahre Nähmaschinenvertretungen u.a. als Hauptagentur von Singer aus New York.
 
1863 verlegte er sein erstes (philosophisches) Buch (J. H. Frerichs, Geist und Herz, 2. Aufl. 1878), dem schnell weitere Titel folgten. Am 1. Juli 1867 eröffnete er eine Buchdruckerei, in der der Ostfriesische Kurier gedruckt wurde, ab Juni 1868 auch die Norderneyer Bade-Zeitung und ab 1869 jährlich der Kalender Der Hausfreund, zu dem sich später noch diverse andere gesellen sollten: Ab 1875 der bekannte Christophorus der Stelzfuß, ab 1914 umbenannt in Ostfreesland - Kalender für Jedermann. Insgesamt brachte der Verleger in den 31 Jahren bis zu seinem Tod 597 Buchtitel, fünf Kalender-Reihen, zwei Zeitungen und drei Zeitschriften heraus.
 
Zwischen  1880  und  1884  erreichte  Soltau,  dass  der  Verein für  niederdeutsche Sprachforschung den Soltau-Verlag zu seinem Hausverlag machte. Hier erschienen bis 1927 alle Veröffentlichungen des Vereins, sowohl die Periodica als auch Monographien. Gedruckt hatte Soltau schon bis zur Emder Gewerbeausstellung 1888 für eigene bzw. fremde Rechnung 696 Titel. Seine Verlagsprodukte wurden von Berlin bis Basel, von Hamburg bis Leipzig besprochen, da er einem Verbund von 28 christlichen Verlagen angehörte.
 
Vom ersten Erscheinungstag des Kuriers an, bis zu seinem Tode 1894 blieb Soltau alleiniger Redakteur der  Zeitung,  die  so  schnell  wuchs,  dass  er  die  gutgehende Buchhandlung samt Leihbücherei schon am 1. Januar 1870 verkaufte. In Norden erschien seit 1848 das liberale [[Norder Stadtblatt]] des [[Johann Friedrich Schmidt]] (Auflage 750) und ab 1865 der welfische [[Der Telegraph|Telegraph]]. Als dessen überschuldeter Verleger von Bloh 1867 aufgab, belieferte Soltau die 480 Abonnenten weiter mit seiner konservativen Zeitung, dem Kurier. Schon 1868 hatte er 1000 Abonnenten.
 
1872 (bei  1245 Abonnenten = drittgrößte von elf Zeitungen in Ostfriesland) zog Soltau um in das [[Gräfliches Haus|Gräfliche Haus]]. 1885 wurde der Kurier amtliches Kreisblatt, 1890 (bei 3600 Abonnenten) stellte das ''Norder Stadtblatt'' sein Erscheinen ein. Trotz zeitweiliger Konkurrenz durch andere Blätter lasen bei Soltaus Tod 1894 4000 Familien den Kurier.
 
Neben seinem unternehmerischen Engagement war Soltau auch ein wohltätiger und frommer Mann. So unterstützte er zusammen mit anderen Norder Bürgern die Armen und Kranken und unterhielt eine Suppenküche. Im  [[Verein für freiwillige Armenpflege]] war er als Armenpfleger aktiv und gründete 1881 eine „Pfennig-Sparkasse“, die schnell erfolgreich auf Norderney, in Aurich und Emden kopiert wurde. Schließlich bewirkte Soltau, dass am 13. März 1885 eine ''Herberge zur Heimat'' im [[Engenahof]], um bei Frost arbeitslosen wandernden Handwerksburschen billig eine Übernachtung und günstiges Essen geben zu können.
 
== Familie ==
Seine Frau [[Marie Elisabeth Soltau]], geb. Eiben, aus Berum gebar ihm fünf Kinder, von denen nur die älteste Tochter Louise sowie [[Otto Soltau|Otto G. Soltau]] und [[Heinrich Soltau]] groß wurden. Sie arbeitete ab 1891 mit in der [[Kinderbewahranstalt|Pflegeanstalt für Kinder unbemittelter Eltern]], wie nach ihr noch zwei Generationen von Frauen der Soltaus. Soltau setzte sich sehr dafür ein, dass aus dem Norder Progymnasium ein Vollgymnasium wurde, schickte auch seine Söhne dahin. Otto G. und Heinrich heirateten spät, führten die Firma gemeinsam bis 1922 und teilten sie dann, sodass der ''Ostfriesische Kurier'' an Heinrich fiel, der auch weiter Bücher verlegte.


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references/>
<references />
 
== Quellenverzeichnis ==
 
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft


==Siehe auch==
==Siehe auch==

Version vom 5. Juni 2021, 09:35 Uhr

Portrait (unbekanntes Datum).

Diedrich Gerhard Soltau (* 30. November 1836 in Norden; † 13. März 1894 ebenda) gründete 1861 den Soltau Kurier Norden, dessen Geschäftsführung er bis 1894 innehatte. Der Verlag ist vor allem bekannt für die Herausgabe des Ostfriesischen Kuriers. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Heinrich Soltau die Geschäftsführung.[1]

Leben

Soltau wurde als jüngerer von zwei Söhnen des aus Schwarme bei Hoya an der Weser stammenden Reinhard Heinrich Soltau und seiner zweiten Ehefrau Henrietta Louise Soltau, geb. Ries in Norden geboren. Die Familie wohnte zu dieser Zeit am Neuer Weg 2-3, wo der Vater eine Buchbinderei betrieb. Neben seinem Bruder hatte Diedrich Gerhard noch drei Schwestern.

Nach dem Tod des Vaters 1859 musste Diedrich Gerhard seine Mutter und seine Schwestern versorgen, da der ältere Bruder Christoph schon vor 1851 in die USA ausgewandert war.[2] Er betrieb die väterliche Buchbinderei und Buchhandlung weiter, ab 1866 eine Kunst- und Musikalienhandlung und mindestens 15 Jahre Nähmaschinenvertretungen u.a. als Hauptagentur von Singer aus New York.

1863 verlegte er sein erstes (philosophisches) Buch (J. H. Frerichs, Geist und Herz, 2. Aufl. 1878), dem schnell weitere Titel folgten. Am 1. Juli 1867 eröffnete er eine Buchdruckerei, in der der Ostfriesische Kurier gedruckt wurde, ab Juni 1868 auch die Norderneyer Bade-Zeitung und ab 1869 jährlich der Kalender Der Hausfreund, zu dem sich später noch diverse andere gesellen sollten: Ab 1875 der bekannte Christophorus der Stelzfuß, ab 1914 umbenannt in Ostfreesland - Kalender für Jedermann. Insgesamt brachte der Verleger in den 31 Jahren bis zu seinem Tod 597 Buchtitel, fünf Kalender-Reihen, zwei Zeitungen und drei Zeitschriften heraus.

Zwischen  1880  und  1884  erreichte  Soltau,  dass  der  Verein für  niederdeutsche Sprachforschung den Soltau-Verlag zu seinem Hausverlag machte. Hier erschienen bis 1927 alle Veröffentlichungen des Vereins, sowohl die Periodica als auch Monographien. Gedruckt hatte Soltau schon bis zur Emder Gewerbeausstellung 1888 für eigene bzw. fremde Rechnung 696 Titel. Seine Verlagsprodukte wurden von Berlin bis Basel, von Hamburg bis Leipzig besprochen, da er einem Verbund von 28 christlichen Verlagen angehörte.

Vom ersten Erscheinungstag des Kuriers an, bis zu seinem Tode 1894 blieb Soltau alleiniger Redakteur der  Zeitung,  die  so  schnell  wuchs,  dass  er  die  gutgehende Buchhandlung samt Leihbücherei schon am 1. Januar 1870 verkaufte. In Norden erschien seit 1848 das liberale Norder Stadtblatt des Johann Friedrich Schmidt (Auflage 750) und ab 1865 der welfische Telegraph. Als dessen überschuldeter Verleger von Bloh 1867 aufgab, belieferte Soltau die 480 Abonnenten weiter mit seiner konservativen Zeitung, dem Kurier. Schon 1868 hatte er 1000 Abonnenten.

1872 (bei  1245 Abonnenten = drittgrößte von elf Zeitungen in Ostfriesland) zog Soltau um in das Gräfliche Haus. 1885 wurde der Kurier amtliches Kreisblatt, 1890 (bei 3600 Abonnenten) stellte das Norder Stadtblatt sein Erscheinen ein. Trotz zeitweiliger Konkurrenz durch andere Blätter lasen bei Soltaus Tod 1894 4000 Familien den Kurier.

Neben seinem unternehmerischen Engagement war Soltau auch ein wohltätiger und frommer Mann. So unterstützte er zusammen mit anderen Norder Bürgern die Armen und Kranken und unterhielt eine Suppenküche. Im  Verein für freiwillige Armenpflege war er als Armenpfleger aktiv und gründete 1881 eine „Pfennig-Sparkasse“, die schnell erfolgreich auf Norderney, in Aurich und Emden kopiert wurde. Schließlich bewirkte Soltau, dass am 13. März 1885 eine Herberge zur Heimat im Engenahof, um bei Frost arbeitslosen wandernden Handwerksburschen billig eine Übernachtung und günstiges Essen geben zu können.

Familie

Seine Frau Marie Elisabeth Soltau, geb. Eiben, aus Berum gebar ihm fünf Kinder, von denen nur die älteste Tochter Louise sowie Otto G. Soltau und Heinrich Soltau groß wurden. Sie arbeitete ab 1891 mit in der Pflegeanstalt für Kinder unbemittelter Eltern, wie nach ihr noch zwei Generationen von Frauen der Soltaus. Soltau setzte sich sehr dafür ein, dass aus dem Norder Progymnasium ein Vollgymnasium wurde, schickte auch seine Söhne dahin. Otto G. und Heinrich heirateten spät, führten die Firma gemeinsam bis 1922 und teilten sie dann, sodass der Ostfriesische Kurier an Heinrich fiel, der auch weiter Bücher verlegte.

Einzelnachweise

  1. Internetseite des Soltau Kurier Norden, abgerufen am 12. März 2021
  2. Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 114

Quellenverzeichnis

Siehe auch