Engenahof: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 16: | Zeile 16: | ||
|- | |- | ||
|Entstehungszeit | |Entstehungszeit | ||
|1617 | |1617 (1970) | ||
|- | |- | ||
|Erbauer | |Erbauer | ||
| Zeile 28: | Zeile 28: | ||
|- | |- | ||
|Genaue Lage | |Genaue Lage | ||
|[[Am Markt]] | |[[Am Markt]] 9-11 | ||
26506 Norden | 26506 Norden | ||
|}__NOTOC__ | |}__NOTOC__ | ||
Der '''Engenahof''' ist ein historisches Gebäude an der Südseite des [[Marktplatz|Norder Marktplatzes]]. Seit Oktober 1945 befindet sich hier der Hauptsitz der [[Polizei Norden|Norder Polizei]]. Zuvor diente es als NSDAP-Parteizentrale, Herberge, Vereins- und Wohnhaus. | Der '''Engenahof''' ist ein historisches, denkmalgeschütztes Gebäude an der Südseite des [[Marktplatz|Norder Marktplatzes]]. Seit Oktober 1945 befindet sich hier der Hauptsitz der [[Polizei Norden|Norder Polizei]]. Zuvor diente es als NSDAP-Parteizentrale, Herberge, Vereins- und Wohnhaus. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das Gebäude wurde im Jahr 1617 von [[Erhard Lüppena]] aus dem Geschlecht der Häuptlinge von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum) erbaut.<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164</ref> Lüppena war 1620 bis 1643 [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister]] von Norden.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden</ref> In der Lebengeschichte des [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]] und des [[Ubbo Emmius]] wird beschrieben, dass sich hier bereits vor dem Bau des heutigen Gebäudes ein großes Steinhaus namens "Kenenburg" befand, dessen Eigentümer Hayo Rykena gewesen sein soll. Erhard Lüppena war durch Heirat mit den [[Rykena|Rykenas]] verwandt. | Das Gebäude wurde im Jahr 1617 von [[Erhard Lüppena]] aus dem Geschlecht der Häuptlinge von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum) erbaut.<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164</ref> Lüppena war 1620 bis 1643 [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister]] von Norden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden</ref> In der Lebengeschichte des [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]] und des [[Ubbo Emmius]] wird beschrieben, dass sich hier bereits vor dem Bau des heutigen Gebäudes ein großes Steinhaus namens "Kenenburg" befand, dessen Eigentümer Hayo Rykena gewesen sein soll.<ref>Dekker, Gudrun Anne (2010): Ubbo Emmius: Leben, Umwelt, Nachlass und Gegenwart, Norderstedt, S. 171</ref> Erhard Lüppena war durch Heirat mit den [[Rykena|Rykenas]] verwandt.<ref name=":1" /> | ||
Die Kenenburg war ursprünglich im Besitz der [[tom Brook]]. Wann genau diese erbaut wurde, ist nicht überliefert. Wie auch bei der "Kenenburg" in Oldeborg (Gemeinde Südbrookmerland) geht der Name wohl auf Keno tom Brook zurück. | Die Kenenburg war ursprünglich im Besitz der [[tom Brook]]. Wann genau diese erbaut wurde, ist nicht überliefert. Wie auch bei der "Kenenburg" in Oldeborg (Gemeinde Südbrookmerland) geht der Name wohl auf Keno tom Brook zurück. Nachdem das Geschlecht der tom Brook 1435 ausstarb, fiel die Burg an die [[Engena]] (daher der Name) und später an die [[Idzinga]]. Die genauen Zusammenhänge lassen sich nicht eindeutig nachvollziehen. Nach dem Tode von [[Hima Idzinga]], die kinderlos im [[Kloster Marienthal]] verstarb, fiel die Kenenburg an [[Edzard Cirksena]] und dann an seinen Bruder [[Ulrich Cirksena]].<ref>Schweckendick, W. (1843): Frisia - eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, Band 1, Emden, S. 42</ref> Die Cirksena hatten als Grafen Ostfriesland unmittelbaren Anspruch auf die Besitztümer der nun ausgestorbenen Idzinga. | ||
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Gebäude abgerissen. Auf den Grundmauern der Kenenburg errichtete Erhard Lüppena im Jahr 1617 das heutige Gebäude, wobei sich dieses nur auf dem heutigen Grund der Hausnummer 10 befand. Die Nummern 9 ([[Holzhandlung Frericks]]) und 11 wurden erst später errichtet. | |||
Nachdem das Gebäude viele Jahre als Wohnhaus genutzt wurde, baute man es vermutlich im 19. Jahrhundert zu einer Herberge um. Im 20. Jahrhundert befand sich im Gebäude das sogenannte "Vereinshaus", das verschiedene Norder Vereine als Ort für Veranstaltungen nutzten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten befand sich hier bis 1945 die Parteizentrale der NSDAP. Im Oktober 1945 bezog die [[Polizei Norden]] das Gebäude, die bis dahin in der [[Drei Schwestern|Dritten Schwester]] ansässig war und das Gebäude bis heute nutzt. | |||
1970 wurde das Gebäude bis auf den Keller und die Fassade gen [[Marktplatz]] abgebrochen und neu errichtet. Heute steht es unter Denkmalschutz. Die Holzhandlung wurde 1978/1979 ebenfalls abgebrochen. | |||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||
Version vom 31. März 2021, 09:00 Uhr
Engenahof | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| {{#multimaps: | Title = Engenahof | Text = Gebäude in Norden | center = 53.59518980039439, 7.2061349683362454 | circle = 53.59518980039439, 7.2061349683362454 : 35 | zoom = 17 | width = 300px | height = 300px
}} | |
| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | 1617 (1970) | |||||||
| Erbauer | unbekannt | |||||||
| Bauweise | Ziegelsteinbau | |||||||
| Erhaltungszustand | erhalten | |||||||
| Genaue Lage | Am Markt 9-11
26506 Norden | |||||||
Der Engenahof ist ein historisches, denkmalgeschütztes Gebäude an der Südseite des Norder Marktplatzes. Seit Oktober 1945 befindet sich hier der Hauptsitz der Norder Polizei. Zuvor diente es als NSDAP-Parteizentrale, Herberge, Vereins- und Wohnhaus.
Geschichte
Das Gebäude wurde im Jahr 1617 von Erhard Lüppena aus dem Geschlecht der Häuptlinge von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum) erbaut.[1] Lüppena war 1620 bis 1643 Bürgermeister von Norden.[2] In der Lebengeschichte des Hayo Rykena und des Ubbo Emmius wird beschrieben, dass sich hier bereits vor dem Bau des heutigen Gebäudes ein großes Steinhaus namens "Kenenburg" befand, dessen Eigentümer Hayo Rykena gewesen sein soll.[3] Erhard Lüppena war durch Heirat mit den Rykenas verwandt.[2]
Die Kenenburg war ursprünglich im Besitz der tom Brook. Wann genau diese erbaut wurde, ist nicht überliefert. Wie auch bei der "Kenenburg" in Oldeborg (Gemeinde Südbrookmerland) geht der Name wohl auf Keno tom Brook zurück. Nachdem das Geschlecht der tom Brook 1435 ausstarb, fiel die Burg an die Engena (daher der Name) und später an die Idzinga. Die genauen Zusammenhänge lassen sich nicht eindeutig nachvollziehen. Nach dem Tode von Hima Idzinga, die kinderlos im Kloster Marienthal verstarb, fiel die Kenenburg an Edzard Cirksena und dann an seinen Bruder Ulrich Cirksena.[4] Die Cirksena hatten als Grafen Ostfriesland unmittelbaren Anspruch auf die Besitztümer der nun ausgestorbenen Idzinga.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Gebäude abgerissen. Auf den Grundmauern der Kenenburg errichtete Erhard Lüppena im Jahr 1617 das heutige Gebäude, wobei sich dieses nur auf dem heutigen Grund der Hausnummer 10 befand. Die Nummern 9 (Holzhandlung Frericks) und 11 wurden erst später errichtet.
Nachdem das Gebäude viele Jahre als Wohnhaus genutzt wurde, baute man es vermutlich im 19. Jahrhundert zu einer Herberge um. Im 20. Jahrhundert befand sich im Gebäude das sogenannte "Vereinshaus", das verschiedene Norder Vereine als Ort für Veranstaltungen nutzten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten befand sich hier bis 1945 die Parteizentrale der NSDAP. Im Oktober 1945 bezog die Polizei Norden das Gebäude, die bis dahin in der Dritten Schwester ansässig war und das Gebäude bis heute nutzt.
1970 wurde das Gebäude bis auf den Keller und die Fassade gen Marktplatz abgebrochen und neu errichtet. Heute steht es unter Denkmalschutz. Die Holzhandlung wurde 1978/1979 ebenfalls abgebrochen.
Beschreibung
Das Haus ist giebelständig zum Markt hin ausgerichtet, der traufständige Gebäudeteil an der rechten Seite des Hauses war ursprünglich ein eigenständiges Giebelhaus, das im 19. Jahrhundert seinen Giebel verlor. Von diesem Gebäudeteil blieb lediglich die Fassade erhalten. Dahinter befindet sich seit 1970 ein Neubau.[5] Zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss des giebelständigen Gebäudeteils gibt es drei Kartuschen aus Sandstein, von denen die linke das Wappen der Erbauerfamilie Lüppena zeigt, während die rechte ein gespaltenes Schild ziert, das möglicherweise das Wappen der Familie Rykena zeigt. In der mittleren Kartusche ist das Baujahr 1617 zu sehen.[1]
Über der rechteckigen Eingangstür befindet sich ein Oberlicht mit geschwungenen Füllhörnern.[6] Über den Fenstern im Erd- und ersten Obergeschoss befinden sich doppelte Entlastungsbögen mit Diamantquaderung. Sie zeigen, dass das Haus zu seiner Erbauungszeit mit Kreuzstockfenstern ausgestattet war.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164
- ↑ 2,0 2,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden
- ↑ Dekker, Gudrun Anne (2010): Ubbo Emmius: Leben, Umwelt, Nachlass und Gegenwart, Norderstedt, S. 171
- ↑ Schweckendick, W. (1843): Frisia - eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, Band 1, Emden, S. 42
- ↑ Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn S. 993
- ↑ Dehio, Georg (1992): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Bremen, Niedersachsen. 2. Auflage, München, S. 993