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1748 konstituierte sich der Herrnhuter Kreis als Sozietät und ab 1757 – verbunden mit der Einführung ihres ersten Predigers am 7. Mai 1757 – als Stadtgemeine Norden. Das letztgenannte Datum galt den Norder Herrnhutern in der Folgezeit als offizieller Gründungstag ihrer Gemeinde.<ref>Smid, Menno (1974): Ostfriesische Kirchengeschichte, Band VI in der Reihe Ostfriesland im Schutze des Deiches, Pewsum, S. 533</ref> Dies bestätigt auch eine Gedenktafel, die ihren ursprünglichen Platz in der Herrnhuter Kapelle hatte und heute im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] zu besichtigen ist.
1748 konstituierte sich der Herrnhuter Kreis als Sozietät und ab 1757 – verbunden mit der Einführung ihres ersten Predigers am 7. Mai 1757 – als Stadtgemeine Norden. Das letztgenannte Datum galt den Norder Herrnhutern in der Folgezeit als offizieller Gründungstag ihrer Gemeinde.<ref>Smid, Menno (1974): Ostfriesische Kirchengeschichte, Band VI in der Reihe Ostfriesland im Schutze des Deiches, Pewsum, S. 533</ref> Dies bestätigt auch eine Gedenktafel, die ihren ursprünglichen Platz in der Herrnhuter Kapelle hatte und heute im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] zu besichtigen ist.


Das Gemeindeleben konnte sich unter der ersten preußischen Herrschaft Ostfrieslands (1744–1807) frei von staatlichen Repressionsmaßnahmen entfalten, was wohl auf die besonderen Privilegien zurückzuführen ist, die das Königreich Preußen den Herrnhutern gewährt hatte.<ref> Für 1773 kann sogar die Einrichtung einer eigenen Schule belegt werden.<ref>Ufke Cremer</ref> In den von Christian Gottlieb Frohberger herausgegebenen Briefen über Herrnhut und die evangelische Brüdergemeine heißt es: "Zu Norden in Ostfriesland ist auch eine kleine Brüdergemeine, die ihr öffentliches Versammlungshaus hat und daselbst in ungestörter Freiheit ihren Gottesdienst hält."<ref>Frohberger, Christian Gottlieb (1796): Briefe über Herrnhut und die evangelische Brüdergemeine nebst einem Anhange, Bautzen, S. 17</ref> In den zeitgenössischen Ortsbeschreibungen und Reisehandbüchern werden die Norder Herrnhuter gleichberechtigt neben den anderen Kirchen und der [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdischen Gemeinde]] erwähnt. So heißt es zum Beispiel in Baedekers Handbuch für Reisende: "Fünf christliche Gemeinden verschiedener Confessionen, darunter Mennoniten und Herrnhuter, leben hier sammt einer israelitischen Gemeinde friedlich nebeneinander."<ref>Baedeker, Karl (1869): Deutschland und Österreich. Handbuch für Reisende, Koblenz, S. 83</ref>
Das Gemeindeleben konnte sich unter der ersten preußischen Herrschaft Ostfrieslands (1744–1807) frei von staatlichen Repressionsmaßnahmen entfalten, was wohl auf die besonderen Privilegien zurückzuführen ist, die das Königreich Preußen den Herrnhutern gewährt hatte. Für 1773 kann sogar die Einrichtung einer eigenen Schule belegt werden.<ref>Ufke Cremer</ref> In den von Christian Gottlieb Frohberger herausgegebenen Briefen über Herrnhut und die evangelische Brüdergemeine heißt es: "Zu Norden in Ostfriesland ist auch eine kleine Brüdergemeine, die ihr öffentliches Versammlungshaus hat und daselbst in ungestörter Freiheit ihren Gottesdienst hält."<ref>Frohberger, Christian Gottlieb (1796): Briefe über Herrnhut und die evangelische Brüdergemeine nebst einem Anhange, Bautzen, S. 17</ref> In den zeitgenössischen Ortsbeschreibungen und Reisehandbüchern werden die Norder Herrnhuter gleichberechtigt neben den anderen Kirchen und der [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdischen Gemeinde]] erwähnt. So heißt es zum Beispiel in Baedekers Handbuch für Reisende: "Fünf christliche Gemeinden verschiedener Confessionen, darunter Mennoniten und Herrnhuter, leben hier sammt einer israelitischen Gemeinde friedlich nebeneinander."<ref>Baedeker, Karl (1869): Deutschland und Österreich. Handbuch für Reisende, Koblenz, S. 83</ref>


Im Mai 1848 stellte die Herrnhuter Stadtgemeine zweimal pro Woche die Räumlichkeiten ihres [[Gemeindehaus (Reformierte Gemeinde)|Gemeindehaus (Am Markt 48)]] einer "Strick-, Näh- und Spinnschule für bedürftige Mädchen" zur Verfügung. Träger dieser sozialen Einrichtung war der [[Norder Frauenverein]], dem ausschließlich die Ehefrauen führender Norder Persönlichkeiten als Mitglieder angehörten. Das Amt der Vereinspräsidentin hatte ab 1858 [[Peta van Hülst]], Ehefrau des Mennonitenpredigers [[Laurenz van Hülst]], inne.
Im Mai 1848 stellte die Herrnhuter Stadtgemeine zweimal pro Woche die Räumlichkeiten ihres [[Gemeindehaus (Reformierte Gemeinde)|Gemeindehaus (Am Markt 48)]] einer "Strick-, Näh- und Spinnschule für bedürftige Mädchen" zur Verfügung. Träger dieser sozialen Einrichtung war der [[Norder Frauenverein]], dem ausschließlich die Ehefrauen führender Norder Persönlichkeiten als Mitglieder angehörten. Das Amt der Vereinspräsidentin hatte ab 1858 [[Peta van Hülst]], Ehefrau des Mennonitenpredigers [[Laurenz van Hülst]], inne.