Itzendorf: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Itzendorf''' war eine Ortschaft auf dem Gebiet des heutigen [[Westermarsch II]]. Es wurde nach der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 ausgedeicht. An den Ort erinnern heute noch die [[Itzendorfplate]] und die [[Itzendorfer Straße]]. Der Kartenausschnitt rechts zeigt die ungefähre Lage des historischen (und heutigen) Itzendorfs. | |||
'''Itzendorf''' war eine Ortschaft auf dem Gebiet des heutigen [[Westermarsch II]]. Es wurde nach der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 ausgedeicht. An den Ort erinnern heute noch die [[Itzendorfplate]] und die [[Itzendorfer Straße]]. | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
===Anfang und Ende=== | ===Anfang und Ende=== | ||
Ursprünglich war der Ort wohl der Stammsitz der später in [[Ostlintel]] ansässigen [[Idzinga]]. Erstmalig wird der Ort 1559 als "Itzigendorp" erwähnt.<ref name=":0" /> Die Menschen hier betrieben vor allem Fischerei und Torfsalzgewinnung, wie sie auch in der [[Westermarsch II]], zum Beispiel auf der [[Uden-Soltjers Warf]] betrieben wurde. Hierbei wurden Torflagerstätten im Watt bei Ebbe abgebaut und der so gewonnene Torf an Land gebracht, getrocknet und anschließend verbrannt. Aus der Asche wurde dann in weiteren Arbeitsschritten ein graufarbenes Salz, welches unter der Bezeichnung "Friesensalz" gehandelt wurde, erzeugt. Vermutlich hat der Torfabbau die Erosion der Küste beschleunigt. Die Landfläche im Deichvorland wurde abgesenkt und diese damit den Sturmfluten stärker ausgesetzt.<ref>Förderverein Museum Nordseeheilbad Norderney (2009): Ausstellung: Meer & Salz. In: museums-nachrichten, bade~museum norderney, Ausgabe 1/2009, Norderney, S. 3</ref> Das Dorf galt als wohlhabend, [[Itzendorfer Schule|ihre Schule]] blieb daher nie lange ohne Lehrer.<ref name=":0" /> | Ursprünglich war der Ort wohl der Stammsitz der später in [[Ostlintel]] ansässigen [[Idzinga]]. Erstmalig wird der Ort 1559 als "Itzigendorp" erwähnt. Es folgten "Itschendorp" (1599) und "Idzingdorf" (1787).<ref name=":0" /> Die Menschen hier betrieben vor allem Fischerei und Torfsalzgewinnung, wie sie auch in der [[Westermarsch II]], zum Beispiel auf der [[Uden-Soltjers Warf]] betrieben wurde. Hierbei wurden Torflagerstätten im Watt bei Ebbe abgebaut und der so gewonnene Torf an Land gebracht, getrocknet und anschließend verbrannt. Aus der Asche wurde dann in weiteren Arbeitsschritten ein graufarbenes Salz, welches unter der Bezeichnung "Friesensalz" gehandelt wurde, erzeugt. Vermutlich hat der Torfabbau die Erosion der Küste beschleunigt. Die Landfläche im Deichvorland wurde abgesenkt und diese damit den Sturmfluten stärker ausgesetzt.<ref>Förderverein Museum Nordseeheilbad Norderney (2009): Ausstellung: Meer & Salz. In: museums-nachrichten, bade~museum norderney, Ausgabe 1/2009, Norderney, S. 3</ref> Das Dorf galt als wohlhabend, [[Itzendorfer Schule|ihre Schule]] blieb daher nie lange ohne Lehrer.<ref name=":0" /> | ||
1717 wurde der zwischen Norddeich und Utlandshörn verlaufende [[Westermarscher Seedeich]] durch die [[Weihnachtsflut]] schwer beschädigt und an sechs Stellen völlig durchbrochen. An vier Durchbrüchen bildeten sich tiefe [[Kolk|Kolke]]. Vier dieser Deichbrüche befanden sich im Gebiet um den Ort, viele Einwohner fanden dabei den Tod und die Bausubstanz wurde schwer beschädigt. Zunächst versuchten die überlebenden Bewohner, ihr Dorf wieder zu sichern. Drei Jahre später richtet die [[Neujahrsflut]] vom 31. Dezember 1720 auf den 1. Januar 1721 verheerende Schäden an. Itzendorf wurde dabei völlig zerstört.<ref>Ohlig, Christoph (2005): Ostfriesland und das Land Oldenburg im Schutz der Deiche und weitere wasserhistorische Beiträge, S. 36</ref> Nach erfolglosen Instandsetzungsversuchen wurde die alte Deichlinie 1721 endgültig aufgegeben, der südlich des Ortes gelegene Notdeich zum Seedeich ausgebaut und Itzendorf ausgedeicht, indem man den gesamten Westermarscher Seedeich von [[Norddeich]] bis [[Utlandshörn]] auf einer Strecke von 7,2 km Länge zurückverlegte. Rund 270 Hektar fruchtbares Land sind seitdem ausgedeicht.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2010): Historische Ortsdatenbank Ostfriesland, Westermarsch II, Manuskript</ref> | 1717 wurde der zwischen Norddeich und Utlandshörn verlaufende [[Westermarscher Seedeich]] durch die [[Weihnachtsflut]] schwer beschädigt und an sechs Stellen völlig durchbrochen. An vier Durchbrüchen bildeten sich tiefe [[Kolk|Kolke]]. Vier dieser Deichbrüche befanden sich im Gebiet um den Ort, viele Einwohner fanden dabei den Tod und die Bausubstanz wurde schwer beschädigt. Zunächst versuchten die überlebenden Bewohner, ihr Dorf wieder zu sichern. Drei Jahre später richtet die [[Neujahrsflut]] vom 31. Dezember 1720 auf den 1. Januar 1721 verheerende Schäden an. Itzendorf wurde dabei völlig zerstört.<ref>Ohlig, Christoph (2005): Ostfriesland und das Land Oldenburg im Schutz der Deiche und weitere wasserhistorische Beiträge, S. 36</ref> Nach erfolglosen Instandsetzungsversuchen wurde die alte Deichlinie 1721 endgültig aufgegeben, der südlich des Ortes gelegene Notdeich zum Seedeich ausgebaut und Itzendorf ausgedeicht, indem man den gesamten Westermarscher Seedeich von [[Norddeich]] bis [[Utlandshörn]] auf einer Strecke von 7,2 km Länge zurückverlegte. Rund 270 Hektar fruchtbares Land sind seitdem ausgedeicht.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2010): Historische Ortsdatenbank Ostfriesland, Westermarsch II, Manuskript</ref> | ||