Jüdische Gemeinde Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Die jüdische Gemeinde von Norden war eine der ältesten in Ostfriesland. Es ist unklar, wann sie sich gründete. Das früheste Zeugnis einer jüdischen Niederlassung in Norden ist ein Brief, den die Emder und Norder Juden am 17. September 1577 an die Gräfin Agnes von Hoya sendeten. Der Schutzbrief für den Norder Juden Meyer und seine Familie ist der älteste, der bis heute erhalten ist. Die Gemeinde dürfte jedoch viel älter sein, was aus einem einem Schreiben des in Norden ansässigen Hofjuden [[Meyer Calmans]] an die Fürstin Christine Charlotte von Württemberg-Teck hervorgeht. Er schrieb am 22. August 1669, dass die Juden in Norden schon vor hundert Jahren ein Stück Land gepachtet hatten, um darauf [[Jüdischer Friedhof|einen Friedhof]] anzulegen.<ref>Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> | Die jüdische Gemeinde von Norden war eine der ältesten in Ostfriesland. Es ist unklar, wann sie sich gründete. Das früheste Zeugnis einer jüdischen Niederlassung in Norden ist ein Brief, den die Emder und Norder Juden am 17. September 1577 an die Gräfin Agnes von Hoya sendeten. Der Schutzbrief für den Norder Juden Meyer und seine Familie ist der älteste, der bis heute erhalten ist. Die Gemeinde dürfte jedoch viel älter sein, was aus einem einem Schreiben des in Norden ansässigen Hofjuden [[Meyer Calmans]] an die Fürstin Christine Charlotte von Württemberg-Teck hervorgeht. Er schrieb am 22. August 1669, dass die Juden in Norden schon vor hundert Jahren ein Stück Land gepachtet hatten, um darauf [[Jüdischer Friedhof|einen Friedhof]] anzulegen.<ref name=":1">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> | ||
Wann die Gemeinde ihren ersten Gebetsraum einrichtete, ist unklar. 1679 erwarb sie ein Haus am [[Neuer Weg 100|Neuen Weg 110]], das sie bis 1804 als Synagoge (Betraum), Schule und Wohnhaus nutzte. Auch eine Mikwe (ritueller Waschraum zur Hygiene) war in dem Gebäude untergebracht. Vielleicht wurde das Gebäude zuvor bereits mietweise als Betsaal bzw. Synagoge mit Mikwe genutzt. | Wann die Gemeinde ihren ersten Gebetsraum einrichtete, ist unklar. 1679 erwarb sie ein Haus am [[Neuer Weg 100|Neuen Weg 110]], das sie bis 1804 als Synagoge (Betraum), Schule und Wohnhaus nutzte. Auch eine Mikwe (ritueller Waschraum zur Hygiene) war in dem Gebäude untergebracht. Vielleicht wurde das Gebäude zuvor bereits mietweise als Betsaal bzw. Synagoge mit Mikwe genutzt.<ref name=":1" /> | ||
Rund um dieses Haus entstand ab 1804 das jüdische Gemeindezentrum. Das Grundstück hatte seit 1752 einer jüdischen Familie aus [[Bargebur]] gehört. Noch 1804 begann der Bau der Synagoge, für die der preußische König Friedrich Wilhelm III. 100 Reichstaler bewilligte. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nichtjüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel. | Rund um dieses Haus entstand ab 1804 das jüdische Gemeindezentrum. Das Grundstück hatte seit 1752 einer jüdischen Familie aus [[Bargebur]] gehört. Noch 1804 begann der Bau der Synagoge, für die der preußische König Friedrich Wilhelm III. 100 Reichstaler bewilligte. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nichtjüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.<ref name=":1" /> | ||
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann auch die Verfolgung der Norder Juden. Es wurden jüdische Geschäfte geschlossen und die jüdische Bevölkerung aus Arbeits- und Lehrstellen, Schulen und Vereinen ausgeschlossen. Viele Jüdinnen und Juden emigrierten, Häuser und Besitz mussten sie unter Wert verkaufen. Im Zuge der Reichspogromnacht 1938 brannten die Nationalsozialisten unter Führung des Norder Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] die Synagoge nieder, ihre Überreste wurden an einen einen Altwarenhändler zur Verwertung und Beseitigung übergeben. Kurz darauf wurden alle Juden zum [[Schlachthof]] getrieben und dort misshandelt. | Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann auch die Verfolgung der Norder Juden. Es wurden jüdische Geschäfte geschlossen und die jüdische Bevölkerung aus Arbeits- und Lehrstellen, Schulen und Vereinen ausgeschlossen. Viele Jüdinnen und Juden emigrierten, Häuser und Besitz mussten sie unter Wert verkaufen. Im Zuge der Reichspogromnacht 1938 brannten die Nationalsozialisten unter Führung des Norder Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] die Synagoge nieder, ihre Überreste wurden an einen einen Altwarenhändler zur Verwertung und Beseitigung übergeben. Kurz darauf wurden alle Juden zum [[Schlachthof]] getrieben und dort misshandelt.<ref name=":0" /> | ||
Mit der Deportation der letzten Jüdinnen und Juden endete 1940 die fast 400jährige Geschichte der Jüdischen Gemeinde Norden. Zwar leben auch heute noch vereinzelt Juden in Norden, doch gehören diese größeren, noch existierenden Gemeinden an. | Mit der Deportation der letzten Jüdinnen und Juden endete 1940 die fast 400jährige Geschichte der Jüdischen Gemeinde Norden. Zwar leben auch heute noch vereinzelt Juden in Norden, doch gehören diese größeren, noch existierenden Gemeinden an. | ||