Jüdische Gemeinde Norden: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Gebäude==
==Gebäude==
Neben der Synagoge errichtete die jüdische Gemeinde ab 1804 noch weitere Gebäude. Es entstanden das [[Vorsängers Haus|Haus des Vorsängers]], in dem sich unter anderem auch das Sekretariat und der Versammlungssaal der Gemeinde befand. 1891 ließ die Gemeinde das Haus neu erbauen. Neben der Eingangstür sind die Namen von Gemeindeausschuss und Baukommission zu lesen.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 25. März 2021</ref>
Neben der Synagoge errichtete die jüdische Gemeinde ab 1804 noch weitere Gebäude.<ref name=":0">[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 25. März 2021</ref> Es entstanden das [[Vorsängers Haus|Haus des Vorsängers]], in dem sich unter anderem auch das Sekretariat und der Versammlungssaal der Gemeinde befand. 1891 ließ die Gemeinde das Haus neu erbauen.<ref>Schreiber, Gretje (2006): Norder Häuser (XIX): Die Bewohner des Neuen Weges, in: Ostfriesischer Kurier, 17./18. August 2006, S. 12</ref> Neben der Eingangstür sind die Namen von Gemeindeausschuss und Baukommission zu lesen.


Das Nachbarhaus (Synagogenweg 3) ließ die Gemeinde 1891 als Lehrerhaus errichten. In diesem Gebäude wurde die Widerstandskämpferin [[Recha Freier]] am 29. Oktober 1892 geboren. Neben der Eingangstür sind die Namen von Gemeindevorstand und -ausschuss sowie das Baujahr in die Steine geritzt. Auch der Name von Rechas Vater ist hier zu lesen.
Das Nachbarhaus (Synagogenweg 3) ließ die Gemeinde 1891 als Lehrerhaus errichten. In diesem Gebäude wurde die Widerstandskämpferin [[Recha Freier]] am 29. Oktober 1892 geboren. Neben der Eingangstür sind die Namen von Gemeindevorstand und -ausschuss sowie das Baujahr in die Steine geritzt. Auch der Name von Rechas Vater ist hier zu lesen.<ref name=":0" />


Am Synagogenweg 4 entstand die ehemalige jüdische Schule. Sie wurde 1871 als Anbau an das Haus [[Neuer Weg 110]] errichtet. Die Schule hatte einen kleinen Schulgarten, für den Sportunterricht wurde die [[Sporthalle Am Alten Siel|Turnhalle]] des [[Norder Turnverein|Norder Turnvereins]] genutzt. 1903 wurde der vordere, ursprüngliche Bau der Nummer 110 abgebrochen und mit einer Lehrerwohnung im Obergeschoss neu errichtet.
Am Synagogenweg 4 entstand die ehemalige jüdische Schule. Sie wurde 1871 als Anbau an das Haus [[Neuer Weg 110]] errichtet. Die Schule hatte einen kleinen Schulgarten, für den Sportunterricht wurde die [[Sporthalle Am Alten Siel|Turnhalle]] des [[Norder Turnverein|Norder Turnvereins]] genutzt. 1903 wurde der vordere, ursprüngliche Bau der Nummer 110 abgebrochen und mit einer Lehrerwohnung im Obergeschoss neu errichtet.<ref name=":0" />


==Einzelnachweise==
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Kirchenkreis Norden]]
*[[Jüdischer Friedhof]]
*[[Synagoge]]
*[[Synagoge]]


[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]

Version vom 25. März 2021, 09:54 Uhr

Jüdische Gemeinde Norden

Basisdaten
Gründung vor 1679
Auflösung 1940
Rechtsform Religionsgemeinschaft
Hauptsitz Synagogenweg

26506 Norden

Die Jüdische Gemeinde von Norden ist eine der ältesten Glaubensgemeinschaften der Stadt. Ihre Ursprünge gehen bereits auf das 16. Jahrhundert zurück. Nach der Reichspogromnacht 1938 und der darauffolgenden, zunehmenden Verfolgung der Juden war die Gemeinde, deren Zentrum sich im heutigen Synagogenweg befand, im Jahr 1940 gezwungen, sich aufzulösen.

Geschichte

Die jüdische Gemeinde von Norden war eine der ältesten in Ostfriesland. Es ist unklar, wann sie sich gründete. Das früheste Zeugnis einer jüdischen Niederlassung in Norden ist ein Brief, den die Emder und Norder Juden am 17. September 1577 an die Gräfin Agnes von Hoya sendeten. Der Schutzbrief für den Norder Juden Meyer und seine Familie ist der älteste, der bis heute erhalten ist. Die Gemeinde dürfte jedoch viel älter sein, was aus einem einem Schreiben des in Norden ansässigen Hofjuden Meyer Calmans an die Fürstin Christine Charlotte von Württemberg-Teck hervorgeht. Er schrieb am 22. August 1669, dass die Juden in Norden schon vor hundert Jahren ein Stück Land gepachtet hatten, um darauf einen Friedhof anzulegen.[1]

Wann die Gemeinde ihren ersten Gebetsraum einrichtete, ist unklar. 1679 erwarb sie ein Haus am Neuen Weg 110, das sie bis 1804 als Synagoge (Betraum), Schule und Wohnhaus nutzte. Auch eine Mikwe (ritueller Waschraum zur Hygiene) war in dem Gebäude untergebracht. Vielleicht wurde das Gebäude zuvor bereits mietweise als Betsaal bzw. Synagoge mit Mikwe genutzt.

Rund um dieses Haus entstand ab 1804 das jüdische Gemeindezentrum. Das Grundstück hatte seit 1752 einer jüdischen Familie aus Bargebur gehört. Noch 1804 begann der Bau der Synagoge, für die der preußische König Friedrich Wilhelm III. 100 Reichstaler bewilligte. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nichtjüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.

Infolge der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge durch die Nationalsozialisten in Brand gesetzt. Sie brannte infolge dessen vollständig nieder, ihre Überreste wurden an einen einen Altwarenhändler zur Verwertung und Beseitigung übergeben.

Gebäude

Neben der Synagoge errichtete die jüdische Gemeinde ab 1804 noch weitere Gebäude.[2] Es entstanden das Haus des Vorsängers, in dem sich unter anderem auch das Sekretariat und der Versammlungssaal der Gemeinde befand. 1891 ließ die Gemeinde das Haus neu erbauen.[3] Neben der Eingangstür sind die Namen von Gemeindeausschuss und Baukommission zu lesen.

Das Nachbarhaus (Synagogenweg 3) ließ die Gemeinde 1891 als Lehrerhaus errichten. In diesem Gebäude wurde die Widerstandskämpferin Recha Freier am 29. Oktober 1892 geboren. Neben der Eingangstür sind die Namen von Gemeindevorstand und -ausschuss sowie das Baujahr in die Steine geritzt. Auch der Name von Rechas Vater ist hier zu lesen.[2]

Am Synagogenweg 4 entstand die ehemalige jüdische Schule. Sie wurde 1871 als Anbau an das Haus Neuer Weg 110 errichtet. Die Schule hatte einen kleinen Schulgarten, für den Sportunterricht wurde die Turnhalle des Norder Turnvereins genutzt. 1903 wurde der vordere, ursprüngliche Bau der Nummer 110 abgebrochen und mit einer Lehrerwohnung im Obergeschoss neu errichtet.[2]

Einzelnachweise

  1. Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139
  2. 2,0 2,1 2,2 Ein Rundgang durch Norden, abgerufen am 25. März 2021
  3. Schreiber, Gretje (2006): Norder Häuser (XIX): Die Bewohner des Neuen Weges, in: Ostfriesischer Kurier, 17./18. August 2006, S. 12

Siehe auch